Festival vom 28./29.04.17

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KEEP IT TRUE

 

Ein Zerstörungshammer gewaltigen Ausmaßes wütet auf der Straße nach Manilla.

Zu seinem zwanzigsten Jubiläum lockt das Keep It True Festival mit seinem bisher stärksten Line-Up. Die Creme de la Creme des Epic-Metals (Cirth Ungol, Manilla Road, Atlantean Kodex) gibt sich mit erlesenen US-Metal-Perlen (u.a. Fifth Angel, Omen, Q5, Glacier Tribute „Devil In Disguise“) die Klinke in die Hand. Und auch an hoffnungsvollen Bands jüngeren Datums mangelt es nicht (u.a. Night Demon, Wytch Hazel, Satan‘s Hallow). Nach einigen Wochen der Vorfreude ist es am 28. April endlich soweit. Die Warm-Up Party lassen wir aus, um unsere Kräfte für den Freitag und den Samstag aufzusparen, denn wir wollen fast alle Bands sehen. Von meinem Elternhaus aus brechen wir zum Ort des Geschehens auf und begeben uns gleich in die Halle. Leider müssen wir uns in eine lange Schlange einreihen, um an Karten für das nächste Jahr zu kommen. Zum Glück wird uns die Wartezeit durch Begrüßungen von Freunden und Bekannten sowie durch die Musik von SATAN‘S HALLOW versüßt. Umso erleichterter sind wir danach, als wir die Karten für das nächste Jahr in unseren Händen halten.

(MH)

SATAN‘S HALLOW

starten energiegeladen mit “Choir of the Cursed“ in ihren Set. Ihr auf mitreißende Weise dargebotener US-Power-Metal sprüht nur so vor Dynamik. Sängerin Mandy Martillo hat eine charismatische Stimme und erinnert von der Klangfarbe her ein wenig an Nicole Lee von Znöwhite sowie an Sophie Lee Johannson von Night Viper. Flankiert wird sie von den beiden Saitenhexern Steve Beaudette und Von Jugel, die den speedigen Power-Metal durch Doppel-Leadgitarren nochmals aufwerten. Auch die Rhythmus -Fraktion in Form von Drummer Pat Gloeckle und Basser Joe Salazar macht ordentlich Dampf. Vom heute erscheinenden, selbstbetitelten Debutalbum werden alle Songs gespielt. Mit dem bereits von ihrer Single bekannten “The Horror“ beenden SATAN‘S HALLOW ihren Gig und ernten zurecht großen Applaus. Ein äußerst gelungener Auftakt!

(MH)

WYTCH HAZEL

Schleppend episch eröffnen die Briten in mittelalterlich anmutender Gewandung auf der Bühne stehend den Reigen altertümlich-folkloristischen Hardrocks. Bassist Neil Corcery fehlt aus mir unbekanntem Grund. Nach ihrer bemerkenswerten EP haben sie spätestens seit ihrem großartigen Longplayeinstand 'Prelude' einen riesen Sprung nach vorne gemacht. Trotzdem sind sie immer noch ein echter Geheimtipp für viele KIT-Besucher. Das Reaktionsspektrum auf die seit geraumer Zeit bekannter werdenden Briten fällt trotz tollem Epic-Auftaktopeningbeginns mit „Freedom Battle“, „Fight“ und „Prelude“ zunächst zwischen frenetisch headbangend, über symbolisch faustreckend, bis ruhig abwartend oder schlicht neugierig zurückhaltend aus. Sänger Colin Hendra (dessen Organ ein ums andere Mal sogar leicht stimmliche Parallelen zu seinem Ex-WYTCH HAZEL Bandkollegen dem heute bei DARK FOREST aktiven Josh Winnard aufzeigt) fordert das Publikum des Öfteren zum Fäuste recken auf, während seine Bühnenposen mitsamt passender Mimik in Zusammenarbeit mit Gitarrenpartner Mat Gatley gut einstudiert wirken. WYTCH HAZEL bringen schrittweise Stimmung in die sich zunehmend füllende Location. Ein Teil der Fans ist mit dem fließend melodischen Folk-Hardrock der Band vertraut und lässt sich von der heute nur als Trio auf der Bühne stehenden Band Engländer in den Bann ziehen, während der andere geduldig abwartet.

Ein Stimmungswandel macht sich während des Hymnenbonbons „Surrender“ bemerkbar. Im letzten Drittel gehen zu melodisch rockendem Folkhymnenfutter („Wytch Hazel“, „We Will Be Strong“ und „The Truth“) zunehmend mehr Arme nach oben. Drummer Jack Spencer wirkt hinter seinem Schlagzeug leicht abwesend, was für manche auf den ersten Blicklustlos erscheint, es täuscht gewaltig. Trotz seiner Blindheit zieht er - Toms und Becken punktgenau treffend -hochkonzentriert seinen Part konsequent bis zum Ende durch, was seine phantastische Leistung immens aufwertet. Dafür muss ihm ein gebührendes Maß Respekt gezollt werden! WYTCH HAZEL haben ihre bisherigen Fans erfreut, viele neue hinzugewonnen und ihre Prüfung auf dem K.I.T. ergo mit Bravour bestanden, woraus ein erfolgreich laufender Merch-Verkauf resultiert.

(MT)

MAJESTY

Nach dem feinen WYTCH HAZEL-Auftritt liegt es nun an der True Metal-Bande MAJESTY - angeführt von KIT-Mitbegründer Tarek Maghary - die Tradition des hymnenhaften Heavy Metals auf dem K.I.T. Fortzusetzen. Zunächst mit „Die Like Kings“ eröffnend, folgt die Huldigung an die Band „Hail to Majesty“, ehe „Metal Law“ erneut das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Fans heraufbeschwört, dem sich ein krachend flottes reichlich mitsingkompatibles „Thunder Rider“ anschließt. Der Titeltrack vom aktuellen Album „Rebels of our Time“ trägt den Spirit des wahren Metals weiter in die Herzen der Fans, bevor es zum repräsentativen Festivalhöhepunkt eines von der ganzen Halle umjubelten Gigs kommt. Festivalorganisator Oliver Weinsheimer, der zusammen mit Tarek das KEEP IT TRUE aus der Taufe hob, kommt auf die Bühne, um mit viel Leidenschaft „Fight for Honour“ ,den Openingsong vom 1995er Debüt „The Darkside“ seiner ehemaligen Band SHADOWS OF IGA zu singen. Coole Idee und eine einprägsame Erinnerung an ein musikalisch superbes KEEP IT TRUE-Festival, das der Heavy Metal-Underground-Fangemeinde nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

Zwar gestaltet sich das Programm statt dem Großteil vom 'Keep it True'-Album ein wenig anders, als es zunächst geplant, wirklich stören tut es auch keinen. MAJESTY punkten wie so häufig durch extrem dynamisches Stageacting. Tarek sucht ständig direkten Kontakt zu den geradezu wie im Rausch mitgehenden Fans. Seine animierten Mitsingspielchen werden begeistert von der sich auf einer Woge überschwänglicher Begeisterung getragen fühlenden Fanmasse der vor der Bühne versammelten KIT-Gängerschaft angenommen. Die Gittarenfraktion kommt häufig an den Bühnenrand, und post mit ihren Äxten, was das Zeug hält. Bei der lautstark von der Halle mitgesungenen Festivalhymne KEEP IT TRUE - gefolgt vom keine Unze weniger enthusiastisch mitgesungenen „Metal to the Metalheads“ - brechen sämtliche Dämme! MAJESTY haben ihr Heimspiel mit Bravour bewältigt und dabei erneut bestätigt, dass ihr heroischer, sehr hymnische True Metal immer noch zahlreiche Fans hat! Quod erat demonstrantum.

