HEADBANGERS OPEN AIR 2018


Festival vom 26.07. - 28.07.18
Brande-Hörnerkirchen

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HeadbangersOpenAir

Auch anno 2018 wartete die beste Gartenparty der Welt nun bereits zum 21. Mal (!) mit einem besonders feinen durch vielen Raritäten gespicktes Billing auf. Der Hof von Veranstalter Thomas Tegelhütter hatte wieder eine Menge zu bieten. Das norddeutsche Gegenstück zum KEEP IT TRUE fährt drei Tage lang wieder ein äußerst abwechslungsreiches Programm, wovon ich leider aus privaten arbeitstechnisch bedingten Gründen nicht alles mitbekomme. Dieses Jahr war es bedauernswerterweise unmöglich, früher anzureisen. Was hätte ich mich auf das Programm gefreut: SPEED QUEEN, SEAX und RAVAGE... zumal Cedric Forsbergs Piratencrew BLAZON STONE jetzt zum ersten Mal im realen Line Up die Planken entert, und MANILLA ROAD im Garten, das wäre natürlich eine ganz feine Sache gewesen. Im nächsten Jahr werde ich schauen, das es wieder mit dem Donnerstag klappt. Kulinarisches Essen sorgt an den bewährten Ständen kräftig für das leibliche Wohl. Wer auf solche ausgefallenen Genüsse hingegen verzichten will, weil er/sie es einfacher mag kann sich auch eine Wurst im Brötchen, Pommes oder ein Steak holen. Fallafel-Stand, Eisverkäufer, Kaffeeturm, die Holzbude mit raffinierter Auswahl mittelalterlicher Köstlichkeiten (z. B. Ritterfladen) findet man ebenfalls wieder, die gehören beim Headbangers schon zum Inventar. Weniger ist bekanntlich mehr. Die Händlermeile hat zwar wenig Stände, doch jedes Jahr allerhand viel in qualitativ hochwertiger Auswahl zu bieten. Parken & Campen ist wie gehabt im Eintrittspreis inbegriffen. Gegen entsprechendes Entgelt kann auch ein privates Dixie mit dazugehörigem Vorhängeschloss gemietet werden; für Gruppen ist dies empfehlenswert.

Abgesehen von 2017 wo ich ausnahmsweise mal nicht aufgrund einer terminlich gebundenen Verpflichtung daran teilnehmen konnte, bin ich immer gern dort, um mit vielen Freunden, Bekannten freundlichen und interessanten Leuten ein Metalfest besonderer Art zu feiern. Das zu heiße Sommerwetter hat den Boden ausgetrocknet. Auch bei meiner Ankunft ist es sehr warm der Boden extrem staubig, - ein Dauerregenwochenende mit Regen und schlammigem Untergrund steht wie das Wetter aufzeigt wohl nicht bevor, ob es so bleibt, zeigt sich im weiteren Verlauf des Berichtes.

Trauer und Schmerz
Dieses Mal stand das H.O.A. unter besonderen wenn auch sehr traurigen Umständen. Anlass dafür war ein schockierendes Ereignis, dass die Heavy Metal-Fangemeinde am letzten Juli-Wochenende völlig unvorbereitet auf dem Headbangers Open Air traf und noch lange danach in Erinnerung bleiben wird. Es passierte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.
Am Donnerstag 26.7.2018 absolvierte die US-Epic-Metal-Institution MANILLA ROAD einen superben 70 Minuten-Auftritt in der Zeit von 21:30 bis ca. 22:40 unter tropischen Hitzetemperaturen auf der H.O.A.-Bühne, dem in der Nacht eine tragische Schicksalswendung folgte.
Niemand konnte vorausahnen, was nach dem Auftritt geschah.

Mark „The Shark“ Shelton, geboren am 03.12.1957, einziges verbliebenes Urmitglied der Epic-Metal-Legende MANILLA ROAD erlitt - so geht es laut diverser Quellen hervor, - nach dem Gig einen Herzinfarkt. Daraufhin wurde er in das Regioklinikum nach Elmshorn gebracht, wo er in der selben Nacht von Donnerstag auf Freitag im Alter von 60 Jahren verstarb. Wer es genauer wissen will, folge diesem Link.

Mittels einer kurzen Ansprache am Freitag in der Umbaupause vor dem Auftritt von TRANCE wurde für Mark „The Shark“ Shelton zu Ehren eine Gedenkminute eingelegt. Zahlreiche Besucher versammelten sich auf dem Gelände , ihren Blick gen Bühne zu richten und den Worten zu lauschen.
Zunächst erschien Festivalveranstalter Thomas Tegelhütter auf der Bühne, der brachte den Preacher mit, und stellte ihn kurz dem Publikum als Ex-Running Wild-Gitarrist vor.
Preacher von Beruf Pastor, hielt eine kurze Ansprache in deutscher und englischer Sprache und erwähnte darin, das sich Mark Shelton in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag noch lebend auf dem Festivalgelände befand. Preacher hatte wie er bekannt gab, innerhalb einer Minute Freundschaft mit ihm geschlossen, er bezeichnete ihn als einen aus dem Rahmen fallenden Musiker, würdigte ihn als „One of the Godfathers“ of Metal, und auch den Aspekt, dass er ihn als Mensch und Musiker kennenlernte. Er würdigte Mark Sheltons einzigartig lebhaft kreatives Gitarrenspiel, von dem der Musiker am Tag zuvor während seines Auftritts Zeugnis ablegte. Sein letzter Auftritt mit MANILLA ROAD war ein Abschiedsgeschenk an seine Fangemeinde beim H.O.A. „Mark Shelton war MANILLA ROAD, er war mit MANILLA ROAD auf der Straße, und er starb auf der Straße, viel zu früh.“ „He was MANILLA ROAD, he was with MANILLA ROAD on the Road, and he died on the Road, too early.“
Danach lud Preacher zu einer Gedenkminute, in deren Rahmen andächtiges Schweigen herrschte, um Mark Shelton Gedanken der Liebe die seine Freunde und Familie und die Band begleiten sollten, zu senden.

MANILLA ROAD-Sänger Brian „Hellroadie“ Patrick rief daraufhin eine Crowdfunding Kampagne per Internet ins Leben, die eine spontan auf dem H.O.A.-Veranstaltungs-Gelände gestartete Spendenaktion mit sich brachte, deren Zweck der Überführung des Verstorbenen in dessen Heimat Wichita ( im US Bundesstaat Kansas) die zur Entlastung seiner Familie diente.

Ein kleiner Nachsatz über eine Persönlichkeit, die ich als bodenständigen Mensch und Musiker kennen lernte, dessen Schaffen unantastbar bleibt:

Dein Erbe wird immer in deinen Songs weiterleben. Kein wahrer Heavy Metal und MANILLA ROAD-Fan wird Dich je vergessen. R.I.P., Mark.

