SWEDENROCK - Sölvesborg - Freitag, 05.06.2026

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Freitag, 05.06.2026

STRÖM (Blåkläder Stage)
Mal zur Abwechslung keinen Hair Metal zum Frühstück, auch wenn Hard Rock auf der Speisekarte stand. Doch die Schweden legen ihren Riff Rock deutlich dreckiger und rauer an, lassen dabei sicher die Vorbilder durchblicken. Wo die vielen schwedischen Ansagen für Nichteinheimische schon ein Problem darstellten, legte der Fünfer noch einen drauf, und sang gleich in Schwedisch. Es sprach für das Material, dass es beim Zugang so wenig Hürden aufbaute, das Zeug lief direkt gut rein und animierte zum gepflegten Headbangen. Wobei die Protagonisten dem Publikum zu gerne vormachten, wie so etwas geht, denn von Beginn an rannten sie wie wild auf der Bühne herum.

Wobei diese Frontmann Zdravko Zizmond schnell zu eng war, er turnte lieber vorne von einer PA-Box zur nächsten und stachelte die Menge mit seiner blendenden Laune weiter an. Um sein Mikro leichter mit sich schleppen zu können hatte er nur den oberen Teil des Ständers dabei, so etwas kennt man ja beispielsweise von Chuck Billy. Zwischen den Stücken unterhielt er die Leute mit witzigen Ansagen, welche die Stimmung zusätzlich steigerten. Wenn sein Reibeisen während der Songs nicht verlangt war, war er dennoch weiter Aktivposten, gesellte sich zum jeweiligen Solisten und schüttelte sein Locken, begleitete dazu auf der Luftgitarre.

Ein Wunder, dass die Schiebermützen von Gitarrist Calle Sjöqvist und Bassist Adam Butler nicht gleich das Weite suchten, so wie ihre Träger in Action waren. Zumindest Erstgenannter entledigte sich dessen recht schnell, pink passte eh nicht so zum vorherrschenden schwarz und anderen Denim-Stoffen. Johan Siljedahl verzichtete gleich ganz drauf, hatte aber mit einem rechts gespielten Linkshänder-Expander die coolste Axt am Start, das Instrumentarium ohnehin so vintage wie der Sound von STRÖM. Das wurde im Laufe des Gigs in alle möglichen Positionen gehalten, dazu alles an Posen ausgepackt, die der Rock'n'Roll so bietet.

Den Soundtrack lieferten die Jungs von ihren beiden Alben wie „Ta Mig Tillbacks“ oder „Tiden Sjunger“ vom Debüt oder den Titeltrack vom aktuellen „En Orkan På Vår Sida“. Dazwischen wurden immer wieder Tunes von EPs und Singles geschoben, etwa „Ödet Slårt Hårt“. Fehlen durfte auf keinen Fall die Hymne auf ihre Heimat „Småland“, von wo wohl jeder greifbare Metalfan angereist war. Diese Gruppe machte den meisten Alarm vor der Bühne, hatten von Wimpel, Flagge bis Spruchband alles von ihrer Provinz dabei. Trotz viel Lokalkolorit konnten auch die übrigen Anwesenden abgeholt werden, die mit einem Bombardement aus T-Shirts belohnt wurden.

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ROCKKLASSIKER ALLSTARS (Pistonhead Stage)
Einer der obligatorischen Programmpunkte war der Allstar-Jam im Zelt, der immer einen Tag dort eröffnet. Der bekannte Radiosender bringt eine Reihe Stars und Szenehelden auf den Brettern zusammen, die sich mit wechselnden Sangesartisten durch eine Reihe Evergreens zocken. Diesmal stand eher die jüngere Garde auf der Bühne mit Love Magnussen von Dynazty und Rasmus Ehrenborn vom Night Flight Orchestra an den Gitarren oder Drummer Christian Lundqvist von den Poodles. Später waren für ein paar Songs Mikkey Dee und Pontus Egberg von Treat dabei, während Jona Tee von H.E.A.T für die Tasten zuständig war.

