Zur Zeit finden keine Konzerte statt. Sobald es auf den Brettern wieder rund geht, bekommt Ihr hier auch wieder die Informationen dazu.


ELVENPATH

05 Elvenpath

Mailer vom 19.05.19
Interviewpartner: Till Oberboßel (git., 2. v. li.)

Homepage:
ELVENPATH

FFM-Rock:
Moin Till, meinen Glückwunsch zur Veröffentlichung eurer neuen EP „Metal O‘ Clock“. Die aktuell bekannte Situation im Hause ELVENPATH wirft dazu förmlich Fragen auf. Für eure Verhältnisse recht schnell nach der Veröffentlichung des letzten Albums „The Path Of The Dark King“ folgt „Metal O‘ Clock“. Hat dieser Release etwas mit den Abgängen von Oli Rossow (git.) und Manuel Appel (dr.) zu tun?

Till:
Hallo und vielen Dank. So ein kurzer Abstand zwischen zwei Veröffentlichungen ist ja in der Tat ungewöhnlich für uns – und dabei haben wir noch nicht einmal die DVD berücksichtigt, welche ja Ende 2019 noch rauskam, haha. Tatsächlich war diese EP schon länger geplant. Die Songs wurden in der gleichen Session aufgenommen wie das letzte Album, lediglich ein paar Gesangsparts wurden noch im letzten Winter aufgenommen und der Mix ist komplett neu. Bevor wir damals an die Aufnahmen gingen, hatten wir zum einen mehr Material, als auf ein Album passte, zum anderen wollten wir von vornherein zwei verschiedene Versionen von „One Strong Voice“ veröffentlichen. Daher haben wir damals beschlossen, ein Jahr nach dem Album noch eine EP herauszubringen. Wir haben dann erstmal alles aufgenommen und währenddessen entschieden, welche Songs auf welche Scheibe kommen sollten. Von Manuels und Olis Ausstieg Ende 2019 war damals noch nichts zu ahnen, aber so ist die EP gleichzeitig auch ein Abschied von den beiden ehemaligen Mitgliedern geworden. Neben den Songs selbst gibt es im Booklet zahlreiche Fotos aus den letzten sieben Jahren, da kann man die Zeit nochmal Revue passieren lassen.

FFM-Rock:
Nach Abgängen folgen Zugänge. Gibt es für die beiden vakanten Posten an Gitarre und den Drums schob neue Namen zu vermelden?

Till:
Der Schlagzeugposten konnte schnell wiederbesetzt werden – Erhan Söney hatte im letzten Jahr bei einigen Gigs ausgeholfen und konnte uns musikalisch wie menschlich überzeugen, daher haben wir nicht lange gesucht und ihn direkt gefragt, und er war ebenfalls interessiert. Der Gitarrenposten hingegen ist noch vakant – gerade als wir einige Auditions abhalten wollten, kamen uns die Pandemie und die Kontaktsperre dazwischen, was Proben erstmal verunmöglichte. Jetzt geht es ja mit den Lockerungen los, und wir werden nun auch wieder den Proberaum stürmen und einige Kandidaten testen.

FFM-Rock:
Die Aufnahme von „One Strong Voice“ drängt sich für Fragen zum Album natürlich sofort auf. Erzähl doch bitte mal etwas zur Idee, Auswahl der SängerInnen und der Umsetzung.