Diese Setlist sorgte bei MAJESTY und K.I.T.-Fans gleichermaßen für Aufsehen:
Die like Kings
Hail to Majesty
Metal Law
Thunder Rider
Rebels of our Time
Fight for Honour
(SHADOWS OF IGA-Song mit ihrem Sänger Oliver Weinsheimer als Gast)
Keep it True / Metal To The Metalheads

(MT)

ATROPHY

Zwei Thrash-Granaten schlugen nach dem Abklingen der Thrashwelle gegen Ende der 80er und zu Beginn der 90er für mächtig in der Thrashzene ein: „Socialized Hate“ und „Violent By Nature“. Alben, die sich auch bei mir nachhaltig einprägten. Enthielten diese zwei Hammerscheiben reihenweise heftig killenden Thrash-Metal, der schon gar nicht mit Gesellschaftskritik sparte. Selbst 20 Jahre danach ist die gleiche Wirkung dieser Kampfscheiben bei Geschossen wie „Urban Decay“, „In Their Eyes“, „Socialized Hate, oder „Violent By Nature“ nach wie vor deutlich spürbar...wobei es derart heftig zur Sache geht, dass es beinahe zu einer Schlägerei zwischen zwei im hektischen Treiben heftig aneinander geratenen Fans kommt. Dies wird aber durch andere ganz schnell eingreifende Fans verhindert, ehe es ohne lange Verzögerungen gleich weiter in die Vollen geht. Mit Drummer Tim Kelly, Sänger Brian Zimmerman und James Gulotta sind immerhin noch drei Orginal-Bandmitglieder der seit 2015 wieder aktiv im Geschehen mitmischenden Band dabei.

Stageacting-technisch gesehen wirkt die Band zeitweise immer mal ein wenig hüftsteif, was durch einen sehr druckvollen Gitarrensound kompensiert wird - während sie ein andermal richtig abgeht. Motivationslosigkeit ist bei den Musikern definitiv nicht vorhanden. Sie holen alles aus ihren Instrumenten heraus, was Becken, Mikro und Verstärker hergeben. „In Their Eyes“, „Preacher, Preacher“ oder die Gerstensaftode (Anm.: gemeint ist der „Beer Song“), werden von den Fans lautstark mitgebrüllt. Verdienter Lohn für all die Mühen des Thrash-Kommandos aus Tucson, (US-Bundesstaat Arizona), das ohne viel Federlesens zu machen Vollgas gibt, sind ein schnell sich herausbildender kleiner Pit, zahlreich fliegende Matten und ein taktsicheres Publikum, das bis zum Schluss nicht nur Fäuste ballen, sondern auch fleißig mitgröhlen kann. Es bleibt nach dem Gig festzuhalten: ATROPHY sind die nächste von zahlreichen lange tot geglaubten Bands, die irgendwann aus der Versenkung wieder aufgetaucht und frisch reformiert ihren dritten Frühling erlebt. Am Stageacting sollte der US-Fünfer künftig noch arbeiten. Ansonsten zeigten ATROPHY auf dem K.I.T. mittels fetter Gitarren und hoher Motivation, wozu sie anno 2017 immer noch fähig sind!

(MT)

Q5

Zeit, die Hütte erneut 60 Minuten lang pausenlos am Stück zum Beben zu bringen. Wofür andere Livecombos Flaggen in XXL-Größe verwenden, reicht bei Q 5 ein schlichtes über der Bühne angebrachtes Mini-Backdrop mit dem aus Buchstabe und Zahl bestehenden Bandlogo als Fahne völlig aus. Q 5 steht für ein sattes Pfund Hardrock und Heavy Metal, der sich gewaschen hat. Dieses verabreicht der von Frontmann Jonathan K. Scott und Basser Even Sheeley, (dessen markanter Helm mit Kunsthaaren ihn wie einen Punk erscheinen lässt) angeführt Seattle-Fünfer mit exzellentem Dauerposing einschließlich knackfett wie am Fließband gezogener im Stadionrockstil rollender Grooves. Q5 sorgen mit saftigen Hochkaräterhits Marke „One Night in Hellas“, „Pull The Trigger“, „Missing in Action“ für ausgelassenes Festivalfeeling inklusive schweres AC/DC, SAXON, KROKUS -Flair. Der im Mittelteil folgende NIGHTSHADE-Coverpart („Dead of Night“, „Situation Critical“ und Surrender“ (immerhin gehören drei von fünf Q 5-Mitgliedern dieser Powermetalband an) fügen sich nahtlosins Gesamtbild ein. In den äußeren und hinteren Regionen der Halle gehen Gruppenweise wild rockende bzw. headbangende Fans regelrecht steil. Der Gig wird zur exzessiv ausufernden Party, bei der so mancher Tropfen Cola oder Bier über den Becherrand hinaus schwappend, den Boden küsst. Ähnlich wie schon auf dem Headbangers Open Air 2016 punkten Q 5 durch enorme Bissigkeit verbunden mit zackigen Grooves bei krachender Härte, die keinen Fan von Stadionhardrock mit krachenden Riffs kalt lässt. Das dynamische „Ain't No Way, To Treat A Lady“ setzt die Serie fortund bringt gewaltig Bewegung in die Halle.

Der Glamrockfetzer „Teenage Runaway“und der kampferprobten Science Fiction Partyhit-Stampfer „Steel The Light“( dessen Umkehrrefrain „Turning Darkness into Light“ von der begeisterten Fankulisse kraftvoll mitgesungen wird) sorgen für ein fettes Schlussfinish, während sich alle glückseelig in den Armen liegen. Q5 stehen bis zum Schluss mächtig unter Strom. Souverän durch ihren häufig in Bewegung befindlichen Fronter Jonathan K. Scott geführt (dessen Stimme auf Augenhöhe zu Bon Scott und Marc Storace liegt) setzen Q 5 resonanz-technisch von kräftig aufbrandendem Beifall und Zugabe-Rufen bedacht - auf die Thrasher ATROPHY locker einen drauf.

