SWEDENROCK - Sölvesborg - Fazit

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Fazit:
Das SWEDENROCK bewies sich erneut als Stelldichein der Spitzenkräfte sämtlicher Rockspielarten, dessen Programm immer breiter gefächert wird. Jedoch muss man auch anmerken, dass die frühere Kernkompetenz AOR/Hair Metal bis auf eine Ausnahme lediglich von einheimischen Bands bedient wurde. Man vermisste einige Namen, die derzeit unterwegs sind, etwa TYKETTO, im klassischen Metal auch die Tourbegleitungen von SAVATAGE oder im Thrash Metal ANTHRAX. Ohnehin ist mit mittlerweile mehr als neunzig Bands eine Grenze erreicht, die das Programm ein bisschen beeinträchtigen.
Es war mal ein Alleinstellungsmerkmal, dass die Shows 75 Minuten oder eineinhalb Stunden gehen, zudem der Curfew inzwischen bei 00:30 liegt. Dadurch kommen nur noch Co-Headliner oder die Headliner der Rock Stage auf diese Zeiten, bzw. das Midnight Special. Wegen des langen Slots von IRON MAIDEN waren an dem Tag auch oft nur fünf Minuten Changeover, anstatt den üblichen fünfzehn, was schon Stress bedeuten konnte. Dennoch leisteten die Crews ganze Arbeit und errichteten in den Pausen mächtige Stagesets, um kleineren Acts große Shows zu ermöglichen und die von großen wie Headlinerevents aussehen zu lassen.

Dass man bei den frühen Schlusszeiten Probleme haben dürfte mit der Bevölkerung, glaube ich nicht, die haben das Festival sehr gut angenommen. Die Kapazitäten der offiziellen Campingflächen und regulären Campingplätze waren bei 25.000 eigentlich schon ausgereizt. Heute vermieten die Bewohner einfach alles, wo man irgendwie drin schlafen kann, in Norje direkt gegenüber gibt es einen Imbiss, der nur eine Woche im Jahr geöffnet hat, manche Gastrostände machen sich aus den Vorgärten auch die typischen Steinmauern als Theke nützlich. So gab es auch viele Partys in den Gärten der Anwohner, teils mit Familie, teils mit den Gästen.
Die geht dann auch auf den offiziellen Campingplätzen weiter, direkt unterhalb des Geländes fand beim Norje Boke Camping in der Strandbar eine Auftaktparty mit Coverband statt, Strand und Uferzone sind komplett von schwarz gekleideten Menschen besiedelt. Wobei das nicht immer die vorherrschende Farbe ist, in Sachen verrückter Kostüme wissen die Schweden auch mitzuhalten, dazu kommen landestypische Trachten. Ohnehin ist das Happening ein Volksfest im Land der Elche, wo so viel mehr gefeiert wird wie nur die Musik, dass es immer um den Nationalfeiertag stattfindet ist Beleg dafür.

Ein Problem des letzten Jahres wurde bei der Ausgabe gut angegangen, das Festivalessen wurde nicht wieder merklich teurer, dafür hat man in Sachen Qualität nachgebessert. Anscheinend haben die Standbetreiber beim Personal nachgebessert, denn lange Schlangen wie 2025 sah man in dem Jahr selten. Die Auswahl ließ auch kaum Wünsche offen, wenn sich auch die Stände der einzelnen Betriebe wiederholten. Aber vom klassischen Grillstand, darunter auch mediterrane, über wirklich großartige Burger, diverse Pastaangebote, Langos, asiatische Küche, Tex Mex, Döner mit allen Fleischsorten bis hin zu Wild, oder auch die Toastbaguettes war alles zu haben. Pizzen wurden großenteils komplett in der praktischen Pappschachtel serviert, und die Süßwarenstände hatten dick verzierte Donuts, sowie die einheimischen Munkbullars in der Auswahl.

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Fotos: Rainer Petry

Was ein wenig anzukreiden war bei der Auflage war der Sound, gerade an den großen Bühnen. Die tiefen Frequenzen waren einfach zu präsent und ließen viele Details verschwinden. Zuletzt hatte man diese Probleme vermehrt 2022, seitdem war der Sound immer gut, an den zwei letzten Tagen bekamen es die Mischer besser in den Griff. Ich kann jedoch nur von den vorderen Bereichen sprechen, da ich versuche so nah wie möglich am Geschehen zu sein. Aber bei der Logistik, die dahintersteht, hinter den Bühnen steht ein Fuhrpark, wie ihn große Bauunternehmen nicht besitzen, sollte so etwas nicht passieren. Sonst lief technisch alles reibungslos, ein viertel Stunde nach SAXON lud der Bildschirm schon die Videos von HELLOWEEN hoch und zwei Trucks mit Kürbis-Logo rollten ein.

