KEEP IT TRUE XXI - Königshofen



Festival vom 27.04. und 28.04.18
Königshofen, Tauberfrankenhalle

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KEEP IT TRUE


Zum 21. Mal öffnete das KEEP IT TRUE seine Tore, um der Heavy Metal Underground-Fangemeinde ein Wochenende der Superlative gespickt mit raren Obskuritäten und kaum noch für möglich gehaltener Wiedervereinigeungen zu bieten.

Freitag, 27.4.2018:

Krächzende Raben und betörende Sirenen verkünden die Nacht des Dämonen
 
STÄLKER

Nach kurzer flott vorgenommener Begrüßung bekannter Gesichter führt mein Weg zügig in die Tauberfankenhalle. STÄLKER stehen bereits auf der Bühne und sorgen für mächtig viel Stimmung bei den früh in der Halle anwesenden Headbangern. Ehrlich eingestanden, kenne ich noch keinen Song der Speedmetaller, was sich spätestens mit diesem Gig geändert hat. Das sich bietende Bild beim neuseeländischen Trio ist beeindruckend: viele euphorische Gesichter und in die Luft gereckte Fäuste sagen alles. Nur ein wenig voller könnte es noch sein. STÄLKER spalten die Gemüter, weil ihr treibend harter schnell nach vorn preschender Speed nicht eines jeden Sache ist – mir hingegen gefällt, was die exotischste Band auf dem KIT rausröhrt, weshalb ich mich vom Rausch der Begeisterung im Fankpulk anstecken lasse. Gitarrist Chris kommt zwischendurch des öfteren schon mal nach vorn zum Bühnenrand, um inklusive studierter Pose Kostproben seines Könnens zu geben. Drummer Nick verdrischt seine Becken und Felle amtlich. Sämtliche Posen sitzen, auch die Abstimmung des Inseltrios ist gut. Die Stimmung in der Halle steigert sich potentiell bei jedem weiteren Stück. STÄLKER haben ihr völlig entfesselt abdrehendes Publikum durchweg sicher im Griff. Am Ende behält der Gedanke Oberhand, diesem mitreißende Speed-Trio bei nächstmalig sich bietender Gelegenheit erneut einen Besuch abzustatten. - Toller Auftakt!

TAIST OF IRON
Nach dem knallharten Auftakt wird es bei den US-Metallern TAIST OF IRON ein gewaltiges Eckchen ruhiger und langsamer. Das 1984er 'Ressurrection'-Album und die 'Metal Beast'-EP dürften nur echten Szene-Insidern bekannt sein. Um das 1986 aufgelöste und zwei Mal (2007 und 2012) wieder neu reformierte Quintett wurde es lange Zeit ruhig. Der Auftritt beim KIT geht somit als weitere, seltene Obskurität durch. Nach anfangs durchschnittlichem Beginn steigern sich TAIST OF IRON allmählich. Je mehr Songs sie aus dem Koffer ziehen, desto besser werden sie. Sängerin Loraine Gill agiert zunächst schüchtern, taut aber im Laufe des Gigs wie ihre Bandkollegen zunehmend mehr auf. Auch die für KIT-Verhältnisse zu Beginn ungewöhnlich verhaltene Stimmung in der Halle schwenkt nach der Hälfte vom gespielten Set um. TAIST OF IRON wissen immer besser zu gefallen. Letztlich steht ein recht ordentlicher Gig zu Buche, der gezeigt hat, das TAIST OF IRON durchaus eine Bereicherung für das KIT-Billing gewesen sind.
 (Michael Toscher)