(MT)

MEDIEVAL STEEL

Nach dieser hochkarätigen Stadionrockorgie kehrt der Geist des klassischen Heavy Metals dank MEDIEVAL STEEL wieder zurück in die Tauberfrankenhalle. In Sachen technischer Fähigkeiten inklusive Bühnenaction lässt das Treiben des Fünfers kaum etwas zu wünschen übrig. Welcher beinhart eingeschworene KIT-Gänger erinnert sich nicht an den grandiosen Auftritt vor vier Jahren, gleicher Tatort wo MEDIEVAL STEEL zu den ultimativen Festivalhighlights gehörten und Geschichte schrieben? Trotz reger Bemühungen können MEDIAVAL STEEL ihren grandiosen Auftritt von damals nicht toppen. Der US-Fünfer zieht wie schon 2013 das gute Dutzend klassischer Up- und Midtempo-Smasher aus dem Koffer. Am meisten Stimmung kommt bei den alten Stücken auf: „Battle Beyond The Stars“ „Warlords“, „Tears In The Rain“, „Lost in the City“, „To Kill a King“ sprechen deutlich für sich, die neuen Tracks vom aktuellen 'Dark Castle'-Output -„Powersurge“, „Gods of Steel“, „Thou Shall Not Kill“, „The Man Who Saw Tomorrow, „American War Machine“ erreichen das resonanztechnische Level nicht ganz. Wie gut, wenn man als letzten Trumpf noch eine Überhymne als Joker im Ärmel hat, der zum Schluss ausgespielt werden kann. Mit ihrem zeitlosen Bandklassiker „Medieval Steel“ vor geschlossen versammelt Faust reckend im Takt mitsingender heftig headbangender Anhängerschaft retten MEDIEVAL STEEL eine gute Vorstellung knapp übers Ziel, bei der sich anno 2017 stellenweise leichte Abstriche eingeschlichen haben. Beim 2013er Supergig stand die gesamte Tauberfrankenhalle Kopf! Damit bleibt den Herren Franklin & Co. wenigstens ein guter Nachfolgeauftritt in Königshofen zu bestätigen, der verstärkt Hoffnungen für das wahrscheinlich noch in diesem Jahr zu erwartende neue Studioalbum nährt.

(MT)

OMEN

auf den guten, aber nicht komplett überzeugenden MEDIEVAL STEEL-Auftritt folgt die ultimative Steigerung bei OMEN. An diesem Quartett kommt kein echter US-Powermetal-Maniac, der wirklich etwas auf sich hält, vorbei. Konsequenterweise ist die Halle brechend gefüllt. Auch in meinem Fall gilt zu sagen: Alte Liebe rostet nicht. OMEN verabreichen eine Lehrstunde geradlinigen US-Powermetals. Ein riesiger nicht zu haltender Fanmob klinkt in der Tauberfrankenhalle vollkommen aus. Was bestimmte Bands für den Thrash-Sektor bedeuten, sind OMEN definitiv ohne wenn und aber für die US-Powermetal-Fangemeinde, die sich wild bei Hymnenhochkaräteralarm vom Typ „Death Rider“, „Warning of Danger“, „The Axeman“, „Teeth of the Hydra“, „Die By The Blade“, austobt. Zwischendurch können OMEN es sich leisten, „Hammer Damage“ vom aktuellen Album zu bringen, das schnelle Powerspeed-Geschoß, schlägt kaum schlechter als die etablierten Klassiker bei den Fans ein.

Kenny Powell ist fleißig in Bewegung und wechselt ständig die Seiten. Der Axeman brilliert durch messerscharfe Riffs, denen er schmissig filigranen Leadsoli folgen lässt. Vier-Saiter Roger Sisson legt zusammen mit Reece Stanley an der Batterie einen wuchtigen Rhythmusteppich, auf dem alles fußt. Frontmann Kevin Goocher wirkt in seiner dicken Metallrüstung wie ein Kriegsherr aus einer anderen Zeit. Beeindruckend, mit wieviel Hingabe - vom stimmlichen Charisma ganz zu schweigen - der Mann sämtliche OMEN-Hymnen gesanglich rüber bringt. Bei „Ruby Eyes“(of the Serpent), „Warning of Danger“ sowie einem krachenden „Teeth of the Hydra“ aus der 'Warning of Danger/The Curse'-Ära herrscht ebenso ausnahmslos Headbanger-Alarm im gesamten Areal, man spürt die Luft förmlich brennen! Welcher Schlachtruf setzt den standesgemäßen Schlusspunkt, wenn nicht der aus vielen heißeren Kehlen mitgesungene „Battle Cry“? Danach wird sie Band von der außer Rand und Band geratenen KEEP IT TRUE-Fanschaar lautstark auf die Bühne zurück gebrüllt. „Die By The Blade“ - für jeden OMEN-Jünger unverzichtbare Schlachthymne - markiert den endgültigen Schluss-Strich, womit sich die Band stilgemäß verabschiedet. Die Musiker sind hocherfreut und verneigen sich vor ihren Fans, die hinterher ebenso hocherfreut ein Bierchen trinken gehen. OMEN wurden ihrem Ruf als packender Live-Act wie so häufig eindrucksvoll gerecht. Die schon seit den 80ern zu den wichtigsten Institutionen auf dem US (Power)Metal) Sektor zählende Combo hinterlässt nach soviel geballtem Livedynamit eine große Anzahl ausgepowerter, dennoch umso glücklicherer US-Metalmaniacs, darunter auch den Verfasser dieser Zeilen.

Etwas Pause sowie mein nächster Wasserbecher sind dringend fällig, ehe sich ein gar mächtig grollender Gewittersturm am KEEP IT TRUE-Horizont zusammenbrauend ankündigt:

(MT)

DEMOLITION HAMMER

sind mir bestens als Vorband auf der Gore and Agony all over European-Tour 1990 zusammen mit MORGOTH und OBITUARY in Erinnerung. Was war das ein fettes Thrash/Death-Metal-Dreierpackage damals! DEMOLITION HAMMER gelang es ähnlich wie EXHORDER (Parallelen sind deutlich erkennbar) in die zu Beginn der 90er den Thronwechsel auf dem Spannungsfeld der härtesten extrem schwermetallischen Musik ankündigende Extrem-Metal-Phalanx mit „Tortured Existence“ und „Epidemic of Violence“ (zwei gewaltige alles zerschmetternde Thrashgranaten - die bis heute nicht das geringste Gramm ihrer Durchschlagskraft verloren haben) einzubrechen. Würde das 2016 nach kurzer Auflösung in alter Besetzung seit geraumer Zeit reformierte Thrashquartett sein damaliges Härtelevel halten können? - Eine Frage, die sich nicht wenige Thrasher stellen - dem entsprechend voll wird es in der Halle - fast schon als hieße der Festivalheadliner nicht MANILLA ROAD, sondern DEMOLITION HAMMER! In der Tauberfrankenhalle brodelt und gärt es mächtig, ehe der US-Thrash-Vierer die Bühne betritt, danach bricht ein unbarmherzig killendes HöllenInferno über die Fanmasse herein. DEMOLITION HAMMER entpuppen sich als das, wofür der Name steht: Pure Zerstörung! Steve Reynolds, James Reilly und Derek Sykes werden permanent von dem Ex- IMMORTAL FLESH/EYES IN THE SUN Schlagzeuger Angel Cotte zu Höchstleistungen angetrieben und bilden eine alles niederschmetternde Gitarrenfront, die keinen Stein auf dem anderen stehen lässt. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, konzentriert sich die Songauswahl auf den Fundus oben erwähnter beider Alben. Es ist geradezu unglaublich, auf welch abnormen Energielevel sich die mittlerweile auch schon im gesetzteren Alter befindlichen vier Herrschaften sich auf der Bühne austoben! Selbst der gute ATROPHY-Auftritt am Nachmittag wird vom seine Rolle als Co-Headliner vollständig erfüllenden, restlos alles gebenden US-Quartett um ein Vielfaches übertroffen! Nackenwirbel-Zersetzer vom Kaliber „Skull Fracturing Nightmare“, „Neanderthal“, „Infectious Hospital Waste“, “Aborticide“, „Human Dissection“, „Epidemic of Violence“ und „44 Caliber Brain Surgery“ eliminieren gnadenlos ohne Unterlass. Steve Reynolds garstig aggressives Organ schreit sich seinen Frust über gesellschaftlich untragbare Zustände heißer aus dem Leib. DEMOLITION HAMMER sind eine auf massiv killender Höchstkapazität laufende Maschine. Wer eine solch beeindruckend konzentriert brutal auf den Punkt gebrachte Demonstration in Sachen Oldschool-Thrashmetal fährt, kann es überall mit den besten Abrisskommandos dieses Planeten aufnehmen. Selbst Größen wie SLAYER, DEATH ANGEL, EXODUS und KREATOR könnten es damals wie heute keinen Deut besser! Demzufolge kocht die Halle inklusive mächtig abgehendem Pit - in dem heftig die Fetzen fliegen - bis zum Schluss auf Hochtouren, ehe das Ami Quartett klatschnass verschwitzt unter Zugabe-Rufen von einer hungrigen Fanmeute abgefeiert die Plattform verlässt.