Freitag, 27.07.18

Dunkle Zauberer, Schwerter und Krieger der aufgehenden Sonne

Aufgrund persönlich nachzukommender Verpflichtungen konnte ich dieses Jahr nicht wie sonst schon am Donnerstag anreisen, wo MANILLA ROAD auf der Bühne stehen. Wie schmerzlich der Verlust dieses Donnerstages ist, soll meine Wenigkeit am Tag darauf gleich in doppelter Hinsicht erfahren. Bedingt durch Zugverspätung am Freitagmittag schaffe ich es nicht mehr rechtzeitig zu TRANCE und DESTINY deshalb heißt es sich sputen, um noch so viel wie möglich vom bunt gemischten Programm mitzunehmen.

SORCERER


Eigentlich nur als Ersatz für die US-Metaller TYRANT eingesprungen haben auf die schwedische Doomkapelle SORCERER viele schon gewartet. Dementsprechend gut gefüllt ist der Garten am frühen Abend nach ihren Landsleuten der Heavy/Power/Thrashformation Destiny, deren Auftritt ich leider nicht beurteilen kann, da ich erst (dafür immerhin rechtzeitig genug) zu SORCERER eintraf. Ihren Erwartungen gerecht werden SORCERER in jedem Fall. Die überzeugte Doom-Fraktion geht kräftig bei Doomschellen wie „Sirens“ oder „The Dark Tower of The Sorcerer“ steil, daneben sind viele staunende Gesichter zu erkennen, die nun endlich Gelegenheit haben, die Epic-Doom-Überflieger live zu sehen oder Gäste, die auf ein gewisses Groß-Festival mit Anfangsbuchstabe W. gehen, das nur eine Woche darauf statt findet auszumachen, denen das Material der bisherigen SORCERER-Alben so gut wie gar nichts sagt. Dementsprechend zurückhaltend fallen deren Reaktionen aus. Ihr fest eingeschworenes Fanklientel das fleißig Fäuste reckt, Hörnergabel zeigt und bangt, haben SORCERER trotz all dem innerhalb der gesamten 55 Minuten Spielzeit vor bzw. hinter sich, was ihnen ein sicheres Gefühl vermittelt. Heftig abgefeiert werden die beiden Schlußhymnen „The Crowning Of The Fire King“ und „The Sorcerer“, womit der Zauberer seinen Stab der im Koffer verschwinden und die Bühne im sicheren Gefühl etwas erreicht zu haben, verlässt. Zurück bleibt die Erkenntnis: SORCERER waren eine Bereicherung für das Headbangers Open Air.

TKO


„In Your Face“ gehört zu der Sorte Alben, die man als überzeugter 80er Jahre Hardrock und Heavy Metalfan einfach lieben muss. Das Ding hat selbst 34 Jahre später immer noch kein Gramm an Dynamik eingebüßt.

Normalerweise ziehen Sänger oft das Hauptaugenmerk auf sich, bei TKO ist es umgekehrt - vieles auf den schwarzhaarigen Gitarristen Ken Bechtel als dominanteren Hauptfaktor zugeschnitten, der häufig Einlagen seiner Solierkünste präsentiert. Sänger und Bandgründer Brad Sinsel (an dem die Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind), tritt des öfteren dezent in den Hintergrund, er wirkt manchmal ein wenig müde, während sein Gitarrist fleißig soliert. Gekonnte Posen beherrscht der TKO-Bandgründer aus dem FF. Evan Sheeley (ehemals bei JAMES BYRD, gegenwärtig bei Q 5 und NIGHTSHADE für Druck am Tieftöner sorgend) agiert gewohnt sicher am Viersaiter. Songauswahltechnisch gibt’s nicht viel zu bemäkeln. Klassische 80er-Riffmonster wie der fulminante Starter „End of the Line“, „I Will Fight“ oder „So This is Rock n' Roll“ wissen den Großteil der Fans auf dem prächtig mit Leuten gefüllten Gelände zu überzeugen. TKO sind bis heute mehr klassischer Stadion-Hardrock denn Heavy Metal, der jedoch nicht in gewaltigen Arenen sondern Hallen sowie auf kleineren bis mittleren Festivals mit begrenzterem Zuschauerschnitt stattfindend sich seine Brötchen hart verdienen muss. Dabei hat die Combo aus Seattle (ja, exakt die Stadt wo der Grunge seinen Ursprung hat) auch schon stärkere Zeiten erlebt. Viele Anwesende staunen jedenfalls nicht schlecht. Ein auf klassischen 70er/Mid 80er-Jahre Stadionhardrock plus Glamanteil á lá WHITESNAKE, VAN HALEN und MÖTLEY CRÜE schwörender Gästeanteil reckt Fäuste und bangt, (manche Parallele zu ihren live wesentlich spritziger agierenden ebenfalls dem Hardrockbereich zuzu ordnenden Landsleuten Q 5 schält sich heraus) dafür lässt es der andere Teil der Headbangers-Fangemeinde auf dem Platz gemütlich angehen, beobachtet das Treiben auf der Bühne stillschweigend oder denkt sich seinen Teil dazu. Gerade Hardrock und Heavy Metal-Semestern gesetzteren Alters dürfte bekannt sein, das TKO zu Beginn der 80er als Support-Act für große Stadion füllende Hardrock-Dinosaurier jener Zeitspanne wie AC/DC, VAN HALEN, THE KINKS und CHEAP TRICK eröffneten. Ungeachtet dessen haben sich die Zeiten für eine Band wie TKO schon lange geändert, obgleich das abschließende STEPPENWOLF-Cover „Born To Be Wild“ nocheinmal richtig Stimmung ins Ambiente bringt. Während des Auftritts besteht verstärkt das Gefühl, das TKO in ihrer Zeit hängen geblieben einem nicht geringfügigen Publikumsteil völlig unbekannt sind, woran sich nach dem Auftritt wohl kaum etwas geändert hat, der gemessen an den Resonanzen mehr als ok gewesen ist. TKO haben ihren Job soviel steht am Ende fest, sauber erledigt, - und ihre treue Fanbsis behalten, - will heißen weder enttäuscht noch das über große Ding abgerissen. Zu Buche steht ein guter Gig der in Erinnerung bleibt.

