Der Colos-Saal, sein kommendes Programm & seine Geschichte

Mitte letzter Woche erschien für uns völlig überraschend in der Online-Ausgabe des Journal Frankfurt ein für den Colos-Saal sehr schmeichelhafter Artikel mit dem Titel „Vom Klimperkasten zum Kultclub“, geschrieben vom Chefredakteur Björn Lautenschläger.

Untertitel: „Der Colos-Saal ist einer der wichtigsten Live-Clubs der Metropolregion – ein Ort, an dem internationale Größen, regionale Helden und Newcomer seit Jahrzehnten auf Tuchfühlung mit ihrem Publikum gehen.“

Völlig überraschend insofern, als dass solchen Artikeln meist ein Interview vorausgeht, das in diesem Fall aber nicht stattfand. Zunächst hatten wir uns alle gewundert, woher der Autor all sein Wissen über unseren Club hat. Als ich beim zweiten Lesen dann doch einige falsche Zahlen in dem Artikel gefunden hatte, dämmerte es mir langsam. Björn hat offensichtlich einen Beitrag auf unserer Website gefunden und ihn in eigener Schreibe wunderbar zusammengefasst. Siehe hier.

Für die falschen Zahlen kann Björn nichts. Das Problem war: wir haben den größten Teil des Texts vor etwa 15 Jahren geschrieben und in den letzten drei Jahren vergessen, ihn zu aktualisieren. Das haben wir nun nachgeholt und empfehlen ihn Euch zur Lektüre. Warum? Nun, wir sind im 42. Jahr unserer Firmengeschichte angekommen, haben mittlerweile Menschen aus mindestens drei Generationen, die wir zu unseren Besuchern zählen können und blicken gerne mal ein paar Jahrzehnte zurück auf die Zeit, als alles anfing. Ihr vielleicht auch?

Der Colos-Saal und seine Geschichte
Wir haben in unserem Text versucht, die Gründungsphase unserer Firma im Jahr 1984 in einen sozialen, politischen und gesellschaftlichen Rahmen einzusortieren und ich glaube, dass diese Beschreibung recht gut gelungen ist. Unser Publikum aus der (Baby-)Boomer Generation - so werden die Leute bezeichnet, die in den Nachkriegsjahren ab 1946 bis 1964 geboren sind - hat diese Zeiten sicher ähnlich wie ich selbst wahrgenommen und kann gerne mal Vergleiche mit der eigenen Biografie und den eigenen Erlebnissen ziehen. Wir haben ja wirklich sehr viele Stammgäste in dieser Altersgruppe, die zum Großteil bereits in Rente sind oder demnächst in den Ruhestand treten.

Die nachfolgenden Generationen, also die Generation X (ca. 1965–1980), die Generation Y/Millennials (ca. 1981–1995), die Generation Z/Zoomer (ca. 1996–2009) sind allerdings auch sehr gut bei uns als Besucher vertreten, wobei spätestens ab der Generation Y jegliche persönliche Erfahrungen mit dem gesellschaftlichen Wandlungsprozess in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts fehlt. Vielleicht ist es aber gerade auch für unsere jüngeren Besucher, für die es den Colos-Saal quasi schon immer gab, interessant zu lesen, wie das gesellschaftliche/politische Klima in unserer Anfangsphase war.

Hier folgt als Appetizer ein kleiner Ausschnitt des Textes:

„Die 80er und die kulturelle Ödnis
Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts: Kalter Krieg und Nato Doppelbeschluss; Aufrüstung, Deutsche Mark und geschlossene Grenzen; Schmidt, Kohl und Strauß rangeln um die Macht und verkörpern personell die atmosphärische Situation im Land. Es herrschen Bräsigkeit, Konservativismus und Intoleranz. Alte Männer aus der Kriegsgeneration hatten überall das Sagen und bestimmten die Gesellschaft nach ihren Maßstäben und die Kultur nach ihren persönlichen Vorlieben.

So auch in Aschaffenburg. Kultur wurde als Hochkultur definiert und fand hier im Stadttheater statt. Das war es dann auch. Doch gleichzeitig grummelte es im Untergrund. Die nach dem Krieg geborene Generation begehrte teilweise auf gegen die herrschenden Verhältnisse. Erste Pioniere der Umweltbewegung, der neuen sozialen Bewegungen taten sich hervor. Eine Welle von Studentenprotesten überschwemmte wieder einmal das Land, eine neue Linke gründete sich in unzähligen Gruppierungen, die Frauen-Bewegung wurde immer stärker, Homosexuelle protestierten öffentlich und immer lauter gegen Diskriminierung, und ab 1983 strickten die GRÜNEN im Bundestag. Der von den 68ern angekündigte lange Marsch durch die Institutionen begann in Schwung zu kommen, anderthalb Jahrzehnte nachdem er erstmals ausgerufen wurde.

Das atmosphärische Klima begann sich zu ändern in den frühen 80ern. Rock-, Pop- und Jazzmusiker der 60er und 70er Jahre waren mit ihren neuen, freien Lebensstilen, ihren Textinhalten und ihrer musikalischen Kreativität ideell kräftig beteiligt, bzw. zumindest Projektionsfläche junger Menschen für einen alternativen Life-Style. Denn sie schienen mit ihrer bunten Vielfalt eine hoffnungsvolle Alternative für den Ausweg aus der kulturellen Langeweile der frühen Achtziger zu sein.

