CARNIVORE A. D. - Kassel


Konzert vom 06.04.2026
Support: BEWARE THE KRAKEN, KOMPLIKATOR 

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CARNIVORE A.D. 
BEWARE THE KRAKEN 
KOMPLIKATOR 

Pünktlich angekommen, stellen wir fest, dass die schräge Dreierkombination eine mehr als passable Anzahl Leute innerhalb und außerhalb Kassel angezogen hat, etwa 130 sind bis dato anwesend, um schon beide Supportacts „mitzunehmen“.

KOMPLIKATOR
sind in der Goldgrube Kassel keine Unbekannten. Die ehemaligen PIT VIPER umbenannt in KOMPLIKATOR treten mit leicht veränderter Besetzung in Kassel an, deren zweiter Gitarrist Christian J. die Band wechselte, künftig bei den DeathGrindern CELEBRATE HATE aktiv mitmischt. KOMPLIKATOR bringen pünktlich gegen 20:00 Uhr loslegend eine Songauswahl alter teils noch unter dem Bandnamen PIT VIPER veröffentlichter Stücke, sowie einiges frühestens ab Mai zu erwartendes Songmaterial der aktuell schon bald zur Veröffentlichung frei gegebenen 'Madness, Murder, Mayhem“-EP. Nach wie vor bestimmt schneller aggressiv derb roher Knüppel-Thrash in ungeschliffener Form zumeist flotter Geschwindigkeit ausgeschenkt beim Göttingener Quartett das Geschehen. Zwischendurch werden an erforderlicher Stelle satte groovende Midtempoparts eingewoben. Geknüpft an Horrorfilmthematik, Dinge die „einem auf den Sack gehen“ oder Gesellschaftliche Misstände oder Emotinales, wenn man sich mal „richtig zum Kotzen fühlt“, schlagen Thrashgranaten Marke „Helloween“, „Fashion Busher“ sowie die frühere Bandhymne „Pit Viper“ in der Goldgrube ein. Auch „Event Horizon“ vom umstrittenen Horrorfilm über den die Meinungen weit auseinandergehen, überzeugt mit kurzer umso prägnanterer Vorstellung.

Gitarrist/Frontmann Sascha kündigt zum Schluß noch ein Cover an „das kennt ihr alle, die Band war in den Charts“, danach rumpelt deftiger Oldschool-Thrash Marke SEPULTURA aus den Verstärkern. Bei dem Cover kommen Erinnerungen an alte Manhattan-Thrashzeiten hoch. 'Beneath The Remains' 1989 erschienen ist ein für Thrash Metalmaniacs unverzichtbares Genre-Referenzwerk - umso schöner, sobald die ersten Takte von „Innerself“ im kraftvoll zugleich räudigen Level bei druckvollem Soundvolumen geschreddert werden. Jau! KOMPLIKATOR erhalten für diesen gelungenen Abschluß verdientermaßen Beifall von der Anwesenden Bangerschaft Das SEPULTURA-Cover als 'Appetizer' sollte künftig zum kleinen Schlußhighlight fester Bestandteil eines jeden KOMPLIKATOR-Gigs werden!

BEWARE THE KRAKEN
teilen als mittlere Band im Dreierpack eine ungeschliffen rohre, brutal derb zeitweise in hyperschnellem Gebolze auf die Fresse gehende Packung GrindDeath aus. Die Truppe aus Oberhausen hat ihre Fans, ist dennoch sehr speziell. Mittels Unterstützung von BURDEN OF GRIEF/NIGHTBEARER/u a. Ex-HATEFORCE ONE-Gitarrist Domink Hellmuth, der unterstützend als zweiter Gitarrist mitspielt, wird ein brutal fettes Brett für die Grind-Death Metal-Abteilung rausgefeuert. Zugegebenermaßen kenne ich kein Stück davon, dennoch läuft der Grind Death Express zügig auf Touren. Krächzig verzerrte Growls und ein sich in verschiedene Richtungen drehender Frontmann, das Schlagzeug entfacht immens Druck.
Viele Posen wirken einstudiert das Genre reflektierend. „In Cold Blood“ und „Silence Is Compliance“, geben gleich mal ordentlich deftig mitten auf's Geweih.