Die meisten Stücke dürften die Mitwirkenden schon aus jungen Zeiten kennen, als sie sich quer durch die Rockhistorie coverten. Deswegen mussten sie sich wenig auf ihr Spiel konzentrieren, und konnten stattdessen nach Herzenslust posen. Breitbeinig stand man sich gegenüber, ließ die Spielfreude spüren und die Äxte nur so durch die Gegend wirbeln. Was auch für den Stargast Mikkey Dee hinterm Kit galt, der noch einmal mehr antrieb, immer noch ein Tier, einer der letzten Überlebenden von Motörhead.
Im letzten Jahr hatte sie die ersten Einsätze bei der Anmoderation, dieses Jahr übernahm Nina Södergren einen Großteil der Bandankündigungen auf der Bühne. So führte sie auch bei den Allstars durch das Programm und übernahm mit einem Titel von KISS den ersten Leadgesang. Von jenen stammte auch der Rausschmeißer, bei dem dann alle Vokalisten auf der Bühne vereint waren. Passend dazu trug sie ein enges, kurzes Kleid aus KISS-Patches und ein paar von anderen Bands, das recht offenherzig ausfiel.

Zwar war der Zuspruch nicht besonders, im Zelt war noch Platz, aber diejenigen, die da waren, feierten die Sachen gebührend ab. Jedoch hätte man bei der Songauswahl etwas mehr Sorgfalt walten lassen können, da mehrere Dopplungen verzeichnet wurden. Von Iron Maiden wären einem auch Stücke eingefallen, die nicht am Vorabend zu hören waren, auch wenn Niels K. Rue glänzen konnte. Ein Lied des Headliners vorweg zu nehmen ist noch ungeschickter, das hatte man im letzten Jahr mit ein paar Whitesnake-Covern.
Das hier Aufgeführte sang Mats Levén, der damals schon mit Vandenberg ein Set der Legende zockte. Als Bon Jovi-Verschnitt präsentierte sich „Rockstar For A Day“-Gewinner Andreas, der optisch mehr als gesanglich überzeugte. Der Fokus lag erwartungsgemäß bei Ozzy Osbourne, der neben der Lemmy-Kollaboration vorm Finale mit einem Medley geehrt wurde. Die gute Nina konnte das stimmlich erstaunlich gut rüberbringen, wobei zwei Balladen überraschten. Letztere geriet dann zum Abschluss zum emotionalen Highlight einer launigen Show.

Setlist ROCKKLASSIKER ALLSTARS:
Lick It Up
Fight For Your Right (To Party)
Here I Go Again
Bad Reputation
Wanted Dead Or Alive
Hellraiser
Breaking The Law
2 Minutes To Midnight
Vandrar
Bark At The Moon/Paranoid/Crazy Train/Changes/Mama I´m Coming Home
Rock & Roll All Night

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THE GATHERING (Rock Stage)
Eine der Shows nach dem Motto „Das wir das noch erleben dürfen“ servierten uns die Niederländer, die sich nach 27 Jahren wieder im klassischen Line-Up zusammengetan haben. Anfangs um auf ein paar kleinen Konzerten in ihrer Heimat das dreißigste Jubiläum ihres Klassikers „Mandylion“ zu feiern, entwickelte die bislang temporär angedachte Reunion schnell ein Eigenleben. Plötzlich sah sich das Sextett im Jahr danach auf allen relevanten Festivals wieder, um einen der Meilensteine des Dark Metal zu zelebrieren. 1995 mit der damals neuen Sängerin Anneke Van Giersbergen aufgenommen, bedeutete es für die Combo qualitativ und kommerziell einen Quantensprung.

Um nicht die Spannung zu sehr wegzunehmen, sparte man sich den eröffnenden Hit für den Schluss auf, und schlich langsam mit ein paar Ausschnitten des titelgebenden Instrumentals auf die Bühne. Mit dem zweiten Song legte die nun wieder zum Sechser angewachsene Formation los und war sofort in ihrem Element, dem legen von dichten Soundteppichen. Allerdings vermisste man die schwebenden Synthesizer etwas, klanglich war das direkter als auf Konserve. Auf der einen Seite machte sich in den ruhigen Parts die psychedelische Schlagseite deutlicher bemerkbar, auf der anderen verfügten die härteren Parts über noch mehr Druck als gewohnt.

Damit kamen die Ansätze deutlicher heraus, die nach dem Nachfolger „Nighttime Birds“ die Richtung vorgaben, der nicht mehr alle Freunde dieser Phase folgen konnten. Kehrte man davor vom Death Metal ab, so folgte seinerzeit ein kompletter Verzicht auf metallische Einflüsse. Die Livesituation unterstrich eher die progressive Note, setzte auf Dissonanzen, die sich interessant rieben. Hier wurde klar, wie sehr das damals auch am Woodhouse-Sound lag, der alles unter einem wuchtigen Mantel vereinte. Die Hagener Soundschmiede verhalf vielen Combos aus dem Todesblei-Sektor mit ihrem klaren Mix auf ein anderes musikalisches Level, drückte ihnen aber einen Stempel auf.

