XI. MASTERS OF CASSEL - Kassel


Festival vom 22.12.2018
Bands: PANDEMIC, OLD MOTHER HELL, TRAITOR, SLAUGHTERDAY

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MASTERS OF CASSEL

Kurz vor Heiligabend statten wir dem Fiasko einen Besuch ab, das 11. MASTERS OF CASSEL zum Jahresende ist Pflicht. Vier Bands PANDEMIC, OLD MOTHER HELL, TRAITOR und SLAUGHTERDAY sorgen dort für amtlichen Gitarrenlärm. Die kleine Location ist mit etwa 180 Leuten gut besucht. Bei unserer Ankunft regnet es heftig, es herrschen kalte Temperaturen. Zügig das Auto in der nächsten Seitengasse geparkt und ab in Richtung Location! Die ersten dreißig Besucher bekommen nach Art des Hauses vom 98-RECORDS-Team ein Weihnachtspräsent. Viele Bekannte sind schon da, - jetzt kann das schwermetallische Weihnachtsfest beginnen.

PANDEMIC
Die Bandhymne gleich vorab zu schicken, ist immer ein unberechenbares Wagnis, doch die Rechnung geht für die Kasseler Traditions-Metal-Crew PANDEMIC auf, weil binnen kurzer Anlaufzeit das Interesse beim neugierigen Publikum geweckt ist. Spaß verbunden mit Leidenschaft am Rock n' Roll zeichnen den Kasseler Oldschool Heavy Metal-Vierer aus, der sich auf's Publikum überträgt.  Zu diversen 80er-Einflüssen von ACCEPT, OZZY, JUDAS PRIEST usw., gesellt sich vermehrt ein rotz-räudig bollernder MOTÖRHEAD-Faktor. Frontmann/Gitarrist Nils Gesang, der bei Livegigs stimmlich eine ganze Ecke rauer klingt  dem großen Idol - Lemmy - Tribut zollt trägt nicht unerheblichen Anteil dazu bei. Zwischendurch ein lockerer Spruch, das kräftige Prost mit erhobener Pulle und weiter geht’s, - so muss das sein!

PANDEMIC machen ihren Anheizerjob prima mit jedem Song besser in Fahrt kommend, selbiges gilt für das dankbar den Gig mit zunehmend verstärkter Bewegungsaktivität und Applaus honorierende Oldschooll-Fanklientel. Für den Hingucker sorgt der von Bassist Klaus durch einen Fan entliehene (im weiteren Verlauf zum Ende vom Gig dem Fan wieder  zurückgegebene) MOTÖRHEAD-Sweater zum Aufwärmen und irgendwie passt das Ding sehr gut in den Gesamtrahmen der Band. Ein TANKARD-Shirt ist bei solch nass-kalten Temperaturen wie in dieser Nacht verständlicherweise doch etwas zu wenig.  Der Sound dröhnt druckvoll heavy aus den Verstärkern. Drummer Ruu Dee (BURNING HELLMET-Fans wissen Bescheid!) der zusammen mit Bassist Klaus eine harmonische Rhythmussektion bildet, verdrischt seine Schießbude herzhaft deftig nach Strich und Faden; Leadgitarrist Oliver (vorübergehend auch bei den Kasseler Powermetallern WAGNIS im Einsatz), soliert links am Bühnenrand akribisch konzentriert auf sein Instrument fixiert. Nummern wie „Blood Spangled Banner“, „Power of the Crown“ oder Stand as One“ sind fester Bestandteil im PANDEMIC-Set und machen gewaltig Dampf! Daneben wissen auch weniger auf Geschwindigkeit dafür entschieden mehr auf kraftvolles Härtelevel setzende Riffmonster wie "God vs. God" zu bestehen. Ein packend weggeschreddertes „Iron Fist“-Cover zum Abschluß bestätigt das intensiv zum Ausdruck gebrachte MOTÖRHEAD-Faible.

PANDEMIC haben sich prima weiterentwickelt, sind bedingt durch fleißiges Auftreten zu einer konstanten immer gern mitzunehmenden Größe egal wo immer sie hinkommen auf Kassels Traditions-Metalsektor geworden. Oldschooler: Sofern ihr diesen satt in die Vollen gehenden Vierer noch nicht kennt: Testet mal dessen Infected-EP! Das war ein starker Auftakt!

