PARAGON

04 Paragon 1

Mailer vom 27.04.19
Interviewpartner: Jan Bünning (b.)

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PARAGON

F-R:
Moin Jan, zunächst meinen Glückwunsch zum neuen Album "Controlled Demolition". Du hattest im letzten Herbst bei einem Chat nicht zu viel versprochen: "Unser neues Album ist total derbe ... Keine Gnade diesmal. Selbst die langsamen Nummern sind irgendwie hart..". Heute, mit einigem Abstand zu den Aufnahmen, Pressereaktionen und der Veröffentlichung, stehst du da noch zu deiner damaligen Einschätzung?

Jan:
Ja auf alle Fälle. „Controlled Demolition“ ist sicher unser härtestes und schnellstes Album. Das sind schon Stücke drauf die hart am Thrash vorbeischrammen, wie z.B. „Reborn“ oder auch „…Of Blood And Gore“. Es war in dem Sinne keine bewusste Entscheidung, obwohl wir die letzten Jahre mit erschrecken feststellen, das die klassische Metal-Szene zum großen Teil immer mehr verweichlicht und austauschbarer wird. Es gibt zwar auch einige echt großartige neue Bands, aber es wird auch vieles langweiliges hochgejubelt und mir persönlich fehlen oft die Ecken und Kanten, gerade bei den Sängern. Buschis Gesang muss man nicht mögen, aber davon mal abgesehen das er ein technisch guter Sänger und Super-Frontmann ist, hat er hat einen absoluten Widererkennungswert.

F-R.:
Interessant fand ich damals auch deine Vergleiche mit den Einflüssen auf "Controlled Demolition", namentlich "OVERKILL, EXODUS, TESTAMENT“. In vielen Rezensionen werden jedoch auch Parallelen zu ACCEPT, GRAVE DIGGER bis hin zu DESTRUCTION aufgezählt. In welcher Nähe siehst du PARAGON mit "Controlled Demolition" heute, wenn man das überhaupt generell festlegen kann, denn für mich ist das einfach ausgedrückt schlichtweg ein weiteres rassiges neues Album?

Jan:
Habe ich echt TESTAMENT gesagt? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen obwohl ich sie mag! :-) (Anm.: Hast du! Copy & Paste belegen das mein Lieber). Aus unserer Vorliebe für alte ACCEPT haben wir nie einen Hehl gemacht. Das war es aber auch als Einfluss aus Deutschland. Da wurden ja auch schon mal HELLOWEEN oder GAMMA RAY genannt. Aber da kommt es glaube ich eher daher, dass diese Bands dieselben Einflüsse wie wir haben. Wie bei uns einige Kritiker aber DESTRUCTION oder sogar KREATOR raushören, ist mir ein absolutes Rätsel. Ich respektiere die Bands und deren Erfolg, aber bei Thrash Bands sind das eher US Einflüsse wie OVERKILL, EXODUS oder SLAYER. Von OVERKILL und SLAYER haben wir ja sogar schon Songs gecovert. Der GRAVE DIGGER Vergleich kommt regelmäßig. Vom Härtegrad geht es in eine ähnliche Richtung, wobei wir schon eine ganze Ecke härter sind, aber was Riffs und Melodien angeht, geht es in eine ganz andere Richtung. Ich vermute, dass einige Leute meinen Buschis Stimme ist ähnlich, aber Chris klingt zu 90% der Zeit viel viel rauer. Im Endeffekt gibt es immer gewisse Bands die wir alle geil finden und das sind METAL CHURCH, OVERKILL, ECODUS, MERCYFUL FATE, alte ACCEPT, alte MAIDEN und natürlich JUDAS PRIEST. Wenn du Musiktheoretiker wärst, könntest du wahrscheinlich einzelne Riffs und Teile der einen oder anderen genannten Band zuordnen. Im Endeffekt auch drauf geschissen. Wir haben und über die Jahre unseren eignen Stil erarbeitet, aber die Leute wollen trotzdem immer vergleichen…

F-R.:
Klasse an PARAGON finde ich die Konstante zu musikalischen Auslegung über die jetzt 12 Alben. Ihr seit über die Jahre trotz einiger Besetzungswechsel eurem Stil treu geblieben, seid keinem Trend aufgesprungen und habt mit Sicherheit nicht nur durch die Stimme von Andreas „Buschi“ Babuschkin einen deutlichen Wiedererkennungswert. Woran liegt das?

Jan:
Naja, wir müssen ja nicht von der Musik leben. Ist ja nur ein (professionelles) Hobby. Insofern schreiben wir Songs, die wir auch auf einen Album hören wollen, welches wir uns kaufen würden. Da muss man halt keine kommerziellen Zugeständnisse machen um die Verkaufserwartung einer Plattenfirma zu erfüllen oder um genug Geld zum Leben zu haben. Klar will eine Plattenfirma auch mit uns Geld machen, aber bisher sind die Verkaufszahlen immer gut gewesen und solange wir genug Geld machen, um davon dann auch weitere Alben zu machen, wird sich das auch nicht ändern.

F-R.:
Hat sich bei den Textinhalten auf "Controlled Demolition" im Vergleich zu den früheren Alben etwas geändert?

