XIV. MASTERS OF CASSEL - Kassel

Festival vom 26.12.2025
mit IMHA TARIKAT, VICTIM, VIOLET, FUNERAL XTC
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IMHA TARIKAT
VICTIM
VIOLET
FUNERAL XTC
Zum 14. Mal öffnete das MASTERS OF CASSEL im Rahmen des 20 Jährigen Festivaljubiläums zur Heavy Metal-Weihnachtsparty der etwas anderen Art einladend, seine Pforten – dieses Jahr in kleiner Location, der Goldgrube Kassel. Geschenke für die 50 ersten Besucher gibt’s auch, Veranstalterin Diana verteilt fröhlich gelaunt an der Eingangskasse Grinch-Servietten mit Aufdruck „Ich hasse Weihnachten,“ während Ehemann Dirk sich am Merchstand aufhält und zunächst mal gepflegten Dialog mit KREATOR-Drummer Jürgen 'Ventor ' Reil hält, dessen Filius Jermome zu einem späteren Zeitpunkt Gelegenheit bekommt, auf der Bühne mitzuwirken. Die Goldgrube ist mit ungefähr 130 Besuchern und Gästen geschätzt zahlenmässig gut besucht, deren Fansprektrum queerbeet von Gothics, Traditionens Metallern und Thrashervolk und Posern bis Death/Black Metallerschichten reicht.
FUNERAL XTC
Für den Auftakt zur Heavy Metal-Weihnachtsfeier sorge FUNERAL XTC, eine Kasseler Thrash Band. Stilistisch läuft die Truppe in Richtung Modern Thrash auch wenn ihr von den Progressive Metallern MESMERIZED bekannter Sänger/Gitarrist ein Slayer Shirt trägt, was das ganz ein wenig verschleiert, liegt das Hauptgewicht viel mehr auf moderneren Thrashklängen die sich mit zwischendurch integrierter Oldschoolkante treffen. 
Auf der Bühne macht die mit kompaktem Sound aufwartende Band einen ganz soliden Eindruck und kann mit Thrashern wie „Pain“, „Blood You See“ und „Society Failed“ einen Teil des anwesenden Publikums für sich gewinnen.
Damit ist schon mal für ordentlichen Einstieg in den Abend gesorgt, der allerdings noch um einiges ausbaufähiger sein dürfte... warten wir mal ab, was kommt...
(MT)
VIOLET
Nach ruppigem Modern Thrash folgt mit den Stuttgartern VIOLET das Kontrastprogramm. Die Jungspunde haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Stadionrock der 80er zurückzubringen. VIOLET entpuppen sich als sehr spielfreudige Band und stecken das Publikum mit ihrer quirligen Attitüde an. Die Stuttgarter wissen die Meute mitzureißen und die Posen sitzen als ob sie schon sehr lange live aktiv wären. Dass sie auf einem Metalfestival aus dem Rahmen fallen, ist dem Fünfer durchaus bewusst. 
Sängerin Jamie Beckham betont jedoch, dass alle Bandmitglieder privat auch Metal hören und schlägt eine Brücke vom Rock, wie ihn VIOLET spielen, bis hin zum Metal und betont die verbindende Kraft der Rockmusik. VIOLET haben mit diesem Auftritt bewiesen, dass sie auch vor Metalpublikum bestehen können. Dafür ernten sie reichlich Beifall.
(MH)
Am Rande notiert:
Die Garderobe ist schon während des Opening Acts bis zum letzten Bügel mit Jacken belegt. Der unnötig lange Soundcheck bei IMHA TARIKAT mutet merkwürdig an. Soundprobleme solcher Art wie bei dem Gig sind für die Goldgrube ungewohnt.