Im Mittelpunkt stand die Sängerin, die mit ihrem fast mädchenhaften Charme bezauberte und viele positive Vibes versprühte. Immer wieder wog sie in den Klangwogen hin und her und schüttelte ihre roten Locken. Ihre Nebenleute waren eher in ihr Spiel und das Erschaffen raumgreifender Atmosphäre vertieft, nur René Rutten ging bei ein paar dieser kraftvoll-elegischen Soli aus sich heraus. Seinem Gitarrenpartner Jelmer Wiersma sah man die lange Zeit ohne Bühnenerfahrung an, selbst wenn er zwischendurch immer wieder aushalf. Etwas gebückt und unsicher unterwegs schien er am meisten eben jene Passagen zu genießen, wenn er seine SG derber erklingen lassen durfte.

In den meisten Fällen legte er filigrane Fills unter die Vorgaben von Rutten, beide türmten Schicht um Schicht auf, um sie dann wieder in den flächigen Meeren von Frank Boeijen zu versenken. Auch mit leicht veränderter Spielweise zog das große Werk unweigerlich in seinen Bann, ohne nun die großen Reaktionen auszulösen, manch einer genoss mit geschlossenen Augen. Die spezielle Ausstrahlung spürbar, auch bei den beiden weiteren Liedern von späteren Scheiben, und die epochale Übernummer wurde gefeiert. Mal sehen wie es weitergeht mit der Reunion, van Giersbergen hat zwar ein Soloalbum in der Pipeline, aber das Gefüge schien mehr drin zu haben als diese Nostalgie.

Setlist THE GATHERING:
Eléanor
Fear The Sea
In Motion #2
On Most Surfaces (Inuit)
Leaves
Sand And Mercury
Strange Machines
Saturnine

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DIRKSCHNEIDER (Festival Stage)
Irgendwer von denen spielt immer, vor drei Jahren das große Original, vor zwei Jahren U.D.O ohne ACCEPT-Songs und nun eben diese Formation mit einem ACCEPT-Set unter dem Nachnamen. Warum bei so einem Kanon an Metalgranaten irgendwas in der Hinterhand halten, sich bewusst, dass alles abgefeiert werden würde, kann man gleich in die Vollen gehen. Der „German Tank“ lehrte die Schweden ein wenig Volksmusik, auch wenn die Lyrics gut in deren Sprache aufgehoben wären.
Dann ein langer Schrei und schon zermalmte die DoubleBass von Filius Sven alles, was sich ihr in den Weg stellte. Da wurden keine Gefangenen gemacht, die Fäuste pumpten in die Luft, die Köpfe bangten, damit wurde ein ganzer Genrekosmos entscheidend mitgeprägt. Und weil man in einer Stunde wenig zu verschenken hatte, durften Dee Dammers und Alen Brentini gleich mal zu Hochgeschwindigkeits-Twinsoli nach vorne auf die Rampe, wo der Mainman die meiste Zeit zuhause war.

Der hatte wohl kurz vor der Abfahrt aus Deutschland noch mit Claus Lessmann gepokert und seine weißen Handschuhe gewonnen. Was jetzt zu seinem Tarnanzug deutlich maximal gegensätzlich wirkte, aber wer will dieser Institution irgendwie da jetzt was nachsagen? Mit weit über siebzig stand er da vorne, diktierte die Massen nach Belieben, schon der einleitende Chor schallte weit über die Bucht. Altersmilde mag er sicher geworden sein, genießt all seine Auftritte mit einem zufriedenen Lächeln.
Aber die Kreissäge in seiner Stimme rotierte immer noch wie in besten Zeiten, da legte er sich voll ins Zeug. Flankiert in den Refrains natürlich immer von den Gangshouts seiner Nebenleute, bei denen auch Sven mittels Kopfmikro partizipierte. Inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Band, übernahm er sogar die ein oder andere Ansage oder Anfeuerung für seinen Vater, bei denen er auf seinem Schemel stand. Als weiteres Rückgrat funktionierte Peter Baltes, der seine Locken zum Zopf gebunden hatte und sehr vital jeden Meter der Bühne nutzte.

