SAVAGE MASTER - Kassel, K 19



Konzert vom 10.3.2018
mit SAVAGE MASTER, REAPER VICTIM, HELLFORCE

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98RECORDS

Als ich davon erfuhr, das die zur Zeit laufende CREATURE OF THE FLAMES-Europatour von SAVAGE MASTER auch im K 19 Halt macht, war das mehr als Anlass genug, in Kassel aufzuschlagen. Damit eröffnete sich die nach verpasstem KIT-Auftritt schneller als erwartet gekommene Möglichkeit der Live-Performance dieses heißen US-Metalgeheimtipps okkulter Ausprägung beizuwohnen, ein Datum das perfekt gepasst hat.

HELLFORCE

Buchstäblich in letzter Sekunde noch ins Billing nachgerückt, holen die Kasseler Death-Thrasher HELLFORCE zu früher Abendzeit gegen 19:00 Uhr den Knüppel aus dem Sack, um den schon früh Anwesenden deftig etwas auf die Ohren zu geben. Das Unternehmen zeigt schnell Erfolg. HELLFORCE gewinnen die Aufmerksamkeit ihres Publikums innerhalb von Minuten. Die unwiderstehliche Dynamik des ungemein druckvoll auf der Bühne agierenden Quartetts steckt an. - Das war eine saubere Death-Thrash-Vollbedienung mit Schmackes!

VICTIM


Wieviel Dampf das Thüringer Thrash-Trio VICTIM auf dem Kessel hat, zeigt es eindrucksvoll im K19. Weniger ist oft mehr. Diese Weisheit passt bei den Thrashern wie das Bild in den Rahmen. Bass, Schlagzeug und Gitarre reichen als Grundinstrumentarium aus, ein derart massives Thrash-Inferno live on Stage loszutreten, das sich intensiv steigert. Wussten sie letztes Jahr auf der Bühne im Nautic Club Kassel e. V. zu überzeugen, zeigen sich die Thüringer erneut als beeindruckendes Abrisskommando, das live eine sichere Bank für knallharten Thrash mit hohem Abgeh-Faktor ist. Sänger/Gitarrist Hanny liefert sich beeindruckende Lanholzduelle mit Bassist Daniel, während Glimmi seine Kesselwerkstatt wuchtig nach bester Haudrauf-Manier versohlt. Das VICTIM sich in Kassel wohlfühlen, liegt nicht zuletzt am Publikum das den sympathisch ehrlichen immer Vollgas gebend wie besessen aufspielenden Thrash-Dreier seit geraumer Zeit ins Herz geschlossen hat, dessen energiegeladenes Stageacting mit jedem weiteren Stück zunehmend mehr Fans gewinnt. Im Laufe der Spielzeit schaffen es VICTIM soviel Stimmung zu erzeugen, das ihnen sogar das Kunststück gelingt, klassische Heavy Metalfans und Thrasher zu vereinen. Der von frühen METALLICA und KREATOR beeinflusste Sound aufgelockert mit enormer Vitalität löst zum Schluß immerhin soviel Begeisterung aus als würden VICTIM einen Mini-Co-Headlinergig absolvieren. Die Kampfansage „Reservoir of Hate“ kommt inhaltlich dem Kreator-Proteststatement 'Flag of Hate' recht nahe. Für die Zugabe 'Warlock' reicht das Zeitlimit bei den Thüringern ebenfalls noch, ehe sie umjubelt von zahlreich warm gewordener Fanschaar verabschiedet das Feld räumen.

Was für ein hartes Thrash-Brett, da war dauerhaft Action drin. Mit dem Thüringer Thrash-Trio VICTIM und den zuvor aufspielenden Death-Thrashern HELLFORCE bewies 98-Records-Team-Kapitän Dirk ein goldenes Händchen. Davon profitieren auch vier Oldschool-Metal-Fanatics besser bekannt unter dem Namen:

