GODSLAVE - Neunkirchen
Konzert vom 12.09.2026
Support: ERADICATOR, PROPHECY23
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GODSLAVE
PROPHECY 23
ERADICATOR
Nach der Krise laufen die Geschäfte wieder bei den saarländischen Thrashern. Eine Doku, ein Coveralbum, und nun mit dem selbstbetitelten Album neues Material sind die Ausbeute der letzten zwei Jahre. Ein Ereignis, dass gefeiert werden will, dazu zog es GODSLAVE nach vielen Gastspielen in der Saarbrücker Garage in die Stummsche Reithalle nach Neunkirchen. Da es sich mit Freunden besser Party machen lässt, haben sie ihre Labelkollegen von ERADICATOR eingeladen, sowie mit PROPHECY 23 eine weitere Thrashkapelle, die derzeit auf großer Tour ist. Nachdem das Album bei der Redaktion ankam, durfte sich FFM-ROCK die Releaseshow nicht entgehen lassen.
ERADICATOR
Als um sieben Uhr die Lichter zum ersten Mal ausgingen wurde es nicht dunkler im Raum, denn draußen strahlte die Sonne noch aus vollen Rohren. Das ließ nicht verkennen, dass die Reihen noch recht licht waren, am Bühnenrand herrschte noch wenig Andrang, aber dank mitgereister Fans schon ordentlich Stimmung. Was die Jungs nicht daran hinderte sofort loszulegen, einen niedrigen Gang kennt der Vierer nicht. Los ging es mit einem Doppelpack vom letzten Album „Influence Denied“, „Jackals To Chains“ ließ dann schon die ersten Fäuste hochgehen.
Überraschend wie die Spielart immer noch junge Fans begeistert, dabei wurden die Mucker des Opening Acts überhaupt erst in dessen Hochphase geboren. Geboten wurde Material aus allen Schaffensphasen, „Last Days Of Defiance“ stammte vom Zweitwerk „Madness Is My Name“, also von jeder Scheibe, welche in dem Line-Up eingespielt wurde. Jener Song brachte neben „Slavery“ am besten die oldschooligen Wurzeln zur Geltung. An dem Abend war Bassist Sebastian Zoppe leider verhindert, doch sein Ersatz machte seine Sache richtig gut und brachte sich auch vom Stageacting gut ein.
Hier machte sich natürlich Sänger und Gitarrist Sebastian Stöber am meisten bemerkbar, nicht nur wegen seiner Frontrolle. Klar sticht optisch seine Lockenmähne hervor, welche immer wild geschüttelt wird, aber auch das Pensum, das er abspulte war enorm. Ständig in Bewegung und auch mal auf dem Riser vorne zu finden, gelang es ihm die Meute immer mehr anzuheizen. Hinten war sein Bruder Jan-Peter auch viel in Bewegung, hackte wie wild auf sein Kit auf, der Schemel schien ihm mehrfach zu wenig Radius zu bieten, den erlaubte er dann seinen Sticks.
Robert Wied war da etwas stoischer unterwegs, zockte aber unablässig die rasantesten Riffs runter, während er permanent mit dem Kopf nickte. Eines davon gehörte zu „Ruins Of Rome“, das Stöber als neuen Song ankündigte, der direkt gute Reaktionen erntete. Mit der Zeit füllte sich das Rund immer mehr, der Sänger hatte die Sache voll im Griff. Beim abschließenden „Read Between The Lies“ erntete er mit seiner Ansage den meisten Jubel. In der Tat sind es zu viele, die sich heute Märchen auftischen lassen wollen, weil sie mit der Realität nicht mehr klarkommen, und es ist gut, dass sich die Szene so klar positioniert.


PROPHECY 23
Da schließen sich auch die folgenden Heilbronner nur zu gerne an, die mit Slogans wie „Fresh Metal Fights Fascism“ und „Never Again Is Now“ auch bei Merchandise-Artikeln klare Haltung demonstrieren. Eines eint sie zusätzlich mit den Headlinern, ihre Leidenschaft für die Farbe Grün, wobei sich die im Thrash Metal irgendwie großer Beliebtheit erfreut, es wurden sogar Fans mit kompletter OVERKIL-Kutte gesichtet. Wobei der Fünfer noch ein wenig mehr Farbe bekannte, und bei den Instrumenten vom typischen Schwarz abwich. Auch stilistisch gaben sie den Ausreißer an dem Abend, mischten ebenso farbenfroh Elemente aus Punk, Hardcore oder Crossover mit ein.
Gerade jener Anteil an neunzigeraffiner Musik zeigte sich im Auftreten von Sänger Luca Micelli, der mit den damals szenetypischen Armbewegungen unterwegs war. Dabei war er beileibe nicht der einzige Vokalist auf der Bühne, Bandgründer Johannes Klopprogge steuerte auch viele Lead Vocals bei. Der Rest der Truppe stieg bei den inflationär verwendeten Gangshouts mit ein, teilweise ein echtes Stimmenwirrwarr. Das knallte aber gut rein, genauso wie die Riffs, die einige Leute abholten.
Eröffnete mit „From The Basement To The Pit“ noch ein Debütkracher das Set, so lag der Fokus natürlich auf den beiden letzten Alben. Fresh Metal ist tatsächlich das Ding, als was die Jungs sich sehen, „We Love Fresh Metal“ wurde neben „Chill ´Em All“ direkt nachgeschoben, die unbekümmert positive Attitüde kam in Neunkirchen an. Die wurde natürlich durch die launigen Ansagen noch weiter gestützt, während die Band mit Spielfreude glänzte.
Nur selten standen die Mitglieder auf der Bühne still, Klopprogge warf sich in alle möglichen Posen. Sein bulliger Saitenpartner Dennis Lidak bangte sich die Seele aus dem Leib, und Viersaiter Phil Butcher stapfte dauernd umher, dazwischen immer Micelli, der die Fans noch mehr anzustacheln versuchte. „Kvttenkvlt“ widmete er der unverwüstlichen Metalleruniform, machte dabei mittels Pappplakat Werbung für das hauseigene Merch.
Lyrisch wechselte man gekonnt zwischen Partystimmung von „No Deep Talks – Just Drinks“ und ernster Aussage wie bei „Mammon“, was beides Anklang fand und gefeiert wurde. Für die großen Interaktionen wie Circle Pit oder Wall Of Death befanden sich eigentlich nicht genug Menschen vor der Bühne. Also wurden einige von einer Handvoll durch die Gegend bis auf die Bühne getragen, so kann man Crowdsurfen auch zelebrieren, die dreiviertel Stunde machte vor und auf der Bühne richtig Spaß.


