MASTERS OF REALITY - The Archer

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VÖ: 11.04.2025 (28.03. Digital)
(Artone/Mascot)

Genre: Psychedelic/Blues/Stoner

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MASTERS OF REALITY

Sechzehn Jahre sind ins Land gezogen, seit die Stoner-Urväter mit „Pine/Cross Dover“ zum letzten Mal neues Material unter das Volk brachten. Groß ist ihr Output nicht, doch Frontmann und letztes Gründungsmitglied Chris Goss hat sich mit vielen anderen seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Nicht nur als Musiker, sondern als Produzent von KYUSS, QUEENS OF THE STONE AGE oder auch den FOO FIGHTERS war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass aus dem Blues der Siebziger der Desert Rock entstand. So visionär wie er als Künstler war, so scharf ist er auch als Beobachter dieser Welt. Deswegen ist es verwunderlich, dass jemand, der so viel zu sagen hat, so lange geschwiegen hat. Das Schweigen hat nun ein Ende, mit „The Archer“ sind MASTERS OF REALITY endgültig zurück.

Bei der Band weiß man nie was man bekommt, da das Pendel der vielfältigen Einflüsse des Genres in jede Richtung ausschlagen kann. Von der sinistren Stimme von Goss her ist der Titeltrack eine dezente Rückkehr zum ersten Album, seinerzeit ein Meilenstein. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, die andere Seite liegt auf dem lange zuvor erschienenen „Pine/Cross Dover“. Dessen psychedelische Ansätze verwandeln den Opener in ein so schleppendes wie blubberndes Kleinod, bei dem alles wie nebelverhangen klingt.
Ein besonders in der ersten Hälfte präsenter Baustein macht sich hier schon bemerkbar, der Bass von Paul Powell erscheint uns hier als dröhnende Untermalung. Jener kommt seiner Bestimmung in „Chicken Little“ sehr nahe, wo er das typisch stoische Blues-Schema vorgibt. Hier ist der Bezug zu „The Blue Garden“ noch offensichtlicher, dezente Keyboards gab es auch damals, die hier wunderbar darüber schweben. Eine interessante Figur zaubern die dicken Saiten in den schweren Rocker „I Had A Dream“.

Die psychedelische Seite treibt „Barstow“ auf die Spitze, das sich wieder wie aus Schleiern schälen muss. Aus dem Dickicht tauchen dann beschwingte Gitarrenleads und ein Piano auf. Gegen Ende übernehmen die Tasten komplett und lassen an den „Alabama Song“ der großen DOORS denken. Goss versteht es aber diese Querverweise mit Respekt zu behandeln, er hat einfach ein Händchen für das Erbe der Rockmusik. Dann übersetzt er diese in die Neuzeit wie im bereits live vorgestellten „Mr. Tap´n´Go“ lassen MASTERS OF REALITY die Schwere und den Schwung gekonnt gegeneinander kämpfen, um in einem aufbrausenden Chorus zu gipfeln. Ständig geistert dieses grungige Lick umher, welches sich in der Art schon bei „Up In It“ auf dem Vorgänger wiederfand.

Ebenfalls schon auf den letztjährigen Konzerten war „Sugar“ zu hören, das damals als Single veröffentlicht wurde. Mit dem geht „The Archer“ ab der Mitte in die ruhige Phase über, bei der akustische Gitarren eine große Rolle spielen. Wunderbar schwelgerisch hüllt einen der Song ein, schwillt kurz unter Zuhilfenahme von Synthesizern an. Jene sind im folgenden „Powder Man“ weiter verstreut und evozieren damit eine floydige Atmosphäre, die der Band ebenso gut zu Gesicht steht. „It All Comes Back To You“ zieht alle Register, unglaublich was man in vier Minuten packen kann. Eine Sitar versprüht zum Auftakt den Zauber von 1001 Nacht, die in ein flirrendes Motiv übergeht. Nach einer Spoken Words-Passage nehmen psychedelische Fills Fahrt auf und treiben der melodischen Refrain entgegen.

Der große Verdienst der gerade mal siebten Studioplatte ist die entschlackte Herangehensweise. Allzu verdrehte und verfremdete Klänge blieben außen vor, die Konzentration liegt auf einem klaren Sound und ebensolchen Songstrukturen. War in der Vergangenheit manches nicht vollständig auskomponiert, agieren Goss und seine Mannen sehr songdienlich. Es gelingt die Ideen kompakt zu bündeln, die oft zerfaserten, um so bei aller Versponnenheit eine gewisse Zugänglichkeit zuzulassen.
Der Mastermind gibt sich altersweise, referiert besonnen über die Tücken der heutigen Welt und hält ihr den Spiegel vor. Vom Schicksal erzählt er ebenso wie von Figuren, die auf der Flucht vor ihm durch die Nacht streifen. Im manchmal schläfrigen Tempo bliebt der Geist stets hellwach. So gut waren sie seit „Sunrise On The Sufferbus“ nicht mehr, eine grandiose Rückkehr, die zudem unglaublich erdig vom Meister produziert wurde.

8 / 10

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