ALIEN FORCE
Ich rede immer vom „Album mit dem Gespenst auf dem Cover“, wenn die Gedanken um ‘Hell and High Water‘, das 1985er-Debüt der Dänen ALIEN FORCE, kreisen. Deren Auftritt stellt die nächste Rarität auf dem KEEP IT TRUE dar. ALIEN FORCE machen alles richtig, geben gleich mal richtig Volldampf und bringen die Masse schrittweise zum Durchdrehen. Songs wie „Hell and High Water“, „Get it Out“ und „Alien“ kommen gut bei der Meute an, da gehen zahlreiche Fäuste nach oben. Die Dänen werden richtig abgefeiert, da ist pausenlos Bewegung im Publikum. Die Gitarrenfront macht ordentlich Druck, Sänger Peter Svale Andersen pusht das Publikum durch lockere Gestik. ALIEN FORCE wissen eine beträchtliche von der Truppe überzeugte Anhängerschaft hinter sich, deren zahlreich erhobenen Hände eine insgesamt recht deutliche Sprache sprechen. Von der K.I.T.- Fangemeinde mit viel Applaus bedacht erringen die Dänen einen respektablen Achtungserfolg in der Tauberfrankenhalle. Prima!
(Michael Toscher)

BLASPHÈME

BLASPHÈME zählen trotz Auflösung in den Mittleren 80ern zu den am dienstältesten und am längsten bestehenden Heavy Metalcombos aus Frankreich. 2007 erfolgte die Reunion mit kurzfristiger Mitwirkung des Originalsängers. Umso gespannter warteten viele darauf, was sie bei den Franzosen, die 2015 ihren Auftritt beim KIT leider absagen mussten, erwarten würde. HÜRLEMENT-Frontmann Alexis und SHANNON-Vocalist Olivier Del Valle teilen sich gemeinsam den Sängerposten auf der Bühne. Was zunächst ungewöhnlich wirkt, entfaltet unglaubliche Live-Wirkung bei Stücken á lá „Vivre Libre“, „Desire De Vampyr“, oder „Territoire des Hommes“. BLASPHÈME spielen ihr Material dynamisch mit viel Frische, wodurch der Gute-Laune-Faktor binnen weniger Minuten nach oben schnellt. BLASPHÈME liefern eine fast durchweg ziemlich fließende Performance knackig in die vollen gehenden Heavy Metals, die selbst bei Unkenntnis der französischen Sprache mitreißt.  Bassist Philippe Guadagnino wirkt mit rotem Stirnband, als wäre die Zeit irgendwo in den 80ern stehen geblieben, amtlich posen kann der Viersaitenmann auch. Beim Schlussstück „Vengenace Barbare“ begeben sich HÜRLEMENT-Sänger Alexis und SHANNON-Vokalist Olivier De Valle gemeinsam auf die Bühne, womit sich BLASPHÈME nach gekonnter Vorstellung lautstark bejubelt von den Fans verabschieden. - Der Gig hatte wirklich Klasse! 
(Micheal Toscher) 

SIREN

Nun wird es Zeit für kauzigen, leicht progressiven US-Metal. SIREN aus Florida haben sich wieder zusammengefunden und machen für diesen Auftritt einen exklusiven Abstecher nach Königshofen. Beginnend mit „Metro-Mercenary“ von der gleichnamigen Single steigern sich SIREN in einen fulminanten Gig. Passend zum hymnischen „Terrible Swift Sword“ posiert Sänger Doug Lee, dessen markante Stimme bestens zur Geltung kommt, mit einem Schwert auf der Bühne. Die Instrumentalfraktion ist bestens eingespielt und tight wie ein schweizer Uhrwerk. Es folgen einige Highlights des No Place Like Home Albums: „Black Death“, „So Far To Go“, „Iron Coffins“, „Over The Rainbow“ und “The Mine”. Mit “Tornado Of Blood” wird auch ein neues Stück intoniert. Zu „Over The Rainbow“ setzt sich Doug Lee einen Hexenhut auf und zückt einen Besen. SIREN verabschieden sich vom Königshöfer Publikum und werden noch einmal zur Zugabe gerufen. Nach dem Demosong „Slice Of Hate“ ist leider endgültig Schicht im Schacht und die Amerikaner werden mit tosendem Applaus verabschiedet. SIREN haben nicht nur bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Starker Auftritt!
(Melissa Hart)