In Sachen Bequemlichkeit für das Publikum konnten ebenso Verbesserungen verzeichnet werden, die Schlangen an den ausnahmslos Spültoiletten auf dem Gelände waren nicht mehr so lang. Dazu wurde das Taschenverbot der letzten beiden Jahre etwas gelockert, wobei es immer möglich war seinen Campingstuhl mit rein zu nehmen, aber auch andere aufblasbare Sitzgelegenheiten wurden gesichtet. Deren Besitzer werden zwar gebeten, sich nicht zu weit vorne zu platzieren, dem sie auch nachkommen. Die größte Population findet sich zwischen den beiden größten Bühnen, wo eher gechillt wird und man nur aufsteht, um beim Wechsel den Sitz umzudrehen.
Dass dies so reibungslos funktioniert, und man keine gesonderten Anweisungen benötigt, liegt am über die Jahre gewachsenen Respekt zwischen den Ordnungskräften und Publikum. Die Security ist sehr unprätentiös, hält sich immer im Hintergrund und versucht auch durch ihr Auftreten gute Laune zu verbreiten. Da kommt nichts so sehr befehlend rüber, man nimmt vieles locker, legt eher wert darauf, dass die Zuschauer zufrieden sind, indem Trinkwasser in die vorderen Reihen gereicht wird. Hier ist von deren Seite viel Verständnis für die Fans vorhanden, weil sie selbst welche sind, da wird sogar aufgepasst, dass diejenigen, die den ganzen Tag vorne ausharren nicht verdrängt werden.

Obwohl ich in dem Jahr auch die Sicherheitskräfte kritisieren muss: Ich weiß, dass Crowdsurfing eigentlich verboten ist, und dass man laut Festivalordnung dafür rausgeworfen werden kann. Von daher ist die Nachsicht schon eine nette Geste, aber beim Hinausgeleiten aus dem Graben könnte man die Kids etwas sanfter anpacken. Klar stellen die direkt vorne an der Barriere ein Sicherheitsrisiko dar, weil ja weitere aus dem Publikum herübergetragen werden, aber hier vermisste ich das sonstige Verständnis. Für die meisten Zuschauer ist das jedoch auch schwer, da dies weniger gewohnt sind, und viele Surfer oft fallen gelassen werden, weil das niemand auf dem Schirm hat. Hier sollte für die Zukunft eine bessere Lösung gefunden werden.

Gut finde ich hier, dass sich Henrik von der Sweden Stage und Johan von der Blåkläder Stage mit ihren Teams gegenseitig unterstützen, und zum Teil auch an der Festival Stage aushelfen. Dort sind meist die beiden Chefs Conny Olsson und Thomas Carlsson zuständig, die den Laden mit ihrer lockeren, aber bestimmten Art im Griff haben. Mit Olsson hatte ich ein längeres Gespräch, in dem er positiv anmerkte, dass die Taschendiebstähle in dem Jahr deutlich weniger waren. Natürlich ist Polizeipräsenz nicht das, was der Besucher haben möchte, wenn es aber hilft, gerade die strukturelle Kriminalität abzuschrecken, dann kann ich damit leben.
Sonst gab es nur etwa achtzig Anzeigen, die meisten wegen BTM-Delikten, das SWEDENROCK ist ein friedlicher Ort inmitten einer immer verrückteren Welt. Wo sonst hat man so ein Klima zwischen Publikum und Security, wo sich Sven und Marie an der Rock Stage, oder Mikael und Don an der Festival Stage über die Reaktionen der Fans freuen, da sie von den Shows ja optisch nichts mitbekommen. Da fühlt man sich gut aufgehoben, da die Leute sehr aufmerksam sind, und genau hinschauen, wenn jemand körperlich zu schwächeln droht oder sich bückt, um die Schuhe zu binden. Man kann den Wert dieses Teams für das Festival und das Miteinander nicht hoch genug einschätzen.

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Fotos: Rainer Petry

Alle Fotos, sofern nicht anderes vermerkt von Celia Frontrow

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