TANKARD


werden erwartungsgemäß zum Total-Abräumer des Festival-Freitags, was allein die Zahl der TANKARD-Shirts auf dem Platz bevor Gerre und Crew loslegen signalisiert. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Das ausgerechnet meine Wenigkeit folgendes bekennen würde, Ich werde tatsächlich doch noch zum TANKARD-Fan. Die nächsten 80 Minuten gehören den Frankfurter Oldschool-Thrashern. Auf den Opener „One Foot In the Grave“ folgt das standard mäßige Klassikerdoppel „The Morning After/Zombie Attack“, es gehört bei TANKARD dazu, wie die Wurst auf's Brot. „Rapid Fire“, „Rules For Fools“ legen problemfrei nach. Im schnell sich bildenden Pit herrscht bei den Frankfurter Bierthrashern sofort auf Anhieb Hochstimmung. Crowdsurfer lassen sich über das Publikum hinwegtragen, es wird gemosht, gepogt und im Pit getobt was das Zeug hält. Die vier gereiften Hessen haben es mittlerweile richtig drauf, ein Publikum dauerhaft in Ecstase zu versetzen. TANKARD sind erwachsen geworden. Vorbei sind die ganz wilden Zeiten, wo sich vieles einzig und allein nur ums Saufen drehte. Mit guter Laune, hoher Geschwindigkeit und brutal alles wegblasendem Thrash auf heftig exzessivem Energielevel zünden TANKARD ein Feuerwerk, das kein T-Shirt lange ungeschwitzt lässt. Gerre greift zwischendurch zur Flasche Bier und erklärt: „Uns gibt  es schon 36 Jahre. Und wir sind immer da gewesen.“ Er nimmt einen Schluck aus der Flasche und fügt hinzu. „Darauf sind wir schon ein klein wenig stolz. „Das verdanken wir allein euch. Der nächste Song handelt vom Leben und Sterben er heißt: Die With A Beer in Your Hand.“

Bei der Ansage zum nächsten Song richtet Gerre den Blick demonstrativ zur Bühnendecke hoch: „Heute Abend soll Blutmond sein. Kommt schon, jetzt mal ehrlich, Leute: Schaut hoch zur Decke, könnt ihr wirklich was davon sehen? Nein. „Dennoch haben wir einen Song für den Mond, hier ist - „Minds on the Moon!“ Damit wird kompromisslos Vollgas gegeben!

Gerre macht zwischendurch eine Ansage, das sich die Fans an der Spendenaktion für den verstorbenen MANILLA ROAD-Gitarristen Mark „the Shark“ Shelton beteiligen sollen – eine Aktion die man auch von anderen Bands hätte erwarten dürfen. So geht Solidarität.

Bei „Rectifier“ und einem Mädchen, das Gerre persönlich kennt, nämlich „A Girl Called Cerveza“ kocht der Garten. Nicht nur Partymonster Gerre springt munter auf der Bühne herum. Basser Frank Thorwarth und Gitarrist Andi Gutjahr liefern sich im Kreis hüpfende Tanzeinlagen während sie dabei sogar noch grinsend ihr Instrument bearbeiten auf der Bühne. Allein Drummer Olaf Zissel kann nicht auf der Bühne hüpfen, der muss hinter seinem Schlagzeug sitzen bleiben. „Freibier für alle“ wo das gesamte Ambiente den Schlachtruf... - sonst gibt’s Krawalle!“ mitbrüllt, dass das Echo bis weit über das Gelände hallt, erinnert wieder an die trinkfestesten Zeiten des Frankfurt-Vierers, der sich als disziplinierte Band outet, wie Gerre irgendwann verlautbaren lässt, die weder vor dem Auftritt, noch währenddessen trinkt, sich das gepflegte Bier danach umso herzhafter munden lässt. „(Empty Tankard)“ wird als unbekannter und doch einem jeden tatsächlich bekannter Song angekündigt, ehe TANKARD auch die letzten Zweifel aus den Verstärkern blasend verscheuchen. - Prost!

Mit dieser Setlist einer heiter humorig-herben Thrash-Party beglückten TANKARD ihre zahlreichen Fans auf dem H.O.A.:

1. One Foot in the Grave
2. The Morning After
3. Zombie Attack
4. Rapid Fire
5. Rules for Fools
6. Die With A Beer In Your Hand
7. Minds On The Moon
8. Intro: R.I.B./ R.I.B. (Rest In Beer)
9. Pay To Pray
10. Rectifier
11. Chemical Invasion
12. A Girl Called Cerveza
13. Freibier für Alle... sonst gibt’s Krawalle (!)
14. (Empty) Tankard

LOUDNESS


Normalerweise ist es unüblich, das eine Band zweimal im Garten auftritt, einem Spezial-Set der beiden Klassikeralben „The Law of Devil's Land“ und „Disillusion“ konnten auch die Veranstalter vom Headbangers Open Air nicht länger wiederstehen. Ein solches Angebot kommt nur einmal.
Stilistisch liegt der traditioneller Heavy Metal-Klangkultur huldigende Nippon-Vierer irgendwo im Schnittmengenfeld klassische 70er-80er-Hardrock/Heavy Metalacts vom Typ WHITE SNAKE, UFO, ACCEPT, JUDAS PRIEST sowie diversen N.W.O.B.H.M.-Einflüssen.

LOUDNESS bringen das schwierige Kunststück fertig, im Rahmen ihrer Welt-Tour 2018 deren Motto 'Rise To Glory Over Europe' lautet, trotz fetten TANKARD-Abräumergigs noch massig Leute vor die Bühne zu locken, darüber hinaus ein konstant hohes Level aufzubauen und es bis zum Schluß zu halten. Zum einen liegt es an der zahlreichen Menge von Klassikern, die 'The Law of Devil's Land' und 'Disillusion' abwerfen, zum anderen auch daran, das ein Teil der Leute, LOUDNESS zuvor noch nie gesehen haben. Dementsprechend groß ist die Neugier. Sie wird nicht enttäuscht. Mit „In The Mirror“, „The Law of Devils Land“, „Black Wall“ einschließlich klassischen UFO-Hardrock-Wurzeln „Sleepless Night“ und „Speed“ folgen zum starken Auftakt gleich fünf Perlen vom 1983er-Klassiker-Release 'The Law of Devil's Land'. Die drei LOUDNESS-Gründungsmitglieder Masayoshi Yamashita (Bass), Minoru Hiinara (Gesang) und Gitarrist Akira Takasaki gehen zusammen mit dem 2009 ins Boot geholten Drummer Masayuki „Ampan“ Suzuki konzentriert ans Werk. Das Publikum ist schnell eingestimmt. LOUDNESS werden ihrem Ruf gerecht, was auch das gesteigerte Reaktionslevel eines fantastischen Publikums auf die Truppe aus Fernost belegt, ganz egal welches Stück auch kommt. Das nächste Fünferpaket gehört dem 1984er-Albumklassiker 'Disillusion' wovon „Crazy Doctor“, „Milky Way“,, „Ares Layment“, „Dream Fantasy“ und „Esper“ offeriert werden. Danach zieht der 'Donner aus dem Osten' (Thunder in the East“) vertreten durch die ultimative Partybombe (Rock n' Roll) „Crazy Night's“ „Like Hell“ und „Heavy Chains“ wie eine dicke Wolke über den Platz. Das Schlußtriple„Go For Broke“, „Until I See The Light“, „The Sun Will Rise again“ ist jüngeren LOUDNESS-Tagen gewidmet. Obwohl das 1986er-Kracheralbum 'Lightning Strikes' unberücksichtigt bleibt, schafft es die Japanische Heavy Metal-Koriphäe auch den Verfasser dieses Berichtes einen beträchtlichen Teil der im Garten Anwesenden bis zum Schluß heftig mitzureißen, bis der LOUDNESS-Thrasher „S.D.I.“ den perfekt gewählten Schlußpunkt unter ein starkes Livespektakel setzt – oder um es mit einem LOUDNESS-Songrefrain auf den Punkt zu bringen: Rock n' Roll Crazy Night's!

