INSOMNIUM - Netherworlds

VÖ: 16.10.26
(Century Media Records/Sony)
Genre:
Melodic Death Metal
Homepage:
INSOMNIUM http://www.insomnium.net
Will man sich musikalisch zu getragenen Melodien in finnische Dunkelheit begeben, hierbei in ein wenig Mystik eintauchen und dabei noch alte Sagen des Landes erzählt bekommen, dann ist man seit jeher bei INSOMNIUM sehr gut aufgehoben. Daran ändert sich auch auf dem nunmehr zehnten Longplyer „Neverworlds“ nichts. Aus einer scheinbar nicht enden wollenden Quelle sprudeln auch diesmal über die zehn neuen Tracks hinweg melodiös anmutende melancholische Melodien, die keinen Vergleich mit anderen Bands suchen müssen. Ok, vielleicht mit den Landsleuten von Amorphis, aber die agieren etwas härter ausgelegt.
Insomnium haben sich über die Jahre vom ursprünglichen Melodic Death Metal gelöst und lassen diesen mehr oder weniger nur noch in der gesanglichen Basis mit einfließen. Heute und hier auf der neuen Platte agiert man mehr mit Power metallischen oder melancholisch doomigen Elementen und kreiert so einen Ohrwurm nach dem anderen. Mit einem gelungen, eigeninterpretierten Henry Purcell Cover aus der King Arthur Oper von 1691, wird der Ritt in die Unterwelten eingeläutet und schon der erste Track, das höchst melodiöse „Shadowlife“, nimmt einen mit auf diese Reise. Vom Tempo her zieht danach „Remembrance“ die Zügel etwas an, bleibt aber in ähnlich musikalischen Gefilden. Immer und immer wieder fließen hierbei diese zum Träumen einladenden Gitarren-Soli mit ein. Diese bestimmen mit den Melodiebögen und Chören u.a. auch die nächsten Songs der Tracklist Reihenfolge, wobei wir hier von den Album-Highlights sprechen. Angefangen mit „Gleam In The Black“, dem gottgleichen 8-Minuten Epos „The Hour Grows Late“, hierzu holte man sich mit Tomi Joutsen (voc.), Santeri Kallio (key.) und Tomi Koivusaari (git.) gleich drei AMORPHIS Musiker als Gäste aufs Album, um diesen Song final zu veredeln, danach „Arch Of The Sky“ und zu guter Letzt „Pathways Of The Night“. Alles Stücke, die angelehnt an die letzten beiden Veröffentlichungen ("Heart Like A Grave", 2019; "Anno 1696", 2023), direkt daran anknüpfen, ohne sich dabei jedoch wirklich selbst zu kopieren – es ist eben diese gewisse Handschrift, woran man die Musik von INSOMNIUM einfach erkennt. Mit dem fast schon balladesken „Ethereal Sleep“ bewegen wir uns gefühlt zurück in die Zeit der Veröffentlichung von „One For Sorrow“, also ins Jahr 2011. Fans dieses Album-Meilensteins werden den Gänsehautfaktor-Song lieben, auch wenn er gegenüber den bisherigen Stücken etwas aus dem Rahmen fällt.
Fast schon thrashig anmutend reißt dich das nun folgende „The Banished“ brutal aus all dein Träumen, ehe recht theatralisch, in akustisch ruhiger, erzählerischer Form „Journeys End“ dich aus deiner Reise wieder zurück in den Alltag begleitet.
„Netherworlds“ ist ein INSOMNIUM Album mit allen Trademarks des Quartetts und doch ist es anders. Fast bin ich geneigt mir die Frage zu stellen „Wohin geht die musikalische Reise jetzt?“ – aber das stelle ich erst einmal zurück und genieße für den Moment diesen genialen Longplayer namens „Nerverworlds“.
Punkte: 9/10

