ANTHRAX - Cursum Perficio

VÖ: 18.09.2026
(Nuclear Blast)
Genre: Modern/Thrash Metal
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ANTHRAX
Manche Bands können die Pandemie nicht mehr als Grund anführen, weshalb ihr neues Werk so lange gedauert hat. Immer länger werden die Pausen zwischen den kreativen Abschnitten der New Yorker Thrashkings. Sicher sind die live sehr präsent, und hat Drummer Charlie Benante zusätzlich noch mit der PANTERA-Reunion zu tun, aber neun Jahre sind schon eine ziemliche Ewigkeit. Dabei waren ANTHRAX Mitte des letzten Jahrzehnts nach all den Irrungen und Wirrungen um das Comeback von Jey Belladonna wieder voll da. Kann uns „Cursum Perficio“ für die Wartezeit entschädigen, oder ist gar gemäß dem Titel die Reise zu Ende?
Was derzeit geschäftlich da läuft, ist nicht immer so zu durchschauen, aber eine Frage schießt einen schon zu Beginn durch die Synapsen: Ist John Bush heimlich zurückgekehrt? Schon das Intro „Persistence Of Memory“ versprüht mit seinem dunklen Industrialcharme einen Hauch jener Ära, und „The Long Goodbye“ würde manch Anhänger auf „Sounds Of White Noise“ verorten, die stampfenden Riffs atmen klar dessen Geist. Zumindest beruhigen sich die Nerven bei Einsetzen des Gesangs wieder, der Interimssänger ist derzeit mit ARMORED SAINT schwer unterwegs und das ist eindeutig die charakteristische Stimme von Belladonna.
Ging es auf „Worship Music“ und „For All Kings“ zurück zu alten Thrashtagen, so scheinen sich die Herren von der allgemeinen 90er-Retrowelle mitreißen zu lassen. Klar erinnert vieles an deren Geschichte, jedoch nicht an die mit ihrem aktuellen Frontmann. Prägnante Gitarrenthemen waren zwar schon immer ein Markenzeichen, nur schossen die eher nach vorne, denn zu grooven.
Staccatos machen noch lange keinen Thrash, speziell wenn die Drums dahinter spielen wie in „Watch It Go“, am Ende bleibt eher das noisige Fiepen der Gitarren hängen. Mit METALLICA konkurrierten ANTHRAX zu Beginn, später wurden beide als Mitglied der „Big Four“ geehrt. Dass sie aber mal nahe an dessen „St. Anger“ kommen würde, hätte die Welt vor „T.O.M.B.“ auch nicht gedacht.
In den dunklen Neunzigern gab sich der Fünfer von der Ostküste wie die übergroßen Helden auch mal rockiger. Hier kann sich „Everybody´s Got A Plan“ durchaus als Nachfolger von Liedern wie „Cadillac Rock Box“ etablieren. Punk feierte seinerzeit auch seinen zweiten Frühling, wenn man sich jener Dekade erinnert, dann kommen Stücke wie „NYC 93“ mit seinen Gangshouts dabei heraus.
Wie gesagt, es ist nicht einmal die Ausrichtung des Materials, sondern vielleicht auch die inkonsequente Umsetzung. „Infectious“ wird von einem schleppenden modernen Riff eingeläutet, bevor dann in der Strophe die sechs Saiten eher traditioneller sägen. Manches Riff klingt mitunter sogar fast progressiv, ein Genre, dem „Cursum Perficio“ im Titelsong und „The Edge Of Perfection“ verdammt nahekommt. Überraschend atmosphärische Passagen wechseln sich mit gradlinig nach vorne gerittenen Attacken ab.
Gerade letztgenannter Song bringt mit Blasts zu einem verhältnismäßig getragenen Refrain einen interessanten Kontrast rein, hier prallt einiges aufeinander. Noch mehr cleane Gitarren fährt „Cursum Perficio“ auf, dazu eine melodische Bridge und ein ungewöhnlich hymnischer Chorus, trotz allen Tempowechseln sehr nachvollziehbar. Joey Vera war mal kurz dabei, der nun schon lange bei FATES WARNING ist, und so würde es ungefähr klingen, würden die „Armed And Dangerous“ covern.
So mancher wird schon auf der Suche nach dem guten, alten Thrash Metal, die flirrende Fan-Verbeugung „It´s For The Kids“ gibt eine der spärlichen Antworten. Wenigstens darf man sich dann gleich noch über einen Moshpart freuen, sowie mitgrölkompatible Melodien. An denen mangelt es nämlich ziemlich auf dem zwölften Longplayer, vieles wirkt einfach zu zerfahren, Abwechslung in allen Ehren. Da hilft auch das super fiese Grundriff des abschließenden „My Victory“ nebst so richtig kantigen Gitarren nichts. Davon hätte man sich zuvor einen ganzen Strauß gewünscht, so bleibt unterm Strich schon eine gewisse Enttäuschung.
6,5 / 10