Mit dieser Setlist ließen LOUDNESS den Garten brennen:
1. In The Mirror
2. The Law Of Devil's Land
3. Black Wall
4. Sleepless Night
5. Speed MC
6. Crazy Doctor
7. Milky Was
8. Ares' Layment
9. Dream Fantasy
10. Esper MC
11. Crazy Night's
12. Like Hell
13. Heavy Chains MC
14. Go For Broke
15. Until I See The Light
16. The Sun Will Rise Again
17. S.D.I.

HOA-Samstag, 28.07.18

Metal Inquisitoren, Ambosse und Lichtkämpfer

Neben interessanten Newcomer-Acts wie EXISTANCE oder HIDDEN sowie obskurem NWOBHM-Elixiers der Geschmacksrichtung WITCHFYNDE/MILLENNIUM ist der längste Teil des dritten Festival-Tages der Samstagabend drei letzten Bands gewidmet, - ein Dreierpakat das es mächting in sich hat. Dieser H.O.A.-Samstag ist kein gewöhnlicher, sondern ein Jubiläumsträchtiger, der Festival-Geschichte schreiben wird. GIRLSCHOOL und ANVIL feiern 40jähriges Jubiläum, RIOT gedenken ihres nun auch schon 30-Jahre zurückliegenden zeitlosen Powermetal-Hammers 'Thundersteel', der mit Fug und Recht als Genre-Klassiker gilt.

Der Wiesen-Gig am Morgen
Nachdem ich mir eine Nacht im Freien auf dem Stuhl unter Pavillion gönnte, ist zunächst ein Spaziergang zum Auftauen begünstigt durch die ersten warmen Sonnenstrahlen fällig. Anschließend werden noch intensive Gespräche geführt und sich danach wieder hingelegt. Grund dafür ist neben der Begrüßung einer Gruppe Bekannter die Musik auf dem Platz – da steht tatsächlich ne Band auf der Wiese (!) und spielt. Als ich näher heran komme stellt sich heraus, das es sich um Musiker dreier Bands aus der Bundeshauptstadt (Berlin) handelt zum ersten die Power/Thrasher FIRST AID , zum zweiten HARMONY DIES, die im Death-Metal aktiv sind und zum dritten die Thrash-Hoffnungsträger SPACE CHASER handelt. Unter Aufsicht von Manager Doug, der am Rande dabei sitzt, wird die Zeltplatzwiese zur Bühne umfunktioniert, was eine lockere Zeltplatz-Coversession zur Folge hat, die von der anwesenden Bangerschaft mit Freude angenommen wird. „Hail and Kill“ zeigt die Vorliebe für alte MANOWAR, OVERKILL wird mit „In Union we Stand“ gehuldigt. Haben wir auch einige IRON MAIDEN-Fans hier im Publikum? Eine Frage, des Mannes am Mikro, die sich von selbst verbietend mit kräftigem „Ja!“ beantwortet wird, ehe anschließend zum Klassiker „Hallowed be thy Name“ eine entspannt lockere Airstrike-Session ihren Lauf nimmt.

Nach der chilligen Easy-Going Campground-Coversession auf dem Zeltplatz wird es allmählich Zeit, sich noch zwei Stunden im Stuhl schlafen zu legen, bevor die anderen gegen Mittag eintreffen. Nach fesselndem Gig auf dem FULL METAL OSTHESSEN steigt umso mehr die innere Spannung, weil EXISTANCE den Festivalsamstag eröffnen.

EXISTANCE


tun es mit voller Wucht aus allen Rohren feuernd, das bei soviel in der Tat unwiderstehlichem Groovefaktor sofort zahlreich Hände und Fäuste nach oben gehen, egal welchen Song EXISTANCE auch immer auspacken.
In Julian Izard haben sie einen Frontmann, der nicht nur ausgezeichnet das Griffbrett beherrscht , seine Axt in den traumhaftesten Posen spielt, sogar Einlagen die an YNGWIE MALMSTEEN (zu 'Trial by Fire'-Zeiten oder Gitarren-Held STEVE VAI) sind zwischenzeitlich drin. Das hat nicht nur optisch etwas, sondern zeigt auch, wieviel Klasse dieser Gitarrist besitzt, der sich mit Bandkollege Antoine Poiret heftige Duelle liefert, während Julien Robbilliard am Bass zusammen mit Schlagzeuger Géry Carbonnelle ein zentnerfettes Rhythmusfundament durch das kein Nadelöhr passt, erzeugt. Binnen weniger Minuten entsteht der Eindruck die Franzosen würden nicht vor einer überschaubaren Anzahl von Leuten, sondern ganz vielen irgendwo auf einer großen Livearena im Stadion eröffnen. Wer ein solches Stageacting zu so früher Zeit bei so ungemütlichen Hitzegraden auf die Bühne bringt, kann eigentlich nur gewinnen. so ist es auch. Im Laufe der Session füllt sich der Platz zu früher Mittagszeit beträchtlich.
Darüber hinaus wissen auch die Ansagen von Julien Izard, (dem Spross von Didier Izard der zwischen 1982 – 1985 in Reihen der französischen Heavy Metalband H-BOMB aktiven Sängers soviel nebenbei bemerkt) zu überzeugen. Der Gitarrero strotzt vor Selbstbewusstsein, bietet zusammen mit seinen drei Mitstreitern eine so heftig packende energetisch killende Live-Show die beständig zwischen Heavy, Power und Speedmetal variierend zudem über einen druckvoll voluminösen Sound verfügt, überhaupt keinen Zweifel daran offen lässt, das diese Band künftig nicht mehr so früh auf die Bühne muss! Dafür besitzen EXISTANCE zu viele phantastische Livequalitäten auf hohem Niveau. Wenn sie das auf dem HEADBANGERS OPEN AIR gezeigte Level bei vielen weiteren Gigs aufrecht halten, könnten sie bald ähnlich angesagte Live-Shows bieten, wie es ENFORCER oder IRON CURTAIN tun, dann muss einem auch für die Zukunft des Heavy Metals nicht bange sein, falls die großen Szene-Dinosaurier irgendwann eines Tages abtreten. Kräftiger Applaus einschließlich laute Zugabeforderungen einer völlig aus dem Häuschen geratenen Fanschar bestätigen es. Einer Band wie EXISTANCE gehört die Zukunft. Nun heißt es die künftige Entwicklung dieser jungen Franzosentruppe abzuwarten. Hier kristallisiert sich ein ungeschliffen hocharätiger Rohdiamant heraus, der das Zeug zu größerem hat. Was für ein Auftakt. Großartig! - Merci, Merci, Merci, - EXISTANCE!

