SAOR - Kassel
Konzert vom 30.03.2025
Special Guests: CAN BARDD, MORGARTEN
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Das könnte voll werden, denk' ich mir beim Eintreffen gegen 19:30 plus minus fünf Minuten und tatsächlich – dieses ausgefallene 3er-Package lockt Fans unterschied lichster Coleur nach Kassel, da ist von Pagan-, Folk-, Viking-, Black Metal bis zum klassischen Traditionsmetaller so ziemlich alles vertreten, was die extreme Heavy Metal-Szene hergibt. Die Goldgrube Kassel ist von wenigen Stellen abgesehen, fast bis auf den letzten Platz gefüllt, ca zwischehn 190 bis 200 Leute, darunter viele von weither angereiste Besucher.
Ihre Fans mit aufrecht gereckter Faust begrüßen mutet reichlich ungewöhnlich an, dies ist bei MORGARTEN hingebungsvoll episch zelebriertes Einstimmungsritual – für anwesende Heiden-Krieger und -Kriegerinnen. Sogar ohne etatmässigen Hauptbassist wissen MORGARTEN mit viel Sphären-Sound und zeitweise derb knüppelnder Black Metal-Raserei kräftig zu punkten. Frontsänger/ Gitarrist Pierre nimmt sich Zeit für gezielte Ansagen wobei er aus einem Potential ausdruckstarker Gestik schöpft, das Publikum auf die Band einzustimmen, Sound und Stageacting seiner auftretenden Mitstreiter funktionieren, der Tastenzauber von Keyboarder Mael Porret schafft Atmosphäre, währenddessen harrscher Gesang flirrende Soli, kraftvolle Grooves, treibendes Schlagzeugspiel, wabernde Epik, Elfengesang und heavy groovende Riffkaskaden mit pumpenden Bassläufen das Grundgerüst bilden. Atmosphärisch wirkt der Liveauftritt des leidenschaftlich auftretenden Schweizer Epic-FoklkPaganBlackMetal-Fünfers wie eine Huldigung zu Ehren ihrer Schweizerischen Ahnen. Faustrecken und Hey, Hey, Hey-Schlachtrufe gehöhen entsprechend auch dazu.
Benannt nach der bedeutngsvollen Schlacht vom 15. November 1315 am Morgarten, in deren Verlauf es den zahlenmässig unterlegenen Eidgenossen durch einen helfenhaften Sieg gelang den sich anschickenden, die Schweiz zu erobernden österreichischen Erzherzog und Herrn des Hauses von Habsburg, Leopold I. in die Flucht zu schlagen. Daraus entstand der Mythos vom heldenhaften Ur-Schweizertum, das sich erfolgreich gegen seine Unterdrückung zur Wehr setzte, wodurch das eidgenössische Bündnis gefestigt wurde.
Bevor die Kriegerschaft in den Kampf geht, schwört sie auf den Vereinigungseid („Oath Of Allegiance“) es zu tun, ehe sich wie auf Abruf zum vorest majestätisch angekündigten Krieger-Schlachtruf „Die or Fight“ der an die Heldentaten des Urschweizertums gemaht - ein kleiner kurz mal flott abgehender Pit in der Goldgrube bildet der passend zur Aufforderung für alle sich dem Kampf stellenden Krieger und Kriegerinnen in die Schlacht werfen, rotiert. Es dient zur Einstimmung der als tapfere heldenhafte oder gefallene Krieger/innen mit elfengleichem Gesang umrahmt von epischen Riffs gepackt in raumgreifender Sphärendynamik, um bei „Peaceful Souls Of The Dying“ an den Lagerfeuern als Geschichten ihres Landes („Tales Of My Lands“) ehrenvoll besungen zu werden, dazu kommt noch eine Flöte die Sänger Pierre bedient, ins Spiel, dessen atemberaubendes Solo dem fetzigen Schlußfinish die Krone aufsetzt. Wenn gegen Ende stolz das Horn in Händen gehalten, erhoben und hineingeblasen wird, sind alle Bestandteile eines amtlichen Heidenmetal-Auftaktgigs der optisch in völkisch- heidnischer Leinengewandung auftretenden Band vollständig erfüllt. Am Schluß bedanken sich MORGARTEN bei den Tteuen Fans in der Goldgrube wofür sie verdientermaßen völlig zu Recht kräftigen Applaus ernten. „Dankeee Goldgrubbeee Kassselll! ruft Pierre noch laut ins Mikro, danach ist Schicht im Schacht. - Gelungener Einstieg der Eidgenossen in einen fesselnden Abend!
