EUROPE - Stuttgart

10 europe stuttgart 01Konzert vom 16.10.2026

Support: THE DAMN TRUTH

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EUROPE
THE DAMN TRUTH

Soll es tatsächlich schon vierzig Jahre her sein, dass jener Meilenstein des Hair Metal erschien? Das würde im Umkehrschluss ja bedeuten, dass ich recht alt wäre, denn ich kann mich als Teenager noch gut daran erinnern wie der „Final Countdown“ damals durch die Decke ging. Dennoch ein Grund zu feiern dachten sich EUROPE und bringen das Teil auf der Tour komplett auf die Bühne. Nicht der einzige Grund zum Feiern, ein starkes neues Album ist mit „Come This Madness“ ebenso draußen, das moderne Werk zeigt, dass man so jung ist, wie man sich fühlt. Noch besser lieferten THE DAMN TRUTH im Studio ab, deren selbstbetiteltes Album vollends begeisterte, und die ins Vorprogramm geladen wurden. Grund genug für FFM-ROCK sich das Traumpackage in der Stuttgarter Liederhalle anzusehen.

THE DAMN TRUTH
Wer sich mit den Kanadiern auseinander gesetzt hat weiß um ihren authentischen Seventies-Spirit, den sie sogar den Headlinern voraus sind. So verwunderte es wenig, dass „White Rabbit“ von Jefferson Starship als Introtape lief, als das Quartett die Bühne betrat. Bassist PY Letellier hatte sein Arbeitsgerät wie ein Gewehr geschultert, und marschierte erst einmal auf und ab, auch seine Kollegen waren da schon in Bewegung. Wobei natürlich die Frage aufkam, ob Frontdame Lee-La Baum jener weiße Hase ist, mit weißem Strickkleid und Stiefeln bot sie sich jedenfalls für jene Rolle an. Wäre da nur nicht die Sache mit den Katzenohren, wobei der Rest der Truppe ähnlich skurril glamourös unterwegs war. Die Hemden weit offen, mit viel Glitzer uns Spandex, Gitarrist Tom Shemer trug rot mit weißen Punkten zu einem roten Anzug.

So knallbunt war dann auch ihre Mischung, die alles zusammenwürfelte, was von den späten Sechzigern bis zu den frühen Achtzigern aufgesammelt wurde. So grell es losging, so ruhig ließen sich die ersten Töne an, wie auf Platte führte auch da der Opener auf die falsche Fährte. Melodieselig mit cleanen Gitarren stiegen die Vier ein, um bald das Tempo anzuziehen, und den Rahmen für die emotionale Ausbrüche ihrer Sängerin zu bilden. Die legte eine Inbrunst, beflügelt durch das Selbstvertrauen der jüngsten Erfolge an den Tag.
Wie schon beim Album zog den Zuhörer jenes unglaubliche Zusammenfinden von Verletzlichkeit, Kraft und tiefem Songverständnis sofort in den Bann. Wo sie streckenweise noch mit der Klampfe beschäftigt war, legte die Sängerin alles in die Kompositionen, driftete dabei nie ins pathetische ab, verbreitete eher gute Laune. Was optimal auf das einstimmte was kommen sollte, sympathisch erzählte sie von Liebe und der verbindenden Power der Musik, man nahm ihr ab, dass sie das lebt, wovon sie kündete.

Anzumerken war auch, dass sie sich durch den Job am Mikrofon ein wenig eingeschränkt fühlte, dazwischen nahm sie jede Gelegenheit wahr, um mit den Jungs herum zu turnen. Die rannten auf der großen Bühne hin und her, Shemer kickte ständig in die Luft, während Letellier vermehrt hüpfte. Dabei war es nicht unbedingt der Bewegungsdrang, der sie antrieb, sondern auch der Ausdruck des Bandgefüges, immer war man auf der Suche nach einem Mitstreiter. Mal wurden gemeinsam die irrsten Posen bis zum Kniefall ausgepackt, dann war Gruppenkuscheln angesagt. Das berühmte Rücken an Rücken wurde bis zum Exzess zelebriert, manches Mal die Köpfe noch enger zusammen gestreckt. Dave Traina wurde ebenso nicht vergessen, oft versammelten sich die anderen vor seinem Kit, von wo er sie antrieb.