OLD MOTHER HELL
fallen mit ihrem Epic-Doom völlig aus dem Rahmen und spalten zunächst erheblich Gemüter. Nach beeindruckendem Gastspiel auf dem HAMMER OF DOOM, wo die Senkrechtstarter auf dem Epik-Doom-Sektor hierzulande, OLD MOTHER HELL wegen Ausfalls von UNORTHODOX quasi in letzter Minute noch ins Billing nachrückten freue ich mich umso mehr auf deren Gig in Kassel. Das kleine eingeschworen treue Doom-Fanklientel hat sich rechtzeitig im vorderen Bühnenbereich platziert, dazwischen klaffen größere Lücken. OLD MOTHER HELL gehen in diesem ganz klar auf Geschwindigkeitsforciertere Stile gebauten Billing als krasser Außenseiter ins Rennen, wobei ihnen zunächst einmal wurscht ist wieviele Leute vor der Bühne stehen, um sich auf ihren Job zu konzentrieren. Der Sound im Fiasko ist passend auf das Heavy/Doomtrio eingestellt. Dickes Kompliment an den Soundmischer, das hat man im Fiasko bzw. auf dem MASTERS OF CASSEL auch schon anders erlebt. „Another War“ startet robust, der Epic-Doom-Hammer „Mountain“ legt fett nach. Trotz schleppendem Start (die Mehrheit des Thrashgeeichten Publikums soviel der Eindruck im Fiasko offenbart, ist überhaupt nicht mit dem OLD MOTHER HELL-Songmaterial vertraut geschweige daran interessiert, weil der aus Thrash Metal geeichte Headliner schließlich erst noch kommt) - gelingt dem Trio verblüffenderweise das seltene Kunststück, die von zunehmender Neugierde gepackten Anwesenden durch Intensive Leidenschaft verbunden mit gekonntem Stageacting derart zu fesseln, das der schwierig für die Band beginnende Gig schlussendlich sogar noch zum kleinen Triumph wird.

Das Trio arbeitet viel mit rhythmischen Triolen, was an Taktfolgen von BLACK SABBATH-Klassikern wie „Children of the Grave“ denken lässt, wodurch der Groovefaktor immens verstärkt wird. „Narcotic Overtow“ sorgt für narkotischen Adrenlinschub, „Howling Wolves“ und „Kneel To No God“ sind für jeden OLD MOTHER HELL-Fan unverzichtbare Nummern. Es ist in der Tat beeindruckend, was für ein mächtiges Pfund Sänger/Gitarrist Bernd Wener (der sich die Lunge heißer schreit) darüber hinaus herrlich filigran solierend, Aushilfs-Drummer Micha im Thyrfing-Shirt (der taktgenau klöppelnd immerhin seinen mittlerweile vierten Gig absolviert!) und der ehemals bei den Baden-Württemberger Thrashern HATCHERY aktive Ronald Senft am Viersaiter in Kassel auf die Waage legen.

Nach zunächst (rein Publikumsmäßig) lauem Beginn von der für heftig Furore zum Bühnenabtritt sorgenden Bandhymne „Old Mother Hell“ gekrönt, passt nahezu alles perfekt ins Bild, womit sich der Kreis entsprechend schließt. Lautstarker Jubel eines mit jedem weiteren Song faszinierteren Auditoriums vereinzelt Zugaberufe und „Old Mother Hell“-Sprechchöre am Ende belegen: Die Epic-Doomer OLD MOTHER HELL sind in Kassel - unabhängig ob Fiasko, K 19, 130 BPM, Goldgrube sowie anderer Locations gern gesehene Gäste. - Super!

TRAITOR

www.oliver-stein-photography.com


Nicht nur das BANG YOUR HEAD sollte für einen Metalhead sicherer Begriff sein - auch TRAITOR! Die Jungs kommen aus Balingen. Auf das süddeutsche Abrisskommando hat scheinbar das vollständig bis zur ganz hintersten Ecke gefüllte Ambiente gewartet, jetzt gibt es überhaupt kein Durchkommen mehr. TRAITOR reißen die Hütte ganz im Stile ihrer Vorbilder ab! Im dazugehörig sich bildenden Moshpit geht es pausenlos körperbetont zur Sache. Lockere Sprüche sind bei TRAITOR ebenfalls Programm.

Seinem Kampf gegen Machtgeilheit, Profitgier, Ausverkauf und exzessives Posertum durch knallharten straight Edge-Thrash unter dem Banner von Größen wie KREATOR, SODOM rotzig früher METALLICA (zu Kill em' All-Zeiten) SLAYER, EXODUS etc., dem Heavy Metal sein wahres Gesicht zurück zu geben ist das Thrashquartett eisern treu geblieben. Kompromisslos durch die Brust ins Auge wie es sich für lupenreinen ungeschliffen knallhart rumpelnden Oldschool-Rübe Ab-Thrash-Metal gehört kommen Geschosse wie „Crucifiction“, „Knee Deep in the Dead“, die Bandhommage „Traitor“ und „Thrash Command“ aus den Verstärkern geblasen, das es nur so raucht.

