THUNDER - Live

VÖ: 16.01.2026
(earMUSIC/Edel)
Genre: Hard Rock
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THUNDER
Nach jeder Reunion legen die Briten los wie die Feuerwehr, um anschließend wieder mehr zu verwalten. Mit „Wonder Days kehrten sie 2015 sehr stark zurück, anschließend folgten neue Scheiben Schlag auf Schlag, zuletzt 2022 mit „Dopamine“ sogar ein Doppelalbum. Allerdings liegt die längere Pause im Gesundheitszustand von Danny Bowes begründet, der Mühe hat sich zu erholen. So bleibt Zeit in den Archiven zu kramen und das ein oder andere Schätzchen zu heben, wobei Live-Scheiben von THUNDER mittlerweile inflationär existieren. Die erste war 1998 schlicht „Live“ betitelt und wurde nun wiederveröffentlicht. Grund sind die neuen Formate, denn seinerzeit wurde der Mitschnitt nur auf CD veröffentlicht, nun ist er erstmals auf Vinyl und digital erhältlich.
Dabei war der Zeitpunkt nicht unbedingt der beste um mit einem 22 Songs umfassenden Doppelalbum raus zu kommen. Rock und speziell die klassischen Spielarten waren für tot erklärt worden, kein Wunder, dass die Band zwei Jahre und einen Longplayer später erstmals die Segel strich. Zudem auf der Tour von „The Thrill Of It All“ aufgenommen, sicher das bis dahin schwächste Werk der Hardrocker. Dabei gibt es von dem Album lediglich drei Songs, denn bis heute nimmt das grandiose Debüt „Backstreet Symphony“ einen großen Teil in der Setlist ein, das auf „Live“ fast komplett Einzug gehalten hat. Darüber hinaus finden sich hier noch viele Titel des ähnlich starken Nachfolgers „Laughing On Judgement Day“.
Mit dem neu hinzugekommenen Bassisten Chris Childs hat sich hier das bis heute gültige Line-Up gefunden, das sich hier spielfreudig gegen den Zeitgeist wehrt. Bestens aufgelegt, druckvoll und bereits sehr tight weiß der Fünfer das Publikum zu überzeugen, dass außerordentlich gut mitgeht. Hat da wer die Neunziger nicht verstanden? Gut so! Kein Wunder hat man mit dem phantastisch singenden Frontmann Danny Bowes einen brillanten Entertainer in den Reihen, der weiß wie man die Meute nehmen muss. Immer wieder gibt es laute Singalongs, bei denen die Band ihren Fans die Bühne komplett überlässt, die Begeisterung ist förmlich spürbar, vielleicht sehnten sich die Menschen nach Musik, die einfach Spaß macht.
Die lange Sammlung an Songs ist technisch gut eingefangen, gerade das Auditorium kommt sehr gut zur Geltung. Auch zusätzlichen Instrumenten wie die Mundharmonika bei „Better Man“ oder das E-Piano von „Empty City“ wird viel Raum gegeben sich zu entfalten. Sehr authentisch und direkt auch das Kit von Harry James, das die Lieder gut anschiebt und in den richtigen Momenten knallig ausbricht. Die bluesige Schlagseite kommt beim Gitarrenspiel von Luke Morley und Ben Matthwes noch mehr zur Geltung als im Studio.
Zusätzlich zur Wiederveröffentlichung fand man in den eingangs erwähnten Archiven tatsächlich noch Material. Etwa ein Livecover von „New York, New York“, welches Bowes kurzerhand in „London, London“ umtaufte, wobei das eher ein Outrotape mit seinem Gesang ein dürfte. Eine weitere Fremdbearbeitung findet sich mit „Lazy Sunday Afternoon“ von den SMALL FACES beim Bonusmaterial wieder, die sehr launig vorgetragen wird. Dazu noch ein paar weitere Liveausschnitte von der Tour, die im Original keinen Platz mehr fanden.
Darunter mit „The Only One“ und „Too Bad“ auch zwei neue Lieder, wobei das erste damals live vorgestellt wurde und in der Erstfassung schon erhältlich war. Der groovende Rocker geht eher lässig nach vorne, bevor er im Refrain, das zweite Tune kommt beschwingter daher und weiß mit Honky Tonk-Piano aufhorchen zu lassen. Am Ende runden zwei Akustikversionen von Songs aus „The Thrill Of It All“ die Sache ab, die während einer Akustiksession aufgenommen worden und einen schönen Kontrast zeigen.
7,5 / 10

