HARDLINE - Kaiserslautern
Konzert vom 24.04.2026
Support: SEVI
Manche Menschen scheinen sich gar keine Pause zu gönnen, kaum ist das ein Projekt beendet, geht es direkt ans nächste. Vor zwei Wochen sah ich Johnny Gioeli noch mit AXEL RUDI PELL und Alessandro Del Veecchio mit ROCK MEETS CLASSIC auf der Bühne gesehen. Nun gehen sie mit ihrer gemeinsamen Band HARDLINE auf die erste ausgedehnte Tour seit langem. Fast nebenbei erschien von den Hard Rockern mit „Shout“ eines ihre stärksten Platten, da läuft alles auf Hochtouren. Bei so vielen Dates rutschte mit der Kammgarn Kaiserslautern eine Location ins Programm, die seltener bespielt wird, wo Gioeli aber seine Freunde von VANDENPLAS begrüßen konnte. Eher selten kommen auch Rockbands aus Bulgarien, mit Sive war ein Exot als Support dabei.
SEVI
Wie schon zwei Wochen zuvor zeigten bereits die ersten Töne der Vorband, dass man bei der Auswahl nicht unbedingt auf stilistische Nähe setzt. Wie vor AXEL RUDI PELL erklangen da deutlich härtere Riffs, die eine gewisse progressive Note nicht verbergen konnten. Verantwortlich dafür Alexij, der nach Angaben der Band nur Aushilfe ist, weil der etatmäßige Axtmann Ivo Galabov für die Tour nicht zur Verfügung stand. Auch ohne große Proben knallte er seine Parts sehr tight von der Bühne, gerade in den Soli bewies der Saitenhexer flinke Finger. Dabei machte er einen sehr coolen Eindruck, bangte immer nur leicht mit dem Kopf, strahlte jedoch viel Kraft aus. Etwas distanziert wirkte das schon, womöglich wollte er sich die Konzentration nicht ganz anmerken lassen.
Deutlich aktiver war Rally Velinov am Langholz, der links der Frontfrau den ihm zur Verfügung stehenden Raum nutzte, hinter dem bereits aufgebauten Synthesizer herrschte noch Vakanz. Wobei es durchaus Tastenklänge beim Support gab, die kamen jedoch aus der Konserve und betonten die düstere Stimmung der Lieder. Lässig mit weitem Schritt und immer etwas nach hinten gelehnt unterfütterte das Gründungsmitglied die Songs mit guten Kontrapunkten.
Daher war der Bassist auch der Bezugspunkt von Svetlana „Sevi“ Bliznakova auf der Bühne, nach der diese Formation benannt ist. Die lieferte sehr agil ab, war ein echter Unruheherd und wusste als Vorband schon den kleinen Steg vorne geschickt zu nutzen. Etwas seltsam mutete es jedoch an, dass sie oft den Kopf gesenkt hielt, immerhin war der Teleprompter im Gegensatz zum Hauptact nicht eingeschaltet, vielleicht diente es der Stimmentwicklung.
Die wusste die Dame sehr variabel einzusetzen, in den fordernden Passagen wie etwa in „Ghosts“ durchaus harsch, dann wiederum getragen wie bei „The Art Of War“. Generell wechselten die Tempi öfter und gestalteten die Lieder abwechslungsreich. Wo die Arrangements trotz einiger knalliger Breaks von Nick Nikolaev eher unterkühlt wirkten, wusste die Namenspatronin Feeling hinein zu zaubern. Gerade wenn es ruhiger wurde wie zu Beginn des eingängigen „Higher Than The Stars“ zeichnete sie mit feiner Feder.
Die Nummer stammte wie die Hälfte des Sets aus dem aktuellen Longplayer „Genesis“, der aber auch schon drei Jahre auf dem Buckel hat. Dessen Vorgänger „Follow Me“ wurde auch oft bedacht, etwa im thrashigen „To Hell And Back“. SEVI konnten mit ihrem Wechselspiel aus Attacke und Atmosphäre durchaus die Reihen begeistern, obwohl die eher wegen anderer Klänge gekommen waren. Ein Verdienst der Sängerin, die klar das Aushängeschild war und ständig den Draht zur Menge suchte.


HARDLINE
Ein kurzes Intro mit dem Grundthema des titelgebenden Openers vom neuen Werk, dazu stieg die Band auf die Bühne und stimmte mit Vollgas mit ein. Da war er auch wieder, gerade siebzehn Tage war es her, dass ich den Mann über die Bühne sprinten sah, da kam er schon wieder wie ein Irrer angeschossen. Wobei die Platzverhältnisse merklich eingeschränkter waren als in Saarbrücken, die große Bühne im oberen Saal wäre ihm aber noch zu klein gewesen. Von der Breite her ging es sogar noch, eine einzige Drehung nach hinten sah ihn aber direkt vor dem Riser von Marco Di Salvia.