MILLENNIUM


Obwohl ich überzeugter N.W.O.B.H.M.-Fan bin, mich im Vorfeld auch sehr auf MILLENIUM freute, fehlt bei den ihre Sache recht ordentlich machenden Briten irgendwie das gewisse Etwas. Zwichen live und Studio liegen Welten, MILLENIUM geben das beste Beispiel dafür. Die Engländer bringen einen bunt durcheinander gewürfelten Set, der alle Studioalben umfasst die mich aufgrund ihres harten, druckvollen Sounds allesamt heftig überzeugten. Frontmann Mark Duffy versucht öfter mittels weit ausholender Handgestik etwas Charisma mit einzubringen. Sein Gesang spaltet die Gemüter obwohl der Mann soviel ist sicher, sein Metier beherrscht. Vielleicht sind MILLENNIUM sonst eher kleinere Bühnen gewohnt. Darbietungstechnisch bleibt man solide, in Sachen Stageacting agieren MILLENIUM etwas lahm, worunter flotte gleich zu Beginn aufs Tempo drückende Brecher wie „False Reality“ heftig leiden. Was mir bei dem akkuraten konzentriert harmonisch rübergrebrachten N.W.O.B.H.M.-Sound fehlt ist bei aller Liebe zur Musik verbunden mit unverbesserlicher Nostalgie der letztens entscheidende Kick, der bei Nummern vom gleichnamigen Millennium-Debüt aus dem Jahr 1984 wie „Demons of the Light“ wo endlich mal kräftig fließend der Groove rollt auf die Fans überspringende Funke. Immerhin unterstützt ein treuer, wenn auch recht überschaubarer Die Hard-Fanblock die Band fleißig, doch es dauert seine Zeit, bis Material jüngeren Datums allmählich zündet, ehe das Publikum damit warm wird. Immerhin kämpfen sich MILLENNIUM nach Hälfte der Spielzeit besser in ihren Set die Steigerung erfolgt in halbballadekser Form durch „The Traveller“ sowie den zackigen Groover „We don't Trust You“ wobei sie zum Ende noch ein wenig mehr von der erwachten Publikums-Gunst hinzugewinnen. Für den Abgang sorgt „Awaken“ das Titelstück vom aktuellsten 2017er-Album, woraus auch eine letzten Endes verdiente Zugabe resultiert und die heißt „Lies all Lies“, wo die Gitarren nochmal amtlich sägen währenddessen der Tempofaktor erheblich gesteigert wird. Ja. Der Auftritt war ok. Gegen die furiose Power des dynamischen Franzosenvierers EXISTANCE können MILLENNIUM heute so weh es tut dies zu schreiben, nicht ganz anstinken. Auf ihren bisherigen drei Studioalben haben MILLENNIUM mehr überzeugt. Vielleicht liegt es daran, dass die Band selten Livegigs spielt. Sollte sie öfter tun. Ein ganz anderes Bild bietet sich danach beim spanischen Festival-Geheimtipp:

HITTEN


Einen richtigen Feuersturm entfachen HITTEN. Was als nächstes abgeht, rockt infernalisch mächtig bis unter die Decke der Bühnenüberdachung und weit über das Gelände Auf der Schierenhöhe hinaus. Das spanische Gegenstück zu EXISTANCE ein irgendwo zwischen HIGH SPIRITS und EXISTANCE liegender Hybrid sind HITTEN. Kaum auf der Bühne wird gleich losgelegt als gäbe es danach keinen Morgen mehr. Unglaublich, was für ein mörderisches Gitarrenkreuzfeuer HITTEN auf der Bühne abbrennen, da wackeln buchstäblich die Wände, wenn alle zwei Gitarristen sowie der Bassist unterwegs sind, während Sänger Alex Panza (der zuvor bei ENDOVAIN/WALPURGIS NIGHT das Mikro schwang) mit üppig wallender Lockenmähne aus seinen Stimmbändern herausholt, was möglich ist, während er sich in verschiedene 80er-Jahre Posen wirft, die denen der Vorbilder nicht im Geringsten nachstehen. Ein ganzes Heer fliegender Mähnen, kreisender Köpfe, erhobener Fäuste, restlos begeisterter Gesichter sowie donnernder Szenenapplaus sprechen Bände.

So derart saftig knallhart in den Arsch tretend rockend mit Power bis zum Abwinken rocken sich HITTEN schnell in die Herzen der Headbangers-Fangemeinde, da geht alles steil, vom Motorradrocker bis zum Metaller!
Was für ein Killergig! Ähnlich wie EXISTANCE können auch HITTEN als sicherer Garant für hochexplosiv dynamische Live-Bühnenabrisse auf dem klassischen Hardrock-Heavy Metalsektor betrachtet werden. - Das waren amtlich 100 % High Energy-Power bis die Schwarte kracht. Diesem phantastischen Geheimtipp gehört die Zukunft. Ein Dreierpackage zusammen mit EXISTANCE und LYZZÄRD wäre hier empfehlenswert.