Till:
Es handelt sich um keine komplette Neuaufnahme, lediglich der Gesang ist (abgesehen vom Refrain) neu. Diese vielsprachige Version war schon geplant, als ich den Song geschrieben habe. Ich wollte gerne mal einen Song mit verschiedenen Gastsängern machen, die alle etwas in ihrer Muttersprache beisteuern, sowas hat meines Wissens noch keine andere Band gemacht. Und ein Song, der die weltweite Metalszene und ihr Gemeinschaftsgefühl behandelt, eignet sich dafür natürlich sehr. Das war auch die Motivation, den Song überhaupt zu schreiben. Allerdings kann Dragutin live keine elf verschiedenen Sprachen singen, da würde dem armen Kerl noch vor dem zweiten Refrain der Kopf platzen, haha. Also gibt es den Song live nur auf Englisch, weshalb wir auch eine englische Version veröffentlichen wollten. Die ist dann eben aufs Album gekommen, während die vielsprachige Version nun auf der EP ihren Platz erhalten hat. Neben Dragutin, der den serbokroatischen Part übernommen hat, hört man auf dieser Version: Leo Stivala (FORSAKEN, maltesisch), Kolja Schönebach (LAWMÄNNER, deutsch), Björn Asking (SEV EN THORNS, schwedisch), Laura Ferreux (ELVENSTORM, französisch), Nima Sadeghi (STEEL SHOCK, Farsi), George Thomaidis (REFLECTION, griechisch), Luc Fracois (MINDPATROL, luxemburgisch), Natasha Danzig (LADYAXE, Afrikaans), Alessio Perardi (AIRBORN, italienisch) und Maria Diese (RAMPART, bulgarisch). Es war uns wichtig, dass ausschließlich Sängerinnen und Sänger zum Zuge kommen, mit denen uns eine persönliche Freundschaft verbindet, ansonsten wäre dieser Song über eine weltweite Metalgemeinschaft auch nicht glaubwürdig. Und alle waren mit Freude dabei. Außer Dragutin war nur Kolja mit uns im Studio, alle anderen haben ihre Parts bei sich aufgenommen und uns die Daten rübergeschickt. Das war dann vor allem beim Outro, wo alle „Heavy Metal all around the world“ in ihrer Sprache singen, eine fürchterliche Bastelei, haha. Aber das Ergebnis spricht für sich, finde ich.

FFM-Rock:
Ein weiterer Song, über den es sich zu reden lohnt, ist das 17-minütige Mammutwerk „Cathedral Of The Earth“. Werden Longtracks so langsam eine Passion von dir bzw. euch?

Till:
Das sind sie schon seit geraumer Zeit, haha. Es ist aber keine Maßgabe, dass jedes Album unbedingt ein Schwergewicht mit viertelstündiger Dauer enthalten muss. Wir lieben es nun mal detailreich und ausgefeilt, da werden die Songs gerne mal etwas länger. Und auch als Fan hatte ich immer eine besondere Beziehung zu langen, komplexen Songs. Natürlich ist Länge keine Garantie für Qualität, aber wenn du mich nach meinem Lieblings-MAIDEN-Song fragst, ist „Rime of the Ancient Mariner“ immer ganz vorne mit dabei. Von RUNNING WILD verehre ich „Genesis“ besonders, von LOST HORIZON „Highlander“ usw… diese richtig ausgedehnten Songs mit vielen Stimmungswechseln haben mich immer fasziniert. „Cathedral of the Earth“ ist im Grunde ein Liebeslied an die Schönheit der Natur in ihren vielen Facetten. Ob man sich zu Bergen hingezogen fühlt, zu Wüstenlandschaften, zu Wäldern oder zum Meer, jeder kann in der Vielfalt dieses Planeten sein persönliches Paradies finden. Mit über 17 Minuten ist es unser bislang längstes Stück, wir haben erneut mit Harfe, Geige und Bratsche als Gastinstrumenten gearbeitet, haben Frauengesang eingebaut und im Mittelteil sogar Einflüsse aus dem Post Rock verarbeitet. Ich glaube, der Song bietet manches Detail, das man so nicht von uns erwartet hätte.

FFM-Rock:
Zum Cover Artwork. Euer Metaller zeigt zum ersten Mal sein Gesicht. War das mit eurem Zeichner Markus Vesper so besprochen?