REAPER


können das von Victim vorgelegte Atmosphärenlevel halten. REAPER sind ein echter Garant für prächtige Livestimmung, was die Sensen-Mann-Crew bei klassischen Metalhämmern deren Spektrum zwischen diversen Metal-Stilen zwischen Hardrock, Heavy-, Speed-, Thrash-, usw. pendelt wie „Hail The New Age“, „Voice Within“ und „The Sun“ einmal mehr unter Beweis stellt. Das gekonnte Posing einer hochmotiviert auftretenden Gitarrenfraktion und Jans gewohnt kraftvolles Drumming wissen ihr treues Fanklientel zu überzeugen. Bei „Wonders in the Dark“ bekommt das Ex-TWILIGHT PROPHECIES, heute in BURDEN OF GRIEF/TIMOR ET TREMOR/ HELLFORCE-Diensten stehende Bandmitglied Florian Bauer einen Gastauftritt. Seinen Deathmetalpart durch tiefe Growls in gekonnter Weise beisteuernd wird der überzeugte Metalhead zur echten Rampensau auf der Bühne. Zunächst fordert Florian das Publikum auf, dem namentlich erwähnten Veranstalterteam Applaus zu zollen, richtet als nächstes seinen Dank an die teilnehmenden Bands und zuletzt unter dem gemeinsamen Motto "In Union we Stand!"  (in dem Moment kommt mir der gleichnamige OVERKILL-Song in den Sinn, dessen Inhalt gar nicht so weit davon entfernt liegt) an ein tolles Publikum das eine riesige Party im K 19 feiert. - So geht METAL! Das W.A.S.P.-Cover „Wild Child“ entpuppt sich in der tiefer gestimmten REAPER-Version wie beim M.O.C.- Dezember Warm Up 2017 in der Goldgrube als ultimative High-Live-Partygranate (!) deren Drive das Metallervolk im Saal außer Rand und Band geraten lässt. „Ship of Fools“ vom 'An Atheist Monument'-Album wird speziell zum Schluss als Sonderwunsch für einen Fan gebracht (Grüße an Lars!) womit der Auftritt sein passendes Ende findet. REAPER werden von Mal zu Mal besser. Die jahrelange harte Arbeit zahlt sich nun verdientermaßen aus, wobei die größte Stärke in der Harmonie des Kasseler Vierers liegt. Entspannt sehe ich dem nach kurzer Umbaupause beginnenden SAVAGE MASTER-Gastspiel entgegen.

SAVAGE MASTER


Touren kann stressig sein. Am Freitag noch in Hamburg und schon am nächsten Tag wieder in Kassel, dennoch wartet der größte Teil der Gäste im sich gegen 22:30 Ortszeit plötzlich noch einmal beträchtlicher füllenden Konzertsaal des K 19 geduldig auf eine Band: SAVAGE MASTER! Beim rumpeligen Live-Sound der zwischen JUDAS PRIEST, ACID, SATAN'S HOST, MERCYFUL FATE, CIRITH UNGOL und ähnlichem Kulturgut liegenden US-Okkult Metaller muss ich an die schrägen MENTORS denken, mit denen SAVAGE MASTER inhaltlich nicht vergleichbar sind. Einzige wenn auch nur leichte Parallele liegt im optischen Outfit der einstigen Kapuzenmänner, aus denen mittlerweile Sturmhaubenträger geworden sind. In Schwarzhaarfrisur auftretend (früher trug Stacey das Haar blond) verwandelt die kleine Sängerin sich in eine häufig mit erhobener Faust plus fordernder Gestik über die Bretter tobende, permanent ihr Publikum anstachelnde Furie. In aufreizender Optik schreit, singt, brüllt und keift sich Stacey Savage im feschen Gladiatorenoutfit ihre Stimmbänder aus dem Leib. Ihre Gestiken werden von der treuen Anhängerschaft erwidert. Räudige Gitarren röhren begleitet vom scheppernden Schlagzeug. Das Feeling ist ausgezeichnet. SAVAGE MASTER liefern eine überzeugende Vorstellung. Die Gitarrensektion holt aus den Verstärkern heraus, was möglich ist. SAVAGE MASTER gehören zu den es schredderig mögenden verstärkt Attitüde sprechen lassenden, dafür auf glattgebügelte Soundwichserei bewusst verzichtenden Combos. - Hauptsache es rumpelt dreckig oldschool! Nicht nur die von der Sängerin ganz schwer angetane männliche Headbangerschaft auch der weibliche Fananteil geht kräftig intensiv in wilder Bewegung das Haupthaar schüttelnd auf SAVAGE MASTER steil. Über den Gesang von Stacey Savage kursieren zwiegespaltene Meinungen und der muss nicht jedem gefallen. Gespaltene Zungen unterstellen der SAVAGE MASTER-Frontfrau, sie könne nicht singen. Viele Besucher aus der anwesenden Metallerschaft in Kassel sehen dies ganz anders. Occult angehauchte Speedfetzer und peitschende Midtempostampfer vom Typ „With Whips and Chains“ (Kult!), „Child of the Witch“, „Ready To Sin“ (Killer!) oder  „Looking For A Sacrifice“  verfehlen ihre Wirkung auf das Publikum nicht, das die Occult-Metaller bis zum Ende gebührend feiert. SAVAGE MASTER haben ihren Ruf als fesselnde Liveband in Kassel bestätigt, - das ist die Hauptsache! Nach einer Zugabe ist die Messe bereits gelesen, weshalb der Zeiger statt geplanter 90 Minuten auf 23:40 Uhr stehen bleibt.

