BUSH - The Sea Of Memories

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VÖ: 25.09.2026
(earMUSIC/Edel)

Genre: Alternative Rock

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BUSH

Anfangs noch als NIRVANA-Kopie belächelt, entwickelte sich die Formation zu einer der populärsten Alternative-Rockbands der Insel. Klar profitierte man in den Neunzigern vom Zeitgeist, später auch von der medienwirksamen Liaison von Frontmann Gavin Rossdale. Zusammen mit Gwen Stefani von NO DOUBT bildeten die beiden das Glamour-Paar in einer Ära, die eigentlich nicht glamourös sein wollte. Normalerweise bringen Bands Neuauflagen von ihren bahnbrechenden Alben heraus, BUSH nehmen sich stattdessen ihrem Comeback-Album von 2011 an, das sein fünfzehnjähriges Jubiläum feiert. Mit „The Sea Of Memories“ startete der kommerziell weniger erfolgreiche, aber produktive Abschnitt ihrer Karriere.

In der Tat hatte sich der Vierer damals von seinen Wurzeln etwas verabschiedet, und einer etwas songdienlich-wärmeren Richtung Platz gemacht. Neben dem auch für Grunge typischen emotionalen Gesang ist es vor allem der Bass von Corey Britz, der unterschwellig im Opener „The Mirror Of The Signs“ viel Arbeit verrichtet. Viel Input kann er zudem im flirrenden „The Afterlife“ bieten, oder im melancholisch-weiten „The Heart Of The Matter“. Das hat fast etwas von Post Punk in der Version der frühen U2, die bei „Stand Up“ durchscheinen. Ohnehin wurden die amerikanisch – kommerziellen Überlegungen über Bord geworfen, dafür eine britischere Songanlage gewählt.

Was besonders auffällt, wenn noch leichte Folkanleihen in die Kompositionen eingewoben werden. Das leichte „Red Light“ tendiert nicht nur wegen der Marschtrommel zu RUNRIG, während ich beim stoisch-schwermütigen „The Sound Of Winter“ tatsächlich nachschauen musste, ob das kein NEW MODEL ARMY-Cover ist. Am interessantesten ist „She´s A Stallion“ gestaltet, zu Beginn fast eine dröhnende Fassung von BILLY IDOL´s „White Wedding“, knarzen die vier Saiten wieder in Post Punk-Manier los.
An ihre Anfangszeiten gibt es nur noch wenige Reminiszenzen, am klarsten in „All My Life“ mit seinem ALICE IN CHAINS-Lick. Richtig punkig geht es in „I Believe In You“ zu, wobei beide Lieder sehr melodische Refrains aufweisen können, wie der Brit Pop von „Baby Come Home“. Es sind die ruhigen Stücke, denen die kraftvolle Produktion von Bob Rock am besten tut, „All Night Doctors“ kommt trotz Piano und Streichern nicht zu dick aufgetragen. Sphärische Synthies mit Achtziger-Appeal findet man im abschließenden „Be Still My Love“.

Mit „The Sea Of Memories“ schwammen sich BUSH frei, auch von den Anforderungen des Business, und kreierten ein bei aller Vielfalt stimmiges Werk. Der „15th Anniversary Edition“ liegt eine Bonus-CD bei, die mit „Love Will Tear Us Apart“ gleich weiteren Achtziger-Alternative bringt. Scheinbar handelt es sich aber hierbei um einen nie fertiggestellten Rough Mix, der Wohlklang des ursprünglichen Albums geht hier ab. Aus den Aufnahmesessions könnte „Ghosts“ stammen, das mit lauernder Atmosphäre überzeugt, die im Chorus explodiert. Dann covern Rossdale & Co. doch noch, „Landslide“ von FLEETWOOD MAC bringen sie live, und hauchen ihm eine alternative Seele ein.

Die größte Überraschung stellen die drei Remixe vom originalen Album dar, welche dem geneigten Rockhörer einiges abverlangen. Junior Sanchez zerlegt ein wenig die Stimmung von „The Heart Of Winter“, baut aber mit flirrenden Flächen neue auf. Nach dem Refrain kommt ein Neunziger-Dancebeat, der seltsamerweise dazu passen will. Da verlangen die weiblichen Rap Skills der Washroom & Bass Over Babylon-Bearbeitung von „The Afterlife“ schon mehr Geduld ab. „All Night Doctors“ hält sich noch weitestgehend am Original, nur zum Ende hin setzt dezente Elektronik ein, insgesamt tönt die Nummer rauer. Am Ende kann man froh sein, dass BUSH eine andere Hauptströmung der Neunziger bedient haben, der auf dem Album gut gereift ist.

7,5 / 10