Die Epic-Atmosphaeric Folk Pagan Metaller erzählen anschließend entgegen gesetzt zu ihren Landsleuten Geschichten aus schottischen Wäldern von den legendären Keltenstämmen der Kaledonier einem im Östlichen Teil von Schottland beheimateten Stamm, der sich erbitterte Schlachten mit den Römern lieferte. Düstere Wälder, obskure Geheimnisse, Legenden und Sagen, umrahmt von einem gewaltigen Fels aus mystisch epischer Gespensteratmosphäre umrahmt von melancholischem Zauber traditioneller keltischer Klänge. Klartongesang und heißeres Gekeif stehen im Wechsel zueinander. Fronmann Malo Civelli lebt den Keltenspirit passend zu seinem rotblonden Haar hingebungsvoll aus. Zugegebenermaßen kenne ich kein Stück von CAN BARDD – deren instensive Atmosphäre bereits nach den ersten Augenblicken mit jeder Minute mehr zunimmt. Dieselbe wie schon bei GLEN BARDD aufgetetene bei SAOR auf der Bühne Ella Zlotos bringt eindrucksvolle Flötensoloeinlagen, ergänzt ihre Vorderleute hilfreich als Backgroundsängerin mit bezaubernd elfenhaften Klartongesang, deren intensiv raumgreifender Sphärentouch komplett fesselnd verführerisch in die Zauberwelt von Dunkeltrollen, Elfen, Gnomen, Zwergen, Kobolden und Feen eintauchen lässt. Häufig macht sich das Gefühl Traditionell Keltischer Harfe und Flöte zu lauschen breit, letztere ist vorhanden, ehe harrsches Blastbeatgeschredder das barbarische Naturell keltischer Kriegerstämme gebündelt zum Ausdruck bringt. Geheimnisvoll düster melancholisch im naturmystischen Schottland- Folk der caledonischen Stämme behaftet - bringen monumentalepische Sphären Parts, rasende Knüppelattacken und heißeres Gekeif die Fans zum Faustrecken, und Headbangen. Zwischendurch driftet es in klassische Metalgrooves, mit kantigen Riffs, angetrieben von kraftvollem Schlagzeugpunch eingelegt in heftig dramaturgisch emotionales KeltenFolk-Flair.
CAN BARDD geben absolut eindrucksvolle Vorstellung ihrer ausgefallenen Stilistik. Bilder von Märchen, Mythen und Sagen nehmen Form an, werden im Geist lebendig. Der Gesamte Auftritt wird mit derartiger Energie, Leidenschaft, Herzblut und Charisma dargeboten weiß auf ganzer Linie zu überzeugen, was auch der stark gestiegene Anteil von Pagan/Viking-Metalfans im Ambiente bestätigt. Nichts gegen den Opening Act – der seine Aufgabe schon recht eindrucksvoll erledigte, der darauffolgende Set hingegen war eine so unglaublich gewaltige Offenbarung - CAN BARDD befinden sich in einer komplett eigenen Liga.
Wer Kompositionen vom Typ Une Couronne de Branc Autumn Shore My Ancestor Celestial Horizon, Devoured by the Oak Pt.I , Devoured by the Oak Pt.II serviert, leistet dem einst mächtigen römischen Imperium gewaltigen Widestand oder geht als Sieger aus der Schlacht hervor – wie einst die stolzen Keltenstämme der Kaledonier...
Auf das Schweizer Doppel folgen die schottischen Atmospheric Folk-Black Metaller SAOR angeführt durch Bandgründer Andy Marshall. Der Band-Name entstammt der Gälischen Sprache und bedeutet soviel wie uneingeschränkt/frei. SAOR halten das vorgelegte Stimmungslevel halten nicht nur, sondern setzen gar noch einen drauf. Gemessen an den musikalischen Fähigkeiten sind ihnen die keltischen Paganmetaller CAN BARDD - soviel soll nicht unerwähnt bleiben - ebenbürtig.