DEMOLITION HAMMER sind wie 1990 - gefühlte 27 Jahre liegt es nun schon zurück als sie im Vorprogramm von OBITUARY und MORGOTH nichts als 'verbrannte Erde' hinterliessen - künftig wieder ein gnadenlos killendes Abrisskommando, das man als Oldschool-Thrash-Fanatiker auf der Rechnung haben muss! - Donnerwetter, war das mörderisch intensiv heftig brachial - wie in alten Zeiten!

(MT)

DEMOLITION HAMMER zerlegten die KEEP IT TRUE-Bühne mit folgender Setlist:

Skull Fracturing Nightmare
Neanderthal
Epidemic of Violence
Infectious Hospital Waste
Carnivorous Obsession
Crippling Velocity
Hydrophobia
Aborticide
Cataclysm
Human Dissection
44 Caliber Brain Surgery

MANILLA ROAD

Teil I: Krasser könnte der Gegensatz zwischen dem Freitagsheadliner und dem Co-Headliner - den zuvor die Bühne restlos zerlegenden DEMOLITION HAMMER - im Grunde genommen kaum sein. Da die Epic-Kauz-Metal-Legende MANILLA ROAD in den letzten zwei Jahren auf europäischen Bühnen ziemlich omnipräsent war, wird auch schnell erklärbar, warum so manch kleinere Lücke im Publikum klafft - was die Qualität eines überzeugenden Auftritts von Mark „The Shark“ Sheltons kampferprobten Epic-Schlachtschiff keineswegs im geringsten schmälert. Auch die Songauswahl ist vom Feinsten. Zunächst nimmt Randy Thrasher Foxe hinter dem Drumkit Platz, um eine Reihe Klassiker aus seiner MANILLA ROAD-Vergangenheit Revue passieren zu lassen. „Weavers of the Web“, „The Ninth Wave“, „Mystification“, „In The Courts of Chaos“ oder „The Prophecy“ lösen riesigen Begeisterungstaumel aus, ehe Teil I vom Set mit „Haunted Palace“ beschlossen wird.

Teil II: Nach kurzer etwa zehnminütiger Umbaupause, darf Andreas 'Neudi' Neuderth Platz auf dem Schlagzeug-Hocker nehmen. Sein etwas flotterer Drum-Stil weiß ebenso zu begeistern, wie das kraftvolle Schlagrepertoire seines früheren Vorgängers Randy-Foxe - womit der auf den ersten Blick nicht leicht zu vollziehende Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart übergangslos verläuft - womit die faszinierte, als auch ständig in Bewegung stehende Anhängerschaft in den Genuss einer mit zwei Drummern diesmal sogar besonders reizvollen Livedarbietung kommt. Gewohnt stark präsentiert sich der heute wie von einem anderen Stern solierende Mark „The Shark“ Shelton. Der zweite Teil startet rasant mit „Flaming Metal Systems“, „The Ram“ und „The Empire“ fulminant durch, um die Emotionen bei „The Riddle Master“, „Queen of the Black Coast“, „Necropolis“ und „Crystal Logic“ noch um einiges höher schlagen zu lassen. Sänger Brian Patricks auffälligstes Merkmal ist neben seiner markanten Stimme der urige Hut, den er auf dem Kopf trägt. Das große Schlussdoppel-Finale mit „Open The Gates“ und „Masque of the Red Death“ hat es erst recht in sich - beide Stücke hintereinander, das hat es in der Form selbst bei MANILLA ROAD Gigs bisher selten gegeben. In der Halle herrscht bis zum Schluss ansteckend mystische Stimmung, während die Show sich gewaltig in die Länge ziehend sogar das Zeitlimit um einige Minuten überschreitet. Fans und Band mobilisieren ihre allerletzten Restkraft-Reserven, bis gegen kurz nach 24:00 Uhr endgültig Schluss ist.

Bei MANILLA ROAD sind sich fast alle einig, das war großes Kino, dem eventuell noch größeres am KEEP IT TRUE-Samstag folgt, bis es wirklich soweit ist, heißt es zunächst abwarten, Tee trinken und eine Nacht drüber schlafen...

MANILLA ROAD beeindruckten mit dieser zweigeteilten Setlist:

Teil I: - Set Mit Randy Thrasher Foxe on Drums

Astronomica
Weavers of the Web
Mystification
Dragon Star
The Ninth Wave
In the Courts of Chaos
The Prophecy
Haunted Palace

Teil II: - Set Mit „Neudi“ on Drums

Flaming Metal Systems
The Ram
The Empire
The Riddle Master
Queen of the Black Coast
Necropolis
Crystal Logic

Zugaben:

Open The Gates
Mask of the Red Death

(MT)

KEEP IT TRUE-Samstag, 29.04.17

Nachtdämonen und der fünfte Engel fliegen über den Pass der Spinne

Noch erschöpft vom anstrengenden Freitag verzichten wir zwecks Kräftesparens auf ETERNAL CHAMPION und VISIGOTH.

DEVIL IN DISGUISE (GLACIER Tribute)

Die ultra rare Ep von GLACIER aus dem Jahre 1985 geisterte schon lange als Geheimtipp durch die Underground-Szene. 2016 wurde sie vom Label Cult Metal Classics sowohl auf Vinyl als auch erstmals auf CD wiederveröffentlicht und so einer breiteren Hörerschicht zugänglich gemacht. Leider verstarb kurz nach der Ankündigung der Wiederveröffentlichung Bandchef Sam Easley. Als Tribut an ihn und die hohe songwriterische Klasse von GLACIER hat sich Orginalsänger Mike Podrybau entschlossen, mit befreundeten Musikers aus Chicago auf dem diesjährigem Keep It True unter dem Namen DEVIL IN DISGUISE aufzutreten.