Da ging es natürlich ab vor der Bühne, das rockige Pumpen des nächsten Stückes sorgte für Hüpfalarm, bevor dann die erklärte Lieblingsnummer des Autors alles regelte. Manch einer mag ein „Balls To The Walls“-Set erwartet haben, aber in der Zeit hätten ein paar andere Lieder herunterfallen müssen. Da wünsche ich mir die Zeiten von längeren Slots als einer Stunde auch früh am Tag zurück, vom kürzlich neu aufgenommenen Klassiker gab es dann nur den Titelsong.
Wobei der wie die letzten drei etwas mit Interaktionen zu sehr in die Länge gezogen wurde, das Publikum ging aber die ganze Zeit mit und skandierte oft den Namen der Protagonisten. Dee Dammers bekam auch seinen großen Auftritt mit der Beethoven-Adaption, die er bravourös meisterte. Sein neuer Kollege Alen Bertini machte unter seinem Bandana mit Schirmmütze auf Achtziger-Rockstar und fügte sich gut ein. Mit dem super schmissig dargebotenen „Breaker“-Stück musste die Party leider enden, nach dem Vorabend ein Traum für Traditionalisten.

Setlist DIRKSCHNEIDER:
Fast As A Shark
Living For Tonite
Midnight Mover
Breaker
Flask Rockin´ Man
Metal Heart
Up To The Limit
Prindess Of The Dawn
Balls To The Walls
Burning

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OVERKILL (Sweden Stage)
Für jene waren auch die Thrasher nicht ungeeignet, aus der ersten Generation, welche auf die Ursuppe des Metal folgte. Ihre besten Zeiten haben sie sicher hinter sich, aber einen ganzen Reigen Klassiker dabei, von denen viele gar nicht ausgepackt werden konnten. Was die New Yorker stets bewahrt haben, war ihre Attitüde, mit der sie allen Widrigkeiten trotzen. Da kommt schon mal ihr Landsmann Jeramie Kling auf die Bühne, stellt sich hinter sein Kit und zeigt seinen Landsleuten beide Mittelfinger, aber den hob sich die Menge für später auf. Mittlerweile rotiert seine Position immer häufiger, aber die Umstände rüttelten das Line-Up noch mehr Durcheinander.
D.D. Verni hat man ja schon länger nicht mehr in Europa gesehen, es war krass, wie frapierend der jetzige Ersatz seinem Vorgänger Christian „Speesy“ Giessler ähnelte. Optisch war der belgischstämmige frühere Fear Factory-Basser auch in grauen Gefilden angekommen, der Katzenbuckel war schon von Altenessen inspiriert. Bei den Gitarristen tauchte mit Dave Linsk auch nur einer auf, wo Derek Trailer war, ließ sich nicht klären. Auch wenn die Formation in den Achtzigern lediglich mit Bobby Gustafson antrat, so fehlte schon ein wenig der Druck auf den sechs Saiten. In den Solopassagen musste Christian Olde Wolbers die Rifflöcher stopfen, was dann Schärfe kostete.
Die groovigere Ausrichtung kam dem neuen Material entgegen, mit dem Titeltrack des aktuellen Longplayers stiegen OVERKILL ins Set ein und schon rotierten die ersten Haare. Während sich noch einige darüber unterhielten, was die Band bringen könnte, setzte es einen der absoluten Kracher, der die Stimmung nochmal steigerte. Jedoch kamen von den beiden ersten Alben nur je ein Stück, dafür wurde die Zeit, als man mit dem Wechsel zu Nuclear Blast zu alter Stärke zurück fand, in den Fokus gerückt.
Wie immer führte Bobby „Blitz“ Ellsworth durch das Programm, der immer mehr das alleinige Gesicht seiner Truppe wird. Seine schnoddrigen Ansagen sorgten für Lacher, seine schrille Stimme durchdrang alles. Patentiert dürften seine beiden Lieblingsposen sein: Einmal weit hinterm Mikroständer stehen und das Mikro mit beiden Händen umfassen, und dann mit einem Fuß auf dem Monitor und den Mikroständer an den Oberschenkel angelegt, ohne ihn groß festzuhalten.
Den Kids war es indes egal, wer da oben neben ihm auf der Bühne stand, sie fraßen dem Mann aus der Hand. Er verfügt einfach über eine Aura, die eben auch aus der kompromisslosen Haltung speist. Kompromisslos waren die Fans bei den Aktivitäten, die weit über Headbangen hinaus gingen. Immer wieder tauchten die Selben über den Köpfen der anderen Fans auf und ließen sich bis in den Fotograben tragen. Ist nicht gerne gesehen dort, wird aber inzwischen toleriert, Hauptsache die hatten ihren Spaß, der gute „Blitz“ hatte es auf jeden Fall. Und so stimmte der Frontmann auch das Punk-Cover an, um die Dinge ein weiteres Mal klarzustellen, und nun durfte jeder den Finger benutzen.