TRAITOR geben außer heiteren teils derbst humorigen Ansagen permanentes Dauersperrfeuer, Sogar am Soundmischpult wird genauso heftig begeistert mitgebangt! Auch Musiker der auf Tour befindlichen Bands schädeln inbrünstig headbangend bis zum obersten Anschlag im Schweißdurchtränkten Shirt ab.

Bei soviel treibender Hochgeschwindigkeit verbunden mit nahezu mörderischem Stageacting geht der Gig schneller als gedacht vorüber, doch nicht ohne dazugehörig entsprechende Zugaben: Zu „Fuck Off And Die“ darf die Fanmeute offziell den Stinkefinger zeigen, - rebellische Aufforderung zum Protest! Dabei mag mancher vielleicht an das 80er-Jahre Hardcore/Punk/Crossover-Kommando BROKEN BONES denken, - aber nein, es handelt sich um eine von ähnlich giftiger Bissigkeit geprägte Eigenkomposition die zusammen mit dem danach folgenden RAMONES-Cover „Blitzkrieg Bop“ den gelungenen Schlußpunkt setzt. TRAITOR haben auf ganzer Linie überzeugt, die Bude komplett zerlegt das kein Stein mehr auf dem anderen blieb. Die Balingener haben ihren Ruf als äußerst effektiv durchschlagskräftiger auf SODOM/KREATOR/ DESTRUCTION-Basis fußender Teutonenthrash-Liveact eindrucksvoll bestätigt. TRAITOR waren der verdiente M.O.C.-Headliner. Ein alles was nicht rechtzeitig auf die Bäume kommt wegfegender Live-Killer!

Anschließend eilen viele durstgeplagt an den Tresen oder geschwitzt raus an die Frische Luft, auch am Merchstand herrscht nun reges Treiben.

SLAUGHTERDAY

www.oliver-stein-photography.com

können den TRAITOR-Gig zwar nicht mehr toppen, bringen jedoch mit ihrer schweren Death Metalkante der manch fettes Doomriff entgleitet, das immer noch zahlreich vertretene Härtnerfanklientel kräftig in Bewegung. Bekanntester Name in Reihen der Deathmetaller dürfte der auch für NIGHTFALL die Stöcke schwingende Drummer Jörg Uken sein, dessen weitere Band Bremens Thrashcore/Crossoverband RUMBLE MILITIA momentan auf Eis liegt, kein unbekanntes Blatt.

Die Deathmetaller angeführt von Fronter Bernd Reiners im Mercyful Fate-Shirt und Gitarrist Jens Finger gehen durchweg straight zu Werke. Der Sound ist laut eingestellt, Gitarren und Schlagzeug entfachen noch einmal immens Druck inklusive aggressiv heißer verzerrter Death-Growls ziehen SLAUGHTERDAY ihr Ding konsequent bis zum Ende durch, womit das XI. MASTERS OF CASSEL ganz nach dem Geschmack von Fans und Veranstalter nach Maß ausklingt.

Schluß-Resumeé:
PANDEMIC sorgten für einen gelungenermaßen fetten Auftakt, OLD MOTHER HELL brachten ihr kleines Doomfanklientel in Wallung und konnten ab der Hälfte vom Set sogar neu hinzugekommene Fans auf ihre Seite ziehen, TRAITOR sorgten für den Total-Abriss im Fiasko und SLAUGHTERDAY gaben mit brachialer Deathmetalurgewalt auch der bis zum Schluß verbliebenen Todesbleifraktion mächtig auf die Mütze.

Klein aber fein in traditionell kampferprobter Location präsentierte sich das 11. MASTERS OF CASSEL, und man darf gespannt sein, was es nächstes Mal bietet und wo - in welcher Location - es 2019 stattfindet. Ein dickes Danke für dieses gelungene vorweihnachtliche Geschenk von meiner Seite geht an Dirk & Diana sowie ein engagiertes 98 RECORDS Team.

Damit wünsche ich allen aus meinem bekannten Metal-Umfeld an dieser Stelle F r o h e   W e i h n a ch t e n  und einen Guten Rutsch ins neue Jahr!

Fotos Pandemic und Old Mother Hell: Michael Toscher, Fotos Traitor und Slaughterday mit freundlicher Genehmigung von Oliver Stein ( www.oliver-stein-photography.com )





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