VICTIM
Auf das Erste V folgt das zweite. VICTIM sind an der Reihe, jetzt füllt sich der Saal beträchtlich. Nicht ohne Grund gilt Kassel als Thrash-Hochburg Nordhessens. Das wird auch bei diesem von der zahlreich anwesenden Thrashfraktion frenetisch abgefeierten Auftritt des Thüringer-Trios umso mehr deutlich, Merke: VICTIM gehen immer – überall!Mit „Cold World Slavery“ vom jüngst Anfang Dezember erschienenen Album zweiten Studioalbum 'Nuclear Nightmare' beginnend finden die drei schnell ihren Rhythmus. Das zeigt sich auch in Kassel den nach folgenden zwischendurch von knackigen Midtempogrooves aufgelockerten Geschossen vom Kaliber „Ready To Bleed“, „Temple of Tikal“, „Nuclear Nightmare“ vom aktuellen Album, „Pinnacle of Immorality“, „Police Brutality“ oder „Cut“ abfeuert, die mächtig in der Goldgrube einschlagen. Die knappe Stunde vergeht in Windeseile.

Gitarrist/Vocalist Hanny tobt wie ein Derwisch auf den Brettern, gehört zu den Frontmännern die Thrash Metal mit ihren Stil entsprechender Leidenschaft, Herz und Seele bei zugehörig aggressiv räudigem Shouting zelebrierend die Axt desöfteren mal demonstrativ hocheissend. Drummer Glimmy und Bassist M.P. bilden die Rhythmussektion des knüppelhart Oldschool thrashenden Weimarer Trios - eine top aufeinander abgestimmte Einheit. Bei derart ruppigem irgendwo zwischen KREATOR und frühen METALLICA liegender Thrashkante kommt Bewegung ins Volk, gehen massiv Fäuste in die Luft, und es wird auf Teufel komm raus geheadbangt!
Am Ende der Vorstellung heißt es: „Ein Kurzer geht noch“. VICTIM geben beim amtlich weggeschrubbten Schlußakkord „Thrasher“ bevor sie die Bühne verlassen nocheinmal richtig Vollgas, holen aus den Instrumenten alles, was geht - es klingt fast wie METALLICA zu Whiplash-Zeiten in anderthalbfacher Geschwindigkeit!
Das sympathische Thüringer-Trio hat am Ende wie lautstarker Jubel der deutlich in der Überzahl befindlichen Thrash-Fraktion in der Goldgrube zeigt – alles richtig gemacht. Die stärkste Band des Abends zeigte unmissverständich, wo der Hammer hängt, will heißen, lieferte das erwartet fette Brett. VICTIM sind zur Zeit wo immer sie hinkommen Live On Stage eine Macht und haben sich für Weiteres empfohlen.
(MT)
Als letzte Band steht voll auf die Zwölf gehender Black Metal auf dem Programm:
IMHA TARIKAT
sind trotz überlangem Soundcheck extrem laut eingestellt, - geben auch den letzten Feierwütigen eine rasante von halsbrecherischen Rhythmus-Tempo wechseln geprägte Black-Metal-Abfahrt, die sich gewaschen hat, ungeduldige Gäste vor unserem Tisch rufen: „Ach fangt doch einfach an zu spielen!“ Geschuldet ist das Malheur laut Veranstalter wahrscheinlich dem Paddle-Board von Sänger Kerem, in dem eine Flüssigkeit stand. Shit happens.Fast wie auf Kommando geht’s endlich los: Infernalische Hypergeschwindigkeits-Raserei mit bis zum Anschlag ballerndem Kesselgerumse verbindet sich bei knackig tempo gedrosselten Traditional-Metalpassagen, die je länger die Band auf der Bühne steht, umso besser ihren Rhythmus finden. IMHA TARIKAT funktionieren wie eine gut geölte Maschine. Verstärkt durch ihre straight aufspielende Rhythmussektion: Ventor's Filius Jerome am Schlagzeug und THE NIGHT ETERNAL-Frontmann Ricardo am Bass (!) zeigen IMHA TARIKAT bei Rifforkanen Alarmstufe „Wicked Shrine“, „Sturm der Erlösung“;“Excellent Grief“ und „Radical Reighteousness“ das sie wie bei den Studioalben viel draufhaben. Alle vier sind aufeinander eingespielt, geben (derbes Stageacting inklusive) dem nicht mehr so zahlreich verbliebenen Publikum amtlich auf die Glocke, dass es heftig in den Ohren dröhnt. Technisch ist die Ruhrpott-Schwarzmetall Riege ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
