WALTER TROUT - Dillingen

10 waltertrout dillingen flyerKonzert vom 07.10.2022

Support: STOMPIN´ HEAT

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WALTER TROUT
STOMPIN` HEAT

So langsam nominiert sich der Blues-Veteran für den Titel „Künstler Des Jahres“. Nach starken Festivalauftritten und einem neuen Werk fast nebenher macht er sich auf große Tour über den Kontinent. Sein Zuhause war seit jeher die Bühne, trotz klarer Zugehörigkeit zu Risikogruppe war WALTER TROUT schon im letzten Jahr unterwegs. Dabei schaute er auch wieder im Dillinger Lokschuppen vorbei, wo er vor Jahren schon zu Gast war und bereits vor zwei Jahren hätte spielen sollen. Als Support waren die Local Heroes von STOMPIN´HEAT mit dabei und zeigten, dass der Blues auch im Saarland lebt.

So wirklich auf Blues getrimmt war das Venue nicht, zwar ein altes Industriegemäuer, aber irgendwie mit sterilem Charme. Zudem war die Raumaufteilung etwas fragwürdig, vor den Stehplätzen gab es ein paar Reihen teurer Sitzplätze, wo man sich fragen muss wessen Idee das denn war? Entweder ich bestuhle durch und biete eine sehr konzentrierte Betrachtung der Szenerie oder setze auf die enge Bindung zwischen Künstler und Publikum durch das dichte Publikum. Angesichts der etwa 300 Zuschauer wäre das Konzert im nahen Ducsaal besser aufgehoben gewesen.

STOMPIN´ HEAT
So war der Empfang trotz familiärer Unterstützung für den Opening Act zu Beginn eher kühl. Trotz guten druckvollen Sounds war die Darbietung auch zu Beginn nicht sonderlich energisch. Natürlich war da eine gewisse Ehrfurcht vor der Legende vorhanden, welche die Herren öfter artikulierten. Doch ein wenig mehr Platz hätten Rico di Pasquale am Bass und Martin Müller an den sechs Saiten schon gehabt. Ersterer orientierte sich beim Outfit vage an seinem Kollegen der Hauptband, während der Gitarrist eine feine Auswahl an Instrumenten im Koffer hatte. Zu Beginn eine viersaitige in Form einer Jack Daniel´s-Flasche.

Der sehr agile Schlagzeuger Markus Rech stand weit vorne und konnte so auch optische Akzente setzen. Dazu trieb er Stücke wie „Moonshine Gasoline“ oder „Bad Girls“ ordentlich an, rockte mehr denn er groovte. Akklimatisieren musste sich auch erst der neue Sänger Sebastian Hamm, der stimmlich überzeugen konnte. Kraftvoll und rau trug er die Stücke musikalisch, vergaß ebenso das Feingefühl nicht und gab sich authentisch.
Vielleicht ein wenig zu sehr Understatement, denn in Sachen Auftreten war schon viel Luft nach oben. Da schwang schon viel Unsicherheit mit, als Frontmann sollte man die Brust schon etwas breiter schwellen. Angesichts seines Talents sollte sich das aber bald ändern. Wenig zu tun gab es auch für Tino Scherer an den Tasten, der beim Opener die Hände in den Schoß legen konnte. Optisch könnte er dafür problemlos bei den RIVAL SONS einsteigen.

Mit der Zeit konnte der Fünfer das Publikum packen, das ihr tightes und versiertes Spiel zu schätzen wusste, mit jedem Titel wurde der Applaus lauter. Das lag vor allem an „Magman“ Müller, der bei Acting analog dazu mehr aus sich heraus ging. Dabei wechselte er das Spielgerät permanent durch, darunter viele klassische Modelle wie die Gibson Flying V. Für seine Soli erntete er teilweise Szeneapplaus. Mit einem Programm, dass neben eigenen Kompositionen auch Cover wie „Can´t You See“ aufbot, konnten STOMPIN´ HEAT das Publikum auf Temperatur bringen.

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WALTER TROUT
Man muss schon zugeben, dass die Zweifel an der Einteilung des Publikums schon berechtigt waren. Zwar brandete lauter Jubel auf, als das Licht erneut ausging, doch zwischendurch war es schon recht verhalten. In den hinteren Reihen rockten ein paar Anhänger ordentlich ab, den Draht auf die Bühne fanden sie lange nicht. Zu groß der Block dazwischen, der die Emotionen nicht transportieren konnte. Dabei waren das, was der gute Walter auf die Bühne stellte wieder die ganz großen Gefühle. Anfangs ließen er und seine Mannen richtig rauchen, wobei der Showauftakt fast schon obligatorisch ist. Einzig Bon Frizdema an den Keyboards hatte noch nicht den ganz großen Spaß, sein E-Piano verweigerte den Dienst. Nachdem die Probleme vor dem zweiten Song behoben wurden, stand der allgemeinen Spielfreude nichts mehr im Wege.