Eher lässig im Groove hatte er diesen Swing drauf, kam aber immer in der Mitte zusammen, wo er auf der Snare sehr variabel ballerte. Jahrelanges Miteinander zahlte sich in sehr geschlossenem Spiel aus, das die Feinheiten sehr dynamisch ausarbeitete. Gerade wenn die akustischen Klänge die Überhand hatten, und man auch mal in die Höhen entfloh, in denen sonst das Luftschiff schwebt. Dann auch wieder Momente von Funk und Gospel, bei denen man das Publikum am besten mitnehmen konnte, und ihnen Singalongs abrang.
Und dann natürlich dieser Drive, vom warmen Rhythmus geprägt, der die Refrains so süffig wirken ließ, speziell beim Material vom aktuellen Rundling. Der stellte die Hälfte des Programms, der Rest kam bis auf einen Beitrag von „Devilish Folk“ von dessen Vorgänger „Now Or Nowhere“. Leider blieb mit der grandiosen Powerballade „If I Can´t Make It Home“ der beste Titel außen vor. Vielleicht gar nicht so schlecht, dass die meisten Anwesenden die Truppe zuvor nicht kannten, so blieb ihnen das Manko unentdeckt, dafür zeigte der Applaus, dass umso mehr ihre Qualitäten entdeckten.

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Setlist THE DAMN TRUTH:
Be Somebody
Love Outta Luck
The Willow
This Is Who We Are Now
All Night Long
Lonely
Get With You
Tomorrow

EUROPE
Wirklich jemand zum Anheizen braucht die Hair Metal-Legende eigentlich nicht, dafür war der Beethovensaal schon auf Betriebstemperatur, als ein klassisches Intro ertönte. Zu meiner Überraschung kam aber nicht der Opener der brandneuen Scheibe, sondern ein weiterer Top-Track daraus. Was nun gar nichts am Stimmungslevel änderte, denn sobald Joey Tempest seine Fans im Griff hat, geht die Party steil – und das hatte er vom ersten Lächeln an.
Beneidenswert gut gealtert, sicher auch dank gesunder Ernährung und wenig Rockstarallüren, gab er immer noch den perfekten Strahlemann auf der Bühne. Ja, der weiße Mikroständer, schon immer sein Markenzeichen, musste an dem Abend wieder herhalten, nahm einige unfreiwillige Flugstunden und bekam öfter Schwindelanfälle. So agil wie er damit umging, so bewegungsfreudig war auch der Frontmann, die schmachtenden Posen saßen immer noch, und es wurde reichlich zurück geschachtet.
Umhertänzelnd war er immer im Kontakt mit seinen Mitmusikern, wenn er nicht die ersten Reihen anflirtete oder mit Plektren beschenkte. Für ein paar Stücke schnallte er sich die Axt um, und zeigte auch da seine Musikalität. Unter dem Alter leidet auch die kaum, die Höhen trifft er immer noch, war bemerkenswert gut bei Stimme. Wobei nicht verhehlt werden darf, dass er den einen oder anderen Ton schonmal länger zog, was den großen Melodien keinen Abbruch tat.

Scheinbar kommt „Come This Madness“ bei den Fans ebenso gut an wie beim Verfasser dieser Zeilen, kein Wunder kehrt der alte Drive partiell zurück. Auf den Sitzen hielt es schon beim ersten Refrain keinen mehr, der die weite Halle füllte. Dennoch sollte das Sitzkonzept mal überlegt werden, bei Joe Bonamassa oder Marillion verstehe ich es noch einigermaßen, aber spätestens bei Uriah Heep passt das nicht mehr. Denn manch Herrschaft fühlte sich ermutigt aus dem Korsett auszubrechen und nach vorne zu drängen, was irgendwo verständlich ist. Natürlich musste die Security verhindern, dass den teuren Plätzen vorne die Sicht versperrt ist, was dann zu einigen Scharmützeln führte. Mit dem zweitausend Zuschauern einfach in die Carl Benz Arena umziehen verhindert solche Zusammenstöße von vornherein.