Obwohl sich die Reihen bereits vor 0 Uhr Mitternacht merklich gelichtet haben, entfachen IMHA TARIKAT ihr Höllenfeuerwerk auf der Bühne, ein Teil des verbliebenen Publikums geht zeitweise richtig steil, feuert die Band an oder schaut sich das Treiben auf der Bühne neugierig an; versöhnlich aus: Mittendrin wechseln aufeinmal die Bandmitglieder an zwei Instrumenten, zwischendurch verweigert eine Gitarre ihren Dienst; spätestens zu „Imha Tarikati“ lässt Shouter Kerem Yilmaz seinem Frust freien Lauf und brüllt einem Apell an die Fans gleichkommend ins Mikro: „Vergesst die Musik, wir sind hier und brennen für euch, lasst alles raus, hier und jetzt ist die Gelegenheit, all die Wut und den angestauten Frust loszuwerden.“ Nervige Soundprobleme sorgen dafür, dass der letzte Song „The Day I Died“ zweimal angespielt und abgebrochen werden muss, ehe es beim dritten Anlauf klappt. Wegen größerer Zeitlimitüberschreitung ist eine Zugabe nicht mehr möglich. Danach gehen alle Lichter an, die Party ist gelaufen, finito! Alle verabschieden sich herzlich voneinander, und wir treten danach zufrieden, obschon deutlich verspäteter als geplant, unseren Heimweg an.
(MT)
Schlußresumeé:
Zu Buche steht eine schöne Weihnachtsparty in angenehmer Atmosphäre mit vielen Bekannten Gesichtern und wie fast schon gewohnt chaotischem Ausgang. FUNERAL XTC machten ihren Job ganz ordentlich. Beste Band waren VICTIM, die der Thrashfangemeinde mächtig auf den Latz gaben. VIOLET hinterließen als fein harmonierende viel 80er Spirit in die Location tragende Melodic Hard Rock-Combo bleibenden Eindruck, IMHA TARIKAT machten trotz Soundproblemen das beste daraus, zogen allerdings trotz technisch hochwertiger Fähigkeiten gegen die Thrashabfahrt von VICTIM den Kürzeren.
Damit ist die „Weihnachtsparty etwas anderer Art“ am 26.12.25 gelaufen. Auch FFM-ROCK als MASTERS OF CASSEL seit vielen Jahren treuer Unterstützer dankt dem gesamten Veranstalterteam um Dirk und Diana Schneider von 98 RECORDS für einen tollen Event in Kampferprobter Location, einschließlich hilfsbereits-freundlichem Servicepersonal an Garderobe und Theke sowie allen die da waren danke für eine durchaus würdige Weihnachtsmetalparty zum 20jährigen M.O.C.-Jubiläum, obgleich manche Zeitgenossen und -genössinnen in der Feier gar eine 'Anti-Weihnachtsparty' sahen, (was schon verwundert schließlich war das Billing bunt gemischt und nicht nur allein auf Black Metal ausgerichtet!) blieb es immer noch eine Weihnachtsparty... wenn gleich der „etwas anderen Art“. Ein Aufruf noch zum Schluß: Unterstützt bitte weiter die Goldgrube Kassel - jede Spende ist willkommen, damit in unserer beliebten Szene-Live-Location künftig noch viele Konzerte diverser Bereiche harter Stromgitarrenmusik u. a. Rock, Metal, Folk, Punk etc., stattfinden.
(MT)
Fotos und Bericht: Michael Toscher und Melissa Hart