WITCHFYNDE


Nach superbem HIDDEN-Abriss treten als nächstes die zu meinen alten N.W.O.B.H.M.-Helden gehörenden Herrschaften von WITCHFYNDE auf. „Devil's Playground“ macht den Anfang. Zutreffender könnte der Einstieg dieser mit Abstand zu den ältesten aller N.W.O.B.H.M.-Formationen zählenden Rock-Dinosaurier aus Mansfield (England) kaum gewählt sein. „Christal Gazing“ und „Moon Magic“ versprühen raue, kantige Grooves verbunden mit leicht mystischem Okkult-Flair, das bezeichnenderweise zum bevorstehenden Wetterwechsel passt. „Leavin Nadir“ lädt zu hippieskem Träumen. Luther Beltz gehört zu der Art Sänger ureigenen Stils, dessen kauziges Organ sich in der Schnittmenge zwischen elegantem Charme, trauernder Klage und nachdenklichem Unterton mit verschlagen räudigem Charisma kreuzt. Im eleganten schwarzen Anzug, setzt der Mann seine Entertainerqualitäten effektiv in Szene. Ein Sängeroriginal wie ihn gibt es nicht allzu oft. Das Gitarrenduo Abbot/Taylor (letzterer legte sich das Künstlerpseudonym 'Montalo' zu), harmoniert prächtig mit dem erst frisch seit 2018 neu dazugestoßenen amtlich bei den N.W.O.B.H.M.-Landsleuten von OVERDRIVE aktiven Bassisten Ian Hamilton. Drummer Gra Soresby, neben Gitarrist Trevor Taylor einzig verbliebenes Mitglied aus der1973 gegründeten WITCHFYNDE-Urformation (45 Jahre liegt das nun schon zurück!) rockt wie sein Bandkollege aus alten Schultagen als WITCHFYNDE gegründet wurden, hochmotiviert. Den Set mittendrin kurz unterbrechend gibt der H.O.A.-Veranstalter aus berechtigtem Grund eine Sturmwarnung bekannt, worauf eine größere Gästeanzahl zur Sicherung beweglichen Inventars gezwungenermaßen in höchster Eile
den Campingplatz aufsucht. Über der Bühne brauen sich zunehmend schneller verdichtende dunkle Wolkenfronten zusammen. Kräftiger Sturm kommt auf. Windböen rauschen durch Bäume im Bereich der Bühne.
Zwar ist der Platz nicht mehr so stark gefüllt bei WITCHFYNDE trotzdem reißt der intensive Stimmungspegel innerhalb der Fanreihen zu keiner Zeit ab. WITCHFYNDE ziehen ihr Programm ungeachtet der Sturmwarnung komplett am Stück durch. „Stab in the Back“ gefolgt von „Cloak and Dagger“ sorgen für intensiv Bewegung auf dem Platz, die Stimmung steigert sich schrittweise mit jedem Song. „I'd rather go wild“ rockt zackig flott. Bei der größen Hymne dieser gestandenen N.W.O.B.H.M.-Veteranen - „Give em' Hell“ - hält es keinen Mark und Bein auf WITCHFYNDE schwörenden Fan mehr! 'Unumstößlicher N.W.O.B.H.M.-Kult. Während „Wake Up Screaming“ haben sich die Wolken geballt verdichtet, das Stimmungslevel steuert indessen seinem Höhepunkt entgegen.

WITCHFYNDE spielen selbst routiniert weiter ihren Set zu Ende als unter dem Wolken-Zusammenzug der nicht lange auf sich warten lassende Regen große Regen fällt. Beim energisch geforderten Zugabetrack „Conspiracy“ entleeren sich sämtliche Kübel am Himmelskleid. Mehrere Minuten giesst es extrem stark über dem Gelände, das wer auch immer es wagt dadurch zu laufen, um den nächsten Unterstand auf dem Gelände sicher zu erreichen, binnen weniger Sekunden Bekanntschaft mit der vollen Ganzkörperdusche schließt. Der tonnenschwere Regenguss, sorgt bei dem zu heißen Wetter für wohltuende Abkühlung. Freiregen für alle, sonst... Fazit: Guter Auftritt von WITCHFYNDE. Die kauzigen Briten haben ihr Auditorium wie beim 2017er Metal Assault voll überzeugt!

Spenden-Aktion
Die Spendenaktion war erfolgreich; insgesamt kamen 1988,12 Euro wie der Veranstalter bekanntgab zusammen. Gibt es einen klareren Beleg dafür, wie treu die Heavy Metal-Fangemeinde hinter ihren Idolen steht? Nein. Heavy Metal ist eine konsequente Lebenseinstellung, die prägt.

Ordentlich durchnässt und kräftemäßig zunächst platt, ist eine Pause dringend erforderlich. Die genehmige ich mir während es angenehm kühl wird weil es immer noch regnet und DARKNESS auf der Bühne stehen, um meine Akkus vollständig wieder aufzuladen. Nachdem dies geschehen ist, freue ich mich auf die nächste den frühen Abend eröffnende Band:

METAL INQUISITOR


Rechtzeitig bei METAL INQUISITOR zurück auf dem Platz hauen die Koblenzer sofort mit der zunächst verträumt akkustisch in die Zeit des Mittelalters führenden Titelhymne, die sich zum Heavy/Power-Metal-Schlachtruf entwickelt, ihres grandiosen 'Doomsday For The Heretic'-Zweitlings voll ins Mett. „Restricted Agony“ lässt die Herzen aller, die's gern flott mögen, höher schlagen. „Satan's Host“ ist ein weiterer Live-Hammer, der sofort ultimatives Faustreckfeeling verbunden mit dem Drang zu Headbangen auslöst. „Bernardo“ handelt nicht von irgendeiner x-beliebigen Person aus dem Alltag der Gegenwart, die den Namen trägt, sondern führt in die Vergangenheit zu dem französischen Groß-Inquisitor Bernardo Gui, der zahlreich zum Tode durch den Scheiterhaufen als Hexen und Ketzer verurteilte Menschen auf dem Gewissen hat. Da kommt einem schnell Umberto Ecos-großartig umgesetztes Meister-Filmepos 'Der Name der Rose' in den Sinn als El Rojo die Sequenz vom Debüt nachspricht. „Remigio de Baragine! Bist du willens dem Teufel abzuschwören und Jesus christus als deinen Herrn und Heiland anzunehmen? Der Teufel dem ich abschwöre, das seid Ihr... Bernardo Gui...!“ Danach spricht der Heavy Metal in Form von Schlagzeug und Gitarren sprich die Hölle zu dem Powerspeedinferno los. „Star Chaser“ löst reichlich Headbanging Manie unter tosendem Jubel aus.

El Royo's Ansagen sind wie gehabt zum Genießen. Der Frontmann verfügt zum einen über das gesunde Maß Humor gepaart mit Selbstvertrauen, welches es braucht, um die Sympathien der Fans zu erreichen, zum anderen trägt er das Metalgen in sich, das eine Masse zum Ausklinken bringt. Für zwischendurch aufbrandende „Judas Priest, Judas Priest“ Sprechkundgebungen gibt es einen besonderen Grund. Bandmitglieder von METAL INQUISITOR spielen mit Bandmitgliedern der japanischen Heavy Metalband METAL LUCIFER bei MIDNIGHT RIDER, wobei es sich um ein Bandprojekt handelt, das sich dem guten alten Sound von BLACK SABBATH/JUDAS PRIEST gewidmet hat, zum anderen ist bei METAL INQUISITOR häufig auch der ein oder andere PRIEST-Schlenker sichtlich erkennbar. El Rojo schlägt vor, statt Judas Priest-Sprechgesängen das besser geeignete Wort „Metal“ zu gebrauchen um in dessen Zuge die Faust zu recken. Sein verständlicher Vorschlag findet Anklang. Der gesamte Rest egal ob „Confession Saves Blood“, „Beyond Nightmares“, „Zombie Drivers“ und „Call The Banners“ wird inklusive Zugabe M4A1, den METAL INQUISITOR ebenfalls noch live spielen dürfen, von einer großen Fanmasse abgefeiert als wären METAL INQUISITOR bereits der Tagesheadliner auf dem HEADBANGERS OPEN AIR. - Hammerauftritt!

