SNOWY WHITE - The Finishing Touch

07 snowywhite

VÖ: 26.06.2026
(Snowy White/Believe)

Genre: Blues Rock

Homepage:
SNOWY WHITE

Vor zwei Jahren ließ uns der Barde wissen, dass seine Geschäftsaktivitäten noch lange nicht beendet sind. Hätte auch verwundert, denn davor legte er im Schnitt alle zwei Jahre ein neues Release vor. Obwohl es ihn nicht mehr auf die Bühne zieht, schien er nicht an den Ruhestand denken zu wollen, zumal die Qualität stets superb war. Dahingegen lässt der Titel des kommenden Albums an der Fortsetzung der Karriere von SNOWY WHITE Zweifel aufkommen. Der Hauch des nahenden Endes weht über „The Finishing Touch“, der bescheidene Brite macht da nicht viel Aufhebens drum, und schenkt uns stattdessen neue Musik.

Die führt den Weg des Vorgängers „Unfinished Business“ fort, wo sich ein wenig vom Wohlklang verabschiedet wurde. Nicht falsch verstehen, die Lässigkeit ist nach wie vor geblieben, kein Fan läuft Gefahr, dass er die Les Paul Goldtop plötzlich rauchen lässt. Sie singt nur nicht mehr ausschließlich in wunderbar warmen, melodischen Tönen. Stattdessen liefert sie offene Akkorde und gelegentliche Fills wie in „Lost In The Blues“, dem Auftakt einer Reihe selbstreferenzieller Lieder.
Der Auftakt davor ist mit „Open Water“ instrumental gehalten, beinhaltet eine jazzige Note und bringt eben die Coolness, die sonst nur Mark Knopfler und Gerry Rafferty besitzen. Max Middleton steuert die passenden Pianoklänge bei, das Personal hat sich nach all den Jahren eingespielt. Neben den beiden teilen sich Juan van Emmerlot und Thomas White den Drumhocker, während Walter Latupeirissa die dicken Saiten zupft.

Weit weg von typischem Rockrhythmus drücken diese in „Just The Way It Is Today“ ganz tief, van Emmerloot setzt mit dem Besen Kontrapunkte. Jene finden sich auch mit viel spanischer Klassik bei eigentlich weniger ruhiger Herangehensweise, was schon auf dem letzten Werk verwendet wurde. Gerade auch in Verbindung mit einem dominanten Bass, wovon „Minefield“ zeugt. Wer genau hinhört, bemerkt dass sich der Anschlag kaum von dem bei White´s Soli unterscheidet, nur eben nicht elektrifiziert, aber mit der selben Brillanz. Es wird nicht wirklich Neues beim Songwriting ausprobiert, sondern in der Instrumentierung.

Bestes Beispiel der beschwingte Reggea von „Music All My Life“, wo der gute Snowy von seiner Jugend erzählt. Es ist eben vor allem die Rhythmik mit der experimentiert wird, dazu kommen weitere Pianosequenzen von Middleton, was dem Meister gut zu Gesicht steht. Sogar wenn SNOWY WHITE dezent in seinem Rahmen mit Rockabilly flirtet, wie er es in „Whole Bunch Of Nothing“ tut, geht er diese ungewöhnlichen Wege.
Da wirken die WISHBONE ASH-verwandten Leads vertrauter, die wie gemacht für sein Spiel sind. „Three Long Years“ wartet ebenfalls damit auf, die sich bestens in diesen Versuch einer Powerballade integrieren. Zu Beginn sehr bedächtig braust der Refrain für seine Verhältnisse auf, um später von der Leadarbeit flankiert zu werden. Diese Erzählweise mit gebrochener Stimme ist auch ein Markenzeichen, die im Titeltrack sozialkritische Statements los wird.
Das macht White aber so authentisch und belegt, dass sein Understatement nicht gespielt ist, das große Epos kommt unscheinbar daher. Fast brutal ehrlich das abschließende „The Blues Away“, dass als Zeichen des Abschieds gewertet werden muss. Der Hörer wird quasi persönlich angesprochen, irgendwie entschuldigend, vielleicht weil der Ansatz zu einem hochtrabenden Solo nicht verfolgt, und die Gitarre einfach weg gepackt wird. Vielleicht ein letztes Mal?

7,5 / 10

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.