JOE BONAMASSA - B.B. King´s Blues Summit 100

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VÖ: 06.02.2026
(KTBA Records/Provogue)

Genre: Blues

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JOE BONAMASSA

Umtriebig wie eh und je nimmt sich die unbestrittene Nummer eins das nächste Projekt vor. Dabei ist es gerade ein halbes Jahr her, dass sein letztes Studioalbum veröffentlicht wurde, dennoch fand JOE BONAMASSA direkt nach den Aufnahmen zwischen den Tourneen Zeit dieses Werk vorzubereiten. Mit Hilfe von Dutzenden Gastmusikern nahm er sich zum einhundertsten Geburtstag von B.B. KING dessen Werk an und spielte viele seiner Titel ein, die seitdem immer wieder online veröffentlicht wurden. Nun kommen alle Tracks als „B.B. King´s Blues Summit 100“ auf zwei randvollen Silberlingen auf den Markt, das sich an King´s „The Blues Summit von 1993 anlehnt.

Wenn der Meister ruft kommen sie alle, selbst die ganz großen Legenden, und tragen ihren Teil zu den Liedern bei, ob als Gitarrist oder Sänger. Auch seine eigenen Weggefährten sind im Einsatz, ob nun die Backgroundstimmen in der Leadposition oder die zweiten Gitarristen, die nun solotechnisch ran dürfen, dazu viele Künstler deren Alben Bonamassa produziert hat. Daneben natürlich die angestammten Kräfte, die sich jedoch merklich zurückhalten, auch ein Reese Wynans an den Tasten.
Ein paar schöne Einsätze weiß er zu generieren, etwa am E-Piano von „To Know You Is To Love You“ mit Michael McDonald sowie den Eheleuten Susan Tedeschi und Derek Trucks. Oder auch das Piano im sehr souligen „There Must Be A Better World Somewhere“ mit dem großen George Benson. Eher das Honky Tonk packt er bei „Bad Case Of Love“ aus, welches sich eine stimmlich gereifte JOANNE SHAW TAYLOR derart zu Eigen macht, dass es hätte auf einem ihren Alben stehen könnte.

Ohnehin zeigt der Doppeldecker die ganze Bandbreite des Schaffens von B.B. King, der das Genre prägte wie kein Zweiter. Herrlich federt der Bass in „Why I Sing The Blues“, bei dem mit Bobby Rush ein Zeitgenosse der Legende singt und der gute Joe viele Leadfills beizusteuern weiß. Gegen Ende des Titels feiert er den Großmeister mit Talkin´ Blues-Zeilen, was er beim letzten Stück „Better Not Look Down“ wiederholt. Zwischen Strophen und Refrains nimmt sich die Backingband zurück und viele der Beteiligten erzählen ihre ganz persönliche Geschichte mit ihm.
Slow Blues mit ebenfalls sehr viel Pianoeinsatz bietet „Sweet Sixteen“, bei dem Larry Carlton und Jimmy Hall dabei sind, auch die Bläser sich gut einbringen. Überhaupt ist vom Bluesrock, den man vom Mastermind kennt wenig übrig, alles ist in sehr ursprünglichen Fassungen gehalten, die mehr auf swingende Rhythmen denn rockige Riffs setzen. Einzig natürlich Slash, der sich mit Shemekia Copeland und Myles Kennedy dem Klassiker „When Love Comes To Town“ annimmt, das interessante Drum-Patterns aufzeigt.

Bei Stücken, die in jüngerer Vergangenheit schon bearbeitet wurden fällt es schwer zu glauben, dass es sich hier um die selbe Komposition handelt, allen voran „Watch Yourself“, der er bereits auf „Dust Bowl“ aufnahm, hier mit Jimmy Vaughan. Oder „You Upset Me Baby“, das einst der stilistisch ähnliche Gary Moore interpretierte, hier stehen Bläser und die tiefe Stimme von Chris Cain im Mittelpunkt. Sehr barmäßig klingt „Never Make A Move Too Soon“, bei dem Dion singt und vor allem das Saxophon Akzente zu setzen weiß.
Bei ruhigeren Stücken weiß die Bläserfraktion gut zu untermalen, „Ain´t Nobody Home“, wo neben McRae noch Robben Ford antritt, dazu sehr große Gospelchöre. In eine ähnliche Richtung tendiert „I´ll Survive“, bei dem Keb´ Mo seinen souligen Gesang beisteuert. Bläser drängen in „Heartbreaker“ Eric Gales fast in den Hintergrund, der hier Saiten und Vocals beisteuert. Der gute Trombone Shorty weiß an seiner Posaune den Sätzen sogar noch den Rang abzulaufen und eine der auffälligsten Performances zu liefern.

Gerade gegen Ende nimmt alles etwas überhand, auf 32 Titeln wird es für am Rock gewohnte Ohren schon schwierig da zu folgen. John Németh bringt mit „Please Accept My Love“ noch die Harmonika mit rein, während sich der Gesang fast am Doo Wop orientiert. Da wirkt es wie eine willkommene Abwechslung, wenn das sphärische „Ghetto Woman“ mit Neville-Brother Ivan ein paar Synthflächen einbaut. Schön schleppenden Blues liefert dann noch eine seiner besten weißen Stimmen mit Paul Rodgrs in „Night Life“.
Ein paar Performances merkt man es schon an, dass sie nicht in ausführlicher Studioarbeit entstanden sin. Da hätte man mehr herausholen können, wenn man sich nicht auf die schiere Masse hätte konzentrieren müssen. Zudem ist „B.B. King´s Blues Summit 100“ für JOE BONAMASSA-Verhältnisse etwas arg komprimiert, was ein paar Feinheiten die nötige Tiefe kostet. Wirklich enttäuscht ausgerechnet Eric Clapton mit „The Thrill Is Gone“, wo Chaka Khan meint mit überdrehter Stimme die Streicher in Grund und Boden singen zu müssen.

7,5 / 10