GODSLAVE
Zwar ging das Licht aus, aber auf der Bühne nicht sofort an, den Opener vom neuen Longplayer zockte die Truppe im Halbdunkel. Wobei der Thrash-Brecher derart Strahlkraft besaß, dass es auch so hell genug wurde. Die Post ging richtig ab, die Riffs peitschten durch den Raum, und erstmals wurde es am Bühnenrand richtig eng. Besser konnte man den Einstand nicht erwischen, die Nummer marschiert schnurstracks nach vorne, und in Sachen Gangshouts stand man dem Act zuvor in nichts nach.
Den Fünf muss die Bühne im Gegensatz zum „Kleinen Klub“ der Garage wie ein Segen vorgekommen sein, denn hier hatten sie endlich richtig Platz. Gitarrist und Mitbegründer Bernhard „Bernie“ Lorig war früher oft auf der rechten Flanke verwurzelt, nun rannte er unentwegt über die Bretter. Dabei rief er da komplette Arsenal an Posen ab, warf seinen Oberkörper nach hinten, wobei er unablässig weiter zockte, der Schritt konnte da nicht weit genug sein.
Da sein alter Weggefährte Thomas „The Slavegrunter“ Pickard sein Mikro mit selbigem Eifer umhertrug, begab es sich schon mehrfach, dass man sich fast über den Haufen gerannt hätte. Dabei lachte man aber noch darüber, ein Indiz für die ungeheure Spielfreude und das gute Verständnis untereinander. Gerade wenn die Hintergrundstimmen seiner Nebenleute gefragt waren hob er Bernie das Mikrofon unglaublich lässig „No Look“ über die Schulter hin, und erwischte ihn dabei jedes Mal punktgenau.
Bassist Michael „Mika“ Koch fuhr seine Latschen ebenso gerne weit auseinander, und wenn er sich seine Rübe nicht gerade abschraubte, bereitete es ihm tierische Freude, sie den Fotografen direkt in die Linse zu strecken. Ein wenig ruhiger ließ es Manuel „Manni“ Zewe angehen, der sich verstärkt auf seine starken Soli konzentrierte. Als Gespann funktionierte das genauso gut, wenn die beiden Sechssaiter zusammenstanden, brachten sie die Harmonien perfekt an den Start.
Möglicherweise agierte das Publikum nicht so wild wie bei PROPHECY 23, aber es kamen auch nicht die entsprechenden Aufrufe, nur eben der ultimative Finger zu den einhundert Prozent - ihr wisst schon was. Matten wurde dafür fleißig geschüttelt, die Hörner hochgehalten, hinten trieb Tobias „Tobi“ Huwig mit permanent pendelndem Kopf und coolen Breaks mächtig an.
Überraschend wurden auch sogar die neuen Songs mitgesungen, GODSLAVE taten sich hier den Gefallen, auf vorher veröffentlichte Songs zurück zu greifen. Neben einem klaren Fokus auf den letzten zwei Platten, gab es einen gesunden Querschnitt durch die eigene Historie, der weder Singles noch einen Beitrag vom Debüt aussparte, nur für Coverversionen war kein Platz.
Auf politische Ansagen wurde indes verzichtet, jeder Fan weiß, bei welchen Demos die Musiker mitmarschieren, unter anderen der größten im Saarland seit Jahrzehnten. Aber die Formation setzte da eine andere Attitüde dagegen, nämlich eine positive, die weniger profanen Spaß predigt, sondern den sehr bewussten, den sie mit ihrem beherzten Auftreten vorlebten.
Persönliche Erfahrungen hatten ein Einfluss auf die ernsthafteren Lyrics, die sich mit Mental Health befassen. Unter den Zuschauern auch wieder viele mit „Metality“-Shirts, die Metalszene ist da derzeit klar Vorreiter. Das Gemeinschaftsgefühl dort ist in heutigen Zeiten wichtiger denn je, und so wurden die siebzig Minuten auch gemeinsam dem Thrash Metal gehuldigt, zu deren Ende sich die Mucker in die Menge begaben.


Setlist GODSLAVE:
Reset, Rebuild, Reclaim
Full Force Forward
Straight Fire Zone
Burn You All
To The Flame
Repaid In Kind
Green Zone
Slaves To The Black
Show Me Your Scars
How About NO?
10 / 10
Part Of The Pack
Godslave The Queen
The Fire That Calls Me
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Vodcarnivore