70 Minuten (Zugabe eingerechnet) sind für einen Headliner wie SAVAGE MASTER nicht zu kurz obwohl es auf den ersten Blick für manchen vielleicht so erscheint. Angesichts des knappen Zeitlimits der schon am Sonntag wieder in Kiel gastierenden Amis erklärt sich dieser Umstand von selbst. Das mörderische Tour- Programm in dessen Rahmen bis zum 19. März jeden Tag ein Liveauftritt an einem anderen Ort vorgesehen ist, macht es umso mehr verständlich. Das erklärt alles auch wenn hinterher bei solch abruptem Ende manch langes Gesicht zurückbleibt. Meinen Respekt haben SAVAGE MASTER gewonnen. Ich sage nur: 'Danke, das ihr diesen Mammut-Trip unternahmt und hier gewesen seid'. Ein Blick auf das für alle Ungläubigen unten stehend aufgeführte Tourprogramm sagt alles. Für 15 Euronen war dieses prima gewählte Billing bezogen auf sein fan freundliches Preis-Leistungsverhältnis wirklich den Besuch wert.

Savage Master - Creature Of The Flames European Tour 2018
März
9 - Hell Over Hammaburg - Hamburg, Germany
10 - K 19 - Kassel, Germany
11 - Alte Meierei - Kiel, Germany
12 - Zille - Goppingen, Germany
14 - Gerber 3 - Weimar, Germany
15 - Szenario - Marburg, Germany
16 - MTS Music Store - Oldenburg, Germany
17 - Urban Spree - Berlin, Germany
18 - De Nobel - Leiden, Holland
19 - Colloseum - Genk, Belgium
22 - The Black Heart - London, England
23 - Nice 'n' Sleazey - Glasgow, Scotland
24 - Think Tank - Newcastle, England
26 - Thunderbird Lounge - Saint Etienne, France
27 - TBA
28 - Alte Hackerei - Karlsruhe, Germany
29 - TBA
30 - Live Stage - Innsbruck, Austria
31 - TBA

Nachwort:
Von meiner Warte bleibt zu sagen: Der Trip nach Kassel hat sich wieder einmal gelohnt. Besten Dank für alles geht an das gesamte gut aufgelegte stets fleißig etwas auf die Beine stellende 98RECORDS-Team um Dirk und Diana Schneider das – selbiges gilt auch für die MOSHPIT-CREW (!) hervorragende Arbeit leistet. – Ohne euch wäre vieles von dem, was in und um Kassel an Events für die Heavy Metalfangemeinde läuft gar nicht möglich. Alle vier Bands sowie anwesende Fangemeinde trugen ebenfalls ihren Anteil dazu bei, dass dieser Abend zu einem vollen Erfolg wurde. – Cheers Leute, - bis zum nächsten Mal!

Für die Fotos zum Bericht sorgte Dirk Schneider von 98RECORDS.