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Durch den Fokus auf das Hit-Album blieben ein paar alten Gassenhauer außen vor, von den beiden ersten Langspielern kam nichts, und von „Prisoner In Paradise“ der Titeltrack auch nur reduziert als Ballade. Ganz so einfach wollte man es den Fans nicht machen, schließlich möchten EUROPE musikalisch relevant bleiben, und nicht ganz zur Jukebox mutieren. So streuten sie immer wieder Lieder der Ära nach der Reunion ein, bevorzugt die mit den dicken Refrains.
Aus chronologischen Gründen nach vorne holen wollten sie das Neujahrsjingle dann doch nicht, um immer noch was im Köcher zu haben. So nutzten sie den Kunstgriff und begannen den zweiten Showabschnitt ohne Pause mit der Single-B-Seite und packten die A-Seite an den angestammten Platz ganz am Ende. Natürlich sind solche Sets immer vorhersehbar, aber selten gehörte Schätze entschädigen mehr als genug dafür, das bekannte Material geht immer.

John Norum darf sich bei Konzerten freuen, dass klanglich nachgesteuert wird, und alles druckvoller rüberkommt. Die in seinen Augen dünne Abmischung war ein Grund für den Split im Anschluss an die Veröffentlichung. Dabei hat Kevin Elson bei seiner Handschrift, die er „The Final Countdown“ aufdrückte auch interessante Ideen eingebaut. Wie die Basslinien von John Levén angelegt sind, ist hörbar von seiner Arbeit mit Journey inspiriert. An der linken Bühnenseite waren das nicht die einzigen Momente, mit denen der ruhende Pol glänzen durfte, der Groove vom aktuellen Stoff verlangt auch nach seinen Künsten. Nicht so energisch unterwegs wie seine Mitstreiter, war er eher um die Kommunikation mit dem Publikum bemüht, die seinen konzentrierten Blick immer in ein Lächeln tauschte.

Norum blieb zwar ebenfalls meist auf seinem Platz, sein Spiel war jedoch deutlich feuriger, mehrmals ging er an der Rampe auf die Knie. Diese Momente, wenn er ganz eins war mit seinem Arbeitsgerät, zeugten von so viel Feeling und Hingabe, auch im Stehen. Bei den krachenden Riffs haute er kraftvoll in die Saiten, hielt die Flying V gen Auditorium gerichtet. Sein größter Trumpf war aber der weiche warme Sound, wenn er an die Strat wechselte und solierte, wenn die Soli so viel Melodie in sich trugen.
Hinten saß mit Ian Haugland jemand, der genau wusste, wie er dessen Vorgaben zu betonen hat, die Beckenschläge kamen lässig, aber so auf den Punkt. Daneben war er stets der, der die Späße von Tempest parierte, als zum Beispiel die Roadies in die Show eingebunden wurden. Mic Micaeli hatte neben ihm drei Synthesizer nicht umsonst dabei, die neuen Stücke geben ihm wieder Freiräume, wenn auch der Mann an den sechs Saiten klar den Ton vorgab, die Tastenschübe seinen Beitrag akzentuierten.
Wenn man denn was von ihnen hörte und sie nicht vom Publikum übertönt wurden, dass nach all den Jahren die Texte nicht vergessen hatte. Bereits beim dritten Song hätte der gute Joey getrost sein Mikro wegpacken können, wann immer er es verlangte erhob sich ein massiver Chor von den Rängen. Als wären die Hymnen nicht groß genug, hob die starke Präsenz der Fünf die Begeisterung noch mehr, um final fast das Dach vom Liedersaal zu jagen ob der Euphorie, mit der die Nacht gerockt wurde.

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Setlist EUROPE:
Scandinavian Eyes
Walk The Earth
Superstitious
One On One
Last Look At Eden
War Of Kings
Prisoners in Paradise
The Cult Of Ignorance
On Broken Wings
Rock The Night
Carrie
Danger On The Track
Ninja
Cherokee
Time Has Come
Heart Of Stone
On The Loose
Love Chaser
The Final Countdown

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