Da sich die Klasse von GLACIER mittlerweile im Underground herumgesprochen hat, finden sich bereits vor Beginn einige Leute erwartungsvoll vor der Bühne ein. Das schnelle „Ready For Battle“ setzt den Startschuss in ein Set voller Hymnen und auch ich kann nicht anders als meine Faust zu recken, zu headbangen und die packenden Refrains mitzusingen. Von der GLACIER- Ep werden alle Songs gespielt - „Devil In Disguise“, „Speak No Evil“, „When Heaven‘s At Hand“ und auch mein Favorit „Vendetta“ kommt zum Zug, zudem die 1988-er Demoperle „Eastern Guns“ und das unveröffentlichte „Live for the Whip“. Der Auftritt gerät zum Triumphzug – das Publikum feiert die US-Metaller regelrecht ab - und nicht nur ich frage mich, warum DEVIL IN DISGUISE im Line-Up nicht eine höhere Position bekommen haben. Mit „Speak No Evil“ verabschieden sich Mike Podrybau und seine Mitstreiter unter tosendem Beifall vom Keep It True–Publikum. Auch Michael ist begeistert und meinte: „Gletscher können Berge versetzen!“

(MH)

TRAITORS GATE

Der gute Ruf des NWOBHM Geheimtipps TRAITORS GATE ruht ebenso wie jener von GLACIER auf einer Mitte der 80er aufgenommenen und lange vergriffenen EP, die 2013 zur Freunde vieler NWOBHM-Maniacs auf CD und Vinyl wiederveröffentlicht und um drei weitere Stücke aufgestockt wurde. 2015 haben sich die Briten im halben Orginal -Line-Up wieder zusammengefunden und im Februar auf dem Brofest ihre Reunion an der Live-Front besiegelt. Der diesjährige Auftritt stellt Traitors Gates Live-Premiere in Deutschland dar. Mit den völlig unbekannten Stücken „Nothing To Lose“ und „Breakdown“ starten die Waliser in ihr Set und haben kurz darauf leider eine länger Pause wegen technischer Probleme. Neusänger Sy Davies macht einen recht guten Job und bemüht sich, das Publikum zu animieren. Dennoch ist die Stimmung im verhaltenen Bereich anzusiedeln, weil alle auf die Songs der „Devil Takes The High Road“ EP warten. Erst beim darauffolgendem „Shoot To Kill" bricht das Eis im Publikum. „The Devil Rides Again“ wird von den neuen Songs noch am ehesten angenommen, danach kippt die Stimmung wieder. Da kann auch die EP-Halbballade „Love After Midnight“ das Ruder nicht mehr rumreißen. Nicht nur ich habe den Eindruck, dass eine halbe Stunde Spielzeit für Traitors Gate vollkommen ausgereicht hätte. Auch wäre es eine gute Idee gewesen, anstatt vieler nur solider neuer Stücke auf die Bonussongs der High Roller Wiederveröffentlichung zurückzugreifen. Leider tun Traitors Gate dies nicht und so wartet die ganze Halle ab der Set-Mitte nur noch auf den abschließenden Übersong „Devil Takes The High Road“. Es bleibt ein durchwachsener Live-Eindruck.

(MH)

NIGHT DEMON

Nach der verunglückten TRAITORS GATE-Vorstellung wartet eine Formation auf, der es weder an Frische, Dynamik noch mitreißender Bühnenpräsenz fehlt: NIGHT DEMON schlagen gegen 16:00 Uhr am Nachmittag zum zweiten Mal sogar noch weitaus kräftiger als beim KEEP IT TRUE 2014 auf. Wenn es einer Band gelingt, das etwas gesunkene Stimmungslevel wieder zu erhöhen, sind es NIGHT DEMON aus Ventura. Auf die bereits großartige Night Demon-EP folgen zwei superbe Alben mit reichlich Hitpotential - „Curse of the Damned“ und „Darkness Remains“ - was einen grandiosen Auftritt des US-Trios im Vorfeld verspricht, der es auch wird! Allein die Programm-Setlist spricht Bände, viel falsch machen kann das mit derart großem Hitpotential gesegnete Trio aus Ventura ohnehin nicht. Über die musikalischen Fähigkeiten des ständig wie von der Tarantel gestochen über die Bühne hüpfenden dabei irrsinnig posenden Saitenhexer Armand John Anthony und Bandchef Jarvis Leatherby, der heftig ratternde Akkordbreitseiten en Masse aus seinen Vierseiter herausholt und dem wie ein Berserker auf Felle und Becken eindreschenden Drummer Dusty Squires bedarf es überhaupt nicht mehr allzu vieler Worte. Allein das flotte Eröffnungsdoppel „Welcome to the Night“/ „Full Speed Ahead“ lässt die große Fan-Masse zu NIGHT DEMON ganz schnell im Handumdrehen weniger Sekunden extrem steil gehen. Neueres Headbanger-Futter vom Typ „Maiden Hell“, das bereits in meiner Rezi als künftiger Track mit immensem Livepotential sich herauskristallisierende „Dawn Rider“ und „On Your Own“ erfreut die Herzen sämtlicher Headbanger. Das auch nicht ganz brandneue Schuhe immer noch perfekt passen, zeigen „Heavy Metal Heat“, „Screams in the Night“, „Ritual“, „The Chalice“ und die Bandhymne „Night Demon“ ,die für kollektives Massenheadbangig sorgen. Einen wundervollen Kontrast dazu bildet der mystische Titeltrack des aktuellen Silberlings „Darkness Remains“, mit dem der offizielle Teil ausklingt, ehe eine passend zur aktuellen IRON MAIDEN-Manie innerhalb des US-Trios passende Coverversion des eiserne Jungfrauen-Klassikers „Wasted Years“, restlos alles, was Arme und Beine hat, zum Ausflippen bringt! Die Publikumsmasse gerät völlig außer Rand und Band!

Eine Anmerkung zum Gig sei mir als beinhart überzeugter IRON MAIDEN-Fan zum „Waysted Years“-Cover nachträglich gestattet: Das Gitarrensolo hätte trotz seiner Explosivität (das Original bleibt ohnehin unerreicht) gerne ruhig um einiges länger sein dürfen. Abgesehen davon: NIGHT DEMON haben im Prinzip alles richtig gemacht, sie haben eine permanent mitgehende Fanmasse heftig ins Schwitzen gebracht und ihre Qualitäten als exzellente Live-Institution einmal mehr unter Beweis gestellt. Dieser effektive Rundschlag zählte zu den Highlights des K.I.T. 2017, zumal er genau all das beinhaltete, wofür Heavy Metal steht!

