MASTODON - Marrow Deep

09 mastodon

VÖ: 28.08.2026
(Loma Vista Recordings/Concord Records)

Genre: Sludge/Progressive

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MASTODON

Sicher eines der schwersten Aufnahmeprozesse der Rockgeschichte, getragen von Trauer, wobei nicht mal um Familienmitglieder, welche die Musiker des Sludge-Geschwaders zu betrauern hatten. Mit dem früheren Sänger und Gitarristen Brent Hinds verkrachte man sich, so dass dessen Ausstieg unvermeidlich war. Leider hatten die drei übrigen nie die Möglichkeit, sich mit ihm auszusprechen, denn nur fünf Monate später starb dieser bei einem Motorradunfall. Hoch anzurechnen ist es MASTODON, dass sie die Arbeit fortführten und ein Jahr später den lang erwarteten Nachfolger von „Hushed And Grim“ vorzulegen. Der war seinerzeit schon etwas melancholisch, wird die Stimmung auf „Marrow Deep“ noch gesteigert werden?

„Barbarians Blood“ gibt darauf erst mal wenig Antwort, wobei die Truppe bei allen Openern stets beweisen musste, was sie draufhat. Unendlich tief zieht das Riff herunter, wobei es einen Haken nach dem anderen schlägt. Die klagenden Vocals kann man hingegen als Hinweis deuten, bevor die sechs Saiten plötzlich flirren, und es im Hintergrund ordentlich blubbert. Hatte ich beim Vorgänger eine vage Nähe zu ENSLAVED ausgemacht, so würde ich den Ausflug nach Skandinavien diesmal ins Reich von OPETH sehen. Nicht von ungefähr, denn mit der personellen Neuausrichtung kam Liveaushilfe Joao Nogueira als fünftes Mitglied an den Tasten dazu. Sogleich darf er sich hier mit einem Moogsolo austoben, und für weitere Klangfarben in dem bunten Mix sorgen.

Ein Hauch von Siebzigern wehte schon seit der stilistischen Öffnung weg von der reinen Sludge-Lehre über dem Output der Band, der hier direkt auffrischt. Dabei haben es diese Einflüsse im weiteren Verlauf der Scheibe schwer, bis am Ende die zwei längsten Tracks sich knietief reinwühlen. Um das möglichst authentisch rüberzubringen hat man jemand gefragt, der sich damit auskennt, das Bassintro von „The Vanishing“ kann so nur von Geezer Butler stammen. In der Folge hat man die Hausaufgaben, die der Oberlehrer des Doom aufgab bravourös gelöst, das zähe Riff mündet in verzerrten Gesang, der sich offensichtlich bei „Planet Caravan“ bedient. Hier darf auch der neue Bruder im Geiste seinen Tastenzauber hinzufügen, bevor Gesangsharmonien davonschweben.

Das abschließende „The Three Fates“ legt im Gegensatz dazu direkt los, bringt aber eine gewisse geradlinige Rockigkeit rein, die hymnisch anschwellen kann. Aus dem Nichts tauchen Soundscapes zu Sprechgesang auf, der derart diabolisch tönt, dass selbst der Gast von der Nummer zuvor erblasst. Das nächste Zwischenspiel fällt dann jazzig-verdreht aus, jedoch ohne an der Härteschraube zu ziehen, diese bringt am Ende die Hammond in Gang.
Es sind solche Momente, die an ruhigen Phasen der sabbathschen Schaffenskunst erinnern, welche ebenso tief in progressiven Gefilden waten. Wie das Vorbild Mitte der Siebziger gelingt es auch MASTODON harte Passagen auf ebensolche prallen zu lassen. „Poisonous Weapons“ bricht gewaltig los, die Screams wie in Anfangszeiten, bevor auch hier der Refrain sehr süßlich geriert. „Your Ghost Again“ groovt brutal in der Strophe, bevor der Refrain eingängige Zeilen anbietet.

Die vielen Sprünge in den Songs sind generell nicht falsch und erhalten die Langzeitwirkung, weil man sie nicht beim ersten Mal erfassen kann, „Marrow Deep“ liefert ein Füllhorn an cleveren Ideen. Ohnehin hat sich die Formation nicht weit von dem entfernt, wofür sie die letzten zwei Dekaden stand, kompositorisch ist das weiterhin klasse, auch ohne den Wahnsinn von Hinds. Gut eingelebt hat sich der neue Gitarrist Nick Johnston, der Hinds in Sachen Feeling durchaus das Wasser reichen kann, und auch gut mit Bill Kehiler harmoniert.
Was ich vermisse sind Titel, die das Tempo auch mal durchweg halten wie der Brecher „Pushing The Tides“ von Vorläufer, oder ganz ruhige Songs wie „Skeleton Of Splendor“. Dem kommt „In The Ruins“ am nächsten, wobei hier das flächige Grundthema gerne auch mal ein paar Ecken einbaut. Dessen flehender Chorus zeigt, dass die Trauerthematik am deutlichsten offenbart wird. Doch auch der kommt nicht ohne harsche Riffs und ansatzweise gutturalen Gesang aus, wodurch es ein paar Durchläufe mehr braucht, um die klaren Unterschiede erfassen zu können.

8 / 10

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