Jan:
Ja, auf alle Fälle. Buschi ist meiner Meinung ein echt guter Texter. Früher ging’s ja eher in die Fantasy Richtung und eben die üblichen Metal Themen. Seid ein paar Alben sind es aber eher so dystopische Themen wie Überbevölkerung („Abattoir“), der Traum vom ewigen Leben („Timeless“), der neue Populismus („Reborn“) und das wir uns durch unsere menschliche Überheblichkeit immer mehr auf das Ende der Welt zu bewegen („Blackbell“).

F-R.:
"Controlled Demolition" ist bestückt mit 11 Songs. Da gibt es bestimmt doch 1 – 2 Favoriten, die du jemandem zum Anhören empfehlen würdest, der noch zögert, ob er sich das Album nun zulegen soll oder nicht? Da es die bestimmt geben wird, erkläre doch bitte auch gleich warum genau diese Songs.

Jan:
Recht schwierig. Das gibt es täglich wechselnde Faves und in den Reviews werden auch immer andere Faves genannt. Spricht für die Qualität des Albums denke ich. Wenn ich aber muss, dann „Reborn“ und „Mean Machine“. Ersteres, weil es eins der härtesten Songs von uns ist, aber trotzdem einen sehr melodiösen Refrain und einen mächtigen Soloteil hat; letzteres, weil es ein einfach total Bock macht die Nummer zu spielen und es mit seiner Eingängigkeit sofort ins Hirn frisst.

F-R.:
Für "Controlled Demolition" seid ihr wieder zum eurem früheren Label Massacre Records zurückgewechselt. Was war hierfür der Grund?

Jan:
Remedy Records sind nach wie vor ein sehr kleines Label das von zwei Personen geführt wird. Außerdem müssen sie sich noch um ihren Laden, ein Festival und neuerdings noch um einen Metal-Pub auf den Kiez kümmern. Da liegen die Prioritäten dann eher woanders als bei uns als Band. Thomas (Anm.: Hertler, A&R Manager) kam 2017 nach unserer Show beim Bang Your Head sofort auf uns zu und machte uns ein Angebot. Das war schon sehr gut. Nachdem wir aber noch ein paar Punkte geändert haben, konnten wir einfach nicht nein sagen. Wir sind auch ein Schwerpunktthema beim Label und das merken wir gerade auch. Da geht schon mehr Promo als jemals zuvor. Thomas von Massacre will sich wahrscheinlich auch den Backkatalog besorgen und die Alben dann wohl auch noch mal alle auf Vinyl rausbringen, sofern noch nicht geschehen. Es wird auf alle Fälle spannend!

F-R.:
Thema PARAGON Platten Cover. Auch hier lässt sich eine Konstante feststellen: der Schädel. Hat die eher schlichte Gestaltung eurer Front Cover eine Bedeutung oder einen Hintergrund?

Jan:
Wir hatten ein paar andere Ideen zum Cover passend zum Titel, z.B. ein großes Raumschiff in „PARAGON-Stern“-Form, das die Erde zerstört, einen Panzer im PARAGON Stil, der durch ein Schlachtfeld pflügt etc. Im Endeffekt war uns das aber alles zu unkonkret für ein kleines CD Cover. So ein Motiv muss ja auch auf einem T-Shirt gut aussehen. Als Aldo Requena dann uns den Entwurf zum Cover schickte, wussten wir das passt. Von den ursprünglichen Ideen ist nur noch die Säge übrig geblieben.

F-R.:
Im nächsten Jahr steht euer 30-jähriges Bestehen an. Mal vorsichtig angeklopft, ist dazu schon irgendein Special geplant oder lasst ihr das eher locker angehen?

Jan:
Uns spuken ein paar Ideen durch den Kopf. Allerdings sind das teilweise Sachen, die auch Geld kosten würden und deshalb erstmal finanziert werden müssten. Vielleicht würden wir sogar mal ein Crowdfounding wagen, wenn wir es nicht wuppen bzw. Massacre es nicht unterstützen würden. Mal sehen, richtig konkret ist aber noch nichts.

F-R.:
Diese Frage bekommen alle meine Interviewpartner gestellt. Du hattest sie auch schon mal in 2012 gestellt bekommen. Viel Zeit ist seit dem vergangen. Kannst du mal eine weitere lustige Anekdote von einer Show oder aus dem Proberaum zum Besten geben, die noch nicht veröffentlicht wurde?

Jan:
Da fällt mir tatsächlich sofort etwas ein. Wir hatten letztes Jahr eine kleine Spanien Show. Bei der ersten Show war ein echter Hardcore Fan, der die ganze Zeit wie verrückt gebangt hat. Bei einen der letzten Songs, „Impaler“, hatte er dann plötzlich eine Art Standarte, sprich einen Stock mit einem Ziegenkopf draufgespießt, in der Hand. Buschi dachte das wäre nur so ein Halloween Scherzartikeln. Als der Typ ihm das Teil aber freudestrahlend in die Hand drückte, merkte er wie das Blut und sonstiger Siff von dem Teil auf seine Hand liefen. Roch auch nicht so schön. Aber was soll man sagen, “The Show must go on”, Ha Ha…

F-R.:
So, dann zum Abschluss noch deine persönlichen Worte an unsere Leser und eure Fans.

Jan:
Danke erstmal an euch für die Unterstützung und auch das viele positive Feedback unserer treuen Fans. Das macht die Nummer nach all der Zeit auch immer noch spaßig!

Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

Mike von FFM-Rock                                                                                                Foto © by Stefan Malzkorn

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