METAL INQUISITOR haben einen straightes Heavy Metal-Brett klassischer Stilgebung hingelegt, wie es im Buche steht, womit ein deutliches Zeichen für den Rest des Abends gesetzt wurde. Auch wenn  El Royo der zahlreich versammelten Headbangers-Fangemeinde am Ende bevor die Koblenzer Heavy Metal-Inquisitoren den Bretterwald verlassen, viel Spaß mit GIRLSCHOOL, ANVIL und RIOT wünscht, ist die Erwartungshaltung spätestens nach diesem Live-Hammer gewaltig nach oben geklettert. Wer einen durchschnittlichen Auftritt nach METAL INQUISITOR auf die Bühne legt, kann eigentlich nur verlieren.

GIRLSCHOOL


geben sich keine Blöße. Allem voran die MOTÖRHEAD- und SAXON-Fraktion ist spätestens kurz vor 19:00 Uhr zahlreich vertreten. Auch GIRLSCHOOL feiern rundes 40 jähriges Jubiläum. Die top aufeinander eingespielte Damenriege zeigt sich von ihrer besten Seite (was natürlich nicht nur optisch gemeint ist). Optisch wie musikalisch geben die vier Musikerinnen selbst nach vier Jahrzehnten immer noch eine tolle Figur ab. Die top aufgelegte Damenriege geht gleich zu Beginn im Anschluß von Sirenenklängen kräftig ins Eingemachte. GIRLSCHOOL rocken wie gewohnt knackig. Es geht doch nichts über eine kräftige Schippe kernigen Hard Rocks der bewährten 80er-Schule mit zahlreichen Hits. Bei GIRLSCHOOL weiß man eben immer, was man bekommt, an potentiellen Rock n' Rollern mangelt es ihnen ohnehin keineswegs. Nach erledigter Arbeit im Bühnengraben treffe ich Kollege Andi. Wir genießen gut gelaunt den Set.

„Demolition Boys“ eröffnet nach der Sirene gekonnt, „C'mon Let's Go“, „Hit and Run“, „Race With The Devil“, „Screamin' Blue Murder“oder „Yeah Right“, stehen für eine ganze Reihe von erdigen Hardrock-Groovern, die kein Gramm ihres früheren rauen Charmes verloren haben. Zweifelnde Stimmen behaupten GIRLSCHOOL in die Jahre gekommen, bei Weitem nicht mehr so stark wie früher. Quatsch mit Sauce. Diejenigen waren wohl gedanklich woanders. Von Altersmüdigkeit ist keine Spur zu erkennen. Dafür sorgen die gewohnt zuverlässigen Britinnen mit einer bombigen Live-Präsenz. Das englische Damenquartett in Person von Kim McAuliffe (Gitarre/Gesang), Jacky Chambers (Gitarre), Enid Williams (Bass) und Denise Dufford (Drums) agiert mannschaftlich sicher harmonierend auf oberstem Leistungslimit. Leadgitarristin Jacky zieht im optisch aufreizenden Outifit in knallenger schwarzer Lederhose mehr als nur so einige Blicke auf sich. Zum Schluß tritt der zu Beginn per Sirene angekündigte Notfall ein, „Emergency“ lässt es explosiv im flotten Schredderrockn'roll-Rhythmus krachen. Ohne Zugabe verlassen GIRLSCHOOL selbstverständlich so wie es sich gehört keine Bühne. Nach einem abermals im zügigen erdig rockenden Groove rausgeschmetterten „Take It all away“ gehen endgültig die Lichter an. GIRLSCHOOL waren Top. Das gestandene Damenquartett aus good old England ist immer eine sichere Bank. - Thank you very much, Ladies!

ANVIL


Bevor der späte Headliner auf die Bühne kommt, ist zentnerschwerer Ahornblatt-Kult und das im wahrsten Sinne des Wortes angesagt. Ein Wort, fünf Buchstaben. 40 Jahre ANVIL! Grund genug zum Feiern. Bevor es richtig losgeht, springt Lips zunächst mal von der Bühne um sich direkt mit seiner Axt ins Publikum zu begeben wo er mit dem Eingangsdoppel „March of the Crabs“/„666“ umgeben von einer begeisterten Fanmeute folgen gleich für klare Verhältnisse sorgt, ehe auf der Bühne so richtig die Sau rausgelassen wird. Das Ahornblatt-Trio bestehend Bassist Chris Robertson, Bandmotor 'Lips' an der Gitarre und seinem seit 1981 treu ergebenen Bandkameraden Robb Rainer auf dem Drumhocker präsentiert sich als beeindruckende Bühnenlivemacht, bei der es permanent krachend heavy zur Sache geht. ANVIL sind noch so fit, man könnte meinen sie wären gar nicht gealtert... - zumindest auf der Bühne. Der sympathisch ehrliche mittlerweile 62jährige ANVIL-Frontmann ist prima drauf. Vibratorspiele auf der Gitarre und Geschichten über MOTÖRHEAD gehören bei 'Lips' immer stets zum guten Ton. „Bad Ass Rock n' Roll“ heizt mächtig ein. Im Publikum herrscht Superstimmung, wofür eine starke Setlist in der neben Tracks vom angepriesenen aktuellen Album 'Pounding The Pavement' u. a.. „Doing What I Want“ oder „Bitch in the Box“, auch bewährte Standards vom Typ „Winged Assassin“ oder „Mothra“ stehen. Erwartungsgemäß wird „Metal on Metal“ begleitet von kräftig nach hallendem Jubel am Schluß serviert, womit kein ANVIL-Fan die Location unzufrieden verlässt. - ANVIL sind zur Zeit Live on Stage eine alles wegblasende Macht und in geradezu bestechender Form!