Setlist OVERKILL:
Scorched
Rotten To The Core
Bring Me The Night
Hello From The Gutter
Deny The Cross
Electric Rattlesnake
Surgeon
Ironbound
Elimination
Fuck You

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FOREIGNER (Festival Stage)
Nun war es an der Zeit für die Bewährungsprobe von Luis Madonado, der recht unspektakulär das Mikro übernommen hat, für die vielen personellen Veränderungen gilt das Selbe wie für die Thrasher zuvor. Der Auftakt ließ wenig Raum zum Glänzen, geriet er zu erwartet, das soll nicht bei allen Konzerten der Tour der Fall gewesen sein. Je mehr man sich einem bekannten Bild nähert, desto mehr Vergleiche drängen sich auf. Es mag Leute geben, die sich fragten, wie die AOR-Helden ohne Lou Gramm funktionieren sollen, ich frage mich her, wie es ohne Kelly Hansen gehen soll.
Stimmlich kann er ihm durchaus das Wasser reichen, seine Tonlage ist etwas höher als das rockige Timbre. Um Präsenz zu zeigen schleppte er seinen Mikroständer direkt über den langen Steg nach vorne, aber es fehlte etwas. Ich habe da einfach mehr Charisma, mehr Power in Erinnerung, dieses unglaubliche Selbstverständnis, mit dem sein Vorgänger auf den Brettern auftauchte. Da reichte ein Lächeln, und schon hatte dieser das Auditorium im Griff, an diese Ausstrahlung reicht der neue Mann bei allen Qualitäten und Lockerheit nicht heran.

Was nicht einmal das einzige personelle Manko war, denn Gründer Mick Jones hat aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Somit ist Basser Jeff Pilson nun das dienstälteste Mitglied, der in Sachen Stageaction immer noch der Antreiber ist. Wenn er breitbeinig dastand, sein Arbeitsgerät tiefhängend, und seine Mähne bangte, spornte er die Zuschauer an. Fast noch mehr Kontakt hatte er, als ein Kurzweil-E-Piano an den Bühnenrand gerollt wurde, mit dem er mehrere Titel, darunter die erste Single mit ihrem markanten Break anstimmte.
In der Zeit übernahm der zweite Gitarrist Russ Irwin seinen Tieftöner, zeigte auch dabei im typischen Früh-Neunziger-Hardrocker-Outfit viel Spielfreude. Sein Kollege Bruce Watson, der das Ensemble nun auch schon fünfzehn Jahre begleitet, war noch bunter gekleidet. Eine gewisse sportliche Note war nicht abzusprechen, die er mit leicht trabenden Ausflügen nach vorne unterstrich. Dazu zeigte er immer wieder lässige Posen, riss während den Soli sein Gibson-Modelle hoch und transportierte die sonnigen Vibes der Songs.

Dem kam der Wettergott nicht immer nach, pünktlich zum Co-Headliner der großen Bühne ließ er einen Schauer nieder, der diesmal ein paar Minuten heftiger ausfiel. Daran dürfte es nicht gelegen haben, dass sich das Publikum bei allen Anstrengungen nicht wirklich erwärmen konnte. Vielleicht sollten FOREIGNER bei der Songauswahl etwas mehr Mut beweisen, nicht alle Hits sind unabdingbar, im Prinzip speist sich die Setlist aus den ewig gleichen sechzehn Liedern, auch vom letzten Rundling „Can´t Slow Down“ findet sich nichts mehr. Auch die Improvisationen von Keyboarder Michael Bluestein und Drummer Chris Frazier vorm letzten Song des regulären Sets kennt man schon zu Genüge, die Led Zeppelin-Jam darin wurde wohl aus Zeitgründen gestrichen.