Allein der Bandschriftzug lässt darauf schließen: Dieser Krake hat lange Killerarmemit kraftvoll zupackenden Tentakeln! Technisch anspruchsvolle Grind-Death-Attacken vom Typ „Oblivions Embrace“; „Zodiac“ sägen mit deutlicher Death Metal Gewichtung und „The Curator“ - letzteres baut zunächst in tonnenschweres Doomatmoshärenlevel getaucht schrittweise bedrohliches Atmosphärenlevel auf, danach kommt die Death Metal Maschinerie unaufhaltsam ins Rollen.„Persuasion“ outet sich spät am Schluß als Grinddeathmassaker, schwenkt in Death Metal, feine Melodien und Sakralflair um, geschickt integrierte Leadsolimelodien sorgen zwischendurch für Auflockerung. Propellerheadbangen gehört ebenso dazu, wie das Bestaunen der Fähigkeiten des Oberhausener Fünfers, der beim anvisierten Fanklientel in Kassel Eindruck hinterlässt – auf dieses technisch höchst versierte Abrisskommando sollte die Grind-Deathfraktion künftig ein Auge haben...

Geänderte Situation vor dem CARNIVORE A. D.-Auftritt
Spätestens beim Headliner ist die Goldgrube am Ostermontag mehr als ordentlich gefüllt, ca. 150 Leute haben sich eingefunden, um CARNIVORE A. D. stehend in Reih und Glied Aufwartung zu machen. Mit ihrem eine Lücke zwischen D.R.I., und SLAYER füllenden Speed/Crossover-Hardcore/Thrash ziehen CARNIVORE A. D. bunt gemischtes Metalvolk in die Kasseler Szenelocation. Das New Yorker Trio besteht aus ehemaligen Bandmitgliedern von CHRISTIAN DEATH, KREATOR, WHIPLASH, SHEER TERROR und CRUMBSUCKERS, waren bereits zweimal in der Goldgrube Kassel zu Gast und verfügen über immens viel Bühnenerfahrung. Entsprechend sollte der Sound heute bitte gut eingestellt sein, um den Musikern faire Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, damit der Auftritt wirklich effektiv greift.

CARNIVORE A. D.
Vergleichsweise zu allen zwei Vorgänger-Gastspielen in Kassel mit seltsamem Beigeschmack ist der Sound heute druckvoll kompakt, nahezu perfekt ausgesteuert, was einer Band vom Kaliber CARNIVORE A. D. angemessen ist. Yes! Diesen Eindruck bestätigt nach dem Gig schwer begeisterte 'Goldgrube'-Stammkundschaft, darüber hinaus hat ein bunt gemischtes u. a. aus dem linken Alternative-Sektor kommendes Völkchen den Weg ins Ambiente gefunden. Natürlich bleibt das gesamte Songmaterial von dem es stammt wie beim Original Meinungen spaltend provokativ, was bewusst so gewollt ist. Wer zwischen den Zeilen zu Lesen vermag kommt vieldeutiger Thematik zurecht. Das dröhnt so markant schredderig wie beim Original. In Besetzung Baron Misuraca (Bass, Gesang), Chuck Lenihan (Gitarre) und Joe Cangelosi (Drums) rumpelt sich von Baron Misuraca angeführte Trio durch einen inhaltlich sowie musikalisch erwartungsgemäß heftigen Set. Der Baron hat viel zu erzählen, heizt durch markige Sprüche, Humor und ausgegebene Parolen die Stimmung im Ambiente auf. Religiöse Dogmen, Gesellschaftliche Missstände, Kriegsthematik und Politische Unrichtigkeit bekommen gleichermaßen ihr Fett weg, werden mit bissigem Zynismus spottend verballhornt zudem sozial kritisch in die Mangel genommen, was ursprünglicher Zweck der Pionierband war, die von hetzenden sie in ein bestimmtes Lager stecken wollend mit jener Form Zynismus nicht umgehen könnenden Eiferern gründlich missverstanden wurde.