RIOT V


30 Jahre liegt der US-Powermetal-Klassiker 'Thundersteel' zurück, dass muss entsprechend gewürdigt werden, so fiebere ich gegen 22:30 im Graben stehend dem Headlinergig von RIOT V mit jeder Minute mehr entgegen. Nach außen bin ich ruhig, doch die innere Anspannung steigt...
Während im Fotograben gehofft wird, das es bald losgeht, zunächst muss noch das Schlagzeug von Frank Gilchriest per doppeltem Soundcheck geprüft werden, wartet die Menschenmenge bereits in Hochspannung auf den Headliner RIOT V. Das Robbenmann-Maskottchen „Johnny“ vom aktuellen Albumcoverartwork „Armor of Light“ schaut auf den zwei links und rechts platzierten Leinwänden hungrig in die Reihen der geduldig wartenden Fanreihen, die ihrerseits hungrig in gespannter Haltung ausharren, ehe es endlich losgeht. Die klassische Power-Speed-Hymne „Victory“ vom aktuellen Silberling 'Armor of Light' setzt das Startsignal, gefolgt vom ungewönlich früh in die Menge geworfenen Hymnenhammer „Flight of the Warrior“, womit RIOT V schnell die Sympathien der Fans gewinnen. Überhaupt präsentieren die Amis eine sehr außergewöhnliche Setlist, wie man sie sogar als eingeschworener RIOT (V) -Fan nicht alle Tage um die Ohren gehauen bekommt. Neben selten gespieltem Hymnen-Klassikermaterial „Outlaw“, „Heavy Metal Machine“, , „Johnny's Back“ (!) passen der Speedkiller „Ride Hard, Live Free“ und „Take me Back“ vom starken 2014er-'Unleash The Fire'-Output ebenso wunderbar ins Gesamtbild. Anstelle des gerade in letzter Zeit viel zu oft gebrachten „Angel Eyes“ hätte ein Klassiker á lá „Fight or Fall“ oder „Altar of the King“ sicher ebenso prima in den Gesamtrahmen gepasst, doch das ist Klagen auf hohem Niveau. Zwischenzeitlich wird immer  auch mal ein neuerer in den tempoforciert schnellen Power-Metalbereich tendierender Track jüngeren Datums vom aktuellen Studiolongplayer ('Armor of Light') wie „Angels Thunder, Devil's Rain“ oder „Caught in the Wichtes Eyes“ eingestreut, was dem Experiment erfreulicherweise nicht zum Nachteil gereicht, weil das Publikum auch dabei kräftig mitrockt. Sicher hätten sich viele den 'Thundersteel'-Brecher 'Sign of the Crimson Storm' gewünscht, doch der bleibt heute völlig außen vor.

Sämtliche Riffs, Soli und Licks der Gitarrenfraktion, Nick Lee/Mike Flyntz werden einwandfrei fließend sauber wie aus dem FF gespielt. Laut, Krachend, rassiermesserscharf, - ganz so wie echte Heavy Metal-Gitarren sägen, wenn sie Top gestimmt sind. Sänger Todd Michael Hall beeindruckt durch meisterliches Stimmvolumen, dort klare Höhen erreichend, wo andere Stimmbandquäler schon im Ansatz scheitern. Die gestandene Rhythmuscrew - gemeint sind RIOT Basser Don Van Stavern, der schon seit 1986 in der Band ist und Drummer Frank Gilchriest (amtlich ebenso bei den US-Power/Speedies LIEGE LORD aktiv) legt das traumhaft sichere Basis-Fundament aller Songs, - eine Topdarbietung ist garantiert.

„Road Racin'“ vom 1979er-Debüt 'Narita' beendet den offiziellen Teil, dieser in jüngster Zeit auch als NIGHT DEMON-Livehammer Bekanntheit erlangende Hitbreaker verfehlt seine Wirkung nicht, doch so schnell gehen die Lichter im Garten nicht an, obwohl die Musiker flugs hinter der Bühne verschwinden. Kräftig über das Gelände hallende Zugaberufe verbunden mit donnerndem Applaus zeigen deutlich an, „Wir wollen noch mehr!“ Mit dem Hardrockhymnenstampfer „Bloodstreets“ erhöht sich das ohnehin superbe Stimmungslevel nocheinmal kräftig. Danach mobilisieren die kampferprobten Klassiker Zugaben „Swords & Tequila“ und „Warriors“ gefolgt von der grundsätzlich bei keinem RIOT V-Gig fehlen dürfenden Speedgranate „Thundersteel“bis auch der allerletzte Gitarren-Akkord verklungen ist, die verbliebenen Kraftreserven eines restlos begeisterten Publikums , dass den Headliner-Auftritt zum feinen Erlebnis besonderer Art werden ließ. Kräftiger Applaus der längere Zeit danach schwer im RIOT V-Rausch befindlichen Fans bestätigen den Eindruck, der sich schon recht früh offenbarte: So wie sie ihre Vorstellung begannen, genauso („Victory“) endet sie auch. Ergo: - Sieg auf ganzer Linie für RIOT V!

Mit dieser Setlist starteten RIOT V den Flug des Kriegers:
• 1. Victory
• 2. Flight of the Warrior
• 3. On Your Knees
• 4. Outlaw
• 5. Ride Hard Live Free
• 6. Heavy Metal Machine
• 7. Angel's Thunder, Devil's Reign
• 8. Johnny's Back
• 9. Angel Eyes
• 10. Take Me Back
• 11. Caught in the Witches Eyes
• 12. Road Racin'
Zugabe:
• 13. Bloodstreets
• 14. Swords & Tequila
• 15. Warrior
• 16. Thundersteel

Festival-Nachwort:
Mein besonderer Dank geht an Thomas Tegelhütter und seiner gesamten HEADBANGERS OPEN AIR-Crew für einen ausgezeichnet organisiert durchgeführten Event der stets seinen Besuch lohnt zahlreiche Fans, die wiedermal eine fette Headbangers-Party - im wahresten Sinne des Wortes das heißeste HOA innerhalb der Festivalhistory - feierten, die sich gewaschen hat. Überschattet wurde das Festival von Mark „The Shark“ Sheltons unerwartetem Tod in der Nacht zum Donnerstag nach dem Auftritt. Ich wünsche an dieser Stelle allen drei verbliebenen Bandmitgliedern Brian „Hellroadie“ Patrick, Phil Ross und Andreas 'Neudi' Neuderth, dass sie die Kraft finden, diesen tragischen Verlust zu verarbeiten.
Mark, dein Andenken - wird in den Herzen all deiner zahlreichen Fans auf der ganzen Welt erhalten bleiben. MANILLA ROAD waren und bleiben ein strahlend hell leuchtender Stern in tiefschwarzer Nacht. R. I .P. .

Von diesem traurigen Ereignis abgesehen, hat mir das HEADBANGERS OPEN AIR 2018 einmal mehr gezeigt, warum es mein liebstes Freiluft-Open-Air-Festival ist und bleibt! Viele bekannte Gesichter, nette Leute, entspannt relaxte Atmosphäre, leckeres Essen, preisgünstige Getränke und eine sehr hilfsbereite Crew, die beim Einweisen auf dem Campingplatz als das Unwetter kam, vorbildliche Arbeit geleistet hat; ebenso das vor Ort direkt am Eingang aufgestellte Rote Kreuz und die Security.
Bandtechnisch war von dem was ich dieses Jahr auf dem Headbangers Open Air mitnehmen konnte, kein wirklicher Ausfall dabei. Neben kampferprobten alten Hasen wie ANVIL, TANKARD, WITCHFYNDE und RIOT V wussten Frischlinge wie EXISTANCE oder HITTEN sowie selten zu sehende Gäste á lá SORCERER hervorragend zu bestehen.

Ein Festival, das ich wirklich jedem auf traditionellen Heavy Metal schwörenden Metaller wärmstens empfehlen kann. Wen das H.O.A.-Fieber erst einmal gepackt hat den lässt es nicht mehr los. In diesem Sinne auf ein Neues im nächsten Jahr getreu der Festival-Devise: „Let's Make This Garden Burn!“

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