SPOCK´S BEARD - Aschaffenburg
Konzert vom 09.02.2026
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SPOCK´S BEARD
Es ist tatsächlich zurück, das Flaggschiff des Retro Prog, das eine ganze Spielart in der dunkelsten Zeit fast im Alleingang wiederbelebt hat. Fast sah es so aus, als ob die Formation in PATTER-SEEKING ANIMALS aufgegangen wäre, zudem ging Schlagzeuger Jimmy Keegan von Bord. Doch aus dem Nichts kam Ende letzten Jahres mit „The Archeoptimist ein Album, das den alten Geist wiederbelebt und sogar an die frühen Glanztaten heran reicht. Zur großen Freude der Fans zogen SPOCK´S BEARD auch mit einer kleinen Tournee nach, bei der sie dreimal in Deutschland Station machten. Nicht fehlen durfte dabei der Progtempel schlechthin, das Colos-Saal in Aschaffenburg, ein Event bei dem FFM-ROCK ebenfalls nicht fehlen durfte.
Auf eine Vorband wurde verzichtet, nicht nur weil man weiß, dass die Bärte ausgiebig zu rocken pflegen, sondern auch weil für die wohl gar kein Platz gewesen wäre. Die Bühne stand voll mit allerlei Instrumenten, vorne hatte sich Ted Leonard noch einen kleinen Synthesizer hingestellt. Dessen Bildschirm darüber versperrte etwas die Sicht auf Neudrummer Nick Potters, auch Ryo Okumoto setzte auf diese Aufbauten. Das wäre sicher alles mühsam nach dem Support wieder hin zu räumen, stattdessen wurde sichergestellt, dass die Umstände perfekt sind und alles passt. Ohnehin gab es ein paar kleine technische Schwierigkeiten, aber der Sound saß die ganze Zeit über selbst für bekanntlich gute Verhältnisse vor Ort, jedes Detail war druckvoll zu vernehmen.
Dementsprechend war die Stimmung, zu lange hatte die Prog-Gemeinde auf ihre Helden warten müssen, die schon bei der eröffnenden Harmonie laut mit einstieg. Das Fieberthermometer schnellte im brechend vollen Auditorium sofort nach oben, Band und Publikum waren mit dem ersten Ton eine Einheit. Was nicht verwunderte, war dem Fünfer seine Spielfreude von der ersten Sekunde anzusehen, auf jedem Gesicht auf der Bühne ein Lächeln. So legte dieser unfassbar tight los, die Rhythmen sehr konzentriert mit Zug nach vorne.
Traumwandlerisch sicher gingen die mehrstimmigen Gesänge ebenso von der Hand wie die irren Abfahrten, die Songe ergossen sich wie aus einem Guss über das Publikum. Leonard wechselte von der Halbakustischen zum Telecaster, ließ die Sechssaitigen aber auch mal lässig baumeln und entlockte derweil den Tasten vor ihm sphärische Klänge. Wenn er nicht gerade mit dem Füllen von Klangräumen beschäftigt war, ging er in der Frontmannrolle auf und suchte vorne an der Rampe den direkten Draht zum Publikum.
Stimmlich bestens brachte er die großen Melodien sehr fein rüber, und konnte noch sehr viel Ausdruck reinlegen. Etwas mehr Rockröhre und mehr Power in den Stimmbändern als seine Vorgänger tat auch den alten Stücken spürbar gut. Wobei SPOCK´S BEARD da konsequent abwechselten zwischen einem Klassiker und einem Lied vom aktuellen Longplayer. Lediglich vom Opus Magnum „Snow“ hätte man sich noch einen Auszug gewünscht, doch bis auf einen Beitrag vom selbstbetitelten Werk wurde nur die ganz frühe Bandphase bedacht.
Im Prinzip war es auch egal, was gespielt wurde, weil hier eine Formation unterwegs war, bei der es nur darum ging wie es gespielt wurde, da war die geringe Anzahl an Stücken egal. Sind die Spielzeiten in den Studiofassungen schon opulent, so wurden die Titel auf der Bühne zusätzlich gestreckt. Ganz besonders in der Zugabe, als jeder mit einem Solo ran durfte, zuerst das jüngste Bandmitglied hinter der Schießbude, dann sprang Ryo Okumoto mit der Keytar hervor, um später an Alan Morse zu übergeben.


Dem Mann hinter den Tasten ist es sicher zu verdanken, dass die Truppe so stark zurückkam, sein Anteil am jüngsten Output ist nicht hoch genug einzuschätzen. Exponiert war seine Position ebenfalls ganz vorne, so dass die links positionierten Zuschauer gute Einblicke auf seine flinken Finger hatten, und er Kontakt zu denen halten konnte. Mit der Orgel und Piano – sowie Synthklängen prägte er die Songs, variierte das Tempo nach Belieben. Doch wehe wenn er losgelassen, der Songstruktur nicht mehr folgen musste, da lieferte er unfassbar ab. Ein paar Loops pulsieren lassen und ab ging die wilde Fahrt, bei der die Gräte bis an die Grenze des Machbaren strapazierte, teilweise traktierte er die Hammond mit den Handkanten.
Was nicht nur das Auditorium mitriss, das immer wieder Szenenapplaus spendete und komplett aus dem Häuschen war. Sogar die Kollegen waren von seinem Auftritt derart angetan, dass sie den Weg zu ihm gesucht haben, um sich gegenseitig anzustacheln. Den guten Ted und Alan war es egal, ob sie sich dahin quetschen mussten, da zählte nur die pure Euphorie. Da jammten sie mit ihrem Keyboarder, gaben sich die Klinke in die Hand und trieben sich zu Höchstleistungen an, während alles nur so vor Spielfreide sprühte. Der Gitarrist stand Okumoto wenig nach, konnte sowohl bei schnellen Läufen wie auch wunderbar warmen Soli brillieren. Dabei nahm er ebenfalls oft Tuchfühlung zu seinen Fans auf, welche seine inspirierte Darbietung abfeierten.
Gern gesehener Adressat war auch Leonard oder Potters hinter ihm, der mächtig anschob. Wunderbar zu sehen wie er die Dynamik unterstützte, leicht jazzige, aggressive Breaks in den proggigen Passagen, während er den getragenen Parts wuchtig ihren Raum gab. Gerade wenn er da ausbrach machte sich sein schöner voller Ton bemerkbar. Überhaupt war das Wechselspielt der Themen ein bestimmendes Element, wo sich schon im normalen Songrahmen die Instrumentalisten die Parts zuspielten und der neue Mann alles zusammenhielt.
Was auch für das Rückgrat von SPOCK´S BEARD gilt, Dave Meros, dessen Spiel den Songs genau das gab wonach sie verlangten, hielt sich die ganze Zeit über dezent im Hintergrund. Bei den sanfteren Parts drückten seine Finger die dicken Saiten, wenn es fordernder wurde, schlug er ungewöhnlich vehement und differenziert mit dem Plektrum an. Damit vollendete der Mann eine berauschende Vorstellung, die mehr als zwei Stunden restlos begeisterte und zeigte, warum es so wichtig ist, dass diese Ausnahmecombo wieder am Start ist.
Setlist SPOCK´S BEARD:
At The End Of The Day
Invisible
Crack The Big Sky
Electric Monk
On A Perfect Day
The Archeoptimist
Walking On The Wind
Next Step
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Go The Way You Go