(MT)

Am Rande notiert:

Das freundliche Bedienungsteam am Essens- sowie den Getränkeständen hat wirklich alle Hände voll zu tun und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zwischenzeitlich geht das Essen aus, Würstchen und Schnitzelbrötchen fehlen. Zeitweise werden sogar bestimmte Getränke knapp, aber für Nachschub wird schnell gesorgt. Die zwischen 2,50 und 1,50 Euro liegenden Getränkepreise sind positiv erwähnenswert, wie auch das leckere Essen einschließlich dafür veranschlagter Preise, dahingehend hat alles gestimmt.

(MT)

ATLANTEAN KODEX

Nach dem energischen NIGHT DEMON - Gig wird es nun epischer und atmosphärischer. ATLANTEAN KODEX sind immer wieder ein tolles Live-Erlebnis, das ich am liebsten aus der ersten Reihe geniesse. Ob als Headliner wie zuletzt auf der Killer-Metal-Night in Erlangen, als auch mit kürzerem Slot – die Band zieht mich immer wieder in ihren Bann. Zuletzt 2014 einen klasse Auftritt an gleicher Stelle abliefernd wurden sie nach drei Jahren zum Jubiläums-KIT wieder eingeladen. Auf das Mühlhiasl-Intro „Auch diese Welt“ folgt gleich mit dem wuchtigen „Enthroned In Clouds and Fire“ ein fulminanter Einstieg. Darauf wird die Bandhymne „The Atlantean Kodex“ angespielt und es folgt „Pilgrim“ vom The Golden Bough-Album. Die Band ist bestens eingespielt und auch Sänger Markus Becker ist in Topform. Leider lässt die relativ knappe Spielzeit keine Überraschungen zu, dafür hauen ATLANTEAN KODEX ein Best-Of Programm heraus. Bei „Sol Invictus“, „Heresiarch“ und vor allem „Twelve Stars and an Azure Gown“ singt dann die komplette vordere Hälfte der Halle mit und gerät in Exstase. Mit der zweiten Hälfte der Bandhymne beenden ATLANTEAN KODEX einen erneut fulminanten Auftritt.

(MH)

LEATHER

Bei gleich vier nacheinander folgender CHASTAIN-Songs angefangen vom US-Metalkracher „Ruler of the Wasteland“, über „Black Knight“, „Paradise“ bis „Chains of Love“ wird bei den Amis erkennbar, dass es sich durchaus lohnt, die Gitarren während eines Sets besser auch mal ein kleines Stück leiser zu drehen, um die Wirkung des Gesangs zu verstärken. Die kratzige öfters in Richtung HELLION tendierende Stimme des kleinen quirligen Wirbelwindes kommt erst eimal nicht so zur Geltung kommt, wie sie soll, womit diese vier Edelperlen aus dem CHASTAIN-Fundus gnadenlos im übersteuerten Soundbrei untergehen. Nachdem der Soundmann den Gesang lauter und die Gitarren leiser gestellt hat, blüht auch die Bandnamensgeberin LEATHER so richtig auf. Das kleine schwarzhaarige Energiebündel agiert extrem quirlig auf der Bühne, sie beeindruckt mit einem ganzes Repertoire ausdrucksvoll energischer Gesten, hochgradig faszinierendes stimmlichem Charisma, sowie einer Beweglichkeit, die eine Reihe ihrer Genrekolleginnen im gesetzteren Alter blass aussehen lässt. Das Klangbild wirkt nun harmonischer, womit sich der anfangs gespaltene Eindruck allmählich relativiert. Die Band kommt zunehmend in Fahrt, der Gig umso stärker ins Rollen und wird ab der zweiten Hälfte noch zum fesselnden Liveerlebnis, weil das größte Potential der begabten Sängerin, ihre Stimme sich passend zu ihrer Mimik und Gestik richtig entfaltet. „Schockwaves“ tritt mächtig aufs Gaspedal, dem „All Your Neon“ eine weitere Eigenkomposition folgt, ehe mit „For Those Who Dare“ und „Voice of the Cult“ das nächste CHASTAIN-Klassikerdoppel ausgepackt wird. Kracher, die im Reigen nicht fehlen dürfen. Bei „Angel of Mercy“ singt sogar die halbe Tauberfrankenhalle den Refrain mit, während ein weiterer umjubelter CHASTAIN-Kracher „The 7th of Never“ den gelungenen Schlusspunkt unter eine zunächst durchwachsene, sich bis zum Ende kontinuierlich steigernde Performance setzt. Eine Vorstellung, die als Erfolg für LEATHER LEONE und ihre beherzte Crew zu werten ist.

(MT)

ASHBURY

Bereits vor zwei Jahren begeisterten die Hippie-Hardrocker ASHBURY das Königshofener Publikum, nun sind sie erneut am Start. Seit die Band das erste Mal im November 2013 in der Posthalle auf europäischem Boden auftrat, hat sie erheblich an Popularität gewonnen. Erneut hat sich vor der Bühne eine große Menge Leute eingefunden, um die epischen Hymnen von ASHBURY abzufeiern. „The Warning“ und „Take Your Love Away“ eröffnen eine Stunde voller mitreisendem, als auch gefühlvollen Classic Rocks. Der Klassiker Endless Skies wird komplett gespielt - „ Hard Fight“, „Mystery Man“, „Endless Skies“ – alle Songs werden begeistert aufgenommen. Der einstige Epic-Hardrock Geheimtipp wird von der Metal-Underground Gemeinde abgefeiert ohne Unterlass. Bei „Madman“ und dem neuen Stück „Good Guitar“ kommt rechts vor der Bühne sogar Partystimmung auf (u.a. Airstrike-Alarm), die bis zum abschließenden „Vengance“ anhält. Auch der neue Song „Faceless Waters“ kommt gut bei der feiernden Meute an und schürt die Vorfreude auf das hoffentlich bald erscheinende neue Album. Es bleibt zu hoffen, das ASHBURY bald auch außerhalb des Metal Underground die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Ich könnte mir die Arizona-Rocker auch gut auf dem Burg Herzberg Festival und weiteren Classic Rock Festivals vorstellen.

(MH)

FIFTH ANGEL

Wie lange habe nicht nur ich auf diesen Auftritt gewartet. Eigentlich sollte man damit rechnen, das es erst ganz zum Schluss richtig voll in der Halle wird, doch weit gefehlt:

FIFTH ANGEL strafen sämtliche im Vorfeld gehegten Erwartungshaltungen bezüglich ihres Co- Headlinerstatus Lügen. Das die Band gut sein würde, haben sicher viele KIT-Gänger/innen wohl geahnt, doch das die gebotene Vorstellung bei zum Bersten mit Leuten gefüllter Halle so phantastisch ausfallen würde, hatten wohl die aller wenigsten auf der Rechnung. Kraftvolle Härte bei traumhaften Melodien - zwei Begriffe, die mit keiner anderen US-Edelstahlband so eng verknüpft sind, wie mit FIFTH ANGEL! Auf ähnlich hohem Level befinden sich vielleicht nur noch LEATHERWOLF, die zwei Jahre zuvor mit einer ebenfalls richtig saustarken Darbietung Bühne und Halle zum Beben brachten. Genug davon, zurück zu FIFTH ANGEL: Die bis in sämtliche Haarspitzen motivierte US-Truppe geht bei tollem Licht und transparent druckvoll fettem Sound vom Start weg dynamisch drauflos in die Vollen, egal ob hochmelodisches Hard ‘n` Heavy-Futter vom Typ „The Night“, „In The Fallout“, knackige Stampfer der Marke „Shout it Out“, „Fifth Angel“ „Call Out The Warning“ und satt riffende Midtempo-attacken, wie das unverzichtbare „Midnight Love“, „Only The Strong Survive“ oder superbe Stadionhard-Rocker zum Mitsingen Marke „Time Will Tell“ - FIFTH ANGEL fahren ausnahmslos ihre umfangreiche Gesamtpalette zwischen hart, langsam, gediegen, mittel und schnell. Wofür andere Bands etwa ein Dutzend Alben benötigen, genügen FIFTH ANGEL derer lediglich zwei. Das Publikum geht frenetisch mit und frisst der Band regelrecht aus der Hand. Es werden zahlreich Fäuste reckt, Hörnergabeln skandiert und so laut mitgesungen wie bei keiner anderen Band an diesem Samstag.