Teilweise wirkte er wie ein Tiger im Käfig, am liebsten hätte der Mann noch die Wände mit abgelaufen. Der kleine Steg nach vorne ins Publikum kam ihm dafür gelegen, öfter nahm er Zuschauer bei der Hand und tanzte mit ihnen. Dem Kontakt mit dem Publikum konnten die Musiker gar nicht entgehen da die Bühne auch sehr niedrig war, die Enge ließ die Stimmung von Beginn an explodieren. Was die Truppe an Energie von der Rampe haute kam postwendend zurück und steigerte sich in kollektive Ekstase, zwischenzeitlich glich der Cotton Club im Keller einem Tollhaus.
Gioeli musste nur das Mikrofon über die Köpfe seiner Fans halten, das Ergebnis war kaum leiser als er selbst. Wobei natürlich niemand der Anwesenden an seine stimmlichen Fähigkeiten heran reichte, aber haben das Problem nicht alle. Unglaublich wie er trotz seinem energetischen Auftreten jeden Ton nicht nur traf, sondern auch lange kraftvoll halten konnte. Jede einzelne Note zelebrierte der Mann mit Hingabe und Inbrunst, gestikulierte dabei ausladend. Was nie reiner Selbstzweck war, die feinen Melodien standen klar im Vordergrund, welche die Zuschauer fesselten.
Angetrieben von den breiten Akkorden von Luca Princiotta, der dabei die Saiten richtig glühen ließ. Wie er da breitbeinig auf dem rechten Flügel stand und kraftvoll die Akkorde anschlug, die lange vibrierten, war die große Schule des Rock. Jene lernte er in unzähligen Shows mit DORO, so gingen ihm auch die typischen Riffs locker von der Hand, die ebenso in die Hüfte fuhren. Solotechnisch konnte er das ganze Arsenal abrufen, von schnellen Läufen bis hin zu den gefühlvollen Tönen, die ein paar Mal sogar bluesige Akzente aufweisen konnten.
Für den Groove sorgten nicht nur die sechs Saiten, ohne die Tiefe der dicken Saiten kommt der nicht in die Gänge. Den bedient seit mehr als zehn Jahren Ana Portalupi, die mittlerweile die DNS der Band verinnerlicht hat. Im Schritt ebenso weit wie der Kollege an den Saiten zockte sie unglaublich lässig, nutzte dabei die Finger statt eines Plektrums, um so einen volleren Ton zu erzeugen, der auch prominent im Gesamtsound platziert war. Wo Princiotta etwas auf sein Spiel fokussiert war, ging die Dame gerne mit den Fans auf Tuchfühlung.
Ihr Rhythmuspartner wusste ebenso genau, was die Songs brauchen, konnte die Mischung aus knalligen Breaks und ebenjenem Groove perfekt abbilden. Dabei schonte er sein Kit nicht, drosch mächtig darauf ein, die Beckenschläge schoben die Arrangements noch mehr an. Voller machte das Klangbild auch der Mann an den Tasten, dem als einzigem ein Solospot vergönnt war. Ob Klavierlinien oder treibende Orgelflächen, an seinem Yamaha-Synthesizer gab Del Vecchio den Stücken genau was sie brauchten, seine Klasse als Backgroundsänger hielt er ebenfalls nicht hinterm Berg.


Bei aller spielerischer Finesse und Power war es jedoch das Auftreten als Bandgefüge, die unglaubliche Spielfreude, die den Gig zu dem Besonderen machten. Der Frontmann hielt den Laden sowas von zusammen, weil er neben den Zuschauern auch den Kontakt zu seinen Mitmusikern suchte. So tauchte er immer wieder in seinem irren Stil bei jedem auf, herzte denjenigen oder trieb seine Scherze mit ihm, ganz besonders seinem Mann an den Tasten. Auch untereinander agierte der Fünfer gemeinsam, die Saitenfraktion kam oft vorm Schlagzeug zusammen oder poste Rücken an Rücken, die komplette Klaviatur der Stadionposen. Das Lachen war HARDLINE die ganzen neunzig Minuten nicht aus dem Gesicht zu bekommen, man merkte wie sie lieben was sie tun.
Wobei ihr späteres Material gar nicht mal auf so viel Gegenliebe stieß, denn wie immer lag der Schwerpunkt klar auf dem Debüt. Legendär hin oder her, aber vieles kann den Songs durchaus das Wasser reichen, vom neuen Album hätte man ruhig noch „Mother Love“ oder „I´m Leaning On It“ drauf packen können. Selbst von „Danger Zone“, von dem zwei Stücke gebracht wurden, fielen mir noch einige ein, die letzten Scheiben wurden gar nicht bedacht. Hier würde ich mir mehr Mut wünschen, mittlerweile kommen genug Fans, welche die Truppe mit späteren Scheiben kennen lernten, stimmungstechnisch spürte man keinen Unterschied. Die Abschlussnummer, eben nicht von „Double Eclipse“ wurde explizit gefordert, wenn man so einen Lauf hat, sollte man das nutzen.
Setlist HARDLINE:
Shout
Rise Up
Dr. Love
Bad Taste
When You Came Into My Life
Everything
Danger Zone
Life´s A Bitch
-Keyboardsolo-
In The Hands Of Time
31-91
Hot Cherie
Rhythm From My Red Car
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Taking Me Down
Fever Dreams