„Angry Neurotic Catholics“, „Carnivore“ „Predator“, „God Is Dead“ zeitweise tempogedrosselt mit sattem Groovepart (das scharfzüngig-zynisch mit der Nazi-Ideologie im III. Reich ins Gericht gehend abrechnende „Jesus Hitler“), „Male Supremacy“, „Inner Conflict“, „God Is Dead“ inklusive sattem Faustreckpart wissen ihre Fans genauso zu überzeugen, wie einiges vom neuen aktuell frisch erschienenen Album, das ein Fan auf Anforderung per CD hochhält, wovon alternative Vinyl-Varianten (grün und schwarze Pressungen) am Stand käuflich zu erwerben sind. Baron Misuraca untermauert demonstrativ die Botschaften durch unübersehbar gestikulierend muskulös gestreckten Arm einschließlich geballter Faust in die Luft haltende Frontmann/Bassist bekennt – dieses Trio aus Brooklyn (New York City) fühlt sich wohl in Kassel, wie der sich mitten im Set bei der Ansage daran erinnernde Baron zu verstehen gibt, wo sie in der Vergangenheit schon zweimal spielten, - um die zugehörigen Statements durch Monumental-Epic zu erhöhen. Der Hüne mit Überlanger Haarespracht wirkt eindrucksvoll und ist beeindruckt von der Resonanz. Im Ambiente gärt es, viele Fäuste in der Luft, ein hingebungsvoll das New York City Trio auf der Bühne feierndes Publikum stehen als Reflektion dieses gelungenen Auftritts, - den bisher besten in der Landgraf Karl-Stadt Kassel. „I Stand Alone“ versprüht über weite Strecken tempogedrosselt in fesselnder TYPE O NEGATIVE-Manier getaktete Melancholic Düster-Heroic-Vibes. Saitenhexer Chuck Lenihan gibt auf der Bühne alles, leistet Arbeit für zwei Gitarristen, während Schlagzeuger Joe Cangelosi kraftvoll traktsicher seine Trommellandschaft bearbeitend mit Baron Misuraka eine äußerst routinierte Rhythmussektion abgibt. 



Stimmlich reicht der markante von elegischer Klage, Flüstern, harrschem Thrash-Shouting, elegischer Klage bis Wispern sich erstreckende Gesang des Barons authentisch nahe an CARNIVORE-Gründer/Ex-TYPE O' NEGATIVE-Bandkopf Peter Steele der 2010 verstarb (R. I. P.) heran, wobei der Baron über ein gerüttelt Maß unverkennbaren Eigenstils verfügt. Wenn als Zugabe der kräftig Reserven mobilisierend gesellschaftskritische Thrashfetzer „Sex and Violence“ kommt, ist das Ding im Prinzip gelaufen. Am Ende verabschiedet sich das Trio dankbar bei den Fans und huldigt dem großen Original des 2010 verstorbenen Bandgründers Peter Steele (R.I.P.) mit sehr nachdenklich ehrlicher Wortwahl. CARNIVORE A. D. führten in würdiger Form das hinterlassene Legat weiter.

Schlußwort:
Nach etwa gegen 00:20 Uhr beendeten Gig nimmt sich der sympathisch alle Fragen beantwortende US-Dreier Zeit für Tonträger-Unterschreiben, gepflegt lockeren Smalltalk, Fanfotos und lockeren Plausch. Das US-Trio fühlt sich wohl in Deutschland insbesondere Kassel, es wird nicht zum letzten Mal in der Goldgrube aufgeschlagen haben. Welch ein schräges Dreierpackage, das bei druckvollem Sound eine Fanschicht spezieller Art auf ganzer Linie überzeugen konnte. Ein kräftiges Danke geht an Markus Moshpit & die Moshpit Crew Cassel, den Kasseler Punkrock Kollektiv e. V. , und das jederzeit freundliche Garderoben/Thekenteam - Feiner Abend in kampferprobter Location mit passendem Billing und Auditorium. - Top!

Bericht und Fotos: Michael Toscher