GRAVETY - Of Cult And Chaos

VÖ: 05.06.2026
(Barhill Records)
Genre: Epic Doom
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GRAVETY
Auch wenn der Kult nun wieder in den hohen Wäldern und tiefen Ebenen des Saarlandes stattfindet, so brauchte es doch viereinhalb Jahre bis er neue Lieder abwirft, um ihm zu huldigen. In Zwischenzeit hat man die entlegensten Ecken bespielt, so entlegen, dass selbst erfahrene Scouts die heiligen Stätten suchen mussten, die noch abgelegener waren als kultisch aus der Welt gefallenen. Dass die irdische Welt im Wandel ist, ging auch an den Untoten von GRAVETY nicht vorbei, deswegen besingen sie auf ihrem neuen Epos neben dem Kult auch das Chaos, aus dem oft große Kunst geboren wurde. Kann auch das programmatisch betitelte „Of Cult And Chaos“ wieder große Kunst liefern?
Dass die diesmal düsterer ausfällt liegt auf der Hand, das Schwert bleibt oft stecken, und stattdessen schwingt überall doomige Schwere mit. Kein Wunder bei den Protagonisten wie dem aus H.P. Lovecraft´s „From Beyond“, der in „Cosmic Truth“ dem Wahnsinn anheimfällt. Bezüge zu tatsächlich lebenden Kreaturen, die über soziale Wahrheiten mit dem Wahnsinn und Teufel einen Bund eingehen sind nicht zufällig, und wurden bereits auf dem Debüt in „False Messiah“ prophezeit. Umso wichtiger, ihm mit Cryptor einen Gegenspieler entgegen, der den alten Bund einst wieder zusammenführte.
Dem wird direkt im eigentlichen Opener gehuldigt und mit epischen Melodien nach seinem Aufstieg gerufen. Unterstützung bekommt Sänger Kevin „King Elvis“ Portz von seinen Kollegen in Form von langgezogenen Chören und Gangshouts, die den angebeteten erwecken sollen. Den Aufforderungen kommt er in „Cryptor´s Calling“ gerne nach und galoppiert mit der Macht der sechs Saiten all seine Gegner und sonstige Ungläubige nieder. Damit erinnern die Saarländer noch am ehesten an ihr fulminantes Vorgängeralbum „Bow Down“.
Schon zuvor zeigen sich die Unterschiede auch im Klang, wobei die Rhythmusgitarren nicht ganz den Biss haben und mehr auf Leadfills gesetzt wird. Das Intro „Lament For The Unknown“ wird vom Bass eingeleitet, den Produzent und Saitendehner Gernot Gebhard hier sehr prominent heraus gemischt hat. Dabei orientiert sich Simon Schmitt klar mit Joey DeMayo und Steve Harris an den Größen des Genres. Interessant vor allem, dass er in den ruhigeren Parts seine Momente hat, damit den lyrischen Ansatz der Vorbilder wählt, und so die düster-beunruhigende Dynamik verstärkt.
Sieht das Intro viele Spoken Words-Passagen und zähe Leads, so reitet dieser „Bane In The Black Cloud“ an, in welchem die Riffs immer mehr reinschieben. Trotz der Schwere fast ein wenig rockend unterfüttern und kontrastieren jene den weiten Refrain gleichzeitig, der mit „OhOh“-Chören eingängig klingt. Vor dem Solo ziehen die Äxte das Tempo nochmal an und brettern ordentlich drauf los, um es anschließend stark zu drosseln. Die cleveren Arrangements zeigen sich ebenso in „The Forgotten Village“, wenn sich doomige Stimmungen und Leads zu einer Walze hochschaukeln, die über weite Landschaften hinweg rollt.
Ähnlich mahlt sich das bereits erwähnte „Cosmic Truth“ durch die Gehörgänge, wobei immer wieder aus einer Lauerstellung angegriffen wird. Wie im verhallten mystischen Refrain, wo man den eigenen Kult beiseitelegt, und sich auf die Genre-Überväter CANDLEMASS beruft. Gegen Ende nimmt die Schwermut und Bedrohlichkeit zu, wenn sich GRAVETY thematisch mit dem Werk von John Capenter auseinandersetzen. Noch mehr Tonnen auf die Waage legt „Outpost 31“, das aus ganz dunklen Gitarrentönen emporsteigt, so dass sich im Chorus nicht mal die DoubleBass durchzusetzen vermag. „Brotherhood Of Sleep“ schleppt sich in Zeitlupe voran, Lukas Didion lockert ein wenig durch geschickte Beckenarbeit auf.
Was wiederum Raum öffnet für verspielte Arrangements, ob nun wuchtige Einschübe oder am Ende akustische Weisen, die in das sehr getragene „Into The Mouth Of Madness“ überleiten. Hier wird für das Thema ungewöhnlich melodisch soliert, wo sich da sonst fast Verzweiflung aus den dünnen Saiten quält. Zum Ausklang schraubt sich die Intensität weiter hoch, um am Ende gar in Grunts zu münden. Der Fünfer zelebriert seine Messe hier feierlicher als zuletzt, benötigt dadurch ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Jene sollte ihnen aber sicher sein, legen sie für den Rest des saarländischen Undergrounds in diesem Jahr enorm vor. Dem allmächtige Cryptor ist nicht beizukommen, rettet Eure Seelen und tretet dem Kult bei!
8 / 10

