FINSTERFORST - Still

07 finsterforst

VÖ: 31.07.26
(AOP Records/Plastic Head)

Genre:
Post Black Metal

Homepage:
FINSTERFORST

Seit mehr als zwei Dekaden zelebrieren FINSTERFORST ihren ganz eigenen Sound im Extrem Metal und entwickeln sich dabei sowohl musikalisch als auch textlich kontinuierlich weiter, ohne sich zu verbiegen oder ihre eigene DNA aus den Augen zu verlieren. Ihr Sound vereint dabei Elemente aus den Bereichen Heavy-, Black- und Folk- und Pagan Metal bis hin zu epischen, atmosphärischen und symphonischen Post-Metal-Einflüssen. Ihre Musik ist geprägt von Kontrasten und Verschmelzungen: vernichtende Härte trifft auf weitläufige, filmische Atmosphären; rohe Aggression entfaltet sich zu melancholischer, emotionaler Tiefe.
Das sieben Mann starke Line Up versteht es auch auf dem nunmehr sechsten reinen Studioalbum seinen Sound, der zugleich kraftvoll und vielschichtig ist, indem Traurigkeit, Wut, Triumph und Erhabenheit existieren, stets fesselnd wie auch unverwechselbar zu reproduzieren, ohne sich dabei selbst zu kopieren bzw. aufgewärmt zu wirken.
Neun Songs, davon zwei recht interessant umarrangierte Cover-Nummern von IMMORTAL „Beyond The North Waves“ und man staune PINK FLOYD’s „Another Brick In The Wall Pt.II“, mit einer Gesamtspielzeit fast 78 Minuten sind Programm.
Mit Orchesterdichte, akustischen Folk-Passagen und groß angelegten Kompositionsstrukturen startet der 8-Minuten Album Opener „Obduktion“. Der Gesangsansatz basiert auf einer zweischichtigen Struktur: Aggressive Black Metal-Schreie wechseln sich ständig mit sauberen, melodischen Gesangslinien ab. Cleaner Gesang, besonders wenn er an Folk Passagen gebunden ist, schafft einen narrativen Kontrast. Mit episch ausgelegten Folk-Elementen, insbesondere akustische Gitarren- und Akkordeonnutzung, bilden eine der definierenden Identitätsschichten des Albums. Hiervon sind z. B. das stimmumgsgeladene „Herbstwanderung“ oder das atmosphärische 10-minütige „Im Wind“ geprägt.
Textinhaltlich geht es um Manipulation, Fanatismus und die Illusion von Freiheit. Ein düsteres Bild einer Welt, in der vermeintliche Freiheit längst zur Fassade geworden ist.
Fauchende Black Metal-Screams wechseln sich hierbei ständig mit sauberen, melodischen Gesangslinien ab, wobei letztere in nahezu allen Songs führend sind. Man kann den Klargesang über das gesamte Album hinweg getrost in eine Art Erzählform einstufen.
„Stille Nacht“ verkörpert hierbei am ehesten noch das bisherige Schaffen der aus dem Schwarzwald stammenden FINSTERFORST, was u.a. auch wieder an der Gesangsline festzumachen ist. Das 24-minütige Epos „Leere” bildet ohne Zweifel das Herzstück auf dem neuen Longplayer „Leere“ und zeichnet sehr deutlich die eingangs aufgezählten Attribute dieses Albums auf, die hier in voller Kombination zum Tragen kommen. Das Septett hat so einen Stil gebildet, den es als „Black Forest Metal“ bezeichnet: eine Mischung, die sowohl tief verwurzelt als auch völlig einzigartig wirkt.

Gegenüber dem letzten Album „Jenseits“ (2023) kann man „Still“ durchaus als eine Art Neukalibrierung bezeichnen, denn durch eine bemerkenswerte Dichte und Vielfalt an Riffs und Orchestrierung hat man kontrollierte Zyklen der Spannung und des Lösens geschaffen, welche die Struktur des Albums stärken. Es wird empfohlen, zum Genießen dieses neuen Werkes definitiv Zeit mitzubringen, damit sich die Kompaktheit dieser emotionalen Reise voll entfalten kann.

Punkte: 8,5/10