GRIM REAPER

18:05 Ortszeit, GRIM REAPER stehen auf der Bühne, angeführt von Frontmann Steve Grimmet, der sich in stimmlicher Top-Verfassung befindet. Er belohnt das KIT Publikum, das ihn mit einer finanzierten Spendenaktion bei seiner Unterschenkel-Operation unterstützte, nun mit einer Performance der Superlative. 60 Minuten zeitloser N.W.O.B.H.M.-Spirit – Metallerherz, was willst du mehr? Dazu bedankt er sich bei den Fans für die Finanzierung der OP, hält sogar für einen Augenblick demonstrativ seine Krücke hoch. Steve, wir danken dir, dass Du weiterhin auf der Bühne stehst, für Deine Band und uns Fans alles gibst! Gitarrist Nick Bowcott entlockt seiner Klampfe pfundschwere Riffs und quirlige Soli. Drummer Mark Simon und Bassist Geoff Curtis bilden eine druckvoll aufspielende Rhythmussektion. Steve Grimmet dirigiert das heftig steil gehende Publikum auch mit Krücke zielsicher. Lautstark durchs Rund tönende „GRIM REAPER“-Sprechchöre sprechen Bände! Hochexplosives Songmaterial, das die Tauberfrankenhalle zum Kochen bringen, haben die Engländer ohnehin mehr als genug im Köcher - ob „Rock You To Hell“, „Night Of The Vampyre“ oder ein zahlreiche Arme in die Luft gehen lassendes „Lust for Freedom“. Selbst das neuere „Walking in the Shadows“ verwässert die brodelnde Stimmung nicht im Geringsten. „Rock Me Till I Die“ sorgt im Schottenrock für den nächsten Stimmungsschub, dem weitere folgen. Ronnie James Dios „Don't Talk To Strangers“-Cover lässt dank traumhafter Gesangsperformance auf Wolke sieben schweben. In der Tauberfrankenhalle herrscht Gänsehautatmosphäre pur! Danach folgt der einer flüchtigen Liebesbeziehung gewidmete Hardrock-Stampfer  „Waysted Love“. Die Kult-Hymne „See You In Hell“, bei der nicht nur die komplette vordere Hallenhälfte völlig durchdreht, setzt dem Gig endgültig die Krone auf. GRIM REAPER haben ihre Schlacht erfolgreich geschlagen, den bis dato besten Gig des Tages abgeliefert. Danach folgt heftig tosender Beifall. - Ein würdiges Festival-Highlight!
(Michael Toscher)

RAVEN

Nach dem großartigem Auftritt von GRIM REAPER gibt es gleich darauf Nachschlag in Sachen NWOBHM. Mit dem Doppelschlag „Take Control“ und “Hell Patrol“ starten die Gallagher Brüder und Drummer Joe Hasselvander energisch in ihren Set und reißen nicht nur die vorderen Reihen völlig mit. Das Königshofer Publikum verwandelt sich im Nu in eine wilde, tobende Meute. Mit erlesenem Britenstahl wie „Hung, Drawn & Quartered“, „Mind Over Metal“, „Hard Ride“ und „Faster Than The Speed Of Light“ wird die Stimmung immer weiter angeheizt. Raven spielen heute einen Klassiker nach dem Nächsten, so steht einer zünftigen NWOBHM-Sause nichts in Wege. Nur das Bass- und das Drumsolo bremsen zwischendurch ein wenig den Fluss. Hymnen wie „All For One“, „Rock Until You Drop“ und „Break The Chain“ werden aus voller Kehle mitgesungen. Das Steppenwolf Cover „Born to Be Wild“ singt John Gallagher gemeinsam mit Steve Grimmet. Nach beschleunigten Versionen von “Rock Bottom” und “It’ s a long way to the top…” wollen RAVEN sich verabschieden, aber die begeisterte Meute lechzt nach einer Zugabe und bekommt „Crash Bang Wallop“. Grandioser Auftritt!
(Melissa Hart)