SAOR entfachen die Flamme des Atmosphärisch Melodischen Black Metal dessen Inhalte sich um Altertümliche Mythen in der Goldgrube drehen. Auch wenn mir die Band vom Hörensagen und Lesen bekannt ist, ihre Songs sind es nicht. Jedenfalls starten sie sogleich mit krachend harten Riffs angefeuert von ihnen treu ergebener Fanschaar. Herrlich viel elegant um sich greifendes Folk Flair verteilt sich in der Goldgrube, deren Publikum in den vollen Genuss einer künstlerisch vielseitig hochwertigen Darbietung kommt, die weitaus mehr darstellt als opulente Epik verbunden mit bloßem Geballer. Spielerische Finessen offenbaren sich wenn erneut Ella Zlotos Gelegenheit bekommt ihrem Instrument zauberhafte Soloeinlagen gehüllt in altertümliche Klangästhetik zu entlocken.
Solcherart abenteuerlich geheimnisvoller Sphärenspirit verbunden mit dunkler Mystik, verführerischer -Melodien, beissender Härte, Choralgesängen und Folkflair direkt an Irland, erinnernde Bilder. Monumental-Atmosphären-Folk Epen wie „Amidst The Ruins“ „Echoes Of The Ancient Land“, „The Sylvan Embrace, „Glen Of Sorrow“ oder „Rebirth“ einschließlich Marsch-Trommel-Zwischenpart sorgen für Erstaunen, Begeisterung, zahlreich in die Luft gereckte Fäuste und Bewegung. Bei derarigen Kunstwerken knistert und vibriert der Luftstrom bis zum endgültigen Ausklang, der sich in der gedehnt sanft ausklingendeb „Aura“ verliert. Gegen 23:30 ist der letzte Takt gespielt, Alltag zurück, Naturmystikzauber verklungen, die Lichter gehen an.
Schlußresumeé:
Drei Bands, die neben knalliger Härte und Geschwindigkeit kribbelnd viel Epic bei immens opulenem Atmosphärenlevel bringend, auf individuelle Weise Grenzen ihrer jeweiligen Genrefelder überschreitend ausloteten, mit unterschiedlichen Stilvarianten glänzten. Phantastischer Abend für Leute, denen es kein Problem bereitet über den Tellerrand zu schauen. Alle Bands waren jeden Cent Eintrittspreis wert, haben ihr Stammklientel restlos überzeugt und wie in meinem Fall – sogar neue hinzugewonnen. Was für ein tolles Dreierpack mit intensivem Genuss extremer Art – gefühlt dargebotene Zelebration der Gegenteile – krachende Härte, beeindruckend imposante Folk-Epik, bezaubernde Melodien, packende Grooves, harrsches Gebretter eingehüllt in vielseitigen Düsterromantiktouch - so funktioniert schräge Musikkultur der anderen Art auf kultiviert hohem Niveau! Mit dieser Setlist nahmen SAOR die Goldgrube Kassel im Sturm: Amidst the Ruins, Echoes Of The Ancient Land, Glen Of Sorrow, The Sylvan Embrace, Rebirth, Aura
Nach dem Konzert wandern Tonträger, Patches und Merch über den Verkaufstresen. Kompliment an die Technik: Licht & Sound waren passend eingestellt. Dickes D a n k e für diesen phantastischen in obskure Sphärenklangwelten von Mythen/Sagen geheimnisvoller Berge, Wälder, Flüsse, Täler, Landschaften, Seen und Moore führenden Abend geht an das fleißige Kasseler Punkrockkollektiv e. V. für die Ausrichtung dieser tollen Veranstaltung einschließlich hilfsbereit freundlichen Servicteam an der Theke. Gegen 23:30 Uhr wenn der letzte Ton verhallt ,ist die Normalität zurück, Naturmystikzauber verklungen, alle Lichter gehen an. Danach wird bestens gelaunt der Heimweg angetreten. - Welch ein Spektakel!
Fotos und Bericht: Michael Toscher