Solche Nostalgieacts, die nur von ihrer eigenen Legende leben und seit siebzehn Jahren kein neues Material mehr unter das Volk brachten sind immer ein schmaler Grat. Auf der einen Seite wollen die Anhänger das Altbewährte, auf der anderen wirkt manches davon abgedroschen. Und die Formation war nicht in der Lage diese mit dem selben Leben zu füllen wie die Besetzung, die die letzte Scheibe einspielte. Und wenn etwas fehlte, dann war das gleich gravierend, so leidenschaftlich Bluestein auch seine Keytar drückte, die er spazieren trug, Bläser konnte das nicht ersetzen.
So etwas hätte man beispielsweise mit „Blinded By Science“ oder „Rev On The Red Line“ machen können, welche jedoch nie zur Aufführung kommen. Wie soll die Disconummer des „4“-Opus ohne Saxophon funktionieren, da fehlte jeglicher Groove, ein absolutes Sakrileg! In den Zugaben konnte dann wenigstens der Publikumschor im Megahit einiges, versöhnte ein wenig mit der Band. So dass beim Rausscheißer viel gehüpft wurde, und ordentlich Stimmung aufkam. Unterm Strich dennoch zu wenig, ein Hauch von Coverband wehte durch die Bucht.

Setlist FOREIGNER:
Double Vision
Head Games
Cold As Ice
Waiting For A Girl Like You
That Was Yesterday
Dirty White Boy
Feels Like The First Time
Urgent
-Drum – und Keyboardsolo-
Juke Box Hero
----------------------------------------
I Want To Know What Love Is
Hot Blooded

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VENOM (Sweden Stage)
Wieder komplettes Kontrastprogramm auf der mittleren Bühne, ein Fakt, den ich am SWEDENROCK so liebe. Einer der Einflüsse auf die Thrashszene, die zuvor mit einem ihrer populärsten Vertreter am Start war, dann von der Entwicklung überholt wurde. Mittlerweile existieren diverse Versionen der Truppe, von der Cronos behauptet die originale zu sein. Man merkte ihm an, dass er sich sehr viel auf die alte Legende verließ, wenig mit dem Publikum kommunizierte, und stattdessen den bösen Zampano gab.
Breitbeinig stand er die ganze Zeit, sein Bass charakteristisch sehr steil gehalten, und zog Grimasen, die dann bösartig rüberkommen sollten. Immer wieder stampfte er im Takt mit einem Bein auf, fuchtelte mit einem Arm in der Luft herum und zog die große beschwörende Show ab. Seine beiden Mikrofone, zwischen denen er wechselte waren wie einst bei Lemmy sehr hoch eingestellt, damit sein Röcheln noch kränker klang, wenn der Kopf weit im Nacken war, die Matte wehte immer noch hinter seinem schütteren Ansatz.

Da war La Rage deutlich zugänglicher, ab und an sah man gar ein Lächeln über seine Lippen huschen, hoffentlich hat es der Chef nicht gesehen. Er nahm gerne Kontakt zum Publikum auf, solierte ganz vorne an der Rampe und hielt sich die Hand beim Teufelshörner-Gruß immer an die Stirn. Mit ihm hat der Mastermind einen Partner gefunden, der die räudige Energie optimal auf die Bühne transportieren kann. So ging es recht kantig zur Sache, musikalische Höchstleistungen durfte man nicht erwarten. Danny Needham hing die Becken hoch, um seine Schläge richtig derbe aussehen zu lassen. Dabei agierte er die meiste Zeit eindimensional unten auf Toms und Snare, um dann bei den Ausbrüchen so richtig fein über sein Kit zu fegen.

Eine Nostalgieshow wurde es indes nicht, auch wenn das Motto „Lay Down Your Soul“ schon im ersten Song skandiert wurde. Jener stammte vom ganz frischen „Into Oblivion“, von dem insgesamt vier Titel erstmals live aufgeführt wurden. Natürlich durfte das dazugehörende „Black Metal“ nicht fehlen, das obligatorisch das Set beschloss. Vom gleichnamigen Zweitwerk gab es weitere Klassiker wie „Countess Bathory“, dazu noch Auszüge aus dem Debüt „Welcome To Hell“ wie den Titelsong.
Einige Hits wie „In League With Satan“ blieben außen vor, dafür kamen obskure Achtziger-Singles wie „Bloodlust“ oder „In Nomine Satan“ zum Einsatz. Aber genau diese Aura versucht der gebürtige Conrad Lant über all die Jahre aufrecht zu erhalten, und die kam beim Publikum an, welche die Undergroundhelden abfeierten. Feiern durften auch wieder die Metalkids, die eifrig am Crowdsurfen waren und die Security einem ziemlichen Stresstest unterzogen. Der Kult lebt!