FLOTSAM & JESTSAM
die US Speed/Thrasher um Eric A. K. legen mit der Komplettaufführung ihres Meilensteins „Doomsday For The Deceiver“ einen bärenstarken Live-Set der Superlative hin, der zahlreich erschöpfte zugleich begeisterte Fans sich zu Hymnen wie „Hammerhead“, „Iron Tears“ oder dem fulminanten Schlußdoppel „I Live You Die“ und 'Iron Maiden' (gecovert vom unangefochtenen Branchenprimus - Up, the Irons!) in einen wahren Rausch bangen lässt. Für viele sind FLOTSAM & JETSAM schon am Freitag der wahre Festivalheadliner.
(Michael Toscher)
 
DEMON
Was kann es zum Abschluss eines bärenstarken K.I.T.-Freitags besseres geben, als eine Nacht zusammen mit dem Dämon zu feiern? Allein die Tatsache, dass der Abend im Zeichen von 'The Unexpected Guest'- einem zeitlosen N.W.O.B.H.M.-Klassiker - steht, dürfte Anlass genug sein, DEMON die Aufwartung zu machen. Um 22:45 startet die Zeitreise zurück in die 80er ohne zeitliche Verzögerung. Band-Chef Dave Hill kommt in Gewandung mit seiner bereits 39 Jahre alten Dämonen-Maske auf die Bühne, die er sich speziell zu „Night of the Demon“ stilgemäß aufzieht, ehe sie wieder vom Gesicht genommen wird. Durch sein Gewand wirkt er wie ein okkulter Sektenpriester, was die Wirkung der älteren Songs wie „Total Possession“, „The Spell“ und „The Great Illusion“ noch verstärkt. Bei „Father of Time“ präsentiert sich Dave Hill in weißem Bademantel und Perücke als 'Hüter der Zeit', was der guten musikalischen Umsetzung einen  stilvollen Rahmen gibt. Das letzte Drittel des Gigs bestreitet Dave Hill, der bestens bei Stimme ist, ohne Verkleidung. Zu Song wie „Liar“ und „Live On The Wire“ würde der Umhang auch nicht wirklich passen. Die Stimmung im Publikum ist andächtig, einige Leute singen mit. Sie halten sich aber mehrheitlich mit dem Headbangen zurück, was bei so einem langen Tag verständlich ist. Bei „Don’t Break the Circle“ erschallen laute Chöre; ein kleiner Pulk vor der Bühnenmitte holt noch mal alles aus sich heraus. Die Dämonen werden erneut zur Zugebe gerufen und entlassen das Publikum mit „One Helluva Night“ endgültig in die Nacht.
(Michael und Melissa)
 
Mit dieser Setlist hielt der Dämon Einzug in der Tauberfrankehalle
1.    Night of the Demon
2.    Into The Nightmare
3.    Total Posession
4.   Sign Of A Madmen
5.    The Spell
6.    Have We Been Here Before?
7.    Strange Institution
8.    The Grand Illussion
9.    Victim Of Fortune
10.  Father Of Time
11.   Liar
12.   Beyond the Gates
13.  Life On The Wire
14. Deliver Us From Evil
15. Don’t Break the Circle
Zugaben:
16.       One Helluva Night

 

Samstag, 28.04.2018

Sarazenen und Winterfalken begegnen HEAVY METAL Engeln (aus Metall und Leder)

IRONFLAME
halten eisern die Flamme des Heavy Metal hoch. Mit ihrem sehr basisorientierten US-Metal rennt die Band offene Türen beim K.I.T.-Publikum ein. Angeführt von Sänger Andrew D'Cagna kommen das erstklassige ‘Lightning Strikes The Crown‘ Debüt sowie ein neuer Song zu Live-Ehren. Das Publikum feiert die Band bereits zu früher Mittagszeit derart exzessiv jeden einzelnen Song zelebrierend ab, als würde sie zu den gestandenen K.I.T.-Acts gehören. Die Amerikaner aus Ohio überzeugen mit einer knackigen, bis zum Schluss beeindruckenden Live-Performance. Es zeigt sich, dass sich hier etwas anschickt, das möglicherweise schon bald zu Größerem berufen ist. Kein Wunder, dass bereits nach dem Gig bei sämtlichen Ständen alle Tonträger von IRONFLAME vergriffen sind.