Till:
Ehrlich gesagt ist mir das erst jetzt aufgefallen, da wir vorher nie die Bedingung hatten, dass unser Maskottchen sein Gesicht nicht zeigen darf. Das hat sich bei den bisherigen Covern immer so ergeben, dass er eben dem Betrachter den Rücken zuwendet. Ich weiß gar nicht, ob Markus das absichtlich gemacht hat…so wie z.B. MANOWAR nie das Gesicht ihres Metal Kings gezeigt haben. Aber unser Metaller hat eine solch geile Porno-Sonnenbrille verpasst bekommen, dass man sein Gesicht immer noch nur erahnen kann, haha.
Wir haben Markus wie immer eine detaillierte Beschreibung unserer Vorstellungen gegeben (auch dass der Metaller sich zum Betrachter hinwendet), er hat dann noch eigene Ideen hinzugefügt und erneut ein Cover geschaffen, das wir absolut großartig finden. Es ist mal was anderes für uns – nachdem wir sonst immer ein eher ernstes Albumkonzept haben, wollten wir diesmal etwas lockeres und humorvolles.

FFM-Rock:
Auf der Innenseite des Backcovers habt ihr auszugweise Negativpresse und dumme Sprüche aus den Sozialen Medien über euch veröffentlicht. Dazu hätte ich gerne mal den Grund erfahren.

Till:
Das passt zu dem optisch eher lockeren und lustigen Konzept der CD mit karikaturistischem Cover, schrägen Fotos und eben diesen Kommentaren. Wir nehmen uns gerne auch mal selbst auf die Schippe und wollten zum allgemeinen Amüsement ein paar Sprüche der weniger freundlichen Sorte der EP beifügen. Ich sammle solche Dinger gerne als Screenshots…leider habe ich zu spät damit angefangen; ich erinnere mich noch an einige kompetente Fachkommentare im Netz („FREEDOM CALL für Arme“), die aber irgendwann gelöscht wurden, bevor ich sie sichern konnte. Es war zwar nicht unsere Intention, aber man könnte diese Kommentare auch als Beispiel für die heutige Internetkultur verstehen, wo manche Leute gerne im Schutz der Anonymität ihren Verbaldurchfall ablassen und jegliches Maß verlieren, bis hin zu Morddrohungen. Das ist uns noch nicht passiert, aber es gibt genügend Beispiele anderer Personen der Zeitgeschichte, wo bei diversen Leute sämtliche Hemmungen fallen. Den ersten Menschen, der mir ins Gesicht sagt, dass ELVENPATH scheiße sind, habe ich immer noch nicht getroffen. Daher muss ich wohl weiterhin mit anonymer Lästerei im Internet vorliebnehmen.

FFM-Rock:
Eine Frage zum Stand der Dinge in Sachen Produktion eines weiteren LUCID DREAMING Albums soll mal gestattet sein. Wie sieht es dahingehend aus?

Till:
Das dritte Album ist fertig aufgenommen und wird derzeit gemischt. Uwe (Anm. Red.: Lulis, ACCEPT, Ex-GRAVE DIGGER, Ex-REBELLION) und ich wollten eigentlich schon längst damit fertig sein, aber wie üblich dauert es mal wieder etwas länger, haha. Bei so vielen Beteiligten ziehen sich die Aufnahmen halt etwas. 2020 wird das Album aber nun endlich erscheinen. Auf www.facebook.com/luciddreamingmetal könnt ihr euch über die neuesten Entwicklungen informieren.

FFM-Rock:
So, dann sind wir auch schon wieder am Ende der Fragerei. Zum Schluss bitte noch einige persönliche Worte an unsere Leser und eure Fans.

Till:
Vielen Dank für das Interesse und die Möglichkeit, dass wir uns hier breitmachen und ein bisschen über ELVENPATH erzählen durften. Bleibt gesund, hört mal in unsere neue EP rein und hoffentlich sehen wir uns spätestens 2021 wieder vor der Bühne. We will meet where the metal is!

Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

Mike von FFM-Rock                                                                                                              Foto by Elvenpath

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