MYRATH - Metz

09 Myrath Metz 01Konzert vom 17.09.2026

Support: ROSES OF THIEVES

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MYRATH
ROSES OF THIEVES

Derzeit wird das Eisen sehr heiß geschmiedet, nur zwei Jahre zwischen zwei Studioalben, dazwischen noch eine Retrospektive. Die Tunesier geben richtig Vollgas, was sich auch in den rücklings komplett vollbedruckten Tourshirts ausdrückt. Mit „Wilderness Of Mirrors“ brachten sie wieder mehr Prog und orientalische Einflüsse rein, um ihre Identität zu schärfen. In ihrer Wahlheimat Frankreich schon seit Jahren eine der populärsten Metalbands, machen sie alleine dort zehnmal Station. Den Auftakt bestritten MYRATH im grenznahen Metz, wo sie wie bei der gesamten Tournee von den Ungarn ROSES OF THIEVES begleitet wurden.

Der Club Les Trinitaires befindet sich oben auf dem Hügel Sainte-Croix, und ist in einem alten Kloster gegenüber der Kirche Sainte-Ségolène beheimatet. Teilweise sind die alten Kreuzgänge in die Architektur der Spielstätten mit eingegliedert und geben ein ganz besonderes Flair. Um den Innenhof herum sind mehrere Säle für alle möglichen Kulturveranstaltungen angeordnet, das Konzert fand in der Kapelle statt. Der wichtige Standort wird von einem jungen engagierten Team betrieben, wobei vor allem die Erlaubnis das ganze Konzert im Graben zu fotografieren ein netter Zug war.

ROSES OF THIEVES
Um ehrlich zu sein habe ich mir kein Bild der Band im Vorfeld machen können, da ich recht kurzfristig auf das Event aufmerksam wurde. Leider wird oft verpasst, grenznahe Konzerte bekannt zu machen, ein Umstand, den auch Luxemburg betrifft, das ja partiell deutschsprachig ist. Der Sprache mächtig war auch Ivett Dudás, die Sängerin, wobei sie hier natürlich auf Englisch setzte. Gekleidet in ein eher Gothic-Outfit kam sie hereingestürmt, und war ganze Zeit über unglaublich aktiv. Dass sich da bei der relativ kleinen Bühne niemand gegenseitig umrannte war ein Wunder, denn ihre Kollegen waren nicht minder bewegungsfreudig.

Wobei beim geneigten Zuschauer zu Beginn die Besetzung schon Interesse weckte, denn Bandleader Dominik Hristov-Todorov hate sich ein Akkordeon umgeschnallt und unter dem Kinn von Tamás Bárdos klemmte eine E-Geige. Wobei der folkloristische Anteil bei ihnen gegenüber vergleichbaren Acts wie KOORPIKLAANI geringer war. Im Gegensatz dazu wiesen vor allem die Songs des Debüts „Gateway To Utopia“ wie „Be The Captain“ oder „Blunderbuss“ Danceflooreinflüsse auf. Das ließ eine gewisse Nähe zu modernen Power Metalbands wie AMARANTHE oder BEAST IN BLACK nicht verhehlen.

Der Großteil stammte vom aktuellen „Demons Ascend“, von dem das den Gig eröffnende „Fend Off The Dark“ schon etwas auf die Folkspur lockte. Zu gefallen wussten auch das epische „Not Your Fate“ sowie der treibende Rausschmeißer „White Wolf“. Mit dem hymnischen „Taste Of Freedom“ konnte das Publikum gut einbezogen werden, von dem mit der Zeit immer lauterer Zuspruch kam. Die meisten Reaktionen erntete aber ein Cover, das die Spaßseite der Truppe betonte. Natürlich kannten fast alle Anwesenden den 80er Pop-Hit „Boys (Summertime Love)“ und sangen lauthals mit, grenzwertig ist die Nummer schon.

Gerade zu dem Rhythmus taten die Musiker das, was sie augenscheinlich am liebsten machen – rumhüpfen. Egal mit welchem Instrument, die Waden bekamen die fünfzig Minuten ordentlich zu spüren, wie erwähnt blieb niemand auf seinem Fleck. Miklós Kovács hatte sich seinen Sechssaiter sehr hochgeschnallt, und feuerte flotte Riffs heraus. Bei den Soli musste er sich strecken, um nicht zwischen den anderen Leadinstrumenten unterzugehen.
Zum Glück verstanden es ROSES OF THIEVES ihre Kompositionen nicht zu überfrachten und sie so nachvollziehbar zu machen. Dafür sorgten auch die simplen und effektiven Arrangements, die Imre Togyeriska von hinten beisteuerte. Wobei er sich etwas eingeengt vorgekommen sein muss, wenn all seine Kollegen so wird vor ihm umhersprangen, gerade Hristov-Todorov und Kovács tauschten immer wieder die Seiten und feuerten die Menge an.

Am meisten Meter spulte ihre Frontfrau ab, die auch bei anderen Bands involviert ist, unter anderem den Avantgardisten THY CATAFELQUE. Trotz ihrer jungen Jahre konnte sie schon reichlich Erfahrung ausspielen und wusste genau, wie sie mit dem Auditorium umgehen musste. Stimmlich trotz der Bühnengebaren absolut sicher, war sie der Fixpunkt der Show, suchte aber auch immer den Schulterschluss zu ihren Mitstreitern. Neben der vielen Bewegung verlieh sie mit theatralischen Posen der jeweiligen Stimmung mehr Ausdruck. Mit der Show dürften einige offen Metalfans auf diese ungewöhnliche Combo aufmerksam geworden sein.