(Michael Toscher)

GATEKEEPER
kommen erwartungsgemäß live gut an, was vor allem der zahlreich vertretenen Epic-Metal-Fraktion geschuldet ist, die ihre Band Fäuste reckend, mitsingend und headbangend nach Kräften unterstützt. Auch wenn es derzeit vielerorts Trend ist, die Band auf eine Stufe mit Manilla Road, Atlantean Kodex und Visigoth (denen die Band meiner Ansicht nach nur bedingt ähnelt) und Konsorten zu heben, sei fairerweise angemerkt, das es trotz guter Performance noch längst nicht so weit ist. Was den Epic-Metallern noch ein wenig fehlt, ist ein sichereres Auftreten, dennoch können GATEKEEPER gut punkten beim K.I.T.-Publikum. Bombigen Eindruck hinterlässt das kräftig abgefeierte „Bell of Tarantia“, auch ein Tredegar-Cover von „Richard III“ weiß auf ganzer Linie zu überzeugen, während der statt eigener Songs lieber auf Nummer sicher gehende KISS-Klassiker „Detroit Rock City“ zwar kräftig Partyfeeling in die Halle bringt, jedoch einen recht seltsamen Beigeschmack hinterlässt, wie  auch die Tatsache, dass GATEKEEPER ihre 45-Minuten Spielzeit nicht in vollem Umfang ausschöpfen. Gerade mit einem beherzten Schlußspurt wäre noch einiges mehr drin gewesen. Schade. Nun ja, vielleicht beim nächsten Mal.

(Michael Toscher)

CEREBUS
beeindrucken danach auf ganzer Linie. Die Band bringt durchweg nur Stücke vom granatenstarken Debüt „Too Late To Pray“, was einen intensiv mitreißenden CEREBUS-Live-Auftritt garantiert, der zahlreiche Mähnen sich frenetisch in einen Rausch bangen lässt. Scott Board besitzt immer noch dasselbe Organ, das ihn schon 30 Jahre zuvor auszeichnete. Das Insiderpublikum auf dem KIT hat allen Grund zum feiern. Gitarren und Schlagzeug entfachen immens viel Druck, wodurch solche Undergroundjuwelen wie „Distant Eyes“, „Rock The House Down“ oder „Too Late To Pray“ erst richtig Pfeffer bekommen. Leider ist die Session, die gerne noch um einiges länger sein dürfte, bereits nach effektiven 40 Spielminuten vorbei.

(Michael Toscher)

BLIND ILLUSION
Auf CEREBUS folgt erneut US-Metal, allerdings wird es nun deutlich härter und progressiver. BLIND ILLUSION sind aus Kalifornien angereist, um ihr Debüt ‘The Sane Asylum‘ zum Besten zu geben. Einziges Orginal-Mitglied der seit 2009 reformierten Progthrasher ist Sänger und Gitarrist Marc Biedermann. Zusammen mit seinem Bandkollegen Doug Piercy
(ex-Heathen) spielt er sich in einen regelrechten Rausch. Energisch und gleichzeitig tight wie ein schweizer Uhrwerk brettern sich BLIND ILLUSION durch ihren Set. Zum komplett durchgespielten Debüt kommen noch drei neue Stücke dazu. Einziger Wermutstropfen sind die zu langen Pausen zwischen den Songs. Souveräne Vorstellung!

(Melissa Hart)