Der Band um Urgestein Ed Archer gelingt ein Hammerauftritt, der den Status dieses begnadeten Fünfers umso deutlicher unterstreicht. Sänger Peter Orullian ist schon lange in die Fußstapfen seines Vorgängers Ted Pilot hineingewachsen und präsentiert sich als äußerst vitaler Frontmann der Extraklasse. Er versteht es, sein Publikum zu pushen. Ed Archer bildet zusammen mit seinem prächtig harmonierenden Gegenpart Kendall Bechtel ein flexibles Gitarrenduo, das absolute Weltklassearbeit auf der Bühne liefert. Für mächtigen Punch sorgt der für Topdrummer Ken Mary eingesprungene und sich als jederzeit würdiger Ersatz heraus stellende Jeffrey McCormack, der seine Becken und Felle so heftig vertrimmt, als wäre 1989 erst gestern gewesen. Zusammen mit Bassist John Macko bildet er eine unschlagbare Rhythmussektion, die auf dem klassischen Melodic-Metal-Sektor unerreicht bleibt. Statt ausufernder Ansagen konzentrieren sich FIFTH ANGEL direkt auf die Musik. Die gesamte Band überzeugt durch eine so arschtight eingespielte Darbietung, als wäre sie mitten auf einer Tour!

FIFTH ANGEL räumen auf ganzer Linie ab, obwohl der Headliner schließlich erst noch kommt. Die Ballade „Wings of Destiny“ sorgt für Gänsehaut. Das von lautstarken Ohoho-Singalongs der jedes Wort auswendig kennenden Fanschar begleitete Stück lässt literweise Schauer über den Rücken laufen und löst einen gigantischen Wirbelsturm ergreifender Gefühle aus, die ohne jedes weitere Wort zum Kuscheln verleiten. Perfekt effektiv raumgreifendes Soundvolumen im Stadionrockformat, ehe FIFTH ANGEL mit „Wait for Me“ „Cry Out The Fools“, „Only The Strong Survive“ und „We Rule“ vier knackige, kernig rockende Hymnen-Edeltrüffel folgen lassen. Zum Schluss setzt der UFO-Klassiker „Lights Out“ das I-Tüpfelchen auf eine in sämtlichen Belangen unübertreffliche Hammervorstellung, die eine immenses Spektrum hoch melodischen Hardrocks und Heavy Metals abdeckte wie man sie in solcher Form selten zu hören bekommt.

Nach dieser herausragenden Session hat der US-Fünfer den ihm zuerkannten Status eindrucksvoll bestätigt. FIFTH ANGEL haben die gesamte Halle sicher im Griff gehabt! Ein Auftritt, der mich zurück in die seeligen 80er versetzent und zahlreich Erinnerungen an eine Zeit weckte, in der ich zunehmend meine Liebe für klassischen US-Metal entdeckte. Auch damals spürte ich, diese Band ist etwas ganz besonderes. Sie wird zwar niemals auch nur irgendein großes Stadion füllen, doch dafür sind ihre Songs feiner zeitlos geschmiedeter US-Edelstahl auf erlesen kultiviert hohem Niveau – edel und geschmackvoll wie ein guter Wein, der im Laufe vieler Jahre zunehmend reifend an Geschmacksaroma gewinnt.

Die Fans erlebten eine bärenstarke FIFTH ANGEL-Performance auf dem KEEP IT TRUE mit folgender Hochkaräter-Setlist, die Serien nostalgischer 80er-Jahre Erinnerungen weckte:

The Night
In The Fallout
Shout it Out
Cathedral
Seven Hours
Call Out The Warning
Fifth Angel
Midnight Love
Time Will Tell
Wings of Destiny
Wait for Me
Cry Out the Fools
Only The Strong Survive
We Rule
Lights Out (UFO-Cover)

(MT)

CIRITH UNGOL

Meine alten US-Metal-Lieblinge FIFTH ANGEL überzeugten restlos auf ganzer Linie. Nun wartet alles gespannt auf den unumstrittenen Gesamtfestivalheadliner, der sich vor brechend voller Halle antretend nach der gewichtigen Vorgabe gewaltig strecken muss, um nicht unterzugehen. Kurz bevor CIRITH UNGOL auf die Bühne kommen, raunt mir Jens augenzwinkernd freundlich zu: „Heute wird Geschichte Geschrieben“ und spricht damit auch meine Gedanken offen direkt aus. Recht hat er! Anfangs noch auftretende Probleme mit der Lichtanlage sind recht schnell behoben. CIRITH UNGOL finden nun beste Licht- und Soundverhältnisse vor – hier hat der Soundmann diesmal Toparbeit geleistet! Kein Vergleich zum letztjährigen FATES WARNING 'Awaken the Guardian'-Special-Erinnerungsset, der teils unter ziemlich extremen Soundschwankungen litt.

Wie sich sofort zu Beginn zeigt, haben die Jungs auf Ventura einen Traumtag erwischt! Original Bassist Greg Lindstrom wollte bei der Original-Reunion des Kauz-Urgesteins nicht mitwirken, dafür nimmt NIGHT DEMON-Bassist Jarvis Leatherby seine Position ein, der ihn in allen Belangen glänzend vertritt.

Wie lange hat die überzeugte US-Epic-/Kauz-Metal-Fangemeinde auf ein solch gebündeltes Gesamtprogramm zeitloser US-Metal-Göttergaben und Kauz-Epen wie „I'm Alive“, „Join The Legion“, „Atom Smasher“, „Edge of a Knife“, „Blood and Iron“, „Black Machine“, „Frost and Fire“, „Finger of Scorn“, „Chaos Descents“ „Doomed Planet“, „Chaos Rising“, „Falling Idols“ und „Paradise Lost“ warten müssen? Kein Wunder, dass der zahlreich vertretenen, treu ergebenen CIRITH UNGOL-Anhängerschaft (auch uns) fast während des gesamten Gigs Sturzwasserbäche Schauer über den Rücken laufen! CIRITH UNGOL haben die Aufmerksamkeit der gesamten Location auf ihrer Seite. Großes Monumentalkino! Niemand will auch nur einen Moment dieses in jeder Hinsicht denkwürdigen Ereignisses verpassen. Es liegt so viel knisternde Spannung in der Luft, dass es einen förmlich zerreißt.