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MYRATH
Dann ging erstmal ein Licht auf, als die maurischen Gemäuer vom Cover des aktuellen Longplayers, die die Backdrops bildeten gut in Szene gesetzt wurden. Stand der Support doch eher im Dunklen, was man aus der Zeit kennt, in denen solche Gebäude in ihrer ursprünglichen Version genutzt wurden. Kevin Godfert tauchte als erster in dem Ambiente auf, leitete den Opener ein, der auch die Scheibe eröffnet.
Sein Federumhang schien aus der selben Schneiderei zu kommen, wo auch Tobi von NESTOR einkauft. Beileibe nicht die einzige Theatralik im Auftreten, zumal ihre Musik diese transportiert, so trommelte Morgan Berthet die ganze Zeit mit einer Gladiatorennetzmaske. Allerdings blieben die Showelemente diverser Festivals außen vor, Feuer und Tänzer hatten schlicht keinen Platz, so konnten sich die Fans ganz auf die Musik konzentrieren.

Konzentriert war auch die Darbietung der Saitenfraktion, die sehr auf ihr präzises Spiel achteten und beileibe nicht das Stageacting performten wie die Vorband. Klar sind die Riffs von Malek Ben Arbia sehr komplex, ein wenig mehr als Kopfnicken hätte er schon anbieten können. Anis Jouini ging mehr umher, wenn auch gemächlichen Schrittes, sonst zupfte er seine dicken Saiten mit aufreizender Lässigkeit, obwohl seine Läufe sicher nicht simpler gestaltet waren.
Wenn sich die beiden dann mal trafen, wurde es gerade für Freunde des gepflegten Gefrickel interessant. Da ihre Linien ähnlich angelegt sind, müssen sie auch dementsprechend greifen, die synchronen Sprünge am Hals entlang sorgten für reichlich Schauwerte. Was auch für ihre Arbeitsgeräte galt, die beide einen kleinen Kopf besaßen und unten am Korpus gestimmt wurden, speziell die Gitarre war insgesamt verhältnismäßig klein konfiguriert.

Durch ihr bedächtiges Auftreten lag es alleine an Zaher Zorgati den Raum auf den Brettern zu füllen, was dieser mit Bravour erledigte. Mittlerweile zu einem tollen Frontmann gereift, der sein Publikum mühelos im Griff hatte, strahlte er in seinem Umhang eine gewisse Magie aus. Passend dazu legte er viele Posen hin, welche die Emotionen seiner Songs unterstützten, vom Kniefall bis zu weit offenen Armen. Stimmlich konnte der Sänger genauso überzeugen, kraftvoll und mit viel Leidenschaft prägte er die Songs, sogar bis in allerhöchste Höhen unglaublich sicher. Bei einem Song wurde er von der guten Ivette unterstützt, mit der er sich stimmlich als auch von der theatralischen Darbietung perfekt ergänzte.

Hinten lieferte Berthet den Groove dazu, der ebenso ungewöhnlich ausfiel wie ihre ganze Mischung unterschiedlicher Stilistiken. Das Kit, mit wenig Toms sehr niedrig gebaut, eröffnete es eine gute Sicht auf seinen Swing, mit dem er immer nach links ausbrach. Dabei nutzte er viel die ganz tiefe Pauke, um Parts wuchtig zu betonen, in der Zugabe durfte er noch mit einem starken Solo ran.
Codfert gewährte auf dem rechten Riser mit seinem gekippten Synthesizer auch viel Einblicke, wobei er sich meist auf die flächigen Sounds und das Piano konzentrierte. Die ganzen orientalischen Klänge spielte er mit Samples und Loops dazu ein, was die Bühnendynamik ein wenig einschränkte. Gerne würde ich die Band mal mit orchestralen und landestypischen Instrumenten sehen.

Die starke Betonung auf das neue Werk war trotz der dazugehörigen Konzertreise bemerkenswert. Gerade der starke Vorgänger wurde mit gerade mal einem Song direkt an zweiter Stelle abgespeist, die ersten beiden Alben kamen gar nicht zum Einsatz. Es waren vor allem die Durchbruchsalben der späten Zehnerjahre, deren Hits die meisten Reaktionen hervorriefen, die deswegen ans Ende des Sets gepackt wurden. Zu dem Zeitpunkt war die Stimmung ohnehin auf dem Siedepunkt, zwischen jedem Lied wurde die Band angefeuert, was die Musiker sichtlich gerührt zur Kenntnis nahmen. Einen großen Chor gab es bei der abschließenden Powerballade, die mit viel Herzblut vorgetragen wurde.

Um die Verbindung zu verdeutlichen begab sich Zorgati in der Zugabe hinunter inmitten der Menge und bot noch mehr Hingabe. Wobei MYRATH ohnehin ein verbindendes Element zwischen den Kulturen darstellen, Menschen mit Metalbackground und eher weniger feierten gemeinsam, sowas kann nur die Kraft der Musik. Da störten auch die französischen Ansagen wenig, die Kommunikation war auch für nichteinheimische verständlich. Ganz groß, wie dann beim letzten Song die Band sich zurücknahm, eine Seite des Publikums die „Ahahah“-Chöre brachte, die andere immer wieder die Zeile „Believe and carry on“. Ein bewegender Abschluss eines ungewöhnlichen Abends.

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Setlist MYRATH:
The Funeral
Into The Light
Born To Survive
Until The End
The Clown
Through The Seasons
Tales Of The Sands
Merciless Times
Still The Dawn Will Come
Edge Of The Night
No Holding Back
Dance
Breathing Near The Roar
Soul Of My Soul
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Endure The Silence
Les Enfants De Soleil
Jasmin
Believer

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