SARACEN
erweisen sich als die Überraschung des Tages. Was vom Start weg relaxt beginnt, entwickelt sich mit jedem weiteren Song zur packenden Vorstellung der ganz besonderen Art. „We Have Arrived“ vom bereits 1984 veröffentlichten Zweitling 'Change of Heart' eröffnet den Reigen.Spätestens nach „Meet me at Midnight“ ebenfalls vom 'Change of Heart'-Album herrscht nur noch Klassikeralarm! 37 Jahre blickt der SARACEN-Klassiker 'Heroes, Saints and Fools' bereits in den Annalen der Geschichte zurück und hat bis heute kein Gramm seiner Faszination eingebüßt. Überall herrscht bis unter die Decke knisternde Stimmung. „Horsemen of the Apocalypse“ transportiert episches Düsterflair ins Ambiente. Sänger Steve Bettney blüht wie seine Mannschaft mit jeder weiteren Nummer so richtig auf. Lebensfreude pur, die sich mehr und mehr auf die zunehmend größer werdende Fanmasse überträgt, die Band spielt sich in einen gewaltigen Rausch. „Heroes, Saints and Fools“ sorgt für den magischen Moment des Festivals, beim tanzbaren Hitsmasher „No More Lonely Nights“ tobt die gesamte Halle! Tanzen, Headbangen, klatschen, Faust und Hörnergabel – beim feierwütigen Fanmob ist alles vertreten. „Crusader“ hält das Stimmungslevel aufrecht, gleich der Anfangsschrei Ahahahaha... sorgt für unweigerliches Kribbeln am Körper ehe sich die Sarazenen mit „Ready to Fly“ von ihrem heftig jubelnden Publikum verabschieden. Ergo: Phantastischer Auftritt einer zeitlosen N.W.O.B.H.M.-Legende.

(Michael Toscher)

WINTERHAWK
1982 veröffentlichten WINTERHAWK ihr Debüt 'Revival', das vielen nur vom Hörensagen bekannt war, wodurch der Überraschungseffekt umso größer wird. Entsprechend gut gefüllt ist die Tauberfrankenhalle. Ein Vergleich zu ASHBURY ist nur am Rande bedingt möglich, zumal das fließende Gitarrenspiel dieser Classic-Hardrock-Combo in Sachen Härtegrad wesentlich heftiger einschlägt, als bei den um einiges gemäßigter zu Werke gehenden Kollegen. Zunächst werden mit „There and Back Again“ und „Dark Daze“ zwei neuere Songs gespielt, bei denen die Stimmung noch im verhaltenen Bereich anzusiedeln ist. Mit „Sanctuary“ und „Ace in the Hole“ nimmt der Gig allmählich Fahrt auf. Zu „Revival“ und „Free To Live“ kommt ein britischer Gastsänger auf die Bühne, der eine ordentliche Performance abliefert. WINTERHAWK lösen sowohl Faszination, als auch Headbanger-Manie (gegen Ende des Sets) aus. Wohin der Blick reicht, sieht man nicht nur erfreute, sondern auch zahlreiche überraschte Gesichter, womit auch WINTERHAWK zu den Gewinnern der 21. Ausgabe des KEEP IT TRUE-Festivals gezählt werden dürfen. Donnernder Applaus und Zugabe-Rufe nach dem Gig bestätigen dies. Das hat wirklich Eindruck hinterlassen - Gut geflogen, Winterfalke!

(Michael Toscher)

HITTMAN

sind eine der Bands, auf die ich mich am diesjährigen KIT am meisten gefreut habe. Die Hymne „Metal Sport“ erweist sich als prima Einstieg. Dirk Kennedy singt wie ein junger Geoff Tate und klingt fast noch besser wie auf Tonträger. Gäbe es eine Auszeichnung für die beste Gesangsleistung des Festivals, wäre er definitiv ganz vorne dabei. Seine Mitstreiter Jim Bachi (Gitarre), John Kristen (Gitarre), Chuck Kory (Schlagzeug) und Greg Bier (Bass) erweisen sich als gut eingespieltes Team. Bis auf den leider verstorbenen Bassisten tritt die Band im Original- Line-Up an. „Break Out“ und „Will You Be Threre“ (Gänsehautalarm) animieren zu lautem Mitsingen. Mit „No Time To Die“ und „The Ledge“ werden auch zwei neue Songs vorgestellt. Bei „Backstreet Rebels“ erreicht die Stimmung im Publikum ihren Höhepunkt, ehe HITTMAN die Bühne verlassen und zur Zugabe gerufen werden. Ein energisch gespieltes „Caught in the Crossfire“ (Headbangalarm) und „Secret Agent Man“ setzten den umjubelten Schlusspunkt eines fabelhaften Gigs.
Definitiv einer der Höhepunkte dieses Festivals!

