DANNY BRYANT - Freudenburg
Konzert vom 30.01.
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DANNY BRYANT
Kaum ist das neue Album auf dem Markt geht es auch schon wieder auf Tour, aber das Dilemma kennt die Musikbranche schon länger, dass neues Material die Konzerte promotet. Der Brite war da bislang sehr fleißig, und hat sich im mittlerweile schon arg überlaufenen Blues-Sektor nach oben spielen können, bietet auf der Bühne schonmal die Big-Band an. Im Kultclub an der saar-pfälzischen Grenze war dafür kein Platz, dafür hatte DANNY BRYANT seine angestammte Mannschaft dabei. Zuletzt machten aber auch Nachrichten über seinen Gesundheitszustand die Runde, aber schon „Nothing Left Behind“ sah den Mann in guter Form, FFM-ROCK durfte also gespannt sein auf den Auftritt im Ducsaal.
Der war wieder amtlich gefüllt, bei der vorherigen Verköstigung von lecker Schnitzel fand man gar keinen Platz mehr oben im Restaurant, und die Treppe runter in den Club stand lange vor Einlass voll. Das urige Ambiente ist immer eine Reise wert und passt bestens zu authentischer handgemachter Musik. Vor dem Konzert wurden die nächsten Events eifrig beworben, obwohl einige schon ausverkauft sind. Dem Rahmen entsprechend unprätentiös kletterten die Fünf auf die Bühne, stöpselten ihre Instrumente ein und legten gleich mit einem taufrischen Stück los.
Bryant selbst sah deutlich schlanker aus als zuletzt, wobei ihm sein Hemd nicht mehr ganz passte. Wobei das Karomuster an den guten Alter Rory Gallagher erinnerte, womit wir auch bei dem Thema wären, dass er später ansprach und von dem auch die Lyrics der neuen Songs handeln. Seit zwei Jahren hat er keinen Alkohol mehr angerührt, nachdem er sich seine Probleme damit eingestehen konnte. Bewundernswert offen redet er darüber, was ein wenig an Walter Trout denken lässt. In der Tat umarmte er seinen Stratocaster ähnlich wie die Legende bei seinen Ansagen.
Es sind Lieder vom Kämpfen, Lieder vom Leben, die sein neuer Dreher beinhaltet, Geschichten, die das Leben schrieb und die andere inspirieren sollen. Fast komplett wurde das Werk an jenem Abend auf die Bühne gebracht, wobei der Verfasser dieser Zeilen gerne das Springsteen-Cover gehört hätte. Dafür hat der gute Danny jedoch zu viele eigene Kompositionen in der Hinterhand, von denen in der Folge des eingängige „Temperature Rising“ auch die Raumtemperatur deutlich anhob und erstmals so richtig die Barriere zum Publikum niederriss. Immer wieder wurde es aufgefordert näher zu kommen, um den intimen Rahmen noch besser auskosten zu können.


Seinen Blues Rock spielte der Mann durchaus hart, lieferte dennoch die notwendigen Kontraste. Soulige Klänge findet man von ihm in dem Format nicht, Funk scheint einmal kurz bei „Tougher Now“ durch, sonst regiert die reine Lehre. Kein Wunder bietet sein jüngstes Werk mit Tunes wie „Swagger“ knackige Stücke, die speziell durch die Gibson Expander von Rhythmusgitarrist und Co-Produzent Marc Raner geprägt werden. Keine typische Bluesgitarre, wenn schon im Southern Rock zuhause, der bekannteste Vertreter dürfte jedoch Matthias Jabs von den SCORPIONS sein.
Auf der anderen Seite standen sehr ruhige Sachen wie „Redemption“ oder das am Ende ewig zelebrierte „Painkiller“, die fast akustisch dargeboten wurden. Dem passten sich die Soli an, für die DANNY BRYANT ganz vorne an den Rand kam und diese mit viel Leidenschaft zelebrierte. Im Ton melodisch, wenn nicht so weich wie andere britische Vertreter wie Snowy White, der Vergleich mit dem späten irischen Haudegen ist nicht zu weit hergeholt. Wenn dann die Finger immer schneller über das Griffbrett liefen, kam ordentlich Stimmung auf, die sich in Szenenapplaus entlud.
Dabei war er jedoch nicht der Einzige, der glänzen durfte, besonders sein Keyboarder Jamie Pipe wusste sich immer wieder in Szene zu setzen und holte aus seinem unscheinbaren Nord-Synthesizer alle möglichen Klänge heraus. Ob warme Orgelflächen oder treibendes Piano, stets konnte er den Sound perfekt füllen. Mit den Farben malte er auch starke Soli, bei denen er wie ein verrückter Professor die Tasten traktierte und gleichwohl mit der Mimik nachzog. Ohnehin ein lässiger Haufen, denn Bryant da zusammengestellt hat, und wie der Bandchef selbst herrlich hemdsärmelig rüberkam. Den schärfsten optischen Auftritt legte Raner hin, der wie das Spiegelbild des Rezensenten aus dem Jahr 1993 aussah.
Doch nicht nur die Zuschauer feierten die Jungs ab, die lugten selbst bei ihren Kollegen ganz genau hin, wenn diese exponiert agierten. Schon witzig wie der Leader selbst und Bassist Artjom Feldster von hinten ganz gebannt auf Pipes Finger schauten, wenn jene über die Tasten hüpften. Überhaupt war die Allzweckwaffe am Bluesbass bestens gelaunt und bekam das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Bei vielen Soli kam er aus seiner Position im Hintergrund hervor und stachelte den Ducsaal zu noch lauteren Bekundungen an. Beim Instrumental „Unchained“ durfte auch er solotechnisch ran, der Fünfer gab sich die Solospots wie die Klinke in die Hand.
Wobei Alex Hinz weiter Understatement betrieb, seinen starken Punch hinter einem lockeren Swing versteckte. Seine Laune, die hinter dem niedrigen Kit in seinem Gesicht zu sehen war steckte ebenfalls an, das Feuer, die Spiellaune schwappten auf den Saal über. Die obligatorische Thekenpause ließ die Spannung nicht sinken, sondern eher die Akkus nochmal aufladen. „Rise“ setzte den zweistündigen Reigen fort, bei dem sich Feeling und Power ideal abwechselten. Die Euphorie entlud sich in der letzten Zugabe, als all den „Rock´n´Roll“ tanzten, und längst dem Wunsch des Frontmanns entsprechend auf Tuchfühlung mit ihm gegangen waren.