Die war bei dem Ensemble wie immer groß geschrieben, da hatte jeder den Spaß in den Backen. Angesprochener Tastencrack am meisten, was gut zu sehen war, stand seine Orgel am vorderen Bühnenrand. Da war einfach die Leidenschaft spürbar, wenn er jene wild gestikulierend röhren ließ. Auf der anderen Seite musste sich Johnny Griparic gehörig strecken, um die Performance zu überbieten, auch wenn er den Vorteil des Stehens hatte. Er beliebte wie gehabt mit leicht hängendem Kopf unter Mütze und Sonnenbrille in seinen schweren Boots über die Bühne zu schlurfen und die coole Sau zu markieren.
Zu ihnen gesellte sich besonders bei den rockigen Nummern der ebenso als Roadie agierende Andrew Elk, langjähriger treuer Begleiter des Bandleaders. Ihm war es auch gestattet ein paar Leadvocals zu übernehmen, wenn er schon das Mädchen für alles geben muss. Ihm war anzusehen, wie sehr es ihn freut, wenn er mitmischen darf. Hinten sorgte Michael Leasure für mächtigen Druck mit seinen kräftigen Armen. Seine Gestik war bemerkenswert, ebenso die Sitzposition etwas links hinterm Kit, wo der den Takt vorgab, um dann nach rechts auszubrechen, was richtig Power ausstrahlte.

So suchte er auch den Kontakt zu seinen Mitstreitern, die sich einzeln oder alle zusammen vor seinem Riser einfanden. Das demonstrierte Geschlossenheit im Gefüge, was angesichts des sehr kompakten Spiels gar nicht nötig gewesen wäre. Wenn man dann so einen Frontmann in der Mitte hat sowieso. Phänomenal was der Mann arbeitet, der seinen Stratocaster immer sehr hochgebunden hat, jeder Ton wird zelebriert. Bei den Riffs ist der Spaß in den Backen, bei den Soli wirkte er konzentrierter, bis er den Arm hochriss und so das Publikum forderte. Ging er es ruhiger an, schien er fast in seine Gitarre verliebt und ließ diese zu uns sprechen.
Gesanglich kam er nicht an die Performance im Studio heran und kam deutlich rauer rüber. Ab und an übt er sich in hohen oder kraftvollen Schreien, die mehr Emotion als Qualität boten. Wer die hemdsärmelige Art so liebenswert rüber bringt wie WALTER TROUT, dem sei das verziehen, zumal sein Spiel so auf den Punkt kam und stets den richtigen Ton fand. Als drittes Kommunikationsmittel nutzt er die Ansagen, in denen das Publikum seine halbe Lebensgeschichte erfuhr, wenn er die Hintergründe der Songs erläuterte. Natürlich ging er wieder auf seine Krankheitsgeschichte ein und gab sich dankbar ob seiner Organspende.

Der Mann bleibt ein Unikum, eine scheinbar nie vergehende Urgewalt, der den Blues mit jeder Faser lebt und ihn in allen Facetten zelebriert. Dabei wird gar nicht so in der reichen Geschichte von ihm selbst als auch dieser Spielart verharrt, sondern das neue Werk in den Mittelpunkt des Sets gestellt. Ob „Ride“ jetzt die Klasse besitzt die Hälfte des Sets auszufüllen sei dahin gestellt, gerade die sanften Lieder gehörten an dem Abend zu den Highlights. Die letzten Alben wurden fast gar nicht bedacht, welche in den letzten Jahren das Programm bestimmten. Damit fielen auch die Battles zwischen Trout und Frizdema weg, dafür jammten die beiden ein Stück teils unbegleitet ausgiebig und pflegten dabei Zitate von RORY GALLAGHER und B.B. KING ein.

Das Set gab sich insgesamt songdienlicher und etwas ruhiger als bei den letzten Gastspielen, zeigt die Wandlungsfähigkeit des Künstlers innerhalb seines Terrains. Beim Floyd Lee-Cover am Ende des regulären Sets durfte sich jeder der Beteiligten nochmal austoben und auch das Publikum kam noch einmal aus der Reserve. So durfte es sich bei der letzten Zugabe mit dem etablierten Showstopper auch erheben und nach vorne zur Bühne eilen. Das kennt man ja von JOE BONAMASSA und sorgt stets für einen zusätzlichen Schub auf dem Partygleis. Plötzlich war auch Bewegung drin und die Musiker hatten ihre Bezugspunkte, warum nicht gleich so. Die berauschende Performance hätte deutlich mehr Zuspruch verdient gehabt, andere Clubs können das leider besser.

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Setlist WALTER TROUT:
I Can Tell
Bomp A Bomp
Wanna Dance
Waiting For The Dawn
Ride
Ghosts
Follow You Back Home
I Worry Too Much
Bob´s Blues
Destiny
Leave It All Behind
Red Sun
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Marie´s Mood
Bullfrog Blues

 

Weitere Bilder vom Konzert gibt es >hier<


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