Klar, Künstler wie Elvis Presley, die Beatles und Stones, sowie die vielen Megagruppen der 70er waren natürlich längst in Deutschland angekommen und wurden gehört, geschätzt, geliebt. Allerdings ausschließlich von der Jugend. Aber die hatte kulturell nichts zu sagen.

Ungefähr in diesem Szenario fand 1984 der Startschuss einer Firma statt, die den Colos-Saal heute noch führt.“

Den kompletten Originaltext findet Ihr auf colos-saal.de über den Menuepunkt „Informationen“ und dem Untermenue „Über uns“, oder direkt hier. Es ist die Seite, die den „Colos-Saal und seine Geschichte“ beschreibt.

Hier spielten bereits ...
Wenn ich schon dabei bin, auf spezielle Seiten unserer Internetpräsenz hinzuweisen, dann sollte ich Euch auch nochmal auf unsere Seite „Hier spielten bereits“ aufmerksam machen mit einer sehr langen und unvollständigen Liste von Künstlern und Bands, die bereits bei uns gespielt haben. Da kam nach 41 Jahren Firmengeschichte schon sehr viel Namhaftes zusammen. Schaut selbst hier!

Zum aktuellen Programm
Soweit zur Vergangenheit. Schauen wir in die nahe Zukunft und auf das Programm der nächsten Wochen und Monate, das Ihr wie immer teilweise unten in der Liste findet und vollständig auf colos-saal.de.

Wie immer ist es sehr schwierig, Euch Empfehlungen zu machen, denn die musikalischen Vorlieben unserer Besucher sind höcht unterschiedlich. Daher mache ich es heute mal so, dass ich einige Programmhighlights aus meiner persönlichen Sicht kurz erwähne.

Da steht an allererster Stelle eine Weltklassebassistin aus Indien namens Mohini Dey, die nicht nur wegen ihrer schillernden Outfits sondern vor allen Dingen wegen ihrer unglaublichen Spieltechnik in der internationalen Fachwelt auf sich aufmerksam machen konnte. Mohini, die es verstanden hat, sich in den Social Media sehr bekannt zu machen, obwohl sie wirklich keine leichte Kost zu bieten hat, wünsche ich mir schon lange auf unserer Bühne. Jetzt hat es endlich geklappt: am 16.3. führt sie ihre „Alien-Rock-Fusion“ in einem Trio namens Jill Yan - feat.: Mohini Dey & Jeremy Colson auf.

Der März ist ansonsten auch voller Highlights. Am 7.3. kommt der begnadete Sänger Marc Broussard wieder zu uns, den ich allen Leuten empfehlen kann, die auf expressiven Soul-Gesang stehen.
Am 12. März kommt der ehemalige Drummer von Frank Zappa, Chad Wackerman, mit seinen L.A. All Stars zu uns, am 18. unsere Freunde von Lazuli aus Südfrankreich mit ihrem außergewöhnlichen Prog-Rock und am 31.3. dürfen wir zum zweiten Mal den grandiosen spanischen Jazz- und Funk-Bassisten Vincen Garcia mit seiner Band empfangen.

Als letzte Tipps erwähne ich heute noch die Frauen-Power Anfang April, wenn am Montag den 6.4. die begnadete Soul-Sängerin und Gitarristin Judith Hill mit ihrer Band erneut hier Station macht, und einen Tag später, am 7.4., die stimmgewaltige Rock- und Bluessängerin Dana Fuchs endlich wieder einmal bei uns gastiert.
Musiktipps für das Stadttheater:
Da muss ich Euch das Wolfgang Haffner Trio wärmstens empfehlen, das der Colos-Saal am 26.2. veranstaltet.

Etwas neidig sind wir auf zwei Veranstaltungen im Stadttheater, die das Kulturamt selbst veranstaltet, beides im Rahmen der Aschaffenburger Gitarrentage, und gerne machen wir hier ein wenig Werbung für unsere Kooperationspartner aus dem Aschaffenburger Kulturamt:
Am 28.2. spielt dort nämlich die Frank Gambale All-Star Group. Gambale ist wohl einer der heißesten Gitarristen der internationalen Jazzszene, war er doch über drei Jahrzehnte Mitglied der Chick Corea Electric Band.
Weitere Infos gibt es hier.

Am Freitag, den 20.3., steht eine sehr interessante Formation auf der Bühne des Stadtheaters, die auch gut in unser eigenes Programm gepasst hätte: Luis Gallo, Max Clouth & La Jose verbinden in einzigartigem Stil Flamenco mit Pop. Hier gibt es weitere Infos dazu.

Das Gesamtprogramm der Aschaffenburger Gitarrentage findet Ihr hier:
https://www.kulturamt-aschaffenburg.de/unsere-festivals/gitarrentage/programm/

Wir sehen uns bei den Konzerten im Colos-Saal und im Theater, im Sommer 2026 übrigens auch wieder auf dem Campus der Hochschule

Quelle: Colos-Saal-Team

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