HERMAN RAREBELL - What About Love?
VÖ: 11.04.2025
(Metalville)
Genre: Hard Rock
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HERMAN RAREBELL
Seit seinem Ausstieg vor 30 Jahren trat der legendäre SCORPIONS-Schlagzeuger nur noch selten in Erscheinung. Am nachhaltigsten war seine Zusammenarbeit mit dem TEMPLE OF ROCK von Michael Schenker, wo er quasi in der Familie blieb. Für sein Soloalbum konnte er hingegen einige Freunde gewinnen, wie schon einst bei „Herman Ze German“. Mit Howard Leese, Neil Carter, Bob Daisley, Jim Vallance und Dan Huff konnte HERMAN RAREBELL illustre Gäste um sich scharen. Diese prägten die Zeit, in welcher der Mann bei den deutschen Vorzeigerockern trommelte, die liegen zum großen Teil in den Achtzigern. So ist es nicht verwunderlich, dass „What About Love“ mit „A Tribute To The Music Of The 80s“ untertitelt ist.
So covert man sich durch alles was diese Dekade so hergab und das waren nunmal Hits am laufenden Band. Mit „In The Air Tonight“ kommt gleich zu Beginn einer der prägendsten, der vor allem Schlagzeugern die Möglichkeit zur Entfaltung gibt. Und hier offenbart sich das Problem der Scheibe, denn der gute Herman tut genau das nicht, im Prinzip verpufft er vollkommen. Das liegt auch an der Produktion von Michael Voss, die noch steriler rüberkommt als man den Eighties vorgeworfen hat. Dabei hat der Mann oft genug gute Arbeit abgeliefert, unter anderem beim jüngeren Schenker-Bruder. Das hier ist aber ein Rückfall in Zeiten wie etwa dem verunglückten WOLFPAKK-Debüt.
Das zieht sich durch das ganze Album, in seiner Disziplin weiß der Mann eigentlich nie zu punkten. Das gilt sogar für die beiden SCORPIONS-Cover, an denen er beim Songwriting beteiligt war. „Rock You Like A Hurricane“ orientiert sich nahe am Original, kann aber eben wegen dem Sound nicht ganz de Druck aufbauen. „Passion Rules The Game“ hingegen wirkt noch geschliffener als es „Savage Amusement“ sowieso war, und biegt sehr poppig ums Eck.
Das liegt auch an der Stimme von Va De Forst, einer relativ unbekannten Sängerin, die eher im Country und Pop zuhause ist, was man ihr eben anhört. Da fehlt einfach der Biss, den es für Rockmusik braucht, technisch mag das wirklich gut intoniert sein, aber eben unpassend. Da bedarf es schon der Beiträge von Michael Voss, der ja bei vielen Bands das Mikro schwang, um einen Ansatz der richtigen Attitüde aufzuzeigen.
Ganz schlimm ist es bei „I Want To Know What Love Is“, die Truppe schafft es, das ohnehin sehr poppige Lied noch poppiger wirken zu lassen. Und die Backgroundgesänge bei „Every Breath You Take“ sind wirklich völlig drüber und unpassend und nehmen der Nummer jegliches Feeling. Auch bei den HEART-Covern versucht man kaum deren AOR-Phase etwas rockiger zu gestalten, wenigstens „What About Love“ werden ein paar zusätzliche Leads spendiert.
Bei „Sweet Child O´ Mine“ hat man ganz zu Beginn das Gefühl, dass man aus dem Thema neue Schlüsse ziehen könnte. Die akustische Gitarre lässt auf eine entschlackte Version hoffen, doch auch hier würde alles zu sehr weichgespült, statt mal zu erden. Lediglich bei „Love Is A Battlefield“ und „Addicted To Love“ bringt es das Ensemble hin etwas mehr Kante zu zeigen, einmal mit mehr Gitarrenfils, dann mit der Orgel.
Ich glaube es HERMAN RAREBELL, dass ihm die Musik am Herzen liegt, mir persönlich ja auch. Aber deswegen hätte ich mir einfach mehr Qualität bei der Umsetzung gewünscht. Im Pressetext loben die Musiker wie viel Spaß ihnen die Aufnahmen gemacht haben. Den Spaß hört man auch heraus, alles ist launig intoniert, diese Stücke haben Generationen inspiriert und auch die Beteiligten. Dennoch hätte man vielleicht mehr Wert auf Phrasierung beim Gesang oder Ton bei den Gitarren legen können, da ist viel Lift nach oben. Und klanglich sind die erwähnten Defizite ebenfalls nicht von der Hand zu weisen, weswegen dieses Release doch enttäuschend ist, wenn ich an vergleichbare Sachen wie von JORN denke.
4 / 10