MYRATH - Wilderness Of Mirrors

VÖ: 27.03.2026
(earMUSIC/Edel)
Genre: Progressive Power Metal
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MYRATH
So langsam wird aus dem Geheimtipp ein ernst zu werdender Name in der Szene. Nach der Pandemie erspielte sich die aus Tunesien stammende Combo mit fantastischen Liveauftritten einen guten Ruf. Jetzt wo etwas geht, mit Edel ein großes Label dran ist, müssen MYRATH auch liefern, mit zwei Jahren gab es zuletzt vor fünfzehn Jahren einen kürzeren Abstand zwischen zwei Alben. Dazu wurde mit „Reflections“ noch eine Compilation nachgeschoben, um den Namen ja im Gespräch zu halten. Mit ihrem orientalisch angehauchten Progressive Power Metal konnten sie bisher Exotenstatus nutzen, kann „Wilderness Of Mirrors“ die höheren Weihen bestätigen?
Auf „Karma“ wurde ja genau das bemängelt, dass die Einflüsse aus 1001er Nacht zurückgefahren wurden. Allerdings muss man bedenken, dass mit Elyes Bouchoucha eine wichtige Stütze für den Sound die Band verlassen hatte, die damals ohne festen Keyboarder da stand. Die Lücke füllt nun Produzent Kevin Codfert aus, der zusammen mit dem renommierten Jacob Hansen für den Klang zuständig ist und zuvor live ausgeholfen hatte. Das hört man der siebten Scheibe mehr als an, denn die Soundgewalt und die vielen Details sind typisch für Produzentenalben, die an den Tasten die heutigen Möglichkeiten der Bibliotheken von Synthesizern nutzen.
Da wird Schicht auf Schicht getürmt, wie man es von diversen Symphonic Metallern wie EPICA her kennt. In die Richtung tendierte ja der Vorgänger, nun kehren auch die weltmusikalischen Muster zurück. „The Funeral“ tönt im Intro fast nach Ethno, bevor eine Vielzahl von orchestrierten und echten Instrumenten einen enormen Bombast produzieren, dazu noch getragene Chöre. Wer die im Metal so wichtigen Saiten sucht wird eher bei Anis Jouini fündig, der wie mehrfach im Verlauf des Werks mit Bassläufen glänzen darf. Die Riffs von Malek Ben Arbia sind noch ähnlich modern gehalten wie zuletzt, doch sie gehen fast vollständig in der Fülle unter.
Gehör verschafft er sich am besten bei seinen Soli, die dann wunderbar aus dem Dickicht hervor steigen und für angenehme Momente sorgen. Da ja mehr tatsächlich mehr zu scheinen scheint, darf bei „Until The End“ noch Elize Ryd von AMARANTHE ran, der Grundessenz von MYRATH keine so unähnliche Formation. Das Grundthema darf sich streckenweise angriffslustig zeigen, bevor es im Chorus noch vom Piano erdrückt wird.
Einen Kinderchor aus St. Remy wird „Les Enfants Du Soleil“ spendiert, die in französischer Sprache einleiten. Wie die meisten Strophen wird das Tempo nach all den Fanfaren rausgenommen, es geht im getragenen Bereich weiter, hier kann der Hörer etwas durchschnaufen. Dem eher schleppenden Tempo steht der flüssige Refrain gegenüber, Gegensätze, die sich auch in „The Clown“ finden. Wobei hier eher straighter Bombast auf ansatzweise rockige Attitüde trifft.
Das macht „Wilderness Of Mirrors“ schwer nachvollziehbar, so dass „Soul Of My Soul“ als Powerballade dann tatsächlich Ruhe reinbringt. Gerade Ben Arbia kann mit Leadfills überzeugen und Zaher Zorgati zum Piano seine stimmlichen Fähigkeiten mit viel Emotion ausreizen. Bei den zig Einfällen kommen durchaus tolle Harmonien zustande, wie etwa die fein flirrenden akustischen Motive von Gastgitarrist Charly Sahona in „Still The Dawn Will Come“.
Schlüssige Übergänge kreiert „Echoes Of The Fallen“ wenn die Gitarre die Melodie der Flöten übernimmt. Ob man das jetzt als zu wenig oder den Rest als zu viel beziffern kann, bleibt jedem selbst überlassen. Zum Ausstieg geben uns MYRATH einen Ansatz von dem, was man als Fan erwarten konnte, das markante Riff weiß sich endlich gegen die Streicher durchzusetzen und fabriziert gar eine Art Breakdown. Ein Füllhorn der unterschiedlichsten Klänge, für die man sich Zeit nehmen muss zu entschlüsseln.
7 / 10

