LUNATIC SOUL - Transition II

07 lunaticsoul

VÖ: 26.06.2026
(KScope)

Genre: New Art Rock/Avantgarde/Progressive

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LUNATIC SOUL

Quo Vadis RIVERSIDE? Nach dem Ausstieg von Chefdenker Mariusz Duda steht die Zukunft der polnischen Prog-Helden mehr denn je in den Sternen, eine noch größere Zäsur als der Tod von Pjotr Grudzinski. Über die Hintergründe darf spekuliert werden, auch ob es überhaupt mit der Band weitergeht, wovon einige verbliebene Mitglieder überzeugt sind. Duda selbst muss weniger Gedanken machen, seine Soloambitionen nahmen zuletzt immer mehr Raum ein, mit LUNATIC SOUL läuft ein Projekt schon lange parallel. Dieses plant der Bassist und Sänger nun zu einer richtigen Band aufzubauen und live aufzutreten, vorerst wird ein Jahr nach „The World Under Unsun“ noch eine EP nachgeschoben.

Die beginnt mit dem einzig neuen Track, einem Longtrack, der aus der Songwriting-Phase von „Through Shaded Woods“ stammt. „Realm Of The Weeping Willows“ steigt mit verzerrten Synths ein, die man von Dudas Soloarbeiten kennt, bevor der typische Bass sich den Weg bahnt. Eher wie ein weiteres Instrument wird der Gesang eingesetzt, der ohne Lyrics lautmalerisch mehr Atmosphäre heraufbeschwört. Wobei natürlich Beschwören immer als Terminus im Zusammenhang mit dem visionären Künstler benutzt werden kann. Fortwährend im Fluss befindet sich der Zwölfminüter, den jeweiligen Dynamikzustand gekonnt ignorierend, der gerade erreicht wird. Gegen Mitte fällt dieser in psychedelische Welten, die geisterhaft an einem vorbeiziehen, geschickt verziert mit Flötentönen und akustischer Gitarre. Daraus steigen elektronische Klänge empor, die zum Ende hin alles anschwellen lassen. Versponnene Schleier legen sich über puckernde Beats und loten so deren Möglichkeiten aus.

Die drei anderen Tracks erschienen vor sechs Jahren als Bonus-CD des angesprochenen vorletzten Longplayers. Die zwei kürzeren erscheinen als Remixe, die dichter und homogener als im Original, obwohl sie da schon nicht so hölzern klangen wie der Rest des etwas schrägen Folkexperiments. „Hylophobia“ erinnert mit seinen Riffstrukturen am ehesten an die alte Hauptband des Meisters, die es ordentlich krachen lassen. Als Kontrast stehen Ethnoelemente mit Orgel, Schellenkranz und erneut den Gesängen dagegen. In „Vyraij“ lässt Duda seine dicken Saiten tänzeln, während die sechs Saiten mit einzelnen Tönen umschmeicheln, deren Wärme von Streichern noch erhöht wird.

Eine interessante Neubearbeitung liefert das Titelstück, das bis auf die Pianolinie wenig mit dem raueren ersten Part aus dem zweiten Album gemein hat. Eigentlich 28 Minuten lang hat es nicht auf eine LP-Seite gepasst und wurde deswegen etwas verdichtet. Mir kommt es jedoch so vor, dass ein paar Zwischenparts gestrichen wurden, die Übergänge sind manchmal etwas zu direkt. Dabei balanciert LUNATIC SOUL geschickt mit wiederkehrenden Motiven, die meist sehr verhallt in Szene gesetzt sind, was dem Bass eine gewisse Wucht verleiht. Aber gerade wie die letzte Steigerung mit der flirrenden Akustik zu plötzlich weg schwebt, hätte man besser lösen können. Trotz des kleinen Mankos ein tolles Opus, der einen leckeren Zwischenhappen abschließt.

7,5 / 10