(Melissa Hart)

EXHORDER

garantieren einen brutalen Thrash-Assault vom Gröbsten, der  erwartungs gemäß keine Gefangenen macht und sogar einen kleinen Pit auslöst, in dem es extrem körperbetont zur Sache geht. 'Slaughter in the Vatican' und 'The Law' sind zwei Genre-Meisterwerke hyperschnellen Thrashs, die im Zeitraum der frühen 90er-Jahre (1990 – 92) nachhaltig bewiesen, das mit dieser extremen Spielart nach wie vor zu rechnen war und wie EXHORDER zeigen heute immer noch sogar mehr denn je ist. Dementsprechend tobt der Pit und es bangen zahlreich Köpfe zu „Death in Vain“, „Homicide“, „Unforgiven“ „Legions of Death“, „The Law“, „Exhorder“, „The Dirge“, „Slaughter in the Vatican“ und „Desecrator“. EXHORDER haben sich wie auch die Gesichter im Publikum zeigen, eindrucksvoll zurückgemeldet, allerdings waren Demolition Hammer im Vorjahr vergleichsweise dazu noch ein ganzes Eckchen stärker.

Folgende Setlist verabreichte der Thrash-Legion gewaltig Prügel:

1. Death in Vain
2. Homicide
3. Soul Search Me
4. Unforgiven
5. Legions of Death
6. The Law
7. Exhorder
8. Anal Lust
9. (Cadence of) The Dirge
10. Slaughter in the Vatican
11. Desecrator

HEAVY LOAD

haben dreiunddreissig Jahre lang keinen Live-Auftritt mehr absolviert. Nun schlägt die Urmutter des schwedischen Edelstahls endlich in der Tauberfrankenhalle auf. Wie viele haben sich diesen Augenblick herbei gesehnt? Auch meine Wenigkeit fiebert dem Auftritt entgegen. Bereits gegen Ende der Umbaupause herrscht in der nun bis auf den letzten Platz gefüllten Halle Ausnahmezustand. Bis zu den ersten sechs Reihen ganz vorne gibt es kaum noch ein Durchkommen, ehe es richtig los geht. Beginnend mit „Heavy Metal Angels“ und „Run With the Devil“ werden ausgiebig Hymnen gespielt, die für kräftiges Mitsingen, Fäuste recken und Mähneschütteln und viel Bewegung im Publikum in den vorderen Reihen sorgen.

Unabhängig dessen, leicht machen es die Schweden sich und ihren Fans nicht, wenngleich es die Wahlquist-Brüder Ragne und Styrbjörn immer noch drauf haben. Die Beiden teilen sich die Gesangspassagen auf. Ragne zieht zudem durch sein seltsames Outfit (Kappe und Fuchsschwanz erinnern deutlich an die Experimentialrockzeit der 70er) die Blicke auf sich. Eddie Malm wird ein paar Mal für ein von ihm eigesungenes Stück (u.a. „Dark Nights“) auf die Bühne geholt und verabschiedet sich dann wieder, schade, das dieses sympathische Urgestein des Edelstahls im Dreikronenland nicht öfter auf die Bühne kommt. Längere Pausen zwischen den Songs, genuschelte, schwer verständliche Ansagen und ausgedehnte Soli verstetzen der Stimmung allerdings hin und wieder einen Dämpfer. Irgendwie macht sich der Eindruck breit, das bei der schwedischen Heavy Metal-Legende längst noch nicht alles passt, wie es soll. Zwischenzeitlich macht das Equipment Probleme, weshalb sogar während eines Songs die unvermeidbare Unterbrechung (der Alptraum eines jeden Live-Gigs!) real wird, um die Gitarren neu zu stimmen. 