Stimmbandästhet Tim Baker beherrscht seine Tonkunst sowohl in harschen, als auch in sanften Passagen traumwandlerisch sicher. Er tänzelt leichtfüßig vom Rausch der eigenen Darbietung gepackt sich mit ausgebreiteten Armen über die Bühne, so als wolle er fliegen. Gerade bei zeitlosem Hymnenstoff vom Kaliber „Frost and Fire“, „Chaos Descents“, „Finger of Scorn“ oder einem lautstark von tonnenschweren Chorgesängen in der Halle zu vernehmendem Chorgesang begleiteten „Chaos Rising“ wird ganz besonders deutlich: Der sympathische CIRITH UNGOL-Frontmann genießt jeden Augenblick seiner Bühnendarbietung, während die Gitarrenfront vom punktgenau präzise sein Drum-Kit versohlenden Stöcke-Schwinger Robert Garven angetrieben wird. Durch den unermüdlich auf der Bühne ackernden Jarvis Leatherby am Bass wird ein enorm wuchtiges Drucklevel entfacht! Ausnahmegitarrist Jim Barraza spielt sein enormes Können an der Sechssaitigen über die Maßen gekonnt aus, das man schlichtweg staunen oder sich kräftig ins Delirium headbangen kann.

Wenn die letzten drei der Zugaben dann noch „Master of the Pit“, „King of The Dead“ und „Cirith Ungol“ heißen und so derart intensiv dargeboten werden, ist es kein Wunder, dass es einen trotz schwindender Kräfte auf ganzer Linie mitreißt!

CIRITH UNGOL waren nicht besser als FIFTH ANGEL, doch sie lagen auf direkter Augenhöhe. Die Epic Kauz-Metal-Legende CIRITH UNGOL erwies sich ihrer Sonderstellung im Genre als in jeder Hinsicht absolut würdig. Ein unvergessliches Live-Erlebnis, das für mich ein ultimatives Jahres-Highlight 2017 in Sachen Liveperformance darstellt. Herausragend, megagigantisch über allem schwebend! Dieser legendäre Auftritt hat ein gewichtiges Kapitel Heavy Metal-Geschichte geschrieben, einen lange Zeit ruhenden Phönix geweckt, der sich umso mächtiger aus den Resten seiner Asche erhob.

Fazit: CIRITH UNGOL haben das KEEP IT TRUE auf eine bisher nie dagewesene Ebene gehievt!

Hell Yeah, - Join The Legion!

Für alle, die noch immer von CIRITH UNGOL träumen, die Setlist zum Jahrhundertgig:

I'm Alive
Join The Legion
Atom Smasher
Edge of a Knife
Blood & Iron
Black Machine
Frost and Fire
Finger of Scorn
Chaos Descends
Doomed Planet
Chaos Rising
Fallen Idols
Paradise Lost

Zugabe:

Master of the Pit
King of the Dead
Cirith Ungol

(MT)

Schluss-Resümee:

Eines der besten, vielleicht sogar das stärkste jemals durchgeführte KEEP IT TRUE-Festival fand in CIRITH UNGOL, wo die gesamte Halle einem Jahrhundertkonzertereignis in Sachen Heavy Metal beiwohnte, seinen würdigen Abschluss. Wir hatten ein bombiges KIT. Von den Vorfällen auf dem Campingplatz haben wir erst im Nachhinein erfahren. Ein solch superbes reich an Höhepunkten gesätes Line-Up, wird in dieser Konstellation sicherlich nicht mehr zu sehen sein. Der K.I.T.-Freitag war schon klasse, wurde aber nochmal übertroffen durch den Supersamstag, der in grandioser Weise Festival-Geschichte (im musikalischen Sinne) schrieb. DEVIL IN DISGUISE entpuppten sich als faustdicke Festivalüberraschung und echte Bereicherung.

ATROPHY haben eine ordentliche Bühnenpräsenz gezeigt verblassten jedoch gegen ihre mächtig abräumenden Genrekollegen DEMOLITION HAMMER gewaltig. ASHBURY feierten als bunter Farbtupfer im Band-Aufgebot eine ausgelassen schräge Hippy-Rock-Sause. Die Mannschaft um die Davis Brüder transportierte zum zweiten Mal nach 2015 den Geist der End60er/Früh70er-Ära in die Gegenwart hinein und zelebrierten eine unglaublich emotionsgeladene Livesession, die das Publikum 60 Minuten lang alles um sich herum vergessen ließ. ATLANTEAN KODEX, OMEN, Q5, MANILLA ROAD, MAJESTY (mit starkem Sondergig inklusive Olis Bühnenauftritt) und NIGHT DEMON erfüllten dank starker Auftritte sämtliche in sie gesetzten Erwartungen. LEATHER blieb knapp dahinter, MEDIEVAL STEEL boten einen insgesamt guten Gig, der trotz engagierter Bühnenperformance den Festivalabräumern doch ein wenig hinterherhinkte. Mit FIFTH ANGEL wurde ein Act gewonnen, der die Stimmung vor dem großen Traumheadlinergig am Samstag überhaupt nicht besser hätte anheizen können! Das krönende Highlight auf ein erstklassiges Traum-Line-Up setzten schließlich ihrem Status gemäß CIRITH UNGOL. Wie lässt sich der phantastische, sämtliche Superlativen sprengende CIRITH UNGOL-Jahrhundertauftritt in der Tauberfrankenhalle anders beschreiben? Das KEEP IT TRUE hat durch brilliante, überhaupt nicht mehr zu toppende Highlight bei optimalem Licht und Sound ein weiteres Mal, dafür umso nachhaltiger Geschichte geschrieben, wovon sich später Generationen von KEEP IT TRUE-Gängern am Lagerfeuer erzählen werden. Es gab nur einen kleinen Schwachpunkt namens TRAITORS GATE. Auf kleiner Bühne in dezenter Location mögen sie Akzente setzen, die K.I.T.-Bühne in der Tauberfrankenhalle war hingegen für die sympathischen Waliser mindestens eine Nummer zu groß.

Ein großes Danke muss Oliver Weinsheimer, Tarek Maghary und der gesamten KEEP IT TRUE-Crew für ein feines Festival ausgesprochen werden, das neben toller Konzertatmosphäre wieder viel erstklassige Musik bot. Wir sehen uns wieder im nächsten Jahr, und verbleiben in dem Sinne mit folgender Botschaft:

„If You're looking at the Billboard-Charts, position one to ten. They Change every fucking day, short is every trend.“

Now, it's time to raise your hands and tell them what we like:

H E A V Y    M E T A L – l o u d   a n d   w i l d !

(MT)

Geschrieben von Michael Toscher (MT) und Melissa Hart (MH).

Fotos: Michael Toscher ... und ein dickes Danke an Klaus Ohlig, der mit einer gelungenen Auswahl packender Fotos zwecks Unterstützung diesen Bericht zusätzlich bereicherte.