PAVLOV'S DOG – The Pekin Tapes



(Rockville Music)
VÖ: 28.10.14

Genre: Prog-(Fantasy)-Folk-Rock

Homepage:
PAVLOV'S DOG

„Pampered Menial“ hieß das 1975 veröffentlichte Debüt der US-Progressiverockband PAVLOV'S DOG, das zum Zeitgeist prägenden Genreklassiker avancierte.  Die zwei Jahre zuvor (1973) erschienenen „Pekin Tapes“ entstanden  in kompletter Eigenregie ohne Einflüsse von Außen. Schon darauf zeichnete sich der ungemein charismatische, von reichlich Dynamik und enorm  individuellem Wiedererkennungswert geprägte Gesang ab; selbiges gilt für den unorthodoxen, auf  geradezu  einmaliger Weise beeindruckend kreativen Songwritingstil von PAVLOV'S DOG, der selbst zu diesem frühen Stadium die Ursprünge einer faszinierenden Combo erkennen ließ. Das Golden Voice Studio in Pekin/IL fiel 1977, zwei Jahre nach Erscheinen des PAVLOV's DOG Debüts einem Brand zum Opfer, die „Pekin Tapes“-Masterbänder galten unwiederbringlich als verloren, sie waren Geschichte. Wie durch ein Wunder gelang es dem  Label Rockville/Soulfood  41 Jahre danach (!), eine überraschend wieder entdeckte, kaum für existierend gehaltene Kopie der „Pekin Tapes“ aufwendig zu bearbeiten, in CD-Form zu pressen und mit vier als Bonustracks hinzu gefügten Demoversionen zu bereichern. Anhänger des begnadeten Ensembles kommen somit in den Genuss der Frühesten PAVLOV'S DOG-Aufnahmen und können sich Ende November auf ein außergewöhnlich erlesenes Progrock-Schmuckstück von ganz besonderem Wert freuen. Ein musikhistorisches Dokument von solch immens wichtiger Bedeutung, mit dessen Release niemand rechnen durfte, und nun tatsächlich nach so langer Zeit seine Veröffentlichung feiert.
Edelperlen wie der verträumte Fantasyfolksong „Subway Sue“, das riffrockige „Natchez Trace“, die  mitreißend mystisch folkrockige Vorzeigehymne, (bei der allein David Surkamps wahnsinnig fesselnde Gesangsfacetten stromweise Gänsehaut erzeugen),  das abenteuerliche „Song Dance“, das emotionelle „Fast Gun“ sowie der experimentielle Kopfverdreher „Preludin“ schließen sich diesem Topniveau problemfrei an. Alle fünf Songs versprühten schon während ihrer Entstehung immens viel Charme  und sie tun es nach wie vor. Wer das geniale PAVLOV'S DOG-Zweitwerk Pampered Menial über alle Maßen liebt und schätzt, steht in der Pflicht, sich das Schatzkästchen zuzulegen!
Soviel zur Geschichte, nun zur Beleuchtung des musikalischen Inhalts der „Pekin Tapes“:Gründe sie zu mögen,  gibt es reichlich. Die Restaurierung der entdeckten Tapekopie hat sich gelohnt: In facettenreich verspielter Demoversion fließen bei „Subway Sue“, „Natchez Trace“, „Song Dance“, „Fast Gun“ und „Preludin“ Leidenschaft und genialer Kreativfundus zusammen. - Stücke, die auf dem lange für das Debüt gehaltenen Zweitwerk Pampered Menial Auskunft über eine schon im jungen Anfangsstadium experimentiell hochkarätig veranlagte siebenköpfige Formation geben, die es prächtig verstand, schwelgerisch verträumtes Fantasyflair mit enorm Tiefgang und fesselnder Leidenschaft zu verknüpfen. Die recht außergewöhnliche Instrumentierung (Flöte, Geigen und Mellotron spricht Bände!)  David Surkamps unvergleichbares Organ hebt sich durch seinen Fallsettgesang bei diesen wieder entdeckten Erstaufnahmen extrem prägnant von allen Sängern jener musikhistorisch immens wichtigen Zeitepoche ab; - egal, ob einfühlsam ruhig, hektisch nervös bizarr ins tragische gleitend oder leidenschaftlich rockig schafft es dieser einzigartige Gesangsstil, ebenso wie die vielschichtige Musik einer genialen, ihrer Zeit weit voraus gewesenen Formation, Brücken zu bauen. „Time“ outet sich als experimentieller Progjazz mit Rockschattierung. „Stomp Water Magic“ verbindet Gospel, Folkrock und Funk zu einer unbeschreiblichen, fließend in einander übergehenden Melange. „It's All for you“ beginnt zuerst depressiv akustisch, gerät ab der zweiten Hälfte zur chillig-lockeren Jam-Session.  Das richtig schön intensiv dramaturgisch im Fahrtwind vom „Song Dance“ schippernde „Dreams“ hält das Niveau locker, im „Clipper Ship“ segelt der Protagonist auf eine Reise ins Abenteuer. „Fast Gun“ liefert die hochkrätig emotionale Achterbahnfahrt in paradoxe Gefühlswelten, während „Preludin“ in Manier eines Ausnahmekönners wie Rick Wakeman produziert, in ein vielschichtig kombiniertes nie den roten Faden verlierend kunterbuntes Pottpurry barocker mit Jazz, Rock  und Folkanteil versehener Klangcollagen ausartet.
Zu den als Bonus hinzugefügten vier Demoversionen gilt rückblickend folgendes festzuhalten:
„Brand New Day“ schlägt gewagt die Brücke zwischen Country, Dixielandjazz, Rock und Folk. „I Wish It would Rain“ zeigt sich verträumt rockig, „Natchez Trace“ und „Fast Gun“ rocken bei aller Verspieltheit etwas härter und düstermelancholischer als die später überarbeiteten Versionen.

Danke, Danke, Danke, Rockville, - für die Rettung eines zeitlosen 70er-Prog-Rock-Meisterwerkes: Als Endergebnis für ein richtungsweisendes Stück Vinyl gibt es hier die Höchstnote. 10 von 10 für ein Genreprägendes Musterbeispiel zahlreiche Fan-Generationen beflügelnder Progrockmusik!