Trotz alldem werden Klassikerperlen am Fließband offeriert, die echten Hard n' Heavy-Fans wie Öl runter gehen, z.B. „The King“, „Heathens from the North“, „Saturday Night“ und „Roar Of The North“. Die Ankündigung eines geplanten Comeback-Albums löst großen Jubel innerhalb der Die-Hard-HEAVY LOAD-Fangemeinde aus, während der hintere Teil der Halle dem eher nüchtern bis wenig begeistert entgegen sieht. Im Zugabeteil geben HEAVY LOAD, die 'Heiden aus dem Norden' , „Trespasser“, „Stronger Than Evil“ und abermals „Heavy Metal Angels“ (mit Eddie Malm) zum Besten, ehe sie erhobenen Hauptes von der Bühne abtreten. Das treue Die Hard-Fanklientel feiert die Schweden bis zum Schluss gebührend ab, während ein anderer Teil die Location bereits vor Beendigung der Show enttäuscht verlässt. Wahrscheinlich hatten jene durch den CIRITH UNGOL-Triumphzug im letzten Jahr an gleicher Stelle in astronomische Höhen geschraubte Erwartungen, die unerfüllt blieben. Glücklich, aber fertig mit der Bereifung war es trotz Unterbrechungen insgesamt ein zufriedenstellender (kein herausragender) -  Gig der großen, würdevoll gereiften Legende.

Die 'Heiden aus dem Norden' fielen mit folgender Setlist in Königshofen ein:
1. Heavy Metal Angels
2. Run with the Devil
3. Heavy Metal Heaven
4. Caroline / Son of the Northern Light
5. Might For Right
6. Dark Nights
7. Guitar Solo
8. The Guitar Is My Sword
9. The King
10. Roar of the North
11. Lionheart
12. Walhalla Warriors
13. Saturday Night
14. Daybreak Ecstasy
15. I'm Alive (inclusive Drumsolo)
16. Heathens from the North
17. Singing Swords
Zugaben:
18. Stronger Than Evil
19. Trespasser
20. Heavy Metal Angels (in Metal and Leather)

(Michael Toscher)

Festival-Nachwort:

Viele Bands lagen in etwa auf Augenhöhe, sodass es schwer ist, einen persönlichen Tagessieger zu küren.

Eines vorweg: HEAVY LOAD nehmen aus besonderen Gründen in Betrachtung der besonderen Umstände ihres Gigs von meiner Warte aus betrachtet neutrale Position ein, weshalb sie in Bezug auf eine etwaige Festivalwertung außen vor bleiben. Den besten Eindruck auf dem K.I.T. hinterließen: GRIM REAPER, CEREBUS, SIREN, RAVEN, SARACEN, BLIND ILLUSION. (MT)

HITTMAN, RAVEN, HEAVY LOAD, SIREN, SARACEN, GRIM REAPER (MH)

Die ‘Ein Ticket pro Person‘ Politik hat erfolgreich zur erhofften Entspannung beim Ticketverkauf beigetragen. Die Preiserhöhung war aber nicht nur für uns zunächst ein kleiner Shock. Dennoch wollen wir dem Festival weiterhin die Treue halten.

Die während der zweiten Hälfte des HEAVY LOAD Gigs eigenmächtig handelnden Security-Leute wurden durch den Veranstalter inzwischen suspendiert.

Die Sache mit den Getränkekarten ist soweit ok. Zu den drei Essenständen unterhalb vom Gelände: Die Preise für eine Pizzaecke (4,50 Euro) sowie für das Asiagericht (eine kleine Portion für 6,50 Euro) waren definitiv überteuert, was nicht dem Veranstalter geschuldet ist, sondern an den Betreibern der Stände lag, die solche Preise für angemessen hielten. - Reiner Wucherwahnsinn übelster Art. Das Sportheim bot mit Currywurst, Pommes, Bratwurst und Schnitzelbrötchen zu in der Tat humanen Preisen zwischen 3 - 5 Euro eine lohnenswert-kostengünstige Alternative.

Bis zum nächsten Jahr – KEEP IT TRUE!

Geschrieben von Michael Toscher und Melissa Hart

Fotos: Michael Toscher und Melissa Hart.


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