DEVIN TOWNSEND - The Moth

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VÖ: 29.05.2026
(Inside Out/Sony)

Genre: Oper/Avantgarde/Prog Metal

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DEVIN TOWNSEND

Was bei dem Chamäleon als nächstes kommt, weiß er vermutlich selbst nicht, da immer an verschiedenen Ideen und Projekten gearbeitet wird. Dieses Mal übertrifft sich der Kanadier selbst und wagt sich in Gefilde, die er zuvor noch nicht betreten hat. Mehr als zehn Jahre werkelte er an einer orchestralen Instrumentierung rum, um seinen progressiven Anspruch auszubauen. Nun hat jüngst EINAR SOLBERG mit derselben Idee vorgelegt, und damit einen Kampf um die orchestrale Vorherrschaft eröffnet. DEVIN TOWNSEND kommt das gerade recht, wenn sein lange gehegtes Pflänzchen endlich das Licht der Veröffentlichung erblickt, wie gestaltet er die Vorgaben auf „The Moth“?

Neben seiner angestammten Band mit Gesichtern wie Schlagzeuger Darby Todd tummeln sich hier eine Menge Gäste. Am prominentesten vertreten zumindest im Klangbild sind North Nederlands Orchestra & Choir, für die von Niels Bye Nielsen und Joseph Stevenson die Orchestrationen schufen. Vom Namen her am prominentesten dürfte sein früherer Mentor Steve Vai sein, dessen Gitarre ein paar Akzente zu setzen weiß. Dabei beschränkt er sich auf die flächigen Sounds, die er ebenso beherrscht wie die flinken Soli, die aber in dem Kontext nicht gefragt sind. Überraschend ordnet er sich hier unter, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war.

Riffstrukturen finden sich hier noch weniger als beim Labelkollegen, die Umsetzung als ganzheitliche Geschichte ist noch deutlich konsequenter in Szene gesetzt. Und Szenen ist das Stichwort, denn es wird tatsächlich in solchen Dimensionen gearbeitet, der cineastische Anstrich kommt noch deutlicher zum Tragen als bei seinen früheren Werken. Das ist in der Tat fast schon eine Oper, was uns der Mann hier serviert, die kaum einzelne Titel kennt, die meisten Tracks laufen nur eine oder zwei Minuten und dienen als Interludien, wobei „Semi-Prologue“ den Auftakt bildet. Eine klassische Breitwand-Ouvertüre, die von seinem getragenen Timbre lebt, das seine Operettenhaftigkeit nun voll ausspielen kann.

„War Beyond Words“ gibt im Anschluss noch die hektischste Nummer der Scheibe, Drumstaccato, abgedrehte Tempowechsel und Grunts inklusive. Ab dem kurzen Titelsong Orchester seine Weite und übernimmt vollends, bei „Enter The City“ umspielt es ein warmes Solo und hebt die Dynamik weiter an. Zum Herzstück mutiert „Covered By Causes“, das mit acht Minuten mit Abstand längste Lied, das tatsächlich mit dem typischen Einstimmen des Orchesters beginnt.
Hier taucht zum ersten Mal der nächste Gaststar auf, Anneke van Giersbergen gibt als Sirene den Konterpart zum sehr getragen agierenden Mastermind. Erst werden sie von akustischen Klängen begleitet, im weiteren Verlauf steigern sich Dynamik und Orchester, bis am Ende die Chöre wuchtig aufbranden. Die THE GATHERING-Sängerin hat später in „Prepare For War“ noch mehr Anteil, die immer wieder auftauchenden Gitarreneruptionen bringt das Stück am nächsten an das, was man bislang von Townsend gewohnt ist.

Es ist der Auftakt zu einer aufbrausenden, dramatischen Phase über mehrere Tracks, bevor es erneut die Niederländerin ist, die in „Stained Hearts“ alles zurück holt für das sanfte hinausgleiten aus „The Moth“. „Lexin“ ist ebenso auf ihre Stimme zugeschnitten, die wie kaum eine andere Stimmungen transportieren kann. Gerade in einem Song, wo orchestrale Momente gegen elektronische Soundscapes ankämpfen, ebenso in „Silver Princess“.
In der Mitte leitet „The Mothers“ als weitere Ouvertüre einen weiteren Abschnitt ein, wo die einzelnen Nummern übliche Spielzeiten aufweisen. „Orion“ entpuppt sich dabei als der beschwingteste, wobei es nicht wundert, dass den der gute Devin auch wieder skurril ausfallen ließ. „Home At Night“ hingegen ist fast klassischer Opernstoff mit viel Pathos, bevor „Intermission“ in den angesprochenen Schlussakkord mit vielen atmosphärischen Instrumentalklängen überleitet.

Eine Geschichte hieraus zu ersinnen fällt sehr schwer, auch wenn der erzählerische Charakter schon gegeben ist. Man darf gespannt sein, ob es irgendwann mal erklärendes Filmmaterial gibt wie es MARILLION von „Brave“ oder NIGHTWISH zu „Imagenearum“ herausbrachten. Wobei beide Werke deutlich songdienlicher sind wie auch das Soloalbum von EINAR SOLBERG. Das Ganze funktioniert nur zusammenhängend, verlangt da aber enorme Konzentration und Geduld. Technisch wird alles hervorragend umgesetzt, an fesselnden Einfällen mangelt es nicht, die Emotionen sind greifbar. Dennoch lässt sich nicht verhehlen, dass „The Moth“ etwas verkünstelt ist, weniger Kopf, um den Kopf besser frei zu bekommen.

7,5 / 10

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