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JOAN JETT (Festival Stage)
Dann kam sicherlich die größte Kontroverse des Festivals, egal mit wem ich mich ausgetauscht habe, niemand konnte nachvollziehen wieso die frühere Runaways-Frau den Headlinerslot nach der Absage von Twisted Sister bekam. Zu wenig war von ihr in den letzten vier Dekaden zu hören, dazu war sie eher auf Singlehits denn nachhaltige Alben gebucht. HELLOWEEN oder FOREIGNER schienen da die bessere Alternative, zumal die gleich viel oder mehr Spielzeit hatten.
Mit „Victim Of Circumstance“ gelang ein guter Einstieg, ihre BLACKHEARTS rockten ordentlich, gerade Dougie Needles erwies sich als kongenialer Partner. Beide hauten die Riffs mit direkter Punk-Schlagseite raus, weit weg vom voluminösen Sound aus zig Gitarrenspuren der Hitsingles. Um die Attitüde zu unterstreichen prangten jede Menge Aufkleber auf ihren Spielgeräten, diese wurden bei den Powerchords hochgerissen, die Action auf der Bühne stimmte zu Beginn.

Michael McDermott hate einen leichten Rockabilly-Swing in seinem Drumming, mit dem er zwischen Drive und Groove pendelte. In der Folge gab es mit „Cherry Bomb“ gleich einen Ausflug in die Zeit mit der alten Mädelstruppe, der seine Rotzigkeit bewahrte. Ohnehin bestand das Set aus sehr vielen Covers, „Do You Wanna Touch Me (Oh Yeah)“ von Gary Glitter kam als nächstes, später noch postpunkiges mit „Androgynous“ von den Replacements. Am stärksten kam da „Light Of Day“, welches ihr Bruce Springsteen einst für den gleichnamigen Film auf den Leib schrieb, schon die zweite Bearbeitung vom „Boss“ an dem Wochenende.

Man musste der Dame zugutehalten, dass sie alle homogen unter einen Hut bekam und allem ihren eigenen Charakter einimpfen konnte. Was ich in Sachen Stageacting vermisste, war der geringe Radius der Musiker, die auch kaum Wege zueinander fanden. Vor einem schlichten Logo auf dem Monitor benötigte die Show nicht mehr Platz, als etwa die Blåkläder Stage hergegeben hätte. Jeder für sich poste lässig, aber auch der Catwalk blieb gänzlich unbenutzt.
So hatte es JOAN JETT schwer, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, abseits der Hits waren die wenigstem mit dem Material wie „Fake Friends“ oder „Lie To Me“ vertraut. Vor mir feierte ein junges Mädchen alles ordentlich ab, als eine der wenigen hat sie ihre Hausaufgaben gemacht. Schön, wenn der Nachwuchs Künstler abseits des Mainstreams entdeckt, an dem Tag waren es zu wenige. Kritik an Donald Trump mag ja wichtig und willkommen sein, aber vom Handy abgelesen wirkte das nicht sehr authentisch.

Dass ihre Miene eher skeptisch war lag nicht an dem Thema, sondern dass sie spürte, dass sie kaum Bindung zum Auditorium bekam. Lita Ford strahlte da vor zwei Jahren deutlich enthusiastischer, da halt auch der immer noch freche Fransenschnitt nicht. Der Vergleich mit ihrer alten Kollegin muss gezogen werden, für mich stehen beide auf einem Level, auch von der Popularität her. Von daher war das eben nicht dem Top-Slot würdig, auch wenn der Gig durchaus Laune machte.
Sogar „I Love Rock´n´Roll“ konnte nicht die große Euphorie entfachen, auch wenn beim Eingangsriff Jubel aufbrandete. Vom Refrain wurde eine Zeile als Singalong angestimmt, der auch nicht voll zündete. Danach geriet „Crimson & Clover“ sehr dröge, die psychedelische Note wollte nicht zum Rest passen. „I Hate Myself For Loving You“ und der Runaways-Titel „Bad Reputation“ rissen dann wieder mehr und gestalteten das Ende sehr schmissig, Fragezeichen blieben dennoch.

HELLOWEEN (Rock Stage)
Dann kam die Band, die für die meisten die Attraktion des Tages war, soviel kann man vorwegnehmen. Was von vorneherein klar war, waren viele Anhänger der Achtziger-Dinos vor Ort, die bis auf JUDAS PRIEST alle versammelt waren. Von der ersten Sekunde an ließen die Kürbisköpfe keinen Zweifel an ihrer Bestimmung, und legten mit einem Track aus besten „Keeper“-Zeiten los. Vom Auftreten war das eine komplett andere Hausnummer, was schon beim Bühnenbild anfing. Von der riesigen Leinwand abgesehen war auch die ganze Rampe hinten von LED-Screens umrahmt, und auf beiden Seiten neben den Masten türmten sich auch welche, die alle miteinander ein stimmiges Bild ergaben.

Doch das war gar nicht nötig, denn der Siebener machte selbst richtig Alarm auf der Bühne und war ständig unterwegs. Nun gut, Michael Weikath machte es sich gewohntermaßen auf dem rechten Flügel bequem, und schnitt eine witzige Grimasse nach der anderen. Gerade seine beiden Kollegen an den sechs Saiten machten viele Meter, wobei Sascha Gerstner noch mit seinen futuristischen Gitarrendesigns auffiel. Markus Großkopf schüttelte seine Locken unablässig, war meist auf dem bühnenumspannenden Drumriser zu finden.
Mit seinem Tieftöner war er eher im Hintergrund, während sich seine Vorderleute die Soli in die Hand gaben, wovon der nach dem Opener eingeschobene Mammutsong reichlich lieferte. Einmal hatte er die Möglichkeit zu glänzen, als er im Anschluss das pumpende Intro des ersten ganz großen Hits einleitete. Waren die Fans schon zuvor richtig „On Fire“, so steigerte sich das endgültig in die Ekstase. Ich stand sowohl beim Headliner als auch hier in der Mitte der vorderen Pits, die Reaktionen waren deutlich lauter als zuvor bei einem Welthit.

Man muss es klar konstatieren, dass die Bedenken eines Großteils der Besucher berechtig waren, hier wurde eine wahre Headliner-Show einer mehr als würdigen Band verschenkt wurde. Irgendwie schien sich das Publikum zuvor ausgeruht zu haben, selten wurde das Midnight Special so abgefeiert, höchstens noch am Tag zuvor bei den alten Haudegen. Diesem Status liefen die Hamburger lange hinterher, der Schwung der frühen Jahre war nach viele Widrigkeiten verpufft, aber die Reunion brachte den Erfolg, der dem Einfluss gebührt.
Die Einigkeit, die auf der Bühne demonstriert wurde, war zu jeder Sekunde spürbar, die Musiker stellten jeweils eher das Können der Mitstreiter in den Fokus. Besonders die beiden Leadsänger standen oft eng beieinander und lebten die Duette, die sie sangen, teilweise mit festem Händedruck vereint. Wer nicht ins Geschehen involviert war, überließ dem Rest die Bühne, ein Lied hatte auch jeder Vokalist alleine. Da gehörte auch Kai Hansen dazu, der natürlich dem Erstling „Walls Of Jericho“ bedachte, wo er ebenso alle Soli bekam.

Jene emotionale Geschlossenheit wirkte sich auf den Druck auf, den HELLOWEEN entfachten, der Sound stand inmitten der futuristischen und fantastischen Welten meterdick. Dass mehr als die Hälfte vom legendären Zwillingsalbum Ende der Achtziger kam, steigerte die Stimmung noch mehr. Obwohl vom zweiten Longtrack zum Schluss nur der Chorus spendiert wurde, aber Chancen zu interagieren hatte Sölvesborg reichlich. Am Ende ein reines Hitbombardement, vielleicht hätte man anstatt des Drumsolos noch einen Song bringen können, aber man wollte Dani Löble ebenfalls seine Momente gönnen. Am Ende ein einziger Rausch, initiiert von einer äußerst spielfreudigen Formation, auf dem verdienten Slot wäre die Messe noch länger gegangen.

Setlist HELLOWEEN:
March Of Time
The King For A Thousand Years
Future World
This Is Tokyo
We Burn
Twilight Of The Gods
Ride The Sky
Into The Sun
-Drumsolo-
I Want Out
Helloween
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Eagle Fly Free
Dr. Stein